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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-02 · Heft 1051 (2.1.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1051 (2.1.1922)
Date
1922-01-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr. iWi Wien, Montag WIENER MÖRGENZEITÜNÖ 2. Jänner 192g Das hebräische Amulett des Außenministers Banffy. '• Im »MatgyaTorszag« leisen wir die foflgegude Mitteilung: Vor Ikiumziem ersdhien eine größere jüdische Abardlmting beim Ministsr des Aeußern 'Grafen Nikolaus Banffy, dem sie ihre Beschwerden über verschiedene acitfcemiiti&che Ausiscibreitongcm und Vexatioineni vertrug. Minister ■Bänffy erklärte den bei ihm erschienenen Juden merkwürdigerweise, daß er liberaler Gesinhang isei tund choin deshalb nicht Antisemit sein könne, da ihn. in. Wirklichkeit dais Gebet der uinigariändicdl'ien Juden vor dem Heldentod besohützit halbe. Graf Banffy, der Siöbembürgeir ist anrud während des Krieges Regierungskommissär für Siebenbürgen jwaoy erzählte der Deputation hierüber: . »Bevor ich auf den Kriegssichatuploite ging, sprach ich beim Klausanbuirger crrthod'oxen Oberirabbdner Moses G 1 a s n e <r vor und bat ilhn, mir Ein hebräisches Schreiben mitziuigeben, welches mir m Kriege zum Schutze dienen könnte. Der Ober- 'aibbdner galb mir ein hebräisches Amulett, welches ich an mich nahm, und von dem ich mich während des .ganzen Krieges nicht trennte. Ich habe es während der ganzen Zeit kein einzigesmal abgelegt, und dieses geheime, heilige, hebräische Schriftstück bewahrte mich vor dem sicheren Untergang. Im übrigen, meine Herren, haben Sie gair keine Ursache aur Verbitterung, es kommen 'bald .Neuwahlen und iann beginnt dlas Sfcaaits'leben auf gaunz neuer Plattform.« Wir wissen nicht, cb diese Geschichte irgendeine wahre Unterlage (hat. In Siebenbürgen gehörte es nicht zu den Seltenheiten, daß die Gutsherren mit den Rabbinern gut standen uind sich von ihnein Amulette geben ließen. Obenrabbiner Glasner genießt bis auf den heutigen Tag das Vertrauen und die Wertschätzung -nicht nur,der Juden, sondern , aiudh der nicht jüdischen Bevölkerung. Immerhin hätten wir dem hebräischen Amulett, wenn es wirklich gegeben wurde, auch den Erfolg gewünschf, den Grafen Nikolaus Banffy nicht nur vpn dem körperlichen, sondern auch vom dem polidssh-morallschen Verderben zu retten, iy das er dadurch geraten ist, daß er ein Exponent uind eine Säule - des verruchten Hortlhy-Regimes - geworden ist. i s Ein Zeituflgsjubiläum. ‘" ’ Am 25. Dezember feierte das ^Neue Fester Jonipnal« das fünfzigjährige Jubiläum seines Bestandes. Das Blatt wurde von Siegmumd B r o d y gegründet' und zu bedeutendem Ansehen gebracht. Das »Neu« Fester Journcil« gehört zu den typischen Judoniblätitern, bei denen Redakteure sowie Leser käst, ausschließlich Juden sind. Das Blatt ist von iseincr Gründung an immer seinem demokratischen iPlrbgramm treu geblieben. Lange Zeit war auch Ludwig D oc z y Mitglied der. Redaktion des Journals. Aus der inneren Werkstatt dieses Blattes vertrat ein Jubiläuimsautiikeli manch Interessantes, dos für den Geist des Leserkreises bezeichnend ist. So 'erzählt der Autor dieses Rückblicks: Dos Pulhlikuim [außerhalb der Zeitung*zu -bedienen ist schwer. -Aber wir.hatten einen Kameraden, der sich auf den, Briefverkehr mit den Abonnenten und Nachfragern ausgezeichnet verstand. So wandte sich einmal ein arg belesener Freund des Blattes am uns mit der. kuriosen Frage: Geehrter Herr Redakteur!. Musik. »Figaros Hochzeit“ Im Redoutensaal. — Gastspiel Bohnen im Operntheater. — Konzerte. Im Redoutensaale der Hofburg, der schon so Viele höfische Festlichkeiten gesehen hat, wird nun auch die Hochzeit des gräflichen Kammerdieners Figaro (mit der gräfliche1 Kammerjungfer Susanne gefeiert Nicht zum ersten Male wird in diesem in Weiß und .Gold gehaltenen prunkvollen Barocksaale, zu dessen reichem Spiegelschmuck und herrlichen’ Kristallüstern die dort aufgehängten umstrittenen Gobelins seltsam kontrastierten, der Oper ein Heim bereitet Schon im XVIII. Jahrhundert haben dort Festaufführungen italienischer. Opern stattgefunden und so/ hat unsere Republik mit. der Aufführung von „Figaros Hochzeit“ an höfische Kunsttraditionen wieder angek .üpft Mit wechselndem Erfolge war die Regie bemüht, den engsten Kontakt zwischen Schauspielern und Publikum herzustellen: In den mäßig großen, überaus hohen, von einer kleinen Galerie gekrönten Festsaal wurde eine Bühne eingebaut, die in der Hauptsache aus einem schmalen Vordergrund und einer doppelten, gegen den Hintergrund führenden (Freitreppe besteht. Ohne Kulissen wird auf dieser von Alfred Roller eingerichteten Bühne, die in der Primitivität ihrer Behelfe fast an Shakespeare gemahnt, Theater gespielt: Durch einige Sitzgelegenheiten wird ein Salon angedeutet, stilisierte Topfplanzen kennzeichnen eine Gartenlandschaft, ein schmaler rotseidener Vorhang scheidet diesen Bühnenersatz von dem auch während des Spieles hellerleuchteten Saale. So entstand ein Theater, das in seiner sympathischen Mischung von Vornehmheit und Intimität den richtigen Schauplatz für Mozart-Opern, aber auch [für komische Opern, die keine allzu großen Anforderungen an die Inszenierung stellen, für Singspiele u d Ballette abgeben mußte. Auch für Strauß^ „Adriadne“ war mit der Anordnung dieser Bühne der passende Rahmen gegeben. — Die bange Frage nach der Akustik dieses neuen Opernhauses ist nicht leicht zu beantworten. Nach den < Eindrücken der zweiten Aufführung scheint festzustehen, daß die Akustik des gesungenen Wortes mit der zunehmenden Entfernung von der Bühne immer ungünstiger wird, daß andererseits Ich bitte, ist Terpsychore ein jüdischer Feiertag? Unser Kamerad, der Korrespondent dier Redaktion, setzte sich hin und schuf der Wißbegier des »Freundes unseres Blattes« diese Befriedigung: »Nein! Sie dürften das mit Simchas-Thora verwechselt haben.« Man erfährt: aber auch, daß eine Zeitlang in iBicihÜ die drei häß lichsten Juden sich all sommerlich ein Rendezvous gaben. Es waren dies Ludwig D 0 c z y, Julius Bauer und Marx F a 1‘ ,1c, - von denen allerdings Doozy *upd Falk schon längst dem Judentum den Rücken gekehrt hatten, als sie noch immer allis die häßlichsten Juden in Ischl brillierten. Ludwig Doozy sind in dem Rückblick die folgenden Zeilen gewidmet: ^Erquickende Stunden, wenn Ludwig Doozy die witzigsten Gespräche und Ausführungen der Frau Cl'aire oder des Onkel Tobias /brachte und die Reddction-spausien durchplaudertie. Er, der dem Obergespan Dokus sich als sein Genitiv vorstellte und'einen Glaubensgenossen mit heftigem Gesidhtsvorspiiung namens David mit der Verleihung des aLtrömischen Dichternamens »Dovidius Naso« verewigte. Eines .Sommers ging er in die Feriennach Ischl zu seinem geistigem „Zwilliing-sbruder Julius Bauer, mit .dem er auch den Mangel männlicher Schönheit brüderlich teilte. Natürlich machten beide Unodcnisse der schönsten in Ischl weilenden Budaipeaterin Schulter am Schulter den Hof. Die schöne' Frau unterhielt sich mit dem geistreichen Dioakurempaar göttlich und eines Tages schlug sie vor ihnen ihr Stammbuch auf und hat sie um einige Eriruneru-ngszeil-eni. Bauer schrieb die zwei Zeilen hinein: »Man munkelt in allen I-scbler Buden, dir hofieren die zwei häßlichsten Juden.« Dann war an Doozy die Reihe und er setzte unter Bauers Beitrag seine zwei Zeilen: »Du irrst, du Schalk, morgen (kommt Falk.« Der gab, Wie bekannt, beiden ain männlichem Schönheitsbedürfnis noch ein-s vor. Der Sturm. Der Sturm, der seit gestern abends In Wien gewütet hat, hat wieder viele .bauliche Schäden verursacht, vielfach Teile von Dächern, Schilder von Häusern weggerissen, Planken umgelegt und sonst zerstörend gewirkt. Auch viele Fensterscheiben und Gaslaternen, besonders von Bogenlampen gingen in Trümmer. Der größte Schaden wurde heute nachts beim Bau der Floridsdorfer Brücke angerichtet. Ein beim Bau der Hochbrücke verwendeter hoher Kran wurde vom Sturm umgelegt. Er fiel auf die elektrische Hochspannungsleitung, unterbrach sie, so daß der Fuhrwerksverkehr auf der Brücke unterbrochen werden mußte. Die Feuerwehr wurde berufen, bemühte sich geraume Zeit damit, den Kran wieder aufzustellen, doch war das Beginnen ergebnislos. Ein Unfall bei Personen hat sich dabei nicht ereignet. Auch sonst sind verhältnismäßig nur wenige Unfälle zu melden, da die Straßen in der Nacht fast menschenleer waren. Dazu hat beigetragen, daß die Silvesternacht vorhergegangen ist, so daß die. Nachtschwärmer zumeist in der heutigen Nacht sich ausschliefen. Immerhin wurde eine Anzahl von durchwegs leichten Unfällen von der Rettungsgesellschaft behandelt. * Die Aerztehonorare. Der Vorstand der Wirtschaftlichen Organisation der Aerzte Wiens hat beschlossen : Die derzeitigen Geldverhältnisse erfordern auch bei den Aerzten Barzahlung. Honorare können nach jeder Einzelleistung einkassiert werden, die Honorare sollen, wenn möglich, hach Abschluß der Behandlung, spätestens aber drei Monate nach Abschluß der Behandlung, ein- Sefte 3j kassiert werden. Honorare, die nicht innerhalb! ' 14Tagen nach Ueberreichung der Rechnung bezahlt! sind, unterliegen einer Erhöhung im Ausmaße der airf faktischen Zahlungstage geltenden Tarife. ( * Die\iüdiscHe Proletarierpresse in Rußland. Ein für den Wandel der Zeiten in Sowjetrußland sympto-i matischer Aufruf findet sich in dem Moskauer jüdischen! Blatt ,E m e s* vom 6. Dezember. Die Redaktion des! Blattes meldet, das vom 1. Jänner 1922 angefangen, die] Zeitung nicht mehr wie bisher gratis verschickt wird sondern bloß Abonnenten zugehen wird und! im, Einzelverkauf, wie überall ift der bürgerlichen Welt;' zu haben sein wird. Die Preise sind selbstver-1 stündlich echt russisch. Für Moskau und Umgebung kostet! das Blatt ab 1. Jänner 30.000 R u b e 1 f ü r d e xt Monat einschließlich Zustellungsgebühr. E i n z e I n e! Nummern werden x 1500 Rubel kosten. Dieser Mitteilung widmet die Redaktion, entsprechend der. historischem Bedeutung, einen Leitartikel, der zu dem Schluß kommt/ daß die Lage der proletarisch-jüdischen Presse in Rußland jetzt stark bedroht sei. — Die bürgerlich-jüdische Presse ist von den Leuten des „Eines" unterdrückt worden. * Auftauchen falscher Pfundnoten in Wien. Ahfl 30. Dezember versuchte' ein etwa 32jähriger Mann mit schwarzem gestutzten Schnurrbart und grünem Raglan, Im! Barikhause Gaedike & Comp., Franz-Josefs-Kai 47, eine Nöte der Bank von England auf 5 Pfund Sterling ein-, zuwechseln. Als er bemerkte, daß man Mißtrauen schöpfe; unddie Note untersuche, entfernte er sich rasch unter« Rücklassung der Note. Sie erwies sich tatsächlich als gefälscht und ist dadurch leicht kenntlich, daß ihr da» Wasserzeichen fehlt. Der Mann hat gebrochen Deutsch gesprochen und scheint ein Serbe oder Bulgare zu sein. Messerheld. Der 50jährige Schmied Valentin Eggers Erzherzog Karlstraße 14 wohnhaft, wurde heute nachts voä einem Manne, mit dem er in Neukagran in Streit geraten! war, durch zwei Messerstiche am Bauche schwer verletzt;! Die Retturigsgesellschaft brachte ihn ins Spital der! Barmherzigen Brüder. - * Von einer Lokomotive getötet. Beim Heizhaus deft Ostbahn wurde heute nachts der. 50jährige Platzarbeiter, Josef Danzig, X., Geliertgasse wohnhaft, von einerj ausfahrenden Lokomotive erfaßt und niedergestoßen. Eß erlitt eine Zertrümmerung der linken Schädelseite und] blieb auf der Stelle tot * Feuer* Gestern nachmittags ist im Kesselhause desf? Zigarrenfabrik am Rennweg . ein Kohlenhaufen in Brand! geraten. Die Feuerwehr konnte die Flammen in einer, halben Stunde löschen. * Verhaftung eines pensionierten Obersten. Auf! telegraphisches Ersuchen der Staatsanwaltschaft ln Wiener-; Neustadt wurde am 30. Dezember um 12 Uhr mittags der; 43jährige Oberst .1. P. Alois Rabl, zu Pohl in Mährern geboren, nach Wien zuständig, in Wöllersdorf (Wasser-- kaserne) wohnhaft, hier verhaftet, weil er verdächtig ist^ an verschiedenen Diebstählen und Betrügereien zum Nach-j teile der Firma Trambusch & Eckl, die mit den Auf-; räumungsarbeiten auf dem „Mittel" in. Felixdorf betraut war, beteiligt gewesen zu sein* Er wurde der Rechtshilfe-* abteilung des Landesgerichtes Wien I eingeliefert * Selbstmord in der Straßenbahn. Gestern hat siclij der 22jährige Zahntechniker Leopold Stefanovic in den Taborstrasse in einem fahrenden Straßenbahnzug der Lin!« „O“ durch einen Ruvolverschuß getötet. Die Ursache der. Tat ist unbekannt * Unfall auf der Straßenbahn. Gestern riß deß Sturm der 12jährigen Schülerin Marie W i e s e r, Aigen-? Straße 10 wohnhaft, als sie auf der Plattform eines Straßen-j bahnwagens in der Nähe des Engel-Platzes fuhr, ihren Huf vom Kopf und trieb ihn über die Straße. Die Wieser wollte aus dem fahrenden Zuge springen, kam zu Fall und erlitt) einen Bruch des rechten Vorderarmes und eine Zermalmung des linken Fußes. Die Rettungsgesellschaft leistete ihr erst« Hilfe und brachte sie in das Kronprinz-Rudolf-Spital. . * Urania.. Heute, Montag, l/s3 Uhr (Großer SaälV Schülervortrag: Die Nibelungensage. Eine Donau-Reise, -h 5 Uhr (Großer Saal): Shackletons Südpolexpedition. — j Vs6 Uhr (Kleiner Saal Landesschulinspektor Hofrat Doktor! Anton Becker: Bau und Bild von Niederösterreich, V. — V96 Uhr (Kurssaal) Dr. Paul Müller: Einführung int Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen", VI. — */a6 Uhrj die wenig günstige Verschmelzung von Streich- und Blasinstrumenten in den hinteren Parterrereihen eine Ausgleichung erfährt Den Frauenstimmen scheint die Akusti.c des Raumes schlechter mitzuspielen als den männlichen Stimmen und schließlich leiden die feinen Näancen des Piano, während das voll ausströmende Fortissimo durch allerlei Nebengeräusche ge Ir übt wird. Das Ohr des Hörers wird sich wohl an die Schallverhältnisse erst gewöhnen müssen, wie auch andererseits iie Akustik des Raumes durch allmähliche Imprägnierung des Saales mit Musik mancherlei Verbesserung erfahren mag. —^ Man denke nur an die ideale Akustik des alten .Bösendörfer-Saales in der ursprünglichen Reitschule. Die Aufführung unter Direktor Schalk besitzt erfreulichen Schwung und leichtflüssigen Lusispieltön, wenn auch nicht in jener idealen. Vollendung, die Mahler in Salzburg erreichte. Sie zeigt freilich auch die kleinen Mängel, die jeder neuen Sache anhaften, namentlich das Orchester, das trotz Abdämpfung und kleiner Besetzung noch zu stark ist, wird sich noch mehr den neuen Raumverhältnissen anpassen müssen. Herr Mayr bot als Figaro eine oft gefeierte Glanzleistung. Seine Wärme, sein' Humor, sein herrliches Organ, sein ausgezeichnetes Parlando bedarf keines neuen Lobes mehr. Auch Herr Duhan als Graf Almaviva vereinigte feinste schauspielerische Charakteristik mit reifer Sangeskunst ' In kleineren Rollen wirkten die Herren- Norbert, G a 11 0 s, A1 a d i n und Breuer, der auch für die Spielleitung zeichnete. Von den Damen, die keineswegs des Ensembles bessere Hälfte waren, bemühte sich Fräulein Born eifrig um die Gräfin» ohne die nötige Reife des Mozart-Gesanges aüfzubringen, Fräulein R a j d 1, eine herzige Susanne, mag ein besserer Cherubin sein, dessen Partie Fräulein Schöne anvertraut war, Frau Kittel und Fräulein J 0 v a n 0v i c vervollständigten das Ensemble. Der volle Klangzauber wird sich wohl erst nach wiederholten Aufführungen und akustischen Verbesserungen einstellen, eine wahre Augenweide vermag der herrliche, im Lichterglanze strahlende Festsaal schon heute zu bieten. * Michael Bohnen, der interessante Schauspieler, absolviert wieder sein Gastspiel im Operntheater. Auch auf der Opernbühne bleibt er der große KinodarstellerJ der mit souveräner Rücksichtslosigkeit die Bühne be-j herrscht Wie sein Ton unruhig hin- und herflackertj und im getragenen Gesang wesentlich an Wirkung1 verliert, so wirbelt er selbst blitzschnell auf der Bühnet herum, immer aus dem Moment der Ueberraschungj neue Wirkung schöpfend und so die Masseninstinkte? des Publikums nutzend. Sein Mephistopheles in der, . Oper „Margarethe“ ist nicht Gounods ' eleganter; Kavalier, sondern ein /Stück Naturgewalt, roh und! ungeschlacht, wie sein riesiges Stimmaterial, ein/ Dämon, der alles bezwingt Das wilde Brio, mit dem er das Rondo vom goldenen Kalb in das Haust schleuderte, entfesselte einen orkanartigen Beifall, den er mit der Wiederholung des Rondo quitterte; es zeigt aber auch ein tolles Draufgängertum, das jenseits aller echten Kunst liegt Der Faust des Herrn S 1 e z a. feist-'gesanglich ebenso frisch und unwiderstehlich wie vor zwanzig Jahren, Frau Kiurina mit ihrer glockenhellen, engelgleichen Stimme ein entzückendes Gretchen bis zu den Schlußszenen, für die sie die vollen dramatischen Akzente .nicht aufbringt Mit aufreizender Gleichgültigkeit treten die Damen des Balletts zu ihren Soli an, zeigen ihr anmutigstes Lächeln und ihre Fußspitzentechnik. Noch immer fehlt der Mann, der das in alten Formen versteinerte Ballett neu belebt v » Im Konzertsaale erfreut Opernsänger Heinrich Ti em er durch seine schöne, klingende Bariton-] stimme, die mit ihrem dramatischen Ausdruck nach! dem Opernhause verlangt. — Der hübsche Sopran des Fräulein Germaine L e u b a besitzt vorläufig noch nicht die Freiheit des Liedvortrages. Das Material ist ansehnlich, die Kopfresonänz funktioniert, Höhe und Mittellage sind gut gebildet und lassen Bestes für die Zukunft erhoffen. — Die kleine Stimme von Lily Gerold steckt noch im Halse und der Gesang ist noch schülerhaft; immerhin ist musikalische Begabung? vorhanden. — Die junge Pianistin Elly L ü 11 m a n n besitzt nebst ihrer Eigenwilligkeit Kraft und Energie für Eugen Linz spricht außer seiner soliden Technik das ehrliche Ringen nach höheren pianistischen Zielen. Dt Erwin Feld eM

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