Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1043 (24.12.1921)
- Date
- 1921-12-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 1043 Men, samsia| WIENER MORGENZEITUNCg , 24. Dezember 192k Seite 3j jainimem der Gemartertem. Vierzehn Kilometer ■weit ratnpte dais Weiib mit den Kindern, bis in die nächste Stadt. Dort glaubte sie sich in Sicherheit. Nach j?wei Tagen mußten sie weiter. |rn dritten Ort ereilte sie ihr Schicksal: der Flecktyphus. Die Kinder'wurden durch irgendeinen Zufall vaneimsmidar getrennt. Jetzt ist die Schwester noch in der j Ukraine — »bei wem, weiß ich nicht,« sagt (der! Jiursche lakonisch. Dan erwachsenen Bruder des; blaisisen Knciben warfen die Scldateti von der Drückein den Fluß, der Vater, der es m Manschen mußte, eriiag einem Herzsdhllag. Ein kleiner Bursdhe brägt eine Wunde am Fuß und humpelt mühsam einher. Auch er ist davcmigelaufen aus dar brennenden Stadt, gelaufen an der Hand des Vafeens, die Verfolger hiniter ihnen her. Eime Kugel traf den iVater in dien ICqipf, eine zweite du(f?hb#vrtg dem 'Jungen das Spifunggelenfk. Dem Vater des anderen, einem Lehrer wunde beapntder^ A^MKpksHilykeit erwiesen, er wurde nämlich nicht erschossen, sondern] zuir Aibwechslunig erschlagen, aJlis ef Geh zum Scfhnitze yioir daß Bett seiner kranken Frag gesellt. Die Mutter: starb am Schrecken vor de»ti Augen ihrer Kleinen)* Sie wacr damit immer npfch besser daran als jene Witwe, die mit ihir-an KiMW» entfloh und im der Fremde verhungerte. Main nennt es mit einem thöf-lidie-n Wort >Typhus«. Aber der Bub schüttelt den Kiciptf: »-Nicht einfach Typhus,« sagt er und mengt Deiuibscjh und Russisch: »Huingertypihuis« — »Golodnetifus«. ’ So lauten die Berichte alter: M&ij hat die Eliterm vor den Augen ihrer Kiudar geschlachtet, *■ priiaq -hat die Kinidpr in namphl-piZes Elend gestürzt. Es galb Kleine dmrunitar, dje niqh*t sagen konnten, wie sie heißen, die wie -aus dtzm Nssit gefallene Vögelchen hilfllos uanherhüipften. Es galb Kinder darunter, deren Eltern oder Geschwister einfadi verschwunden sind, veirscbwunden wie ein .Stein, den man ins Meor wirft, Kinder, die nicht wissen und 'niewissen, werden, wer ihre Eltern gewesen .pcch, .wie sie geendet. Aber auclh dJie, die sq!:on mit klarem Bewußtsein das Schrecknis erlebt, werden die,. Tage des Crnaiiieps piie gaimz verwinden, Ein BH-cik des Leidens liegt in diesen dunklen Kimderäsugen, ein Blick des Wissens um Furchtlbaires und Grauenvolles. Sie haben Unwiederbringliches verloren : die barrplose Kipderfireude, , das ver- . Jrauenjs.yolle Kinder lächeln. . Das.ist auf den ersten Blick ersichtlich, daß diese Knaben ernster, klüger, wissender sind als ihre glücklicheren Altersgefährtem. .• Frühreife zeigt sich auch in ihrer Berufs wähl. Sie wollen adle, wie §ie da sind, vorn Handel nichts, wissen. Auch für das Studium besteht wenig. Neigung. Arbeiten, arbeiten mit den Händen — das ist da« Ziel. Einige werden Sclhirteid-er, andere ElekUotecbiüker, Uhrmacher, .Sohlioösqr, Zahntechniker. , lind aülle,, alle ■wollen.-..wach Pciiästiinia. Sie . spredhtein" mit einer Sehnsucht davon, die den ungläubigsten. Zweifler rühren und erschütternimiß. Aius der Bitte des täglichen Gebetes, au« der wirren K.inderveinzweiflung über un verstund orte Schrecknisse, aus ctejpn Zusaumie-n/bruioh ihrer Kinder weit hat siclh die eine Hoffriiuing hiera-usgebilideit, der eine Gilaube: Palästina. . Damit hangt' wohl auch die Begeisterung für die hebräische Sprache zusammen. Die Jungen sind Überhaupt Me kleine Mezzofanti; sie sprechen Russisch, Polnisch1, Hebräisch, Jüdisch und ein zwar fragwürdiges Deutsch, aber immerhin Deutsch. Mit Feuereifer sind sie beim Lernen, sind auch fast alle ungewöhnlich begabt. Sie haben sich selbst a-ms eigenem Antrieb eine »Gemeinschaft«, eine Organisationgeschaffen und gehorchen mit strammer Disziplin ihrem »Komraandaniei «. Nur die natürliche Munterkeit frischer Knaben fehlt, bei allem Tun und Treiben. Als sie ein Besucher autf forderte, volkstümliche Schwänke ihrer Heimat m berichten, da sagte der Ae!teste der Schar: Wir haben anderes zu erzählen ... Andere«, Furch Itteres.. Eine Anklage in die Welt zu schreien-, die allen in den Ohren gellt, eine Anklage, daß das, was geschehen ist, heute geschehen konnte, eine Anklage gegen jene, die es getan, gegen jene, die es zu ge lassen, und gegen jlene, die es vergessen wollen, daß solches möglich war. K lur a Maut m e r. Der KoHektivvertrag für dje kauf-? männlschen Angestellten. Durch den Beschluß de-r Geueralvensammlun.g des Grymium« ist ein mit dem i, Dezember 1. J. in Kraft getretener allgemeiner Kollektivve ertrag mit dem Gehilfemauis-schiiß des Gremiums zustandcgekommen, der die Grundlage des Dienstverhältnisses für a 11 e bei den Gremialfirmen beschäftigten kaufmhnimis'Cihen Angestellten bi'ldiein wird. Der Vertrag beschränkt sich nicht nur darauf, .das Mindesten t ge 11 und die Anseh-af f un gsbeiträge für jene Kategorien zu re§Lte, .für--welche Spez-ialkol'lciktiiTVerträge und bessere ItrÄuduiailiverträge nicht bestehen, sondern stellt sich <aai»f einer Reihe vo-it Rechts gebieten afis eine einverniHrmliche Ergänzung umd Klarstellung derv gesetzlichen Bss-tirnmüngem, -dlie durch das Angestel 1tengesetiz und die Vo-rschrifteni über die Ar b e i t s z e i t, die La 4 e n s.p e rr e, die Ruhetage usw, erlassen wurden, dar. Sc? regelt der Verbrag auch das Verhalten bei Kündigungen und in Falten von Erkrankungen dje Rechte und' PfU<?ht^n deu Angestellten währen des D-Ms'tysnbWniHSSS, ch? Fna'geu des L r 1 a u h e s und setzt für alle Streitigkeiten aus dem Vertrage ein pairitätiisches Seliledßgejd-öh't ein. Firne iparitätische Kommission bestimmt allmonatlich an •deir Ha*md der staatlichen Indexziffern die g 1 e i re-n d e Zulage für die Miudestbezüge. Die' Speziail-vecrträge der einzelnen Brauchen werden aufrecht erhalten, werden sich aber nach ihrem Ablauf auf diesen aW-gemeinen Kollektivvertrag ßjufzubaiuen harben. Im A-nsöhluß am -diese Beschlüsse regelt -die Gemeralversammlung für sämtliche Lehrlinge bei deai gremiab a-ngelhödgen Firmen auch die M in d e s-tb ez ü g e •uuld A-uis-e h af f -u>n g s!be i 11a g e, . / beschloß eine Neureglung der Z a h 1 der Lehrlinge bei den emzeüneai Firmen des Gremiums mid regelt die Veripflichtumgeiu iibeir die Gewähmumg ven Uuterridhtsbcheifen an W Leihrlwige -durch die Mitglieder der Korporation, Die Mitglieder des Gremiums erhaltest den Text des K.Oulekti'Y'vErtrages -duneth die »Kaufmännisclie Rumds-c'hau« übermittelt. Auskünfte erteilt das BMretaiMt des Gremiumis, Averktagis zwischen g -umd 2 Uhr, Nette furchtbare Kriegsmittel.. Die Militärs, Kfiegsiieferanteq und che anderen Hyänen der Menschhcht haben an den .Segnungen des Weltkrieges noch nicht genug. In der »Basler National? zeitung^ berichtet ein Fachmann über die Entwickung der modernen Kriegsmittel: Die neuesten Wege führen in geradezu entsetzlich^ Gebiete, Zwei große Ideenkomplexe sind es, in denent sich die Gedanken modernster Kriegsrnittelforschung bewegen. Der eine Komplex umfaßt »alle Versuche der, Fernlenkung von Flugzeugen, U-Booten und. Oberwasserfahrzeugen, der andere Komplex beschäftigt! sich mit der Frage der Ferntötung und hier nicht nur durch Gas, sondern durch besondere elek-1 frische Ströme, denen man den Namen »zerstörende Energie* gegeben hat. Beide Ideenkomplexe gehen vpn der Grundforderung aus, den kämpfenden Menschen nur mehr als Bediener einer in Sicherheit aufgestellten Maschine aufzufassen. Es wird hoffentlich in absehbarer Zeit ein Moment eintreten, wo die Kulturmenschheit eine gewisse Art der Weiterentwicklung bestimmter Tötungsmethoden Völker-, rechtlich verbieten muß. Denn die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit ist in dem Augenblick ganz enorm* wo beispielsweise mit zerstörender Energie auf ganz geheime Weise- Fernexplosionen oder Ferptötungen vorgenommen werden können. Wer sagt uns denn, daß die Besitzer derartiger Apparate mit deren Anwendung warten, bis ein Krieg ihre »ordnungsgemäße^ Inbetriebsetzung erlaubt? Die forensische Bedeutung einer . ganzen Reihe von neuen Kriegsmitteln muß eingehend geprüft werden- Vor einiger Zeit senkte sich Über ein Dorf auf einer nordischen Heide plötzlich, aus heiterem Himmel eine giftige QaswolH so daß die Mehrzahl der Einwohner gesundheitlich schwer geschädigt wurde. Woher kam diese Wolke? Die elektrische zerstörende Energie Ist schon so weit gediehen, .daß. man in der Lage ist, von einem Zimmer ln das aqdere, durch die Mauer hindurch, einen Menschen zu töten. Wohin LOH das führen, wenn diese Kiiegsmittel in, die Hände von Verbrechern oder politischenTerrorQrgauis.atiQneu gefangen? Wer wird den friedlichen Bürger vor diesen geheimen Tötungsmethoden schützen? ~ - Solch« Fragen müssen die QÖffentlichkeit beschäftigen; bevor die Methoden den Gipfel der Vollkommenheit erreicht haben. a J Es ist vorauszusehen, daß von den an den Versuchen beteiligten Regierungen so ziemlich alles * dementiert werden wird, was hinsichtlich der Gemeingefä-hriichkeit dieser Versuche der Oeffentlichkeit bekannt wird. Das darf aber diese Oeffentlichkeit nicht irre machen. Das energische Dementi ist so oft ein vollgültiger Beweis für die Tatsache, _ * Das Neueste ist... Das Neueste ist der Valuten* sehiGtcik. Er i«t ansteckend rnd kämm cU« bösartigstem; Formegt am'nehrnen. Der gewissenhafte Staatsbürger •beeilt sich, seine verborgensten ScbuibSadeh und! -Hoseimsäöke umrudrehen und ist aiufs tiefste emftäutsieihh, dri'Utncn, trotz aller Versicherungen von' 4M '»maissemhaft in allen Kreisen der Bevölkerung gehn ratstent er Auslandsvalutemc nichts als spärliche Reste üstenrei-eMsdher Kronen zp finden. Zaghaft b-rlingt. -oiicj Frau F-rofesisor ihrem .'gestrengem Ehebe-rrn ■ clie. serg-. sara anfbewahrten A;nfde:-ikpn von cter Tioeh^el-Usr.eüserr} ehtem K;u!pfp5rsdHö, ein Schwe-i'zer. ZeÜMvcer.iHnresstück mi Lira, die mätürli-ölr faJs(äh denm man toait sie* in Vyn-eM-g vom Gamerie-re -bekommen* Ls wirrten s<?häfl>intnige Bereyhrnu-n gsn angelätM, oh 4-1« funlzMm Kcip-Lkenstücke, die der §.^LaMomrriMch«G vom 'MvOlc-hyn Kricgsscihaitei-atz m%#rac,ht und zü einem Armband für sei-n TöcbierChtU VtzTWOvchst hat, nach amu eidefrei sind ode-r ob sie auf -dem Alter des Vaterlandes geopfert werdbn müssen. steigen gen Himel, -diaiß sich doch irgendein guter PtenM Tim4en, Möge» 4'sr den Mittslstän>dter des uin-erTiaubten Valrrte-Mesitaes bezichtigt. IVis sh>re>nv-ci'A! Und 88 HI m ante Josef Popper-Lynkeus. Kew’etn* und ß3mswjySsche,Vex!E5mkc! Sts-SekwareR,, ai5es eratSsBasalg und billigst |m V.?3 re nEta us Von Dozent Dr. Siegmund Kornfeld. M-it Josef P-opper-LynlvCUs Syat da? jüdische Volk einen seiner grpütan §Q;hn« verloren. Eine richtige MGirdigung dteaer P^rsönilrchkeit nach ihrem, ganzen Wirken-wird wohl, .erst der Zukunft Vorbehalten sein. Aber jetzt scho-n drangt sich unmittelbar unter dem Ei-ndru-ok 'seines Hinscheidens 4as Bedürfnis auf, wenigstens in großen Zügen die Eigenart seines Wesens und ganz besonders seine Stellungnahme zum Judentum zu kennzeichnen. Seiner ganzen Eigenart nach hatte Popper eine starke Hinneigung zu theoretisch-wissenschaffliehen Arbeitern, wie dies seine rein mathematischen und physikalischen Jugendsehriften -beweisen. Man braucht nur seine Würdigung‘ der Arbeiten Robert iMayers und die Briefe Robert Mayers an ihn zu lesen, so wird man gerade die Befähigung P-o-ppera zum Eindringen in ' wissenschaftliche Prinzi-pienfragen und zur Erfassung wissen sch ältlicher Theorien in ihrer .allgemeiin^philosophlschen Bedeutung erkennen. Trotz dieser hervorstechenden Begabung trägt die Hauptarbeit seines Lebens einen ausgesprochen praktischen Qia-rafctef. Ihm lag Linderung von Not und Elend, die Besserung -der Lage der breiten Massen vor allem am Herzen, Und dieses Ziel suchte er nicht durch theoretische Vertiefung in Fragen der Volkswirtschaftslehre, der Sozialpolitik- und. der Staat-swissens-chaft zu erreichen, sondern durch Formulierung ganz bestim-mter nachweislich erreichbarer Mittel zu verwirklichen. So bleibt seine allgemeine NährpfUcht ein Weg zur Lösung der sozialen Frage, dessen Betretung gewiß nur eine Frage der Leit ist, und der ganz im Gegensatz zu allen Utopien alter und neuer Zeit nichts als nüchterne Nachprüfung und Verharren auf dem Boden der Wirklichkeit voraus setzt. Die Triebkräfte, welche Popper bestimmten, Jahre, selbst Jahrzehnte seines Lebens der Ausgestaltung seines Löbens Werkes zu widmen» waren, seine Geipütscigenschafteu, welche weit über den Rahmen der Lösung der Mageufrage hinaus, ihn M einem Fthiker allerersteu Ranges. machten. Ihm war es gar nicht darum ZU tun, Probleme der -Ehtik theoretisch, zu beleuchten, sondern ihn beschäftigte die Frag«» wie mau. die Manschen wirklich besser machen, wie ma<n sie stilisieren könne. Er enka-nntc recht wohl, daß der furchtbare Druck der Not und der Sorge das größte Hindernis für jede Erhebung, für jede Höherbildung der Menschen sei, und deshalb war er darauf bedacht, durch Beseitigung dieses Druckes erst die Vorbedingungen für eine sittliche Erhebung zu schaffen, Das, was er immer wieder betont, sind die GemiUseigenschaften der' Pietät, der Anerkennung und Achtung der Menschenwürde in jedem Individuum ohne Unterschied; darin sieht er die Grundlagen -des Zusammenlebens der Gesellschaft. Durch diese Gemütskrafte sieht er allein die Freiheit alter verwirklicht, und in der Sicherung dieser Freiheit erblickt die eigentliche Aufgabe jeder Verfassung, Er, der an den intellektuellen Fortschritten, an den technischen Be-> reiohesrungen unserer natunvisseiischafthQh gerichteten Leit so regen. Anteil genommen der eine so große Empfänglichkeit für die Kunst'besessen und sich auch als Dichter bewahrt hat, schätzte die Güte und Menscheniteha doch über alles und stellte die moralischen Gefühle weitaus über alle anderen Arten. Es war kein Zufall, daß er sich gerade zu Voltaire gan-z besonders hingezogen fühlte. Den-n dieser Mann von so überaus empfindlichem Rechtsgefühl, der als Kämpfer gegen Rechtsverletzung, selbst wenn sie nur einzelne, an sich gau? unbedeutende Individuen betraf, mußte ihm als Vorbild erscheinen. Es war eben die Fähigkeit, den Schmerz anderer ganz durchzuifühlen, sich in die Lage anderer ganz einzu-leben, die ihn wie zur Losung der Magenfrage, so auch zum Eintreten für Gerechtigkeit und Freiheit antrieb. So darf man sagen, daß bei ihm die ethische Grund an sicht aus seinem eigensten. Wesen, au? il.MMBM-WIMM En gros ,074 En detail seinem innersten Gefühl her verging, daß sie den Ausfluß seiner Persönlichkeit war, und daß. er nur! d-as lehrte, was er wirklich erlebt hatte. Auch seine Stellung zum Judentum ist für seine Person ganz charakteristisch, Kosmopolit im strengsten Siwae des Wortes und Vertreter der persönlichen .Ereiheitj selbst bis in ihre äußersten Konsequenzen, so zwar, daß er jede Spur einer auch nur einigermaßen an Zwang erinnernden Beeinflussung durch irgend« welche idealistische Ansichten entschieden ‘ :ab-, leimt, findet er gerade, als die Wogen des ®on genannten wteseh-scbaftlichen Antisemitismus so hoch gehen, zu seinem Volke und zu seinem Volks-* genossen den Weg. Es ist die Empörung über den! Dünkel und Hochmut, der sich in der Scheidung von superioren und inferioren Rassen, von Gast-. •und Wirtsvölkern, kundgibt, der Unwille über d-aä Pochen auf das sogenannte Majontätsprimziipi dem er prinzipiellen Fragen gegenüber gar keine Geltung einräunU, vor altem aber der Zorn über die Verleugnung -der durch die französische Revolution» mR Nachdruck verkündeten Grundsätze der Freiheit und Gleichheit, die ihn -zum Anwalt seines Volkes machten. Sein. Buch »Fürst Bismarck -und der Antisemitismus«, welches im Jahre 1*8*85 erschien, ist eine menschliches Dokument im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem er -die Argumente der wissenschaftlichen Vertreter des Antisemitismus in ihr! Nichts aufgelöst, wendet er sich an seine Volks-, genossen in Worten, die an unsere Propheten gemahnen, um gebeugten. Mut aufziirichterp und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu beleben, Zehn' Jahre vor Herzls Auftreten sieht er die endgültige Lösung der Judenfrage in der Begründung eines Juden Staates, sei er auch nur so ‘klein wie ein Schweizer Kanton. Denn nur ein selbständiger Staat könne den in der Welt zerstreut Lebenden Rückhalt geben und ihnen die Achtung -der anderen Volker, besonders der RegieTunFen. wiedererzwingen-