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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-02 · Heft 1051 (2.1.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1051 (2.1.1922)
Date
1922-01-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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In seiner Antwort auf die. Glückwünsche der tschechoslowakischen Würdenträger;'ch-lclärte .', Präsident Mä s a ryk, die im Dezember 19.18 . in Paris skizzierte und später äusgestalfetek lse X n .e .E n t e n t e habe sich bewährt. Die TscftecU.örSlowakei habe wertvolle. ir e tf n.d s c h af 11 ic H e 6 e zi.e hunge n / zu P. ö l e n und zuletzt zu 6 e s t e r r e! c h angekiiupft und so die engere Orgänisatroii; eines AoLeh/Ml^ü von 'Europa ' erlangt Es ‘sei NÄ noch Ungarn 'Wrig und er hoffe, daß 'auch.mit'diesem eine^'Einigtirig-zustande kommen werde, f Die. Ö r g an i sAii q n Z e n fr a:l e u r o p. as, geschehe. * in' Ü e d e re i n-' s t! m m u n g mit d e r; E -n t e n t e. Mit‘Freude, begrüßt . der Präsident" die ^Versuche; Äerikqs um ein . Zusammenwirken mit- Europa/ Eine/große Sorge bereite; Europa üifd der. ganzen Menschheit Raßl a n d. Augen hlickliclr h?ndle es sich,freilich darum, Brot zu verschaffen; - doch' miisse RüßläncFauch bei der wirtschaftlichen Erneuerupg/und bei 'der Wieder-' aufrichtung seiner Eisenbahnen und des ganzen'Verwaltungsapparats gebölen werden: Das V e r h ä l tnis zu De u.t sch I ä n d,'an-dessen Reorganisation; die Tschechb-Slowakei wegen /dergeographischen Nachbarschaft Und der alten; ‘insbesondere wirtschaftlichen Beziehungen -das * größte/ Interesse , habe/ sei w o h I w ö l l e n d lind werde es. bleiben. Der Kampf gegen das p a n g e r'm a-n i s c H e p r e-u ß /s ^h e D e u ts chl and sei a b g e ste h l o s g e n, die Tschechoslowakei wolle den Frieden und •: wünsche deshalb "die baldigste.w i r t s cha f t I i .c h e und k u 1tür e l l e W i e d e r a u f r i e h tu n g > D e u ts chl ands. We'gÄM/UÄiAönye? nM^ruhitz!,zusqhem,; wenn/dte beiden größtem Völker Europas, Rußland und Deuthcfi-* land/ die unseligen Folgen des . Krieges' nicht /Über*, stehen/: Wenn diese beiden Staaten;n i c h t sä n i e r t werden, .können sich auch die kleinen und kleineren Staaten Mitteleuropas, ja selbst' die größeren Staaten im Westen nicht ruhig entfalten. .Der Präsident hebt den friedlichen Charakter des Verhältnisses zu allen Staaten hervor. und erklärt, die kleine Entente und die Abkommen mit Polen und Oesterreich seinen rein d e f e n s i v und organisatorisch und dienten dem Brie den. Berlin, 1. Jänner. (Privat.) Einer Pariser Meldung zufolge haben an der Zusammenkunft die industriellen sachverständigen Vertreter Englands, Italiens, Belgiens und Japans unter dem Vorsitz Loucheurs teilgenommen. Man gelangte zur Abfassung eines Planes, der dem Obersten Rat in Cannes vorgelegt werden wird. .' Eine hervorragende Persönlichkeit erklärte . einem Vertreter des „Intransigeant“: Die Versammlung der 1 Sachverständigen beschäftigte sich weder mit der Frage der Reparationen noch mit den Sorgen der-Wirtschaftskonferenz, sie. prüfte bloß die allgemeine:;Lage vom wirtschaftlichen Standpunkt Diese Prüfung brachte den Delegierten die Ueberzeugung, daß , die internationale Solidarität notwendig sei. Die Frage, die die besondere Aufmerksamkeit der Delegierten in Anspruch nahm, war, in welchem Verhältnis die verschiedenen Staaten an dem internationalen, Konsortium teilnehmeh sollen. Die Delegierten wurden einig, daß Frankreich, Großbritannien, De u t s c h land und Amerika die g 1 e i c h e n A n t e i 1 e zahlen sollen, Belgien, Italien und Japan weniger, Holland usw. dürften überhaupt an! einer Zeichnung nicht teilnehmen. Ein engeres Komitee. wird die endgültige Formulierung der Vorschläge besorgen. . Paris, 2. Jämtetv (Wolff.) „Echo de Paris“ ver- . öffentlicht Einzelheiten über die von alliierten Sachverständigen angenommenen Leitsätze zur Gründung! eines Finanzkonsortiums für den Wiederaufbau Mittel- und Osteuropas. Danach müsse Deutschlandan; dem Unternehmen teilnehmen, da es. in Mitteleuropa . ein i Faktor erster Ordnung iii finanzieller und industrieller; Hinsicht sei; Ferner heißt es, es solle in:den Statuten dieses Konsortiums bestimmt werden/ daß Lieferungs¬ und Arbeitsaufträge jedem Lande im Verhältnis zu dem Kapital, mit dem es sich beteilige, .zugeteilt werden/ : Parle, 2. Jänner. (Havas.) Im Senatsausschuß für! Aeußeres erklärte Ministerpräsident B r i a n d beziig- Die f schecho-SIowakei brauche - eine _ wohin organisierte- Armee, aber nicht i m S i n ne d e s M i 1 i t a r i s m u s Sie werde nicht/ gegpn die allgemeine Abrüstung; sein und begrüße die Washingtoner Konferenz und ihre Absichten. Der Krieg , sei ein großes Uebel,- die Verteidigung aber eine-Pflicht.r > >/' •,.; . ' . Die Tschecho-Slowakei müsse trach/eri; ein wirklich moderner und republikanischer Staat zü werden,, ein ge r echter, k ei n h e‘r t; s, c h ende r 81 ä a t. Bei Besprechung der Sözialreförm' erörtert er seinen Standpunkt zum Kommunismus: und* erklärt sich > als ein Gegner desselben... ':■>■■■■; u Schließlich kommt Präsident Ma^aivkauf das deutsehe Problem« zu sprechen, Nach seiner1 Meinung sei; die t s .c b e x;h i s.ch-d e u. t.s c h e ,F ,r ä-getd i e! w;i CfhTi gSrt.e^r ja -, die;Tschechoslowakei" habe ' eigentlich', n-u r; diese Frage. Der tschecho-slowakische; Skat r habe; sich; historisch einheitlich entwickelt und. /müsse es daher, bleiben.; lieber t eTT.i t o r i a 1 e : Au to n omf e.könne und werde;n ix h t. verhandelt! werden. Das:-la^se auch die unvorteilhafte Konfiguration 1 der. Minderheiten nicht'?u. Den: deutschen' Landsleuten. : gebühre;aber; Anteff an^der •Ädministratiye .und. an der " Regierung. -Diese Mitwirkung' setze. ^allerdings; eine loyale. Anerkennung des Staates ohne Jede Zweideutig-/ keit voraus. Die Deutschen hätten, bereits / vor dem;; Kriege; die, Parole ausgegeben, daß sie; Tschechisch lernen sollen, anderseits werden / die : T s C h e c h;e*n D e u ts c h. lern en. / //;.: /; ,/ c; -; Der/Präsident gibt dem Wunsch -Ausdrucks" daß'; die' Regierung/in allef/Fragen/ unE insbesondere -- inl nationalen * klsresunAMMMtes Programm^ habe - und -nach demselben ohne; Rücksicht auf -das, Vorgehen der Opposition handle. Europa und die Menschheit seien durch den Krieg und die Regelung durch der Friedensvertrag bei einer Stufe angelangt, auf der n a t i o n ä l e r Cb a u v i n i s. m u s ü b e rwunden sei. Der C ha.u v i n i s m u s sei überall K r ä h w i n k eie i und drohe durch seine Blindheit und seine kleinliche Herrschsucht überall das Grab d e r F r e.i h e i t u nd Selbständigkeit zu werden. und Osteuropas. lieh der deutschen Schuld, daß die Lösung, cie man annehmen werde, auf keinen Fall weder, die geschuldeten Summen noch die Sachleistungen 'werde vermindern dürfen, die Frankreich, vertragsgemäß .zu. den nächsten Fälligkeitsterminen zukommen müssen Was die Besprechungen über die wir tsch aftl i c h e W i e d e r a u f r i c h t u n g E u r o p a s anlangt, teilte Briand mit, daß die Möglichkeit einer Zusammenarbeit nicht zwischen den Regierungen, wohl aber zwischen den kommerziellen, industriellen und finanziellen . Organisationen der verschiedenen Länder in Aussicht genommen worden sei. In Besprechungen zwischen den * Staatsmännern müßte versucht. werden, fügte der Ministerpräsident hinzu, Mittel und Wege für die Stabilität der Wechselkurse ausfindig zu machen. Der deutsche Geschäftsträger in Washington, Washington, 2. Jänner. (Wolff. Funkspruch.) Der deutsche Geschäfts träger L a n g hat sein Beglaubigungsschreiben überreicht und ist vom Staatssekretär Hughes empfangen worden. Die schnelle Anerkennung des deutschen Geschäftsträgers, der erst am Mittwoch eingetroffen, ist, ist auf seinen Wunsch zurückzuführen, vorn Präsidenten Harding beim Neujahrsempfäng am Montag zusammen mit anderen Mitgliedern des diplomatischen Korps empfangen zu werden. Rumänien will den Petroleumexport steigern. Bukarest, 3i. Dezember. (Orient-Radio.) Der neue Minister für - Industrie und Handel Orm.olu bereitet eine neue Regelung der Petroleumbewirtschaftung vor,, die das Ziel verfolgt, den Exportzusteigern: und bedeutend zu erleiciifprn. Das neue Regime soll am 15. Jänner in Kraft treten* Brief aus Lemberg. Nach der Volkszählung;. — Die osfgalizisch£ Frage. — Der Tod der Schnitstelleriri Zapolska. Lemb e r g, im Dezember.; ■—.Einzelne, pcftnfeche Behörden in Qstgadiziea* scheint,es; uinainigenchm zu berühren, daß sioh /die' : Judiettihdt, bei ,r*er Jetzton Vclkszablung : zuir jüdischen' Natiopalitä/ bekamintt hat.', Nwn. ■ versnichen . sie’ - j.eüzt die - .Jude» zu be wegen, naichträglich; die . Ang.#e. »jüdigdhe« in T^pülnisiaheÄ/Nctionalität-utnziu-1 andern. So erschien am .2. Dezember Jn. O-l/s z y c e: ein- Kicnrmjssär der Cieszs^nower Bezirkshaaitp'tman'nsdi'afit, ließ in das Gemeindeamt die Voirsteiher des*, jüdischen Gemeinde, Pinkas D v m, Elia' Hors z ew k 5 i, 'Sfaf/cmoin: ■ Li eher ni a n n^/ /'Chaita- Zi.m e t und Petaicf.-.ija S ch war z, rufen, tarn: ihnc«/ / zu./erklären,, daß die orthodoxen- Juden sich sitetsv lÖMi/benxinmen ,üpd.gemeinsam *fnit. den pp-lon^ger ' arbeitet: haben'. Der. Schluß' seinerAusführhnW^' * klang in die Aüffcirderunig aiis, die-Rübrik'iNattbinia- .. lität« zu ändern. Aiber-'-alle Drohungen, sofioirt tnif. Schikanen, und, Repressalien, .ekiizwsetzen, bhieben-er- , folglos. t Die jüdischen . Vertreter Jerklärton^ daß die’: Juden nadh ihrem; eigenen WiMendie VolkszäSrngs-’ bogen ausfulb-en und/sich zu ihrer .Nation * bekannt: ' . HÄbsn. — In ‘L;u b a c z o'w verweigert: der 'BezMU-t - . -hdupfniLNih .die- .-Ausfölgün-g von; Identitätsscheinteh . ääi /Juden, solange; si'e'nicht' die/Nationalf-äts'rubfii:'; .ändern. Er erklärte'sogar; daß fhan-'m* Polen 'Pole' sein müsse, schließlich-stehe,es„ den Juden frei, <um: /rde-ntitätsscheine bei den Bedrkshduiptleuiten Ü-n! .; P a 1 ä s t jh a /bjttlicührjzu ' werden./- Da/mäin; alheu bei/..dem,?gegenwärtigen .verschärften,.Ausnahmsi zü&tcmid/’itt/O'slgälizien/ohne’ Täenit'itätsscKeih /der^ W.oC-fliort nicht verlassen kann, ist .es leicht begreif- ‘ lidij welchen - Schikanen /die dortige 'JüdenschaLx /aiusgehejertdst. /Hs 'M.'krdgUch, .ob-es gejingM, Mrd,-.- Zer ijüdjMhen/B's-..! vxlkcrung /zu'-.‘-gevvunnDn7'/Wo -'>K6M".:§6sr- --- "W"" V/hrschauer Regictuiu-g. mit . ihren/ erst'-.vor., einigeu- Tägen 'den Vertretern der ostgähzischen,' Jü-depheit. D-r. Reich und Redaskteur F/r o s tig ‘ gegebenen!" Zusage, alle Schikanen und * Mißbräu,dhe der Be-« hörden. abzaiistellen? . ■y*. / In den letzten Tagen enthält die hiesige Pies’Sd des öfteren Nachrichten über die bevorstehenden/ Lösungsarten der ds'tgalizisdien- Frage.: So - wird zuletzt eine Nachricht verbreitet, denzufolge nach Mitteilungen von Kreisen, die den Wafsdhaueii Ehtentediploma'ten nahestehen, Lloyd G e o r g e- ' und Briand bei ihrer letzten - Zu&ammenkunfl; auch' die ostgaliziisohe Fra,ge 'besprochen;haben sollen. Beide Staatsmänner sollen; zu einean Ueber-i ' einkommen gelangt; sein, Polen für .25-; Jahr,e eiW Mandat .über Ostgalizien zuerteilen,. Sollten aib^ß ' bis ,zu; diesem Zeitpunkte in Rußland geordnete; Ver* hältni^se ein«treten,. dann solle Ostgalizien;mit Aus-• •Schluß des Napbtbagebietes und der Stadt Lemberg an; Rußland; fällen. Da« N.aiphth'ag'öbiet verbleibt bei! Polen, da Rußland;in Baiku genügend Petroleum, hatü- All diese Nachrichten werden hier skeptisch), aufgenommen. In maßgebenden; Kreisen ist. maatl sogar dj?r Ueberzeugung,/daß sie, mit der- Absiciht ' lanpiert werden,-,, die. Ukrainer, von "d$r -Aussichten ' lösigkeit-auf .die. Erlangung eines selbständigen /Osts*" , gralizied. zu überzeugen und desto leichter zu' Verhandlungen zu bewegen. Ob diese.Taktik entspre* di'end" ist," wird' erst die Zukunft' zeigen/ . - K , Heute ist hier (wie bereits berichtet) die be» rühmte polnische . Schriftstellerin Gabriele Za'* polska im Alter von 62 Jahren gestorben.--Ihre literarische Tätigkeit war ungemein reichhaltig und umtfaßte. das Gebiet des Romanis und Dramas. Zu ihren besten Romanen zählen »Ein de Siecle«, »Kaska Karyatyda«, »Vorhölle«, zu ihren bestatt /Dramen und Schauspielen »Fräulein. Malczewska«,. »Die Moral der Frau -Dulskai«,. »Jungfe-rnahend«-, »Mallka Schwarzemkopf«. In ihren Werken hat.Fraiu; Zapolska mit dem Realismus eines geradezuunbarmherzigen Beobachters'die "in der Gesellschaft .vorherrschenden konventionellen Lügen und als deren. Folge die schreckliche Demoralisation .dar* gestellt. Sie schilderte auch objektiv das jüdische/' Leben mit besonderer Berücksichtigung der würde* löten Ausfälle des Antisemitismus gegen die .Jude#, In ihrem Roman »Anty'semitni'k« geißelte sic die Journalistik, die mit unverantwortlichem Raffinement die schmutzigsten Instinkte des Rassenhasses hervor'zuTufen bestrebt ist. In ihren Schauspielen »Malka Schw2irzenkopf« und »Jo'ne Firulkes« schilderte sie in sympathischer Weise das jüdische Milieu,- Ihr Tod hat bei der hiesigen jüdischen Bevölkerung/ , tiefste« Beileid hervorgerufeUf - Rloai, :.v Das Konsortium für den Wiederaufbau Mittel-

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