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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-25 · Heft 1044 (25.12.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1044 (25.12.1921)
Date
1921-12-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MKLSlKUMMVP K 80 Wien: Zürn Abholen in der i Expedition, II.,Taborstr. I—3, ' oder in einer Verschleißstelle k (Trafik) monatlich K 5,60. MitPostversand ffirWiettünd. Oesterreich monatlich K 560. , Tschecho-SlowakeLMon. S<ronen 18. Ungarn: Monatl. . Kronen 70. Jugoslawien; .Monat!.' Dinar 15. Polen:' Monatl, Mark 500.Deutsch-- i iand: Monatlich Mark 20. Pr a n k r ei c h: Monatl. Frei. 6. irner Tscheche-Slowakei tsch. K 1 •lalien: Monatlich Lire 6. Rumänien: Monatl..Lei 30. Schweiz und. das Übrige Ausland monatlich Francs 3. Redaktion u. Administration Wien 11., Tabprstrasse 1—3. Telephone: 44-0-38, 43-3-19, ab 6 Uhr abends. .17-9-33. Telegrammadresse: „Morgenzeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 1501693* Mr. 1044 Wien» Sonntag,' 25.--Ofozeinber 1921: "v- 3. Jahrgang Die nächste Ausgabe der „Wiener! Morgenzeitung“ erscheint Dienstag den I 27. di M. früh zur gewöhnlichen Stunde. Die Weihe des Lichtes. ' r*'y.’ A i e n, 25. Dezember.' " Eine .Woche hindurch, leuchtet.aus den Fenstern des .jüdischen. Hauses bescheidener, schüchterner Lichterglariz hervor, täglich st^ker,.;,bi$ am achten Tage alle Lichter ‘ der Menorah ‘ entzündet sind; eine jahrtausendealte Tradition, di e . für „jeden einzelnen! gilt warmen Erinnerungen verbunden Ist; ein Gruß aus den fernen, verklungenen' Tagen'" der Kindheit1 Das bißchen Freude, das über diesem feste liegt, ist verknüpft mit ' dem Stolz auf die in's'önsche Tat eines - bis ih die Seele. erniedrigten VMtztz, dessen ' Führer abgetanen, waren ( und den“. Verrat zu, ilirfim Lebensinhalt gemacht hätten,Wenn wir v!yöri, Ghanüka sprechen, taucht. , die Erinnerung .aiijf/.ah Einzelne Episoden: An Qhanpah, . "/vor deren . Augen ihre sieben Söhne gemordet..wurden,; an dic; verkommene, ehrvergessene Priesterschaft, die im. Verein mit den Notabein sich bemühte, 'das Volk an - das Griechentum zu - verkaufen. Was für die hellenistischen Elemente in, der Stadt, und Ihbn.. Anhang vielleicht nichts anderes gewesen war alSv' ein . kultürpoIjÜ^ches Kompromiß, das war für. dMtgtzKÄes Volkes,, für-'das trotzige Batiern- und Fischergeschlecht, ein unerträgliches Joch,, dessen.^Zertrümmefung ^ein ganzes Fühlen und Denken einnahm. Wie bei jeder- Volksbewegung,- bedurfte:,es nur des Führers, der das-.erste Wort sprach und damit den Zorn des Volkes'zum-Ausbruch zwäng. Der greise Bürger. Matitjahu aus ^dern Geschlecht''der Chaschmoni. in Mödin und seihe ,Söhne, träten än .rdie Spitze .des:Aufstandes, der iji; ’ Iw^jÜgep Wochen .die Eindringlinge .aus dem-Lande fegte; Assimijäjfön! ih der Hauptstadt!einfi^n,^eJ \■' uLly, ■ ■Dfas- -CÄuk'a^ * _ .. - - .-.'s kv.-j; v i« vLttt ▼ TpThiw'! fy}; * *v-> 'r«/ feiet; Das Volk feiert hierdje -Erinnerung an eine^Tat, in welcher; der »naüonMHte^eWWibMU^ ^erM MÄ ' Feigheit den. :8isg;äiüse. Lichter entzündet und- .sälj^he»WiMÄic' schlichte Weise von „dem Felsen der Hiff^/ Es itzt keine^leere Zeremonie. Der tiefe. Sinn, der v jüdischen Geschichte. raunt aus den Lichtlein, die überall auf dem\Efrdehiund, Wo;immer- Juden wohnen,' 'afffflackern. Sie-' sind ein Ausdru ck . des - ZusamlnengehöFigkeitsgefühls,, > der Brüderlichkeit, der Erinnerung ’ 'ah - die gemeinsame Geschichte des Leides und der Verfolgung,, aber;auch des . Gedankens der Freiheit und;des Vertrauens, in die jüdische Zukunft Der. .Glänz der -Vergangenheit geleitete das jüdische Volk auf seiner bitteren Wanderung .- 'durch1 die; ,'Jahr- Ifunderte. Jeder, der in die -Lichter blickt wird sich bewußt, Erbe einer großen. Vergangenheit zu /-sein; »He ihm. Pflichten für die. Zuküpft ‘ auferlegt i; Dias Chanuka-Licht sagt; uns und der. Utnwelt, daß wig üns niemals.'aufgegeben haben und ^niemals aufgeben wollen.'; 1 Die Episoden, deren Erzählung: an den Chäpika- Abenderi geschieht haben sich.'in-der Geschieh®-;des Volkes Israel einige tausend Male ereignet und M>derholen sich täglich aufs neue. Die Opfer derMMer Channah sind nicht auf jene Zeit beschränkt geblWen; die Schichten und Kreise, die den Aiitiochius Epiphfänes anflehten, ihnen Griechenkleid Und Griechensit^ zu gestatten, sind nicht, ausgestotben. Aber auch der Seist der Juda Makkabi und seine .Scharen erfüllt hatA deine zur Aufopferung des eigenen Lebens fortriß, leb|fort Niemand kündet die Taten unser Jugend im heiligen ifphde. Die unermüdliche, von der edelsten Begeisterung getfäfeie Arbeit unserer Pioniere in Palästina findet nocHMAit ihre Feier an geweihter Stätte. Aber das, was siAtun, was sie entbehren, - was sie tragen, sichert -.ihnWMbn Dank des ganzen Volkes.. Das, große Werk haUtzrst begonnen. Je weiter .es schreitet, umso größer ^müß das-Heer der Mitarbeiter sein, umso gewaltiger die Anstrengungen. der Nation und umso notwendiger die Steuerpflicht aller. Der Heroismus; unseres Volkes-hat »ich erhalten., Er bedient sich heute des Geistes; der modernen Organisation. - Das Ziel ist das gleiche geblieben : Zusammenfassung aller- Kräfte, um das joch zu brechen und die Freiheit, wiederzuerlangeii. ., Auch das . sagen uns die: Ghaniika-Lichter; Ihr werdet, eure Geschickte nur.1 verstehen, wenn ihr 'sie fprtsetzt. Die symbolische Handlühg des Lichtanzündens weist dem ganzen Volke seine Aufgabe zu, Dienet am Licht zu sein. Wer sich dieser Aufgabe hingibt und sie zu erfüllen trachtet, erfüllt auch eine Aufgabe gegenüber der Menschheit, für die wir wirken wollen, ihidem wir unsere Verbannung, lösen., Wir wollen die Freiheit und wir wissen, daß es Ohne Opfer keine Freiheit gibt. Die Schar Juda Makkabis müßte für das Ideal 8:erben. Heute fordert das Judentum Arbeit und Pflichterfüllung. Arbeitet für Palästina, u;.d gebet' euren Maasser für den Aufbau der jüdischen Freiheit! Präsident Dr. Weitzmann beim deutschen Reichskanzler. Berlin, 24. Dezember. (J. G. B.) Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation» Dr. Chaltn Weitzmann, wurde anläßlich seines Aufenthalts in Deutschland vom Reichskanzler Dr. W i r t h in längerer Audienz empfangen. Dr. Wirfch sprach sich mit besonderer Wärme für die zionistische Bewegung aus. Diese Haltung Dr. Wirflis hat umso größere Bedeutung, als er bekannt« lieh ein führendes Mitglied des deutschen Zentrums ist und in katholischen Kreisen als sehr angesehene und einflußreiche Persönlichkeit gilt. Man glaubt daher, daß der Meinungsaustausch mit Weitzmann die Haltung des Vatikans in bezug : auf die Verwirklichung der zionistischen Ziele in Palästina wesentlich beeinflussen werde. innen Innsbruck, 24. Dezember. Bundeskanzler Schober erklärte in einer Unterredungmit dem Wiener Vertreter der „Innsbrucker Nachrichten f , über die innerpolitische Lage Oesterreichs Die: Arbeitender österreichischen Volksvertretung von Beginn der Weihnachtsferien weisen genau die, Ziele,-, denen Parlament, und Regierung - zustreben,.- Die Tätigkeit, sieht unter dem notwendigen Zwang,, . . durch Selbsthilfe den Wiederaufbau dtirchzutühren. Im-Verein; mit neuerlichen »Reformen' wird eine weitere Ausgleichung der .Budgetziffern erzielt werden können, ohne' daß. .es. natürlich , im -gegenwärtigen Moment schön möglich, wäre, das OJei^hgewicHt im Budget her?utzthllen. Der.vMtsüpay^M^Mtz^WWUs. Vergleich zwischen. der ^Hirts^naftljchM»,-i des :3^gndcs; mitv unsereri -NacHbarÄ^ew; wäre falsch, ausden . letzten, legislativen^ WßMWen Jet: österreichischen Regierung den Schluß zt|. ziehen, daß die Hoffnung. auf -die;; A';v- - Gewährung'von Krediten damit begraben sei. Soviel ich die Situation überblicken kan , befestigt sich in den in dieser Frage.-für uns maßgebenden Staaten des Westens die Ueberzeugurrg,: daß man Oesterreich, das so ungeheure Anstrengungen der Selbsthilfe macht, , in kurzer Frist'. und mit den entsprechenden Mitteln beispringen müsse. Auch die Nachrichten, die aus W a s h | n g 10 n einlangen, besagen, daß begründete Aussicht besteht, daß die Ermächtigungsbill M e11 0 n Aussicht bat, im Senat durchzugehen. Damit ist dann, genau genommen, die letzte Schranke gefallen, die als formales Hindernis, der Durchführung des Beschlusses des Oberstei. Rates über die Gewährung von Krediten an Oes‘erreich entgegenständ. Ueber die aussenpolitische Lage Oesterreichs erklärte der Bundeskanzler unter anderem;. Oesterreich betreibe eine eminente Friedenspolitik. .Die westungarische Frage, . nahe ihrer definitiven Lösung, hat leider durch die vorzeitig anberaumte Volksabstimmung in Oedenburg Widder eine Verschiebung erhalten. Wie ich .dies schön.im Ausschuß für Aeußeres betonte, kann rieh auch, hier nur noch einmal der Hoffnung Ausdruck geben, daß der Protest der österreichischen Regierung, der -an die Botschafterkonferenz. u d die . Mächte abgegangen ist,- den Erfolg haben wird, daß diese Frage - nicht nurgemäß den ungarischen Wünschen geregelt werde, sondern eine dem Rechts s,;t an dpunkt Oesterreichs entsprechende Remedur erfahre. •* . .. Das zweite außenpolitische Moment hetrifft die Resultate der Prager Reise. . .V.";; . Die McheKo-MwMch j-Mtä*,. OestMeicb^HiM'-.iM 16. d. M. Mer ein politisches Abkommen Msreln- 'gekömmen, das mir insofern einen Fortschritt darzüstelleni scheint,; als: aus den -Verpflichtungen ein ’Schiedst gerichtsvertrag stringenter Natur erwächst, der in dem von mir bereits Vorgefundenen bisherigen Vertrag zwischen den beiden Staaten : nichtvorgesehen war. Des weiteren dürfen auch die wirtschaftlichen Verträge nicht übersehen werden, die, obwohl .im lnteresse beider Vertragsschließenden gelegen, doch Oesterreich insofern außerordentlich zugute kommen, als in ihnen die seit Jahr und Tag'gepredigte Idee der . Annäherung zwischen den Nachfolgestaaten zürn ersten Male in wirklich praktischer Weise zut Dürchführinj gelangt. Ich weise hier nur auf die außerordentliche Erleichterung des Reiseverkehrs hiii; Ich erwähne die Abkommen über Tr ans itv e r kehr und K 0 h 1 e n l i e f e r u n g e ft und die nicht zu übersehenden f i n a n z p 0 1 i t i s:c h. e n Regelungen. . Aus dem Zusammenwirken von Innen- und Außenpolitik werden sich in Bälde auch: noch andere Verträge, vor allem wirtschaftlicher Natur, mit unseren Nachbarstaaten ergeben und man könnte in diesem Falle der berechtigten Hoffnung Ausdruck geben, daß das Jahr 1922 den Aufstieg zur endgültigen wirtschaftlichen Konsoli* dierung unseres Staates bedeuten werde.- Die Konferenz von Cannes* London, 23. Dezember. (Wolff.) Das. Reutersche Bureau erfährt, daß das Datum der Einberufung des Obersten Rates zur Konferenz in Cannes noch nicht endgültig feststehe. Lloyd George wird sich Montag nach Südfrankreich begeben. Einige Tage später werde der Schatzkanzler nach Paris reisen, um der Konferenz der britischen und der, französischen Sachverständigen beizuwohnen. Die Konferenz des Obersten Rates werde vermutlich , am’, 5. Jänner beginnen. Wie „Daily Telegraph“ erfährt, ' werde die russische Sowjetregierung in Cannes nicht vertreten sein. Es sei wahrscheinlich, daß Deutschland durch Delegierte vertreten sein wird, . die sich zu Informationszwecken zur - Verfügung des Obersten Rates halten würden. Griechisch-türkischer Waffenstillstand? Rom, 24. Dezember. (Privat.) Wie die hiesigen Blätter aus Athen mel en, verlautet in dortigen parlamentarischen Kreisen, daß der Waffenstillstand zwischen Griechenland und der Angora-Regierüng noch vor Neuiahr erfo’een dürfte 20 Millionen Dollar für Rußland. Washington, 24. Dezember. (Reuter.) Präsiden! Kar d i n g hat das Gesetz promulgiert, womit ein Kredit von 20 Millionen Dollar für die Hungernden in Rußland eröffnet wird. Die Fonds sind sofort verfügbar. Debbs begnadigt. London, 24. Dezember. (Wolff.) Wie aus Wäshing» ton gemeldet wird, hat Präsident H a r d i n g den Sozialisten Debbs, der im Jänner 1918 zu zehn Jahren Kerkers verurteilt worden war, b e g n a d i g t Harding hat auch die Freilassung von 23 weiteren poliiischen Gefangenen angeordnet Die Memeler Sozialisten für Anschluß an Litauen. Memel, 22. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Die hiesigen unabhängigen Sozialisten haben sich , für den Anschluß der Hafenstadt M e m e 1 an Litauen ausgesprochen. Sie wollen ein in diesem Sinne gehaltenes Memorandum dem Vertreter des Völkerbundes, Obersten Chardinin, überreichen, letztgenannter v^weiaerte jedoch - die Entgegennahme desselben.

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