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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-30 · Heft 1048 (30.12.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1048 (30.12.1921)
Date
1921-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fjnsamuwmer K 20 Wien: Zuin Abliolen in der Expedition, H.,Taborstr. 1—3, oder in einer Verschleißstelle <Trafik) monatlich K 1000.. Mit Postversand fürWien und Oesterreicli monatlich K1000. Tschecho-SlowakeirMoi}. Kronen 20. Ungarn: Monatl,. Kronen 120. Jugoslawien:, Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland-: Monatlich Mark 25. Frankreich: Monatl.Frcs.6. rrner Nr. 1048 Wien, Freitag, 30. Dezember 1921 rseR3tno.sie#siM> tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire 6.! Rumänien: Monat!. Lei 40J Schweiz und das übrige] Ausland monatlich Francs 3; Redaktion u. Administration. Wien II., Taborstrasse 1—3j Telephone: 44-0-38, 43-3-19; ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse:„M.orgenzeitung“, Wien.- ° Oesterreichisches . Postsparkassenkonto 150.693. 3. Jahrgang Die Sitzung des zionistischen Aktions Komitees. Der innere Feind. —y. W i e n, 30. Dezember. Hier Vertrag von .Lana. ist eine der wenigen politischen Aktiven, die Oesterreich seit dein . Umsturz, erlangen konnte. Er ist der -Beginn, zur Heilung des mitteleuropäischen Siechtums,,, indem, .er die Isolierung der einzelnen! Kleinstaaten sprengt, . ihren Zusammen-- Schluß zu ‘ einem großen Wirtschaftsgebiet , ahbahnt und; dazu beitragen, hilft, '.che wirtschaftliche. Unäb -' hängigkeit des Donau - Oder - Gebietes.. herzus/ellen.. - Die Vorteile,' die sich aus"' der folgerichtigen; Uebertragung drr Grundidee dieses Abkommens äitf' die noch nicht angeschjossenen; Staaten. ergeben würden, sind jedem phrieweiters klar und lassen selbst die offenkundigen Mängel, die aus ■der 'buchstabengetreuen Anwendürig . des Irredenta-; Paragraphen entstehen könnten,-in,den Schatten tretend Damit diese Bestimmung nicht ’ durphgef ührt.. wird, . müßte' eben kein Grund hiezu - gegeben werden. Trotz aller Bedenken, die sich aus der Möglichkeit einer inner-politischen Intervention der Präger Regierung von selbst einstellen und mit denen sich keine demokratische Ordnung abfinden kann, muß - man im Hinblickauf allgemein bekannte Tatsachen sägen, daß kein Staat die Existenz einer gegen ihn gerichteten Organisation in dem Zentrum seines Nachbarstaates ruhig ansehen- . kann. Was dem - einen'recht -ist, \ muß dem arideren billig sein und diejenigen, die heute , in Oesterreich für das Recht der freien Meinungsäiißerung eintre'en, haben das österreichische-'Ultimatum gegendie „subversiven - Elemente - in Serbien“ mit ihrenv ’ Säbelfassein uhter-: stützt. Das Gute; das im Vertrag von.-Lana liegt; besteht ' in .der'.'nun . beginnenden Gegenwirkung gegen .' die ... BalkanisierungMitteleuropas. EinÄ^psiawische Stimme, . .die wir; gestern4’ zitiert'*haben,- Mj^lHhafte Beschwerde; gegen die . jugoslawische AußenpoStiic; die sich'bisher Qesterreicli;"'gegenilberä auf den.. SMdpürikt des Sieger-' staates-vg^stellt-4hafte.' Dieser Standpunkt läßt sich beute; mÄ.vmehr-'^aüfreclitliäfteri. ■ - Die;;Nachkriegskrise hat -längst alle JUnterischiede zwischen' - den * Staaten, die aus' .dem^Kriegsende,ab^uleiten wären, verwischt und die überhastete 'Art,;1 in der die Teilung ' der gewesenen .Monarchie >durchgeführt wurde,-' "ist in ■■ ihren schweren ü Konsequenzen - vbri ■ ■■- der Allgemeinheit; -bereits - abgeurteilt -- worden. Dies ist ,-zuerst in der Tschecho-Slowakei geschehen lind t daß;,anah.-sicb dort beeilt/ die nötigen Schlüsse zu ziehen -/ 'und? zu einem Akkord mit Oesterreich zu gelangen, ' entspricht der Erkenntnis von der"wirtschaftlichen Not, f deren'Tempo kein Nationalismus hemmen kann. Die /■ -,Grenzschranken können nicht,’■ verhindern, daß die / Struktur des wirtschaftlichen Lebens hier,wie dort unverändert bleibt. Aber sie unterbinden die volle Entfälfring des/Handels und ihre/Wirkung ist lediglich das Aufblühen ' eine? ' bedenkenlosen Lehiebertums. Politisch begünstigen sie das Treiben der'Hetzer, die von allem 'Vorteil ziehen, was die Völker einander entfremdet. Sie /sind ja auch, jetzt wieder an der Arbeit, um den Vertrag von Läna;als Volksverrat zu diskreditieren und" die'chinesische MauerJ des giftigsten Chauvenismus wieder um Oesterreich - zu ziehen." Alls einem Bericht über eine vorgesterh 'abgehaltene Versammlung der „Deütschsozialeti“, einer Untergruppe der "Großdeutschen Partei," erfährt 'man, daß, der Vertrag, geeignet sei,» Oesterreich von Italien und .Ungarn zu trennen. Diese Sorgfalt ist führend. Seit wann treten diese Kreise für ütaliäb ein, ■ das sie sonst nicht genug schmähen können? Die FreundschM. für Ungarn ist freilich echt, für das] Ungarn des. Hörthy nämlich, das ihnen durch seine Mordpölltik gegen Juden und Arbeiter sympathisch ist und sich außerdem durch . seine Attacken gegendie; österreichisch e . Republik in ihr Herz geschrieben/hat Aber aus; der Nennung Italiens und Ungarns, deren gegenseitige Unterstützung .' sich in Venedig den Oesterreichem schmerzlich fühlbar gemacht hat,, erkennt man, wessen Kreise durch den Vertrag von Land gestört werden und wo das Interesse liegt, ihn-zu erschweren. "-/'. Gelingen kanndiese Aktion schwerlich. Hinter dem Abkommen 1 steht die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die sich ihr Leben nicht durch die Ver-... einsamurig, verbittern lassen will und deren schwerste Sorgen;;eineiv /Lösung. entgegengehen..' Aber: andere Schwierigkeiten können aus : dieser Hetze entstehen, die bereits -die-Anwendung des, Holzkomments, gegen das Parlament, angedroht . hat.] Oesterreich hat; den Weg der politischen Selbsthilfe betreten, um gemeinsam, mit seinen Nachbarn aus der drückenden Kuratel der Großmächte sich zu befreien. Die Wirkung, der gegen dieses Streben gerichteten. Agitation muß, wenrr sie fortdauert und nicht von den Parteien niedergehalten werden kann, in einer Verschärfung der Kontrolle Oesterreichs durch die; Sieger von Saint-Germain enden. Die- Generaldebatte wurde ,■ in der Nachmittagssitzung vom Mittwoch den 28. d. M, durch Herrn, Dr. R a p pap o r t - weitergeführt, der ' namens des M is.r a.chi weitgehende Rücksichtnahme , auf. die durch seinen Verband vertretenen .Forderungen des religiösen Judentums verlangte. Herr :Bern h ar d sprach über praktische Erfahrungen der Keren-Hajessod- Aktion. Hierauf begann die Exekutive und das Direktorium die Beantwortung der in der Generaldebatte vorgebrachten Ausführungen. . . ';; ' Df. Wer t z mann ging hauptsächlich auf die politischen Fragen ein und behandelte hiebei sowohl das; Verhältnis der englischen Regierung als der Verwaltung Palästinas zu den zionistischen'Fragen.. ■ Nachdem hierauf noch Justizrat B öden h e i m e r und Herr Abgeordneter Farbstein über Fragen Die Tiroler Anschlußbestrebüngen. Innsbruck, 29. Dezember. Der Tiroler Landtag begann heute die Beratung des Landesvoranschlages für das Jahr 1922. Der Voranschlag weist ein Defizit von 350,554.800 Kronen auf. In einer zweieinhalbstündigen Dauerrede vertrat . Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Grüner den Standpunkt-der Sozialdemokraten gegen die Politik : der. Mehrheit’. -Er wandte sich namentlich ■ gegen die in Tirol zutage trete den 'Absonderungsber;.str:ebungen vom Bunde und bezeichnete es als u unmoralisch und a n t in a t i o n a 1, im Augenblicke der Not die anderen. Brüder in Oester-, reich im.Stiche zu Jassen. * ' Das i Budget selbst bezeichnete "Redner als für ganz bestimmte Zwecke: adjustiert. Besonders scharf wandte sich Redner gegen die beabsichtigte Einfuhr rung; eines ■ G e t r e i d e a u f s c h 1 ä-ge s, den er als einen E i nf u hrz o 11 d e m B ü n:d e gege nü b-er als ungesetzlich, dem Tiroler Volke gegenüber als unmoralisch und Unsozial bezeichete. Er stellte den Antrag,'das Budget an den Finanzausschuß zurückzuverweisen und besonders von dem Getreideaufschlag Umgang zu nehmen.; Abgeordneter T h a 1 e r (Tiroler Volkspartei) beantragte Schluß der Debatte. Das Haus nahm diesen Antrag an. Landeshauptmann Dr. Stumpf .unterbrach. die Sitzung zwecks Einberufung einer Obmännerkonferenz. Drosselung der Einwanderung nach Amerika. Frankfurt, 29. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeiturig“.) Aus New York wird der „Frankfurter. Zeitung“ gemel et: Bis nächsten Juni können keine- Einwanderer aus Polen oder Ungarn mehr .zugelassen werden, denn diese Länder - haben ihre Quote bereits erschöpft Die Tschecho-Slowakei wird sich bald hinzugesellen, ebenso die Niederlande, Finnland, die Schweiz und selbst Oesterreich, denn ihre Zahl ist bis auf 4000 oder weniger erschöpft. Nur Deutschland hat noch eine Quote von 51.141 frei. Im Kongreß herrscht eine starke Strömung für eine noch schärfere Einschränkung der Einwanderung. Es ist möglich, daß eine neue Vorlage, die auf drei Jahre, mit Ausnahme der nächsten Verwandten von. Bürgern der Vereinigten Staaten, die Einwanderung verbietet, angenommen wird. Der Eisenbahnerstreik in Deutschland. Elberfeld, 29. Dezember. (Wolff.), Die streikenden Eisenbahner haben nachts die Parole ausgegeben, den Streik mit aller Schärfe durchzuführen. Nur Transporte der interalliierten Kommission sollen bewerkstelligt werden. , , Berlin, 29. Dezember. Ueber die augenblickliche Lage in der Eisenbahnerbewegurig wird von dem Reichsverkehrsministerium mitgeteilt, daß in Köln noch gearbeitet wird. Im Direktionsbezirk Elberfeld wird in Hagen und auf dem Bahnhof Vorhalle gestreikt. Diese Station hat insofern besondere Bedeutung, als dort die Ruhr-Sieg-Bähn einmündet. An verschiedenen Stellen wurde der Betrieb durch Streikende behindert. Geplänkel in Indien. Kalkutta, 29. Dezember. (Reuter.) Bei einem Zusammenstoß zwischen britischen Truppen und aufständischen Moplalis wurden 32 Moplahs getötet. der Organisation und des Keren Hajessod gesprochen hatten, nahm Herr L i c h t h e i m namens i. er Exekutive Stellung zu den in der Debatte behandelten Angelegenheiten (er. Immigration und Organisation, insbeson ere Schekelfrage, Presse und Behandlung einzelner. Föderationen. . . : Herr Dr. H a 1 p e r n äußerte sich als Schatz^, meister der Exekutive zu Finanzfragen, Herr Doktor Berthold F e i w e 1 legte dar, nach welchen .systematischen Grundsätzen die Organisation, der Keren- Hajessod-Arbeit durchgeführt werde, ging hiebei/besonders auf die Keren-Hajessod-Arbeit in Amerika ein und betonte .schließlich die Notwendigkeit, energischer Keren-Hajessod-Arbeit in allen Ländern, auf Grundlage der Kongreßbeschlüsse. * Die Debatte wurde fortgesetzt. Die Abrüstungskonferenz. Paris, 29. Dezember. (Havas.) Wie aus New York f gemeldet wird, hat sich die Mehrzahl der amerikanischen Blätter in der Unterseebootfrage für den englischen Standpunkt erklärt. Washington, 29. Dezember. (Reuter.) Durch ein endgültiges Abkommen ist das Kaliber der Kanonen für,/Hilfsschiffe - auf 8 Zoll und für Kriegsschiffe auf 15 Zoll beschränkt worden. _ London, 29. Dezember. „Daily Chronicle“ schreibt in einem, -„Frankreich als Friedensbrecher“: überschriebenen Artikel: Der eigensüchtige Militarismus. Frankreichs hat einen großen Teil; der- Hoffnungen der Welt auf Verminderung der Ausgaben. für; Rüstungen, zur; See und;, auf,Beseitigung der Ge-* fahren des Rüstungswettbewerbes ^um 4cheiterm ge--?-— bracht Die Frage berührt die Grundlagen des englischfranzösischen Zusammenwirkens. Großbritannien kann unmöglich weitere finanzielle'Opfer bringen, wenn Frankreich das so erhaltene Geld zum Bau von U-Booten gegen d ein Frieden1 d e. r W. e 1 t verwendet. Keine Nation, auch Frankreich, nicht,; kann die. Zuneigung Englands besitzen, wenn sie fortfährt gegen die Sicherheit Englands, gegen die Freiheit. Europas und gegen den Frieden der Welt Komplotte zu. schmieden. Lloyd George warnt die Iren. London, 29. Dezember. (Reuter.) Lloyd George hat aus Cannes ein Telegramm gesendet, in demes heißt: Kein englischer Staatsmann hätte in der irischen Frage größere Zugeständnisse machen können. Das Londoner Abkommen stellt Irland auf g 1 e i c hen Fuß mit den anderen Mitgliedern des britischen Reiches. Eine Ablehnung oder auch nur eine Abänderung1 des Vertrages durch den Dail Eirean oder durch Großbritannien würde das ganze Abko m in e n null und nichtig machen. Dies wäre im, Interesse beider Länder sehr zu bedauern. Die Konferenz von Cannes. London, 28. Dezember. (Havas.) Man ist darauf gefaßt, daß die Konferenz von Cannes mindestens zehn, Tage dauern wird. Es ist wahrscheinlich, daß Hand in Hand mit ihr die Konferenz der Außenminister, welche in Paris stattfinden soll, vor sich gehen wird._ Das neue chinesische Kabinett. London, 29. Dezember. (Funkspruch.) Vorsitzende* des neugebildeten chinesischen Kabinetts ist Liang C h i l i y u. Dr. Yen behält das Ministerium für Aeußeres. Den „Tim:s“ zufolge werde das neue Kabinett eine reaktionäre Richtung verfolgen. Die neuen italienischen Provinzen. Bozen, 29. Dezember. Mit ei em demnächst erscheinenden Dekret für die neuen Provinzen werden am 1. April 1922 das italienische Strafrecht, das italienische Strafprozeßrecht und das italienische Pressegesetz in Kraft treten. Die Vorzensur der Zeitungen wird bereits am 1, Jänner aufhören. Keine Einladung Litwinows nach London« London, 28. Dezember. (Reuter.) Die englische Regierung dementiert in offizieller Form die Nachricht, daß sie L i t w i n o w eingeladen hätte, nach London zu kommen.

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