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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-05 · Heft 1054 (5.1.1922) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1054 (5.1.1922)
Date
1922-01-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1054 Wien, Donnerstag WIENER MORGENZEmJNa 5. JSnner 1922 Gerichtssaal Ein Prozeß zwischen einem jüdischen und einem römisch-katholischen Kultuspräsidenten, Aus Budapest wird uns berichtet: Im Dezember 1920 kam es In der Gemeinderatssitzung der Stadt Oebreczin zu einem peinlichen Zwischenfall. Der Präsident der römisch-katholischen' Kirchengemeihde, Theodor S z e n t - K 1 r a 1 y I, hielt, der damaligen christlichen Kursstimmung Rechnung tragend, eine antisemitische Brandrede, In deren Verlauf er auch behauptete, daß der Rechtsanwalt Dr. Eugen Freund ln seiner Eigenschaft als Präsident der jüdischen Kultusgemeinde mit seinem politischen Einfluß die Umtriebe der galizi^chen Juden und Preistreiber verteidigt und damit dazu beigetragen habe, daß der anständige Handel herabgekommen sei. Als F r e u n d, der nicht im Sitzungssaale anwesend war, von dieser Aeußerung Szent-Kiralyls Kenntnis erhielt, eilte er in den Sitzungssaal. Im Vorzimmer begegnete er seinem Angreifer und rief ihm zu: „Wohin flüchtest du, Schuft?“ Dann rief er im Sitzungssaal: „Der antisemitische Heid flüchtete vor. der Maulschelle 1“ Die Angelegenheit kam vor das Strafbezirksgericht, wo Szent-Kiralyl gegen Freund die Anklage wegen Ehrenbeleidigung erhob, wählend Freund eine Gegenklage wegen Verleumdung und Ehren* b e I e i d i g u n g geltend machte. Bsl der ersten Verhandlung'wurden Freund zu eitlem Monat Gefängnis und K 6000 Geldstrafe,' Szent-Kiralyl zu einem Monat und K 4000 Geldstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde dann vom Gerichtshof annulliert. Bei der zweiten Verhandlung wurde der Wahrheitsbeweis angeordnet und nach durchgeführtem. Beweisverfahren Szent-Kiralyl wegen des Vergehens der Verleumdung zu K 10.000 Haupt- und K. 1000 Nebenstrate verurteilt, der Vollzug jedoch auf die Dauer von drei Jahren suspendiert. Ueberdies wurden sowohl Freund als auch Szent-Kiralyl der Ehrenbeleidigung schuldig gesprochen, die Bestrafung jedoch gegenseitig aufgehoben. Die Hausmeister auf dem Kriegspfade. Der Hausbesorger des Hauses X., Gcllertgasse 17, erhielt vom Hausbesitzer die Kündigung. Obwohl ihm gleichzeitig eine andere Wohnung in Aussicht gestellt wurde, wollte er die Kündigung nicht zur Kenntnis nehmen und fand beim Verein der Hausbesorger und Portiere Rückhalt. In einer Versammlung dieses Vereines wurde beschlossen, die Delogicrungs des gekündigten Hausbesorgers zu verhindern. Auf Veranlassung des Bezirksgerichts Favoriten fand sich deshalb Inder Mittagsstunde des 11. Oktober die ganze dienstfreie Polizeimannschaft des Bezirkes bei dem genannten Hause ein. Von der anderen Seite rückte ein Aufgebot von 300 Hausbesorgern heran, furchtbar verstärkt durch ein Mitglied der in Wien besonderen Kriegsruhm genießenden Weiblichkeit ihrer Gilde. Angesichts dieser bedrohlichen Situation willigte der Hausbesitzer in eine Verschiebung der Delogierung um acht Tage. Die Polizeimannschaft suchte mit weiser Strategie zunächst die weibliche Rädelsführerin zu entfernen. Aber diese erwies sich als standhafte Jungfrau von Orleans. Das Zitat, das sie den erbleichenden Hütern des Gesetzes zurief, stammt allerdings aus einem anderen klassischen Drama ... Sie wurde deshalb wegen W a c h e b e 1 e 1d 1 g u n g zu fünf Tagen Arrests verurteilt. Ihre männlichen Kameraden werden sich wegen Auflaufs vor dem Landesgericht zu verantworten haben. I Sport. Die Hakoah in der Schweiz. Von einem Reiseteilnehmer. , II. Der Samstag wurde dazu benützt, unter der Führung der Herren von Blue Star und Hakoah (Zürich) die Stadtt zu besichtigen. Am Abend waren die Wiener die Gäste ihres Züricher SchwesterVereines. Das Kiu'bheim, das sich im > Hotel »Schiff« befindet, war übervoll, als der Präsident des Vereines, Herr Weil, die Gäste begrüßte. Er führte ungefähr folgendes aus: »Wenn man heute in der ganzen Welt von der jüdischen Tumtui-d Sportbewegung spricht, so gebührt in erster Linie der Wiener Hakoah der Dank, die in unermüdlichem Tatendrang propagandistisch in den entferntesten Ländern auftritt. Mit der jüdischen Regenerationsbewegung ist der Naime der Wiener Hakoah für ewige Zeiten auf das Innigste verknüpft. Deshalb blicken auc8. die jüdischen Sportleute der ganzen Welt zu, ihrem Lehrmeister mit wahrer Begeisterung auf und seine Erfolge werden auch überall mit hellem Jubel .aufgenommen. Die Züricher1 Hakoah, ist noch ein »junger Verein, der der Unterstützung bedarf. Daß die Wiener nun gekommen sind, um durch ihre sportlichen Leistungen ihren Züricher Brüdern moralisch zu helfen, erfüllt die einheimischen jüdischen Sportler miit großer Dankbarkeit. Es gereicht der Züricher Hakoah überdies zur großen Ehre, die berühmten Wiener Ha.koah.ner als Gäste empfangen zu dürfen. Die Züricher Hakoah ist derzeit nooh nicht eo weit sportl-ich vorgebildet, um selbst in den Wettbewerb treten zu können, doch hofft sie, anläßlich der jüdischen Olympiade in Wien in die Lage zu kommen, ihre sportlichen Fortschritte einer breiten jüdischen Oeffentlichkeit .vor Augen, führen zu können.« >»»»»»»>«» ■ MiiRitaaB »»»»«»«»»>» Ab 15. Jänner 1922 laii «rArhpinf fRn 11rh »mmmm erscheint täglich eine große aaaamaanmm ■bbiibi «■■qwna SPORTBEILAGE in der WIENER MORGENZEITUNG »■■■■■neea ■ ■■■naaaaic welche Aber alle Sportzweige berichten wird i as asBtiHBia Auf die schmeichelhaften Ausführungen des Präsidenten Weil und eines zweiten Züricher Redners, Dir. R*os enbautn, antwortete der Sektionsleiter der Wiener Hakoah, Artur Baar: »Wenn die Züricher Hakoah auch nicht Vollkommen in unserem Sinne arbeitet, so anerkennen wir doch die eminente Bedeutung, die der Gründung eines jüdischen Sportverein« in der Schweiz bei zumessen ist. Die Züricher Haikoah hat ganz beson-/ dere Schwierigkeiten, die rein sportlicher Natur sind, zu überwinden und muß demgemäß den Verhältnissen Kouzessiorien machen. Die Hauptsache ist aber, daß die Leitung des Vereins und mit. ihr die Mitglieder unsere Ziele 'kennen und nach einen) hoffentlich kurzen Interinrsstadium ungeschmälert unser Programm annehmen. Sie haben heute die Wiener Hakoah auf da,s Schmeichelhafteste gefeiert und Ihre Worte des Lobes erfüllen uns mit Genugtuung, denn sie haben in uns nicht der Wiener Hakoah als solcher, sondern der jüdischen Turn- und Sportbewegung im allgemeinen ihre Anerkennung ausgedrückt. Die Wiener Hakoah fühlt sich nicht als Einzel verein, sondern als bescheidener Teil der zionistischen Weltbewegung und als Glied des, Makkabi-Weltverbandes. Wir sind eine« Sinnes mit dem Kreise Oesterreich der jüdischen Tum-und Sportvereine und mit dem Maklkabi-Weltverband, deren Obrigkeit wir uneingeschränkt anerkennen. Die Wiener Hakoah ist sich dessen vollkommen bewußt, daß die Erzielung sportlicher Leistungen nicht Selbstzweck ist, sondern nur ein Mittel zur - Heranbildung einer gesunden Jugend unseres alten Volkes. Sie fühlt sich hier nicht als Fremder, denn die Wiener 'üd!sehen Sportler sind heute bei ihren Gesinnungsgenossen, bei ihren Brüdern, da ein gemeinsame« Band alle jüdischen Turner und Sportler der ganzen Welt umfangenhält. Demgemäß war. auch unser Kommen eine Selbstverständlichkeit. Wir fordern Sie von dieser Stelle zu gemeinsamer Arbeit auf, damit es uns gemeinsam gelingen möge, unser Volk einer glücklicherem Zukunft entgegenzuführen.« Die Rede wurde mit enthusiastischem Beifall von allen Anwesenden auf genommen. Bis halb i! Uhr albend« blieben die Wiener und Züricher Hakoahner bei Musik und Gesang heilsam men und knüpften innige Freundschaften, “bie künstlerischen Vorführungen der Jugendriege des einheimischen jüdischem Vereins setzten die Wiener in Erstaunen. Der Somntagvormittag wurde zu kurzen Spaziergängen benützt und nach einem bescheidenen Mittagmahl traten die Hakoahner per Auto die Fahrt auf den Heiligfelder Sportplatz an. Das Spielfeld war kleiri^und schlecht, da es Tag« zuvor stark geregnet hatte. Der Gegner der Hakoah, der Sportklub Aarau, entstammt dem Städtchen Aarau der Zcntralschweiz, das ungefähr 7000 Einwohner zählt. Trotz der geringen Größe dieser Stadt hatte sie doch mit ihrem Verein schon einige Male ' den Schweizer Meister gestellt. Dem Sportklub Aarau ging kein guter Ruf voraus, da er in der ganzen Schweiz als überaus derb gilt. Die Hakoahner fanden dann im Verlauf des Wettspiels/ daß die üble Meinung mehr als berechtigt sei. Die Mannschaft bestand ausschließlich aus bärenstarken Spielern, die von ihrer Körperkraft in einer Weise Gebrauch machten, die weit die Grenzen des Erlaubten überschritt. Da der Schiedsrichter Ackermann für Rohheiten anscheinend kein Verständnis hatte, konnten sich die Gegner in ihrer verbotenen Spielweise vollkommen ausleben. Die Folge davon war, daß fast sämtliche Spieler "der Wiener invalid das Feld verließen. Am schlechtesten kamen dabei Neufeld und Häusler weg; ersterer wurde in aussichtsreichster Position im Strafraum im wahrsten Sinne des Wortes niodergetreten, so daß er bewußtlos wurde. Noch übler wurde Häusler miitgesipielt, der eine Luxation des Schlüsselbeines erhielt. Trotz der knappen Niederlage vorn 0:1 Toren führten die Halkoahner insbesondere vor der Pause ein prachtvolles Kombinationsspiel vor, das den größten Beifall der viertausendköpfigen Zuschauerin enge fand. Zur Ehre der Züricher Wettspielbesucher kann festgestellt werden, daß sie demonstrativ gegen den Sportklub Aarau Stellung nahmen. Die Wiener konnten ihre große Ueber- 'egenheit im Spielfelde dadurch nicht ziffernmäßig zum Ausdruck bringen, weil die gegnerische Verteidigung mit den rücksichtslosesten Mitteln kämpfe. Ein Wiener Un,parteiischer hätte bestimmt die meisten Schweizer Spieler vom Felde gewiesen und mehr als ein Dutzend Elfmeterstöße gegen den Sportklub Aarau verhängt. Vor der Pause waren die.Hakoahner meist im Besitze des Balles. Ihre Angriffe wurden aber auf die obenerwähnte Art unschädlich gemacht. Da der Schiedsrichter die Gäste nicht schützte, wurden ihre Stürmer überdies zaghaft, so daß das Schuß ver- Sette r mögen fast alles zu wünschen übrig ließ. Die And griffe der Schweizer wunden meist aus Abseitstel-J ’ungen vorgetragen, wobei der Schiedsrichter audij für diese Regelverletzungen keine Strafe fand; Aulj diese Art gelangte der Linksaußenstürmef des Sport* klubs Aarau in der dreißigsten Minute vor da« gegnerische Tor. Seinen Flankenball übernahm der} Rccht-sverbindiungis-Stürmer, der unhaltbar einschoß. ' Auch nach der Pause war die Hakoah die weitaus! bessere Mannschaft. IN e-u f e 1 d wurde erheb!ichi verletzt und mußte auf zehn Minuten äussetzen1* Den Rest des Treffen« bestritt er'als Statist. Bald darauf teilte Grün wal d sein Schicksal. Die Hakoah war turmhoch überlegen und der Sportklub Aarau bemühte sich mit Erfolg, aber mit unreellen» Mitteln, das Resultat zu halten. Knapp vor Spiel* ende ereilte Häusler das Schicksal, er mußte sich! ‘ sofort in ärztliche Pflege begeben. « Bei den Hakoahnern bot Halpern eine , überragende Leistung. Oft mußte er ©ich denderben! . gegnerischen Stürmern entgegen werfen, die immer, Lu« Ahseitposition.cn ^überraschend vorgebrochets waren. Halpern bewies bei seinen Aktionen eben" soviel Geschicklichkeit als Mut. Nächst ihm ver-, dienen noch Tru m m ef und Kat z besondere Er* wiihnung. Rer Sportklub Aarau besitzt ungefähr? ' die Spielstänke unserer stärkeren zweitklassigen!: Vereine, Obwohl er durch drei internationale Berner, / Spieler verstärkt war. ° Der einzige faire und den beste Spieler der Schweizer war der Mittelläufer- S c h m i d 1 i n von Joumg Boys-Bern. Als tüchtige Fußballer erwiesen siclh die Verteidiger Merkl! und W e n ge r (Joung Boys-Bern). Die Hakoahner verließen deprimiert das Spielfeld. da fast sämtliche Spieler mehr oder minder; erheblich verletzt waren und kein ausreichender, Ersatz vorhanden war., Slutzky hatte wohl die Reise mitgemacht, doch erkrankte er schon auf der/ Hinfahrt, so daß er während des ganzen Züricher Aufenthaltes im Bette liegen mußte. Die Hakoahner bestritten das Spiel in folgen* der .Aufstellung: Halpern; Scheuer, Trumm er Kohn, Grünfeld, Molnar; Neufeld, Häusler, GansL Grünwald, Katz. , ,, _ (Fortsetzung folgt.) Die Fusionsbestrebungen zwischen den Vereines C h e r u t h und Moriah sind leider gescheitert, so daß die beiden Klubs getrennt auch weiterhin den Sportbetrieb aufrecht erhalten. Die Hakoah ist gestern um V,ll Uhr vormittags von ihrer Schweizer Reise in Wien eingetroffen. > Jüdischer Sportverband, Samstag den 6. d. Ai,1 Vj.7 Uhr, Delegiertensitzung im Klubheim der Hakoah, L, Wiesingerstraße 11. Makkabäa (Preßburg) spielte am vergangenen Sonntag gegen Vas 0 : 0 unentschieden. Hagibor. Samstag den 10. d. M. Vo!lersammlun& Mitgliederaufnahme und Mannschaftsaufstellung für kom- - wenden Sonntag. Zuschriften: Benno Münzler, 1L, Brlgittenauer Lände 8, Tür 6. * Menorah. Heute, 7 Uhr, Spielerversammlung Im Klubheim, VI., Amerlingstraße 19. Spieler, die für die I. Mannschaft in Betracht kommen, haben zuverlässig zu erscheinen. Wien,!., Ma?c Anrelstrasse Nr. 9 Tel. Nr. 20486, 20591, 20046, 22576. Tclcgr.-Adr.: Contlneotalbaofc Wechselstube! Wien, II., Taborstresse 46a . Telephon Nr. 49428 Kulanteste Durchführung sämtlicher Bankand Börsetransaktionen 133 * Volkswirt. Gestempelte Krone - —.11 Auszahlung Wien —.18 < ln Zü ich notierte: die österreichische Krone -.18 (-.19 die österr. gest Krone . . -.11 (-.11 die tschechische Krone. . 8.- ( 7.80 die Mark.. . 2.72 ( 2.72 Agram ........ ( 1.95 Bukarest Budapest « •.« » -.87 (-.85 Warschau. (-.17 Centimes. Centimes. am 3. Jänner) am 3. Jänner) am 3. Jänner) am 3. Jänner) am 3. Jänner) am 3. Jänner) am 3. Jänner) am 3. Jänner) Die jüdische Arbeiterbank in Palästina. Die jüdische Arbeiterbank (Bank Hapoalim) G. m. b. H. In Palästina hat die Aufgabe, die verschiedenen Arbeiterkooperativen, Arbeiterinstitutionen und Arbeiterkwuzoth, welche auf genossenschaftlicher Basis organisiert sind, zu finanzieren und durch Kreditgewährung zu. fördern. Außer den üblichen bankmäßigen Geschäften ist die Arbeiterbank zur Herausgabe von Aktien und Obligationen, Erwerbung von Immobilien, Konzessionen, Patenten und Aktien anderer Gesellschaften mit ähnlichen Zwecken sowie zur Uebernahme von Vertretungen von Versicherungs-, - Transport-, Eiektrizitäts- und Bewässerungsgesellschaften und Agenturen für Immigration berechtigt. Ebenso kann die Arbeiterbank ihre Tätigkeit auf die Atneliorierung, Bewässerung und Bewirtschaftung von Böden und auf die > Ausnutzung der Bodenschätze sowie auf che Erbauung von Städten, Dörfer und Stadtvierteln erstrecken. Die Arbeiterbank mit dem Sitz in Jerusalem (Postfach 40) und ihrem Administrationsbureau in Tel-Awiw (Pöstfach 27) ist berechtigt, in Palästina sowie im Ausland Zweigstellen zu errichten» » i

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