Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1057 (8.1.1922)
- Date
- 1922-01-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1057 Wien, Sonntag .WIENER MÖRÖENZEffÜNÖ 6. Jänner 1927 Seite 5 Großen, alles Übrige in ihren Strom mitreißenden Not. Daß die Fünzehnjährigen von heute nicht jenen Respekt vor dem Hundertkronenschein haben, den die Vorkriegsjugend bekundet, ist zu selbstverständlich, um besonders betont zu werden. Aber daß sie, trotzdem das Verhältnis zwischen Einkommen und Preisen sich bekanntlich im Mittelstand sehr bedeutend verschoben hat, mit ihren Ansprüchen in keinem Falle heruntergehen wollen, Kleider, Vergnügen, Bildungsmöglichkeiten genau so fordern, als lebten wir im besten Wohlstand, das ist nicht Schuld der Kinder, sondern der Eitern. Wann immer die Mittelstandsjugend dem ' Eiend gegenübersteht, merkt man die tiefe innere Fassungslosigkeit. Zur sozialen Not haben die jungen Menschen, um es mit einem modernen Worte zu sagen, „kein Verhältnis“. Es muß nicht Herzenskälte, nicht Gefühlsarmut sein, wenn diese Jugend das bittere Elend gewissermaßen als Schauspiel behandelt und ästhetisch wertet Ein Motiv ist abgebraucht, das andere zu grell. Und schließlich flüchten sich auch die Jungen in die Verlegenheitsauskunft : Diese Leute sind es nicht anders gewöhnt.'Die Altersmaßnahme gibt wieder einmal' Gelegenheit, diese Erscheinung zu beobachten. Da sieht man viel verlegenes Staunen, viel Befangenheit vor einer neuen Welt Und wer es noch nicht weiß, erfährt mit Verwunderung, daß die Wiener* Mittelstandsjugend den lammer unserer Zeit nur vom Hörensagen kennt ■, * Das Neueste ist . .. Dws Neueste ist nimlfch dnc /ünfzigtapsendkrpnenin'Cte,. .Sie .ist bestimmt, der drohenden Klein gcld.iot abz-uhelfen und wird die Arbeit der BUnkn-otenpresse immerhin für einige Tage vereinfachen, detrvn man wird in der angenehmen Lage sein, dein Geldbedürfnis bei Ew^h-isbang von acht Nachtschichten in der Woche aadiikommen zu könin-en. Um das Werk zu können, hat man aoöh noch Bank-Kassenschein« auf zehntausend Kronen abgegeben. Sie unterscheiden. sich von den übrigen . Wertzetätelm vorteilhaft dadurch, daß ihr Erscheinen, endlich wieder die Banknoten falscher zur Ausübung ihrer segensreichen Tätigkeit anspornen dürfte. Denn, wenn die Nachahmung von lo.oooumd 50.000-Kron-en-Scheinem du reih -,die .damit verbundenen Schwierigkeilten wirklich nicht mehr als einträgliche Beschäftigung amgeisehem werden darf, so ist durch die dankenswerte Vereinfachung der Geburung jetzt dem Erwerbssinn dank'der segensreichen Fürsorge einer hochumd wohl weisen Regierung wieder ein neues Feld erschlossen. Jeder regmame Unternehmer, der sich im Besitz einer Handdrucklprestse befindet — Spielzeug- Druckereien können nur' dann ^verwendet werden,' wenn genügend große Lettern vorhanden sind — kann seinen Bedarf an Kleingeld selbst decken, womk einem schwer empfundenen Mangel im großstädtischen Lebern Wiens abgehoben ist. Auch müßte, es füglich unseren Ehrgeiz kränken, daß niemand sich die Mühe nehmen wollte, unser Papiergeld nachzumachen. 'Steht nun also zu hoffen, daß dieser UebeOstand beseitigt ist, so muß mam nderdings den Fälschern dfmem gewissen JdeaiVi-smus zubilligen. Denn anganontmen Averden die Scheine vorderhand natürlich nirgends. Die Postämter schütteln hohulächerd die Köpfe, die Steuerämter grinsen bis zu ihrem rerbprrensten •Schalter und die' G'e&chaftjsinhaber^rufeh ihren Hausknecht. In langen Reihen .itehen düe Unglücklichen-, 'dde im ersten EntähU'sitp.nnitis die Sdirime angenommen, vor den-Toren der Bank, um sie wi-eder eünw zuwechseln. Es wäre sehr »zu wiinischcn, daß di'eäen Ansammlungen -ein Emde bereitet wird. Sonst riechen d'e Fälscher Lunte, und .alle verlockenden Ein'«düngen bleiben wirkungslos. Kater Murr., , * Eine vernünftige Verordnung. Aus Salzburg wird gemeldet: In Verfolg eines Landtagsbeschlusses, betreffend Einschränkung der Tanzunterhaltungen und Lustbarkeiten sowie Hintanhaltung des Vergeudens von Lebensrnitteln, hat die Landesregierung die Behörden unter anderem beauftragt, derartige Lustbarkeiten überhaupt zu untersagen, wenn sie zu Erwerbszwecken geplant sind. * Die Kosten des Pariser Rattenkriegs, Am Jo. September 1920 ist von der Pariser Gemeinde der Krieg gegen d'e Ratten eröffnet worden. Wie sich au'S einem dem Pariser Gern eVident erstattetem Bericht ergibt,'hat dieser Kampf nicht viel Erfolg gehabt. Vom 10. September 1920 biiv zum 30. ..November 1921 sind .625.285 Rattein getötet worden. Die Kosten des Rattenikriej?- belaufen sich auf 200.000 Frames. Sowohl die Zahl d~'r getötetem Rattern als auch die für diesen Krumpf auf» gewendete Summe machen großem Eindruck, der sinph aber gleich verflüchtigt, wenn man erfährt, daß dis Rattenplage jetzt in Paris größer ißt als vor dem September .1920. * Sitzungen fm Rathause. Der Stadtsenat hält äm Dienstag vormittags eine Sitzung ab, Der Gemeindest tritt Donnerstag und Freitag um 4 Uhr nachmittags zu Gesqhäftssitzungen zusammeu. * Von der Universität. Die Vorlesungen der medizinischen Fakultät beginnen ebenso - wie die Vorlesungen im Universitätshauptgebäude erst Montag den 16. d. M * Große Spende. Frau P ad a w e r erlegte bei u<n® - too.ooo Kron-en für wohltätige Instirutä'ion-en anläßlich der Hochzeit des Fräuleins Padawer mit Herrn S. Merhielstein. * Begräbnisse am heutigen Tage. Alter F r i e d" h 0 f: 9 Uhr Engel Siegmund, 9 Uhr 30 Min. B r a U n Cäcilie, 10 Uhr K 0 v a c s Samuel, 10 Uhr 30 Mm. Klein Fanny. — Neuer Friedhof: 9 Uhr Roth Albert, 9 Uhr 30 Min. Zeller Abraham, 10 Uhr Dickstein Abraham, 11 Uhr R i b a r Marie. * Vortrag Otto Nordenskjölds. Der bekannte schwedische Südamerika-Forscher wird Donnerstag den 12. d. M«» um 6 Uhr abends in dem deutsch-schwedischen Verein „Svea“ eipen Lichtbildervortrag in schwedischer Sprache Über seine Reisen .in Südamerika halten. Der Eintritt ist frei und allgemein zugänglich. Ort: Universität, Pflanzenphysiologisches Institut, 2. Stock, Stiege JV. * Wetterbericht. Gestern, morgens war es im Westen Oesterreichs noch trüb bei schwachem Schneefall. Nachmittags hat es zu schneien «tufgehört,. stellenweise klärte es auch auf. Im Osten war es vorwiegend heiter. P|e Morgentemperatur sank stellenweise bis unter —10", in Wien bis —8\ Auch tagsüber hielt der Frost überall an. Voraussage: Wenig'Ae.aderung, Frost noch einige Tage andauernd. * Briefe insUurgeiriätid. Die Postdirektion teilt tritt Zur Vermeidung von Fehlleitungen und Verspätungen der für das Burgenland .bestimmten Korrespondenzen und Zeitungen ist die Anbringung des Bestimmungslandes „Burgenland“ an einer auffälligen Stelle unterhalb der Ortsbezeichnung dringend geboten. * Eine Misrachi-Vefsanunlung in Preßbvrg. Aus P r e ß b u r g, 4. d. M., wird uns geschrieben: Der hiesige Misr’chi entwickelt eine lebhafte Agitationstätigkeit. Srine .Aufklärungsarbeit hat ihm schon viele Freunde zugeführt. Dies zeigte sich gestern bei dem Vortragsabend im großen Komitatssaal. ,Es sprachen die Herren Chacham F r i 0 dmann aus ferusalem und Oberrabbiner Dr. Heinrich B r 0 d y aus Prag. Der große Saal war von Damen und Herren dicht besetzt, die durch ihren starken Beifall ihre Zustimmung zu den Ausführungen der Redner-ausdrückten* * Das „Neue Budapester Abendblatt“ eiftgegangfen. Wie uns aus Budapest berichtet wird, hat das „Neue Budapester Abendblatt“ mit Rücksicht auf die hohen Herstellungskosten sein Erscheinen eingestellt * Eine kanadische Paßstelle in Warschau. Die über 3.1115 strengen Ein w am der ttngsv or sohri f ten im Kanada haben eine große Amznhl jüdischer A u s/w ander erfamilien völlig mindert umd über sie unsägliches Unglück gebracht. In Ucdcenmitmis dieser Vorschriften hmben jüdische Erai graniten in Polen umd Rußland ihre ganze Habe verschleudert und dii-e Ausvv'an- ’dc’rurgstetee nach Kaincda an,getreten».. Erst. in dem kanadischen Hafen mußten sie erfahren, daß ihnen J^e La/ndtumg verweigert wird.' Da sich die kanadischen Fmwanderungsbeih örd'en uimerbittl'i'öh erwjesen, mußten diese Menschen die Rückreise 'ant&retäen und bevölkern flie verschiedenen europäischen .A'UiS'vvaindiepuinig'sbureaius. Wie utns niwn aus W ar s'ch a u berichtet wird, hat die kanadische; Regierung, 11m diesen Szenen ein End6 zu bereiten, eine eigene Paß- und Iinifcrmätiönsste'd6 in Warkhah errichtet, deren Aufgabe es ist, Auis\Vanderem, die die Absich halben, nach Kanada zu gdhen, schon bea Vorweisung des .Passes genauen Aufschluß darüber zu geben, ob ihnen die Einreise,gestattet V^urd, Dadurch kann manchem Unlheill vorgebeugt werden, * Verhaftung eines Budapester Bankrotteurs. Der Kaufmann Samuel Brill aus Budapest erstattete im Sicherheitsbureau die Anzeige, daß der 31 jährige Spirituosenhändler tjdza Szekdly aus Budapest im Oktober v, J. der Firma Bloch ung. K 125.003 als AngabS für eine versprochene Spirituslieferung entlockt habe, Szekely habe nicht geliefert und schließlich die Flucht: nach Wien ergriffen. Szekeiy wurde im Hotel Stephanie verhaftet. Er gab den Tatbestand zu und gestand,,daß ef das ganze Geld im Hasardspiel verloren habe. Bei seiner Anhaltung verfügte er lediglich über österr. K 290. * Der Laienbruder als Pikkolo. Der 16jährige Ketinerlehrling Gustav Lambert ist gestern aus seinem Dienstplatz im Caf6 Elisabethbrücke durchgegangen, nachdem er dem Markör Theo/or Schneider einen Betrag von K 83.033 gestohlen hatte. Der Bursche war früher Laienbruder bei den Kapuzinern. * Die Spionin des Kasseneinbrechers. Gestern wurdte dfie Lpjäh'rige Bedienerin Jo-hainina Feh ring er,, die zuf-etzt seit denn 22. Juni v. J. bei der Sohwesteir ihres Liebhabers, XVI., Liobhörtsgaisse.n, unia,nigem'eld>et gewohnt hat, dem Landcisgerioht emigeiiefert Sie hat sich im Besitz von Auswetepapieren auf dien Nameni > Magdalena Bayer«, Haatisgehflftin, 29 Jaibre alt, be- ” fup'dön.. Mit diesen Dokumenten und uin-ter dem Nannm trat sie Dienstpoisten an und. verschwand nach. Vor.-. Übung vom DiebstähCen. Die Dokumente will sie vom) dem Mann -der Bayer, dam derzeit in Haft bofantdlHohort K a S s e n e i n b r e c he -r Josef Kufm-apln, ziu ■ dem Zwecke erhalten haben, für i-hiA die Gelegenheiten, zu, Einbrüchen aaszuspionieren. * Die Juden im polnischen Oberscjilesien, In denf du-rch Beschluß des Obersten Rates Polenzugefallen ein Teil OberseMesiens" befinden sich unigefälitr. 10.000 jüdische Seelen, die nur in Städten w.oihin,ein-, Kattowitz und Konigshüt-te zählten im, Jahre 1913 3500, bezieih.uinigsvvehse 1000 Juden, i-n den übrigen. Städten., wie M y s 1 0 w i t z, R y b -n i k, Pie ß und anderen, leben weniger als tooo Juden. Die Jaden sind hier zumeist in. der Großindustrie tätig umd gehören zu den Begründern der größten Hüttenwerke. * Wilhelm Ostwalds neue Forschungen. GehedinraA. Dr. Wilhelm Ost vv a 1 d, der Schöpfer der neuen Farbenlehre, hat sieh im. letzten Jahre im Zusammenhang mit dieser Wissenschaft sehr eingehend mit der Unitier* suchumg der Gesetzlichkeit der F o r m ein bey - schäftigt. Er mußte dies tum. da ja die Farbe stetäs eifpier Form als Trägerin bedarf. Der ständige Einwuirf gegen! seine Lehre vom der gesetztiohen Anwendung gefarmter) Farben war, daß sie den Eiinif&uß der Form auf die ’haiv manische Erscheinung der Farbe,ganz un-berüdesicibtigt: ließe. Diese Lücke wird num ausgefüllfc werden köninera. Geheim rat Ostwald wiird de-mmächist über -seine Far- 5cihuimgen als Gegenstück zu sein,er 2* Harmonie dar Farben< eine >Harmonie der Formen« erscheine^ lassen. * Das Martyrium muselmanischer Juden in Persien« Eine Gruppe von etwa 10.000 Juden in der persischen Stadt M e s h a d, die vor 80 Jahren nach einer Reihe von Judenmassakers den Scheinübergang zum Islam erklärten, um sich vor gänzlicher Abschlachtung durch die fanatischen Perser zu retten, versuchte seither wiederholt die öffentliche Rückkehr zum Judentum zu vollziehen. Diese Versuche scheiterten jedoch jedesmal an der Gewalt der, fanatischen Eingebornen, die ihnen für' diesen Fall mtö vollkommener Vernichtung drohten. Vor einiger Zeit ent* sendeten diese Unglücklichen einen Delegierten zur z i onisti sehen Exekutive in London,, der di$ Hilfe der zionistischen Weltorganisation anrief, daß die Gemeinde zum Judentum zurückkehren und «wegen der Unmöglichkeit ihres weiteren Verbleibens in Persien nach Palästina auswandern könne. Die Ernennung des Rabbi Kornfeld zum amerikanlschen ßob schaf ter in Persien bedeutet diesen Marannen einen neuen Hoffnungsstrahl. Neu in Wien! Speisen am Rost und am Spieß fW Gourmands aus dem Orient zu jeder Tageszeit im Grand- Restaurant Bukarest, Wien, 1., Salvatorgasse 10. •Nach der Inventur verkauft öerngroß diese Woche Damenhemden aus Chiffon, gestickt, K 2500, aus Bitist, reich gestickt, K 5500. Garnituren (Hemd, Hoße, Nachthemd) aus Batist mit Spitzen, per Garnitur K 12.000. * Sie kaufen preiswert Bekleidungsgegenstände jeder Art für Damen und Herren, ferner Wollstoffe und Velours sowie Weißwaren, Barchente, Bettzeug, Federritten usw, bei der Mariahilfer Textil- und Bekleidungs-Gesellschaft m; b. H., Wien, VI., Mariähilferstraße 105, im Hofe. 1 ■ Hand halten, wenn es ging. Ein Teil der ‘Fraiueii weinte leise, die Männer beteten; and bleich uml entsetzt beteten a-acb die Kinder über zehn Jahren. Auf dem Marktplatz wairen zehn gr-rße' Pfähle In die Erde geschlagen. Hinter den Pfählen lagen in großen Haufen trockene Reisigbündel. An den Pfählen waren eiserne Ringe befestigt. Vor den Reisigbündeln stand der Henker von .Schemn'-stz' und hielt eine brennende Fackel'in der Hand. Die Menge flutete um die Pfähle und die Hu-sarcn mußten erst die Leute zurück drängen, um den Juden und den Mitgliedern des Gerichts Raum zu ‘schaffen. Der Zug machte vor den Pfählen Halit. Ucker die kleine Truppe der Juden lief da ein wehklagendes Schluchzen; eifrige von den Männern begannen laut zu beten. Da gab. der Stadtischuize den Befehl zur Voll Streckung des U-rteil«. Die städtischen Trabanten banden die Juden zui drei und drei an dis Pfähle Esther klammerte sich zitternd an David. Als man sie mit Stricken und Ketten an einen Pfahl gebunden hatte, suchten -sich zwischen Stricken und Ketten ihre Hände, .and mit zuirückgewandtem r Kopfe suchte jeder den Blick des.änderen. Zacharias-ging wankend mit Josef zu einem anderen Pfahl; und als er dort ankam, blickte er sich um in dem von Mäiengiari-Z' überquellend reich erfüllten Morgen ' und sprach, abschiednehmend, leise zu Josef: »Schön war das Leben. Nur der Mensch ist;ein unverbesserliches . Tier.« Josef schüttelte den Kopf. Zacharias, schon gefesselt und gebunden, wandte ihm dfen ICo-pf zu und fragte'mit fast bitterer Befremdung:- »Noch immer glaubst du daran?« »Ich glaube daran.« antwortete Josef. Zacharias verstummte erschüttert. Josef aber flüsterte Judith ruhige, ermunternde Worte zu. Judith stand mit ischneeweißem Gesicht inmitten ihrer Stricke und Ketten und schieß die Augen. Ein Teil -der Frauen schluchzte, das Gebet der Männer wurde lauter,. Die Menge brauste erregt. Tn der Menge befanden sich auch schön jene, denen man die jüdischen Kinder an-\fertrau;t batte. Die neuen Mütter und die neuen Väter hatten auch •die Kinder mitgebraöht. »Seht ihr.« so sprachen sie, »so geht es'dem, der eigensinnig ah seiner“ gottlosen. Bosheit fenthält.« Die Juden, alle dreißig, waren schon ab die Pfähle gebunden. Da gab der Henker von Echemnitz ein Zeichen und seine Gesellen schichteten rasch die Reisigbündel um die Pfähle auf. Daun entzündeten sie an detr Fackel des. Henkers von Scherpn-itz noch ein ipaaHr weitere Fackeln und er und sein^ Gesellen zündeten in raschem Nacheinander die Rtfirighaufen an. Das trockene Reisig flammte auf. Mit. dem auffla-mm-enden Feuer zugleich lief ein Wehgeschrei über die Scheiterhaufen hin. Die Erregung der Menge antwortete mit einem Aufbrüllen, Die Flammeri schlugen hoch auf, und der Henker >'ou Sch-emnitz und seine Gesellen warfen frische Reisigbündel aufs Feu-pr. Aus dem Feuer hörte, mau noch, wie Samuel m-it lauter Stimme betete: »Auch* für, dieses sei dpr Name.des Herrn gesegnet, geloht und gepriesen.« Gebrochen und stammelnd drangendurch das Feuer die Worte der Psalmen-, die'Simon laut sprach: »Es umringten mich die Fesselt1 des Todes und die Bedrängnisse der;Hölie'fochten mich an,... und ich rief den Namen-des Herrn zu Hilfe .,. der Herr is-t gnädig uind gerecht .*♦ geh ein, greine. Seele, in deinen Frieden.« Dann umgab u.nd verschlang das Feuer die gefests-elten Menschen* Die Erregung der .Menge brüllte lautauf und ein Mäivncr und Frauen zwängten sich'zitternd vor Erregung zwischen dem Husaren durch, um zusammen, mit -dem Henker von S-c1’emnitz und seinen Gesellen neue Reisigbündel aufs Feuer 71U yverfen. Die Ordnung lö^ite sich auf. Die n»-en Mütter drängten vor, zeigten den Kindern den Scheiterhaufen und ermahnten sie, sich dies gut ati.ziusehen und nie z*u vergessen, wais der Lohn -der Gottlosigkeit und Bosheit sei. Da gellte durch das Brausen der Menge ein Schrei. Ein 'kleines Mädchen riß sich von der Hand eines Weibas lios, kroch, durch die Reihen der Husaren und rannte mit vorgebeugtem Kopf auf den einen Scheiterhaufen zu. Zwischen dien gelbbrennenden Flammen konnte man noch Abraham und sein Weib erkennen. Durch die zerrissenen Reihen der Husaren rannte eine Frau schreiend dem kleinen Mädchen nach. Rache! aber stand schon vor dem Scheiterhaufen,.war mit einem einzigen Satz in der Mitte des breiten Feuerkranzes und -streckte kniend beide Hände gegen den Pfahl aus. Ein Geselle des Henke ns von Sch ein nitz machte eine Bewegung, als wollte er sie retten, doch die Hitze war selbst im d-er Nachbarschaft des Scheitersihaufens so groß,; daß er gleich zurück wich. Auch über die knie ende Rachel schlugen die Flammen hin*. Die Menge brauste wieder auf. Immer mehr Leute drängten sich durch die Reihen der Husaren, um zitternd vor -Aufregung Reisigbündel ins Feuer zu werfen. Kaum konnte man mehr, im Feuer menschliche Gestalten erkennen. Außerhalb der Menge \Varen — zu Pferd — auch die Grafen von Bazi.n dabei. Gr.af Franz betrachtete mit herbem. Lächeln die Scheiterhaufen und das Volk, öraf Thomas -blickte .starr ins Feuer. Die Welt war erfüllt von strahlender, trostreicher' Morgenis-otnne. Auf dem Scheiterhaufen sah' -man keine Mentsdhem mehr-; zehn matte, gelbe Fouersäule-n standen nebeneinander, die ihre Rauchk-ronen in 'die Höhe-höben und schwarze Buchstaben auf den bläuen Himmel malten. Dann verstummte da-.s Bra-umi -der Menge; die Sc’’e:terkaufen brannten nieder und an ihrer Stelle blieb nichts anderes denn Staub umd Asche«