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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-04 · Heft 1053 (4.1.1922) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1053 (4.1.1922)
Date
1922-01-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1053 Wien, Mittwoch WIENER MOROENZEttUNQ 4. Jänner 1922_ Se»e T tiActcu' BÜROTECHN. A.<S WIEN. I.. WIPPLINGERSTRASS£ 54 TELEFON 07*0-50 OES.rr^cM. Volkswirt. Gestempelte Krone -» —.11 Centimes. Auszahlung Wien --- —.19 Centimes.' in Zürich notierte: die österreichische Krone —.19 (—.19 am 2. Jänner) die österr. gest Krone . . —.11 C—.11 am 2. Jänner) die tschechische Krone. . 7.80 #7.25 am 2. Jänner) die Mark ....... 2.72 ( 2.75 am 2. Jänner) Agram. 1.95 ( 1.90 am 2. Jänner) Bukarest.. . —am 2. Jänner) Budapest ....... —.85 t—.82 am 2. Jänner) Warschau. ..... .—.17 (—.17 am<2. Jänner) Die neue Wirtschaft Sowjetrußlands. Rußland kehrt raum wieder alimählioh zur kapiit&li- Stisdhon Wirtschaftsordnung zurück, wenn miaitürlich aucih nickt in seinem gesamten Umfange, so doch in schüchternen Annäherungsversuchen. Lenin hat eine Instruktion unterzeichnet, welche die Gruidllagein. für das neue Wirtsoha/fiüs'programm diatrstel’it. Man war sidh klar geworden, dlaß die Lage der Volkswirtschaft so heillos verfahren sich gestaltet hatte, daß nur ein Rückgang zum prii vat wirtschaffcl'iahen Großbetrieb Rettung bringen konnite. Und so haben die Großbetriebe jetzt die Vollmacht erhalten, weniigsteras einen Teil ihrer Erzeiugmiis-se zum Erwerb der ihnen notwendigen Hilfsmittel im In- oder/Ausland mach eigenem Ermessen zu verwenden. Dann ist bemerkenswert, daß die vielen Kleinbetriebe, die mehr wie unrentabel waren, zum großen Teil verschwinden müssen. Die fred-werdendem Arbeiter aber muß man in die großen Betriebe überführen oder aber sie sollen bei der Urproduktion auf dem Lande .Verwendung finden. Rußland . mußte amCh wieder an die Reform der Z a h 1 u n g s m i 11 e 1 denken; es hat die Reichisbank eingerichtet, um die für das Geschäftsleben unbedingt notwendigen Kredite sichet zu stellen; weil freilich von den großen Zahlen noch nicht abgewichen werden kand, druckt man die neuen Geldscheine gleich in den ßchwinidelhaften Höhen von 25.000 bis 100.000 Ruhein. Wenn aber offiziell wieder Zahlungsmittel eingeführt werden, so zeigt der Staat, daß er ein Hauptaxiom eines Sowjetstaates einfach aufhebt, nämlich die Kosten!osigikeit aller Leistungen, da sie ja'nur Leistungen des Staates sind, und wieder den viel* geschmähten Tauschverkehr einführt. Wo kein Gewinn wintkit und kein Risiko droht, (pflegt der Mensch in den seitenisten Fällen sich fruchtbringend zu betätigen. Damm soll auch ean neues E m 11 0 h n u n g s y s t e m ein geführt werden, und die’ deutsch-osteuropäische »Hansa« berichtet vom den wie Phantasiezahlen klingenden Löhnen von 200.000 bis 700.000 Rubel im Monat, Zahlen, die allerdings sehr viel von ihrer Märchenhaftigkeit verlieren, wenn man bedenkt, daß die Einheit in Rußland sozusagen dteir Tausendnvheischein ist. So kostet zum Beispiel die Einschreibegebfihr bei der Post, die jetzt selbstverctändfioh auch nicht mehr gratis arbeitet, 1000 Ru bäh Für. einen Brief zahlt matt 250 Rubel, für eine Postkarte 100 Rubel und für ein Wort im Telegramm 500 Rubel. Natürlich muß jetzt Rußland auch wieder Steuern einführem. Man hat eine Natural- 'wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmamKmmmmmmaamammmmmm Steuer ein geführt für Lederwaren und das Leder* monopol gleichzeitig aufgehoben, und zwar wird die Steuer nach der Größe des gesamten Viehbestandes berechnet und nur von Besitzern gefordert, die mehr al® zwölf Stück Kleinvieh besitzen, wobei der Großvieh!) es t and auf Kleinvieh umgerechnet wird. Die neue WirtschaftsverfaBsung' erfordert natur- , gemäß auch wieder die Anerkennung.des Privatei g e n t u m s, ohne das die Wirtschaftsform des Kapitalismus unmöglich ist, denn die einzelnen Wirtschaften müssen über die in den Betrieben verkörperten Güter nach eigenem Ermessen verfügen können. Die Regierung ist ferner ganz besonders auf das Ausland und seine Kapitalisten angewiesen, und m-uß zu di eisern Zwecke durch Handelsverträge oder im sonst einer Art denn Auslande Sicherheiten bieten, welche die ausländischen Unternehmer zu weiteren geschäftlichen Beziehungen ermutigt. Es soll ein großer Exportfonds gebildet uind eine E x p o r : k o m m i s s i o n eingesetzt werden, welche bei der Erfassung der für 5diie Ausfuhr geeigneten Rohstoffe im Tätigkeit treten sollen. Rußland ist eim Lamd von ungeahntem! Reichtum, dessen Schätze, nur der Erschließung harren, deren Hebung aber nicht so leicht sich vollziehen läßt, nachdem der ganze Wiirtschaftisiaipiparat gänzlich zerschlagen und,im ein Chaos verwandelt worden war. (»Weltwirtsöhafts-Zeituing.«) Polnisch-russischer Handelsverkehr* Warschau, 2. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Infolge des isehr regen polnisch-russischen Handelsverkehrs ist der polnische Markkurs in Rußland und der Ukraine sehr stark gestiegen. Im Innern Rußlands zahlt man bereits für 1000 poln. Mark 100.000 bis 108.000 Rubel. In der Sowjetukraine herrscht eine sehr starke Nachfrage nach landwirtschaftlichen Geräten,. Chemikalien und Textilwaren. Die Nachfrage nach.Schuhen und Leder Ist gegenwärtig geringer, da die Balkanländer in letzter Zeit diese Artikel zu viel billigeren Preise als Polen geliefert haben. Whitehead-Werke Aktiengesellschaft, St. Pölten. Am 30. Dezember 1921 fand in St. Pölten die konstituierende Generalversammlung der Whitehead-Werke Aktiengesellschalt mit voileingezahltem Aktienkapital von 55 Millionen Kronen statt Das Unternehmen hat die ehemalige Torpedofabrik des Londoner Armstrong-Vickers-Konzerns in St. Pölten übernommen. Der Betrieb ist vollständig reorganisiert und auf die Friedensproduktion eingestellt worden. Die Fabrik erzeugt gegenwärtig Benzinmotore und Rohölmotore verschiedener Größe für landwirtschaftliche und Industriezwecke, weiters Werkzeugmaschinen verschiedenster I Gattung. Die Fabrik besitzt auch eine mpderne, vollständig eingerichtete Eisengießerei. Mas Unternehmen ist gut beschäftigt und wird bereits lür die abgelaufene Periode eine entsprechende Dividende zur Ausschüttung bringen. Konstituierung der Börsekammer. In der gestern abgehaltenen Plenarsitzung wurden zum Präsidenten Herr Berhard Popper - A rtberg, zum L Vizepräsidenten Herr Samuel St e i n.h'ü b 1, zum II. Vizepräsidenten Herr Julius Stern gewählt Die Gewählten dankten für das ihnen neuerdings bewiesene Vertrauen und stellten sich mit allen ihren Kräften wie bisher in den Dienst der Wiener Börse und ihrer Einrichtungen.. Der. Bericht des Generalsekretärs über die bisherige Durchführung der Börsebesuchsabgabe und über die bereits im Dezember 19?1 seitens der Finanzorgane vorgenommene eingehende Revision im Saale selbst, wfelche zu keinerlei Beanstandungen Anlaß gab, wurde zur Kenntnis genommen. Sodann erfolgte die Festsetzung der Jahresgebühren für das Jahr 1922 sowohl in der Effektenals auch in der Warensektion. Ueber Antrag des Börserates Langer wurde in Aussicht genommen, den Börseverkehr nunmehr an vier Tagen der Woche (Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag) abznhalten; die bezüglichen Verlautbarungen werden rechtzeitig erfolgen. Konstituierende Generalversammlung des Verbandes der Messe- und Exportvertreter, Kommissionäre . und reisenden Kaufleute in Wien. Donnerstag den 5. d. M. findet um 4 Uhr nachmittags im großen Sitzungssaal des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft die kont stituierönde Generalversammlung des Verbandes der Messe-! und Exportvertreter, Kommissionäre und reisenden Kauf-} , leute in Wien statt j Kapitalserhühung der Rimamurany-Salgo-Tarjanea Kohlenwerks-A.-G. Aus Budapest wird gemeldet: In der heute abgehaltenen Direktionssitzung der RimamuranyM Salgo-Taryaner Kohlenwerks-A.-G. würde der Beschluß gefaßt, der für den 13. d. M. einzuberufenden General* Versammlung den Antrag zu stellen, das Aktienkapital durch Ausgabe von 250.003 Stück neuer Aktien um 5QM1W lionen auf 174 Millionen Kronen zu erhöhen* ' . ' ). Wiener Warendörße. * i (Originalbericht der „Wiener Morgenzeitung*.) Bei lebhaftem Verkehr eröffnete die erste diesjährig« allgemeine Warenbörse in fester Haltung, ln Chemikalien; lagen folgende Ausgebote vor: PS raffln wachs schottische» zu K 620, Karnaubawachs zu K 2200 bis 2300, Japanwach» zu K 2600 bis 2650, Schellak T. N. orange zu K 9600 bi» 9800, französisches Harz Type F. G. zu R 460, Type W. WJ zu K 540, sizilianischer Schwefel in Stangen zu K 305, 1« Brocken zu K 295, gemahlen Floristella zu K 270, alle« franko transit Wien, Milchsäure technisch 50% zu 36 Mark!! Wien verzollt inklusive Packung, Salmiakgeist zu K 425 peH Kilogramm Wien, Quecksilber zu K 16.000, Prima ungarisch« Weizenstärke zu K 800, Schwefelsäure 66° zu K 140, Aetz-! 'ka!i tschech. K 125 transit Wien, Bleiweiß zu K 11400y Bielzucker raffiniert kristallisiert rein weiß zu 35 Mark^l Passau, Chlorkalk 110/115 zu 62 Mark transit, Chromkall zu 62 Mark verzollt, Essigsäure 80% technisch zu K 290 und zu 19.20 Mark, Glyzerin chemisch rein zu K 3200J Gummi cord; zu 2200 bis 2250, Kupfervitriol.98/99 zu K 630 bis 680, Minium Bleiberger zu 36 Mark Pässati, Sodabikarbonat B. zu K 140, Braunkohlenteerpech zu tschechj K 1 ab tschechischer Verladestation. Abgeschlossen wurden: Chromalaun ZL 37.50 Mark transit Wien, Glycerin chemisch rein zu K 2600y Eisenvitriol zu K 65, Sodabikarbonat zu K 135, Glaubersalz kalziniert zu K 60, Aetznatron zu K 765. Zum öffentlichen Verkauf gelangt« französisches Harz F. G. zu K 375 transit Wien. Auch eia exekutiver Verkauf kam vor in Extrakt-Bienen-, wachs zu K 280. ' . j Näh r-, L ebensraittel und Kolonial-! waren verzeichneten einiges Geschäft zu festen PreisenJ Ausgeboten wurden: Kaffee Santos superion zu K 2000, Rio IV Wille zu K 1850, Tee Java zu K 3000 transit Wien, Cassia lignea zu K 1840, Reis Burma Ia zu K 430 ab Lager Wien, Siebenbürger Wallnüsse zu K 780»- Kunsthonig zu K 520, Milchsäure zu Genußzwecken zu 48 Mark ab Wien verzollt inklusive Packung. Z u m öffentlichen Verkaufe gelangte bosnischer Lekwar zu jiigosl. K14 bis 18.25. « 1 Berliner Börse. Berlin, 3. Jänner. Die erste Vollbörsfe' Im neuen Jahr« enttäuschte die Erwartung einer starken Aufwärtsbewegung; am Effektenmärkte nicht. Der bestehende Geldüberfluß regte das Privatpublikum zu Käufen an und infolge äußerst' umfangreicher, zum Teil unlimitierter Aufträge, stellten sich: die Industriewerte aller Art vielfach bis zu 100% und teil—j weise erheblich darüber höher. Anglo Continental-Aktieu gewannen 230, Ober-Koks-Aktien 220, Th. Goldschmiedt^ Aktien 150%. Neben chemischen Werten und Montan-! Aktien waren besonders Waggonfabriks-Aktien und? Kaliwerte gesucht. Auch Kolonial - Aktien wurde» rege gehandelt. Schiffahrts-Aktien schlossen sich der Auf-* wärtsbewegung meist kräftig an, nur Argo-Aktien büßte» unter Realisierungen 100% ein. Bank-Aktien zogen verhält-' 1 nismäßig geringen Nutzen. Nach Erledigung der erste» Aufträge machte sich eine Erlahmung des Geschäftes und' eine leichte Abschwächiing infolge Gewinnrealisierungeir bemerkbar, die aber bald überwunden wurde und einer erneuten Festigkeit Platz machte, ohne daß jedoch die Lebhaftigkeit bestehen blieb. Das Anziehen def Devisenkurse förderte die Haussestimmung. Budapester Börse. Budapest, 3. Jänner. Die heutige Börse eröffnete unter dem Eindruck der höheren Züricher Kronennotierung schleppend und die Geschäftsiosigkeit, die sich bei'Beginn einstellte, steigerte sich später bis zur vollständigen; Der neue Jude. Von Nahtim Sokolow. »Glauben Sie, daß dieses Land Wiederaufleben wird?« »Es gibt keimen Zweifel daran«, sagte er. Meins Persömlichkei't, die früher nur der ßdbatlen einer f re um dl ich cm Erinnerung wair, wuchs groß und lebendig vw mir emipor und ich fühlfte, daß ich einem Propheten Inns che. Was für eine seltsame Mischung von Künstler wnd Arbeiter, vom Dichter umd Kraftmenschen! Er war normal umd gesund mit seiner einfachen Löbemisamschauuing; er war zur Führerschaft erkoren, doch er wies alle Aemter von sich. Er wellte mit dem Zwange im der Pionierarbeit nichts zu tmm halbem und das nacht ohne Grund. Der Mensel.1 ist trotz sein er gesellschaftlichen Gewohnheiten doch einsam umd es liegt etwas Schreckliches in dieser Eiirasamikeit, die einen jeden umgibt. Was zwischen ihm umd seinen Mitmenschen vorgeht, ist sehr gering gegenüber den Vorgängen in seiner’ eigenen Seele» - Die falschen Propheten wurden beschuldigt: »Ihr habet die Wunden meines Yolkes rächt gründlich geheilt.« Sie hatten dieselben Ideen wie Meir. Die Leute brauchen eine gründliche Umgestaltung tsnd das können nur einzelne bewirken. Meir hatte sie für sich errungen. Sein größtes .Werk ,\var seine Einfachheit. Er hat die Ironie aus seinem Geiste verbannt. »Sie schließt,« sagte er, »Abstraktion, Zweifelisucht, aie Erniedrigung'* menschlicher Natur in sich. Sie mag im Galuth gerechtfertigt erscheinen; hier müssen wir ums von dieser geistigem Korruption befreien, denn sie ist ein Todeszeichen.« Das einzige Thema, das ühin zur Gesprächig* keit amregte, war der Ackerbau. Er sprach mit Ansiedlern über Sp «rgel, wie die Beete geformt» wie tief sie gegraben und gedüngt werden sollen. Oder über die Bohncnfriihlingssaat. Er erteilte seine Radschläge in prächtigem Hebräisch, daß es wiV ’rr> Stelle aus der Mischno-Pealh oder aus den Kiiaim klang: doch er zitierte nicht, er setzte sie fort. Aus seinem Unterricht tönte die Sanftheit seiner Liebe: man fühlte, daß seine'Seele glüdkiich, ruhig und rein war Die Meinem Kinder unterbrachen unser Gespräch, um gute Nacht zu würaschen. . »Diese Gabe Gottes ist wie der Tau, der diutrch seine Gnade fiel«, sagte. Meir. Das waren viel zu starke Eindrücke. Sie stiegen mir zum Koipfe und berauschten mich mit tiefer Rührung. Mein Geburtsort, und das Beth- Haniidmasoh, Westeuropa und das Seminar, die Begegnung auf dem Kongreß schlossen mir durch den ‘ Sinn. Die Erinnerung war traurig, unbestimmt und fragmentarisch': die jetzigen Erlebnisse waren eine Reihenfolge von Entzück an. ' »Wie glücklich bim ich, Sie, teurer Freund meiner Kindheit, getroffen zu haben 1 Sie sind der neue Jude, der Großes zu vollbringen hat.« Meir erwiderte: »Sie glauben das, weil Sie in mir etwas Neues sehen; ich bin ja gerade das Gegenteil. Ich suche das Alte. Dies ist nur der Beginn von' der Geburt des Kommenden. Dies ist die Heimat von Menschen, die wissen, was .4e sind und wozu sie da sind. Ein jeder neue Tag meines Lebens scheint praktischer, wunderbarer und verständlicher zu sein. leih gehe darin ganz auf; mein ganzer Eifer ist darauf gerichtet; das «bildet meinen Lebensinhalt.« v »Ich halbe ein Dach übet* meinem Kopfe und (Jieses Stück Land gehört mir. Was könnte ich noch mehr wünschen? Mein Besitz ist mein König reich, mein kleines Palästina; das Land um mich, in dem sich mein Leben bewegt, bedeutet Anmuit und Adel über die Maßen. Ich bin wie sein Honig, seine Blumen und sein Wein, ein erkennbares Erzeugnis dieses Landes. Wie. der Wein von Sichren Jakob anders ist als der von Rishon, so bin ich auch,' ein Jude von Natur auis, vom anderen verschieden; dies I t eine Tatsache, die niemand l ändern kann. Mein einziger Wunsch ist, mich zu behaupten. Wirkliche Mildtätigkeit bedeutet meiraeu Ansicht nach das Werk eines anständigen Menschen, der nach der Ric'htliraie seiner eigenen Persönlichkeit, seiner innerem individueMen Logik sein Lebetf führt. Solch ein Memsch gibt seine Halbe, gilbt sidH selbst. Er borgt sich keine Dornen von der Distel, keinen Saft vom der Lilie, um zu gedeihen*; er saugt , keine Kraft am,5 anderen Gehirnen, keine Anmut aus| anderem Seelen. Wie alles im. der Natur, Metalle, Pflanzen, empfindende Wesen, sic» trägt er zium’ Feste der Geschöpfe und der Dinge gerade dem natürlichen Reichtum* seiner freigiebigen» Selbst-, behauptung bei, indem er sich in den Rhytlhtmus den göttlichen Natur fügt, sich ihrer Gebärde anpaßt, Die höchste Liebe ist deswegen: zu lieben, zufrieden! sein damit, daß man nur ein Farbenfleck ist auf diezj Wiese; sich das Ziel zu setzen, genau in da» allge-. meine Fairbem'system hinein,zu-passen. Doch Leben! bedeutet nicht bloß da zu sein. Man muß sich seines» Lebens, seiner Farbe, seiner Rolle bewußt sein,; und! nachdem man sich dieses dreifache Bewußtsein er«t worben, muß man den Ausdruck des individuellem’ Ich und die Tätigkeit des Vemitandes behaupten« Das ist sehr schwer: Es kanin nicht durch irgendeine Kombination der Individuen erreicht werden'* denn keiner kann es für etnien. anderen tun» Man! muß sich vom Galuth losreißen und dde eigenen Wurzeln in einen neuen Boden unter neuem’ Himmel umpflanzen. Man muß, wie Jakclb,'Leib’ an Leib mit dem Schicksal.ringen, muß dem Schicksal gerade ins Gesicht schauen, uni es genügend 2x6 verdhmähem und ihm mit einem stillen Lächeln! mutig zu begegnen. Vor manchen Jahren hatte ich’ kein Bnot, doch dieses Lächeln hatte ich. Da» Vvenige, was ich besaß, bereitete mir Frieden und Freude. Denken Sie nur an die wahnsinnige Begeisterung, an den täglichen Kampf zwischen Ihneai gesunden, großen, hebräischen Natur (die immer! Ihre wahre Natur sein sollte) und dem, was das Ghetto aus Ihnen gemacht. Was das Ghetto in| Ihnen zerstörte, bauen Sie jetzt wieder aiuf.c t •Fortsetzung folgt)

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