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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-30 · Heft 1048 (30.12.1921) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1048 (30.12.1921)
Date
1921-12-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seift' 8 Wlenr Freitag 3. Fortsetzung. —infr»Yriitrty*^nyK WIEN^'TfDK'GElJZElTUKiT 30. Dezember ,192t Nfr. 1048 Der nette Jude. Von Nahttm Sokolow. ' »Sind S‘ic. ein Reformator?« . »Nicht lvo.n diesen:- Sorte; alle die sogenannten• .religiösem Reformen im jude-ntunn sind' tutir ••einte] ATicha-himmg. des Pdotostantism its. Sie entstammen Ktuch dein prctesttaotischeii Teile' Deutschlands.-Sie’ entstanden durch die oberflächliche .Vors.tell'U'ing. ijitdisrheai Wesens. Sie sahen die Form-' als Wesen- LN. und fq tarnen .sie zur Reformation. - Joden tura; ist. cbe. Rdigiqn, doch lvicLt rnur 'eine Religion.. Wiele. Rassen und Nationen halben den .protestamsti- .4>chen Gleuben:‘Judentum ist die Religion. nur der •.Nachkommen, der jüdischen Nation. Die! . Lehren; nud Bräuche des Protestantismus sind entweder, metaphysischer Narnr oder mit gewissen ethischen; iBrimzipiem verbunden. Die Lehren des Judentums,’ seine ältesten Bräuche und Zeremonien sind mit. Jüdischem Naticin-alisrnns verknüpft. Alle die >re-; formierten< jüdischen Predigten stellten mv-r eine Konkurrenz .mit dem Christentum vor und da-s. war ein großer Irrtum. Lasset Christentum Christen-;; tum bleiben und Judentum soll Judentum* bleihen- Das- Cihrisrentum möge sich erinnern, daß die c§rste, der Menschheit' würdige Gesetzgebung, die Moral-', gesetze im Gesetzbuch Mcisis und im den Predigten der Propheten jüdischen Ursprungs waren — oder es mögesteh dessen nicht erinnern. Je deutlicher;wir ttmser Judentum bewahren, desto ‘besser wird’ das Christesi't'um sich dieser Wahrheit bewußt weiden. Tief im m-emd-m Herzen bewahre ic»h. wie einendcosiibr-ren Schatz, meinen jüdischen, religiösen, Glauben, aber ich bin ehr 'Jude, unabhängig von' 'dem Grade, vom der Richtung und Neigung meines-- Gl-aubens, da mein Blut, meine Rasse, meine Men-' ■halität, mein Ges-ohmaok und meine - Sehnsucht, jüdisch sind..« , rSie sind dän.11 ein Jüdisclmäticuvaler?-: m;;; »Ein neues Stichwort. Wir sind jahrtausendelang ein bestimmtes Volk gewesen und' haben- Unsere eigene Heimat überall in. unseren Herzen,' unseren heiligen Rücheun, unseren Gottesdiensten,! milgetragen., Soll der Nationalismus Fcindselig- ' kcitK- Verfolgung .von, ande.reu Nationen, Engherzigkeit T»nd Rajssenff^ bedeuten., so verwerfe ■ ich jhn, denn er ist meüiien, Ueberzeitgtingen, meinen. Antrieben, in einer , Se-h«n®uoht und meinen I-nterj essen, ^als-Jude , entgegengesetzt. Doch bedeutet Nötionailisrnns so,, vjeil ,wje eins sein, mit seinem; eigenen Volke-,,sopbip ich jüdisch-national. Ich fühle -mich :eins.;;mit jmejnem Vqlkg. Mögen auch heso-ndere jaden oder kleine,Gruppen von Juden geneigt sein, den gerri’eiinsanvpin /Bund, zu verwerfen,- die jüdische ..Nation. willigte, nie jn die Vernichtung ihrer. Nationalität' ein. Solche Gruppen venschwain-: den; die .Nation bestellt.« , . . y,~. - .-■•Sind Sie fest überzeugt«, fragte ich, »daß-die : Zukunft -der-jüdischen Nation ganz sicher ist?« . »Es ist -bei:-mir ekin Dogmia -und kein Predigt-, text. Es ist eine-Sachedes Willens «und -der,Wille ist .eine ungeheure K-r'afi. T)ie, Juden werden dasselbe Schicksal zu erleiden haben wie alle Nationen,; v«enn sie’ ihre', ruhmreiche Vergangenheit aiivfgeben oder wenn 'sie; sich; von der Muittorbruist. der Mensch- . ' lidfkeit loslösen,.um.in Einsamkeit zu leben und -sich : der Erschöpfung und dein Verfall auszittliefern. Die Juden haben -'eine•• Regenebati-ön sehr, notwön^ig.« »Verstehen Sie, darunter au>oh ein -religiöses' Wiederaufleben?«: - . . , Er sah -mich erstaunt an und; eine schwache Röte ’ färbte seine Wangen. ■ * J ’ »Sie sprechen«, sagte er, »wie ein-deutscher Theologe, ein liberaler, deutscher Theologe.. Solche" Phrasen‘ sind bloße Nachahmung. Wir müsset! das. Bewußtsein erlangen, daß wir einfach Juden sind ' das ist alles. Wiederbelebung und Rettung vom Ver-; fall •kann nur jdurch Rückkehr, zu' sich' selbst und durch das Wie-dererfassen der eigenen .Vergangenheit erfolgen. Ich meinerseits habe ein tiefes’Inter-.; esse für religiöse Ding?, doch ich betrachte dieses Problem -von;'einem breiteren‘Gesichtspunkt ajU'S.j Unser .Zeitalter;’ ' mit wissenschaftlichem •Geiste - durchtränkt, ist Augenzeuge, wie künstliche Stützen der «Religion niedergestürzt, Glaubensbekenntnisse geprüft-und ^Dogmen bestritten werden und es er fordert Realität, einen'Glauben.' der tiefer, ist als deh | tiefste Abgr.und; Eine "wirkliche Vereinigung mit. ,-dem.Geiste. Wir sollen mi-efif.hach Doktrinen fragen.« •und suchen oder. njtph -Zeremonien, oder nur, Bräuchen, sondern ihren tiefsten Ke.rn erfassen: Daß1! das - Glaubensböketmtiiis^ .nur , eine äußere geistige; Formel ist.'. Ein. leitender .Grundsatz unseres 'Lebens * , ist* die Rückkehr zur iNätur. 'In meinem Geist' bur* ’ ’gerte...sich 'fest die'.Ueberzeügüng. ein, daß es ge-'; macht werden kann uhdrsojl. 'Wir' müssen Wirkliche'; keitenj." grosse JüdischeWn&licfokeiten schaffen.« - i -Diese Worte, die ^er_mit *-sein er* verträumten^' i leidenschaftslosen Stiniime „antssprach, regten* meine!; Einbildungskraft an’. Große jüdische ‘Wirklichkciteiil Schienen diese Ideen ach überspannt, so waren sie i ihm gewiß real ei- -als dä-stLeben'selbst. loh.'wünschte noehrhtehr .’itber diese Mebn zu hören. . - -; i tu; ^Hsben Sie es-:jei.versiicht, Ihre Brofes-sorertt . oder-Ihre jungen ‘Kollegen izui überzeugen.? Und. .wie, ' steht esi mi*t Ihreil S todj&iL- Sie-werden.sie-wah 1 dalA' •b-eefid'en:?« Er nickte lejnst. - : -- ’; [ 1 ’ v-i v* Ich i bin <1 er gantzen.. Gesphichte schein,: m ü d e.! Was I hilft-, mir' all meinedGelehnsamkeit? Soll.i'chmich: äh;., eine Art' reformierter i. oder - .orthodoxen'. Theologie blinden? - Das wäre:ja ein Widerspruch in!l sich selbst, reine Torheit. . Dies ist keim Mauigel ani.- Achtung-, vor meinenvorzüglichen-Professoren'. Ichö bewundere ihr Wissen '-und ihren Sinn -für das - Ein-: zelne ü-nd für Systeme.: Sie sind sehr gute Mänaerr' tsnd' sie sind voll .'Bewünderihmg fürs »Judenttim«, doch-'in ihrer eigenen1 •■phontai’stjschen -und senitimeii-5 tajofi - Weise. Sie. betrauern - die Vergangenheit» ’ hassen älbe-r iiinsere Gegenwart. - Eitmzelheiten über.’ Juiden, 'die , vor -tousende-ri "Jahren lebten-, bedeuten>l für sie niehi als alledie Leiden und -SehrnsnzenP lebendiger Leute. Alle ihre Gedc.r.fcen sind auf taiuBend-.- -und zweitausendjährige hebräische Sätze ■gerichtet; sie , könrfen es, -sich nicht vergegetiwär-, .tigen-,;da.ß das; Hebräi'K-he : lebeindige Spraiöhe war -. i-ujiad .daß, die- Sprache und. da>5 Volk, das sie nicni^. heute - 'Spricht, lebendig sind, , (Fortsetzung folgt) *■< Theater von heute. Burgtheater: Das Glas Wasser Staatsoper: Margarethe (Faust) ... Volksoper : Die Boheme Deutsches Volkstheater: Frühlings Erwachen . Wiener Kammerspiele: Untreu — Morphium JosefstädterTheater: Fernand’sEhekontrakt7 7 7 Anfang 7 V.7- V-8 7 - 7 10 Neue Wiener Bühne: Beverley Wiener Stadttheater: Blaufuchs Renaissance-Bühne: Uli Grün Raimund-Theater: König Richard der Dritte 7 Carl-Theater: Die Bajadere 5/47 Theater an der Wien: Der letzte Walzer 7 Johann Strauß-Theater: Eine Sommernacht 7 Wiener Bürgertheater: Pipsi %1 Wf.Komödienhaus: Die fromme Helene 7 Lustspieltheater Gastspiel der jiid. Bühne : Gätiuwim (Diebe) - V«8 Roland-Bühne <jüd. Bühne): Jankale '/»8 R OLAND (Jüdische Sühne) II.Praterstr.25 Tcl.49129, 9553| Mali Pkon u. J. KaSich vor ihrer linsise iss Ausland : 9553 Heule» 30. Dez. | Letztes finfhetea von Mali Piron and J. Kalsth- .'in „JsKkaSe^ % mmimu-uMB f Uiliiilüililihiüüüiliüiiüil tiüiüiiiiii iülüiiiilhiliiüiiüiiiiiiiiülllüüüiiiliüiil »E^SkMlKSSSSS - ' PASSAGiSR- U. PAAemAKS»PER zmsmm HAMBURG NEW-YORK -- - r ,r -- . Nächste Abfahrten: D. Minnekahda . . . 4. jänner D. Haverförd . . . . 18. [änner D. Mongolia . . . . 1. Februar mmimu-UMg. WIEN I, KÄ*RNTS«£RAI^G NR. 4 T2XEPHOX W IV. WIEDNER 6URTS8» 10 TELEPHON 53M3 'MUR W/y nachweisbar basier rA GUMMI LZ Preisliste gratis '^'.OLIA-Gumraufidlraiey WIEM \\J Pratartlr.5?L In der Israel. Kultusgemeinde Subotica ist infolge AbJ lebens, der Posten eines zu besetzen. Die Stelle ist mit einem Jahreseinkommen von zirka 150.093 jugoslawischen Kronen verbunden.. Reflektanten wollen ihre mit glaubwürdigen Dokumenten belegten Gesuche spätestens bis i. März* 1922 an den gefertigten Kultusvorstand einsenden. . - . Reisespesen werden nur den zur Probepredigt Berufenen vergütet. r * ' . ' LSübolica, 20. Dezember. 1921. ,-.;■ . * : f - ..• , . Für den Tfultusrorstand:; ■ Dr. Klein i ( t Gcmcindcpräses - . ’. : ' ’ ’ •.935!'' ’; Hillebrand & Co. Wien, VI., Webgasse 27 . ■ , ... i. \ . - . . . Silberemall-Zigarettendosen kür Damen, u. 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