Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1045 (27.12.1921)
- Date
- 1921-12-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(a ' -J V >' jZZKLBMLMMb « LV A/iLn: Zum Abliolen in der Expedition, l/.,Taiborstr. 1~3, t.der in einer Verschleißstehe- (Trafik) monatlich K 1000.. MitPostversand fürWienmid Oesterreich monatlich KIOQö.: Tschecho-Slowakei:Motu Kronen20.-Ungarn: Mouatf. Krönen 120. Jugoslawien: Monat!.,: Dinar-18.. Polen:, Monatt. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 25. Fr a n k r e i c h: Monat!. Frcs. 6. Nr. .1045 Wiener Dienstag, 27. Dezember 1921 Tschecho-Slowaki tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire & Rumänien: Monatl. Lei 40. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs L. \ Redaktion u. Administration Wien 1L, Taborstrasse 1—3. Telephone: 44-0-38, 43-3-19, ab 6 Uhr, abends 17-9-33.. Telegramniadresse:wMorgenzeitung“, Wien. V Oesterreichisches * Poslsparkassenkonto 150.69& 3. Jahrgang Die Ankunft des Präsidenten Weitzmann. Präsident Weitzmann in Wien. I F. W i e n, 27. Dezember. Die bewußtjüdisChen Massen Wiens' begrüßen heute einen illustren Gast in ihrer Mitte. Das auf dem Karlsbader Zionistenkongreß .gewählte Aktionskomitee, neben der zionistischen Gesamtexekutive die höchste Institution derzionistischen/Organisation, hat; heute seine Beratungen eröffnet Und dieser. Anlaß hat;eine Reibe - von führenden Männer . des Zionismus ' nach Wien geführt,' denen das/Hei;z;;,c(es nationalen Juden mit wari?ier Sympathie entgegeilschlägt. . i. Vor; allemgilt ihr. Gruß dem Präside tep ihrer Organisation, Chäim Weitzmann, .dem Manije, - mit dessen Namen und Wirken Akte von historischer Bedeutung für' das jüdische Volk und dessengrößere Zukunft, unlösbar verknüpft sind, dem politischen Führer, der in einer Zeit, da die-Not des Tages fast, alle Fäiden zerrissen hatte, .die zwischen den durch die eine Idee geeinten Judentümern der Zerstreuung; hin- und herliefen, samt seinem Arbeitsgeriossen SoRolow die gewaltige Last auf sich lud, ohne formellen Auftrag" der Organisation, auf eigene Verantwortung und Gefahr vor die Mächtigen dieser Erde hinzutreten und, gestützt auf. das Bewußtsein heiliger Rechte, neben deren Unverjährbarkeit alle wirklichen und :Sogenannten historischen Ansprüche anderer Völker verblassen müssen, im Namen seines Volkes deren Realisierung zu fordern. Der als Balfour-Deklaration berühmt.und bereits geschichtlich gewordene Akt der, englischen Regierung, in welchem die Ansprüche des'jüdischen Volkes: auf sein „nationales . Heim“, anerkannt .und. deren Durchführung zur Sache Britanniens gemacht wird, bedeutet bei allen seinen' in einer - unbestimmten Formulierung gelegenen Mängeln die ..Erhebung der jüdischen Nationalbewegung zu einem politisch anerkannten Faktor, , die .-staatsrechtliche Legitimierung des Zionismus, er stellt das-Judentum vor gänzlich neue* Perspektiven und"4 ist -Df'Schlüssel zu Toren" der uns Allzu längs., verspekrt gewesenen Heimat.-"' Auf die .Bäifbur-Deklaraüpn folgte der Tag von San Remo,( * an': dem 'die'.’Sprecher /ger jüdischen Volkssache aufrecht und stolz den Vertretern der Großmächte die ewige jüdische Forderung "präsentierten, Argumente siegen sähen, 'deren politische Logik sich auf einem . ethisch-nationalen Piedestäl aufbaut, deren Sieg einen; Einbruch des -sittlichen Prinzips in die harte Tatsachenwelt der politischen Brutalität bedeutet und die . Aufnahme der Balfour- ' ' Erklärung in den — . bisher - noch nicht; ratifizierten — Friedensvertrag von Sövres durchsetzen konnten, wodurch erst die bereits anerkannten jüdischen Ansprüche ihre völker^chtiäche:Banhiion; erhielten. Der Grußder Wieiier Judenheit, welche, sich gestern in ungezählten Tausenden auf dem Bahnhof einfand und ihrem Führer , einem Empfang von enthusiastischer Herzlichkeit bereitete, ist nicht nur der Aus ruck der Dankbarkeit und Verehrung, weiche die jüdischen Massen für Chaim Weitzmann empfinden, er gilt auch der großen Sache selbst, deren erster tilenbr Weiizmann ist Es ist ein Ausdruck -innigsten Wunsches nach der endlichm.Erfüllung uralten jüdischen Sehnens, der Schrei nach der eigenen Scholle, auf der "sich das jüdische Heim, auf ewige Dauer gegründet, erheben soll,; der unzerbrechliche Wille nach-nationaler Freiheit und Selbstbestimmung. So bedeutet diese Begrüßung gleich-, zeitig eine nationale Manifestation, die Kundgebung der Treue für die zionistische Sache und in ihr schwingt die Stimme des Gelöbnisses mit, auszti harren und mitzuarbeiten an dem großen Werk unserer jüdischen Selbstbefreiung. Es ist die zionistische Arbeit, welche den Präsidenten der zionistischen Weltorganisation nach V/ien führt Der Karlsbader Zionistenkongreß hat die durch den.Krieg zerrissene 'Organisation wieder zusammengeknüpft, ihre “neuen Institutionen legalisiert ' und das Aktionskomitee ’ gewählt, das heu'e zu seiner ersten Tagung Zusammentritt, um den Bericht des Präsidenten Weitzrnann 'über die politische Lage entgegenzuhehmen und die weitere Arbeit zu regeln. Es sind Fragen von ' besonderer Wichtigkeit, welche diese Tagung zu beschäftigen haben werden. Sie wird zu der Lage in Palästina Stellung zu nehmen haben, die, wie die letzten Ereignisse in Jerusalem beweisen, noch immer nicht als konsolidiert angesehen werden kann, sie wird sich zur ' Politik Herbert Samuels äußern müssen und ' Über “die akute Frage der Einschränkung“der v englischen Armee m Palästina beraten1 müssen,' welche vom englischen Kolonialministerium beabsichtigt wird. Die Fragen des Keren Hajessod und .der Aufnahme der . Arbeit in Palästina durch diesen, verschiedene Probleme organisatorischer Natur erheischen eine rasche Lösung. Es ist eine Tagung der Arbeit, die heute -.beginnt, und es ist zu hoffen, daß es ihr gelingen, wird, das Tempo der zionistischen Arbeit zu beschleunigen und der Bewegung neue Impulse zu geben. Gestern nachmittags nach 2 Uhr langte Professor' Ch. W e i tz mann mit dem' Berliner Eilzug auf dem Westbabnhofin, Wienan. r Auf-die Mitteilung des Zionistischen Landeskomitees von seiner bevorstehenden Ankunft hatte sich eine vieltausendköpfige Menschenmenge auf- "dem.’Bahnhof einjgefunden,-. weiche den Perron, die Ankunftshalle und die. Straße vor dem Bahnhofgebäude füllte. Die ‘ jüdische 'Studentenschaft bildete, mit Mühe einen. Kordon,. um" die; Tausende von Herandrängenden zurückzuhalten,. welche Professor Weitzmann begrüßen wollten. Vom zionistischen Landeskomitee waren die Vizepräsidenten Dr. Sch a l i t u d Dr, Löwenherz dem Zuge, entgegengefahren, um Dr. Weitzmann das Ehrengeleite - nach Wien zu geben. Auf dem Perron des Bahnhofs hatten sich die Vertreter des Landeskomitees und aller Wiener zionistischen Organisationen eingefunden. . Als Dr. Weitzmann dem Zuge entstieg, wurde er von dem Präsidenten des Aktionskomitees Oberrabbiner Dr. Chaje.s und dem Präsidenten der österreichischen zionistischen. Organisation,.. Abgeordneten Stricker, ferner von . Gemeinderat Doktor Plaschkes, und anderen Parteifunktionären begrüßt Von da ab gab. es für die Masse kein Halten mehr. Polizei und freiwillige Ordner hatten alle Mühe, den Ansturm der Tausende abzuwehren, welche die Briand über die Londoner Konferenz. Paris, 25. Dezember. In der heutigen Sitzung der Kammer antwortete B r i a h d auf .die Behauptung des Abgeordneten Klotz,- daß das . Abkommen Vcjn Lön.d6a ein P'ä u s;t lt:a 1 i e r u n g'.slßty S\t e‘ m $n;SteIIeL des . int Frledensvertrag vorgesehenen Systems;. gegStzthaöe, wie- , folgt: Es sei nicht die Rede davon, daß; Frankreich eine der Garantien aufgebe, die der Vertrag von Versailles ihm ztibillige. Der Zahlungsp 1 an; werde nicht abgeändert Er wi§se nicht, was Dr. Ratheaau gesagt habe, er glaube nur, daß gewisse Forderungen gestellt worden seien, aber die Kombination Rathenaus 1 stünde nicht zur Diskussion, Er habe immer gesagt, > daß das Unbehagen, das selbst auf den . entferntesten Ländern laste, hur durch große Anstrengungen internationaler Solidarität beseitigt werden könne. Er sehe, daß man jetzt dieser Ansicht zuneige. Was er mit Lloyd George besprochen habe, sei ein fester Plan, eine Aenderung in Erwägung zu ziehen. Dieser Plan werde nicht nur mit den belgischen und den italienischen Allierten, sondern auch - mit den Vereinigten Staaten besprochen werden. . Das wolle man in C a n n e s besprechen. Auf detaillierte Anfragen Klotz’ verweigerte der Ministerpräsident die Antwort. Der Kammerpräsident verkündete sodann, daß eine. Interpellation des Abgeordneten Magne über die Zahlungen Deutschlands vom 15. Jänner und 15. Februar eingelaufen sei. Ministerpräsident Briand verlangte, daß diese Interpellation nach den anderen verhandelt werde. Nach längerer Diskussion wurde bestimmt, daß sofort «ach der Konferenz von Cannes die Interpellationen über die auswärtige Politik zur Beratung gelangen sollen. Frankreich will mehr U-Boote als England. Washington, 25. Dezember. (Havas.) Das Komitee für die Rüstungen zur See erörterte die Frage der Unterseebote. Die englische Delegation gab die Erklärung ab, daß Großbritannien die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagene Unterseebotetonnage von 60.000 t annehme. Die französische Delegation erklärte, daß Frankreich unter 90.000 t, die das unumgängliche Mindestmaß 'darstellen, nicht gehen. könne. Die japanische Delegation forderte 54.000 t, die italien’sche Delegation verlangte, daß die Tonnage Italiens nicht kleiner sein dürfe als die Frankreichs, die gegenwärtig 31.000 t betrage. Japan für eine neue Weltkonferenz. Paris, *26. Dezember. (Havas.) Der „Matin0 meldet aus Tokio: Nach einer Meldung aus britischer Quelle habe Ministerpräsident Y a ic a h a $ h i in ei em Interviev erklärt, er werde eine neue internationale Ko nferenz zur - -»düng aller großen Weltfragen 'anregen, die in « m ösßte'ri Zeiträumen zusamnientroten solle. „Hatikwah“ anstimmten und den Kordon durchbrachen, um Dr. Weitzmann zu begrüßen, und nur mühsam konnte ihm der Weg zu seinem Automobil gebahnS werden. Es mögen an die fünfzehntausend Menschen gewesen sein, "welche sich atif dem Bahnhof eingefunden hatten. Auclr in Linz, Ams.tette'n, St. Pölten und anderen österreichischen Stationen hatten sich auf dem Bahnhnf zahlreiche Zionisten eingefunden, welche dem Präsidenten Weitzmann stürmische Begrüßungen bereiteten. Die Sitzung des zionistischen Aktionskomitees. Die Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees beginnt heute vormittags. Auf der Tagesordnung steht der politische Bericht, den Präsident Dr. Weitzrn a n n erstattet; ferner ein Bericht über den Stand der Arbeit und die Lage in P a 1 ä s t i n a sowie ein Bericht über den Keren Hajessod. Auf der weiteren Tagesordnung steht die Behandlung der vom zionistischen Kongreß dem Aktionskomitee zur Beschlußfassung überwiesenen Fragen sowie eine Reihe von Initiativanträgen, welche sich auf verschiedene Gegenstände beziehen. Die Tagung dürfte voraussichtlich drei Tage in Anspruch nehmen. Ohne Ohrfeigen keine Rechtsordnung in Ungarn. "... -Budapest, 24. Dezember. (Eigenbericht, de?,, »^Wiener; Mcwrgen'zeitüng«.)' der ungarischen Natiomalversammhwig; richtete Ab-' geordneter Drozdy . eine dringende Anfrage aff■ d-ie Regierung . wegen der U e b e r g i f f.e der/ Q e-n d a r m e r i e. Er vertes den Befehl Nummer 3.248/21 der Gendarmeriekommandanten des Kgmi-. tats B e k e s, in welchem die . Gendarmen ermahnt werden, den Mißhandlungen während ihren Amtshaudlungen ein Ende zu bereiten. So weit wäre die . Saiche ja in Ordnung, aber dem,Befehl kt-eine >D a n a c h h a 11 u n g s n 01 i z« angefügt, die als ■Dokument des H-orthy-Regimes festgebaltetu zu werden verdient. Sie lautet: ' »In der letzten Konferenz heim Bözirkskoni* ■ rnando wurde dieser gegen die Mißhandlungen, ge-. richtete Erlaß zur Sprache gebracht und einmütig anerkannt, - daß die öffentliche Sicherheit ohne.: Mißhandlungen' niöhit auf rechterhalten werden kämm. - Die verflossene Revolution gestattet es nicht, daß. die Gendaarnieriepatrouillen die für die öffentliche .Sicherheit gefährlichen Individuen mit Handschuhen anfassen. Der oben.von mir herausgegebene Befehl ist der Ausfluß einer i-n der Nationalversammlung eingebrachten Interpellation. Der obige Befehl ist also nicht em staune hm en. Nur die rohe und unbegründete Mißhandlung ist verboten und zieht die strengste Ahndung nach sich. Die Untergebenen' sind aufmerksam zu machen, wenn sie sich gegen frech werdende Individuen zu Mißhandlungen hin« reißen lassen, dies so zu tun, daß ein ärztlicher Befund nicht aufgenommen und eine körperliche Verletzung daraus nicht konstatiert werden kann und; hauptsächlich nicht vor Zeugen,' sondern nur unter, v i e r A u g e n. Eine bis zwei Ohrfeigen können sie ohneweiters verabreichen, denn nur auf diese Weise kann die alte Gendarmerieautorität wieder herge-- stelit werden. Diese »Danachhaltung« ist streng vertraulich zu behandeln. Die Gendarmeriemanrnschaift ist'vertraulich zu instruieren. Die zugeteilten Soldaten dürfen hievon nichts erfahren und unverläßlichen Gendarmen ist hierüber keine Mitteilung zu machen.« Man versteht jetzt erst so recht die vielen Be« richte über die blutigen »Amtshandlungen« im Lande Horthys. Natiseti appelliert an alle Menschen. Christiania, 26. Dezember. (Havas.) Nansen gibt in einem, an das norwegische Volk gerichteten Aufruf eine Darstellung des in Rußland wütenden Hungers. Er erklärt, daß, nach den Hunderttausenden, die am Hunger bereits zugrundegegangen seien, noch Millionen sterben würden, wenn nicht unverzüglich ausreichende Hilfe geschickt werde. < Es gebe in allen Ländern d.r Welt hinreichend > Lebensmittel, um ganz Rußland zu rettnu.