Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1040 (21.12.1921)
- Date
- 1921-12-21
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seil* S Wien, Mffirodi WIENER MOROEN2EITÜNO 16. Fortsetzung. Levy. Von Jean-Richard Bloch. (Autorisierte Uebersetzung von AugustaWeldl erst e i n b e r gO Diese Herren gehören allen. Parteien an; allein Mer Homo pofidtious von Frankreich ist ein Tvjpivs, dessen Einförmigkeit schon die Aufmerksamkeit der iZoologie auf sich gezogen hat, In der Menge sind einige güte Gesichter, die »Ja« sagen, wenn die Gewählten gesprochen haben. Sie sprechen alle zu gleicher Zeit und strecken 'den Mund über den Tisch vor, um ihre Reden zur Geltung zu bringen in der Art, wie 'alle Politiker es tu«. Eine kleine, 'blaue Wolke von Absinth geht aus ihrem Munde hervor und schwängert die'-Lhft mit einem süßlichen und ekelerregenden Geruch, wie sauer gewordener Sirup. . , ' »He, Levy.« . . . 1 ' Der alte Kürschner 'ist außer sich .vor Freude. iEr durchlöchert mit Elllbagewstößein. die Seite Valentin Loubaties. Levy, immer noch rot, hat sein Glas -mitten unter denen des majestätischen Komitees 'Stehen. Der kleine, dicke Mann sitizt ganz aufrecht, einen Stock zwischen den Beinen. Ein Panama im %Werte von fünf Franken hängt ihm im Nacken. Die £rlatze sieht wie ein Fettfleck in seinem roten Haar aass, die Sommersprossen, sind blasser geworden-, der Kragen ist weiß. Aber das; stille.'Halblächeln, das der Reisende in uaiveränderter Erinnerung behalten hat, ist noch da. »Vizepräsident, er, Levy. Man muß darüber •lachen, wenn man vom »Bund« ist, was? Die Zeiten haben sich geändert, was, Loubatie? Vizepräsident ist er, pc-hah.« Vor der Terrasse, ,wo die ..Verkünder der Demokratie ihren Durst löschen, häuft sich die Menge immer dichter. Von Dawido witsch gezogen, bahnt sich Loubatie einen Weg. Näher gekommen, merkt .er, daß allein,, mitten unter den Absinthtrinkern, Levy Bier trinkt. '' Die Astrachanmütze bewegt sich - heftigzwischen den eisernen Stühlen. Seine zwei langen-Arme schlagen wie Signalstangen auf die Schultern de^ Vizepräsidenten nieder. . j »Loubätie, pchah. Ich bringe ihn dir zu. Schau her!« Er schreit so * laut, daß die Terrasse eine. Drehung vollzieht.. Die Menge-bildet, einen Kreis. Der Reisende findet sich allein und streichelt seinen Bart gutgelaunt,andern er die Leute betrachtet. Man . •hält ihn für einen Wahlagitätor. ••»V/as giibPs Neuiss?« -' - Ein Dicker,-von den Komiteeherren, die Weste, offen auf dem Hemde, den Bart büschelartig ulnterm . Kinn geschnitten und die.Augen bis zur Stirne vorgewölbt, in seinen Stuhl zu-rüclcgebogen und den .Rest seiner Zigarre kauend, befragt ihn mit Wichtigkeit. Der .Reisende macht, mit den Handflächen eih-e belustigte Geste, die seine Unwissenheit' bezeugen soll/undvder dicke Komiteehep wendet den . Kopf verdneßlich.;:gegen das Innere des Lokals. Er.berührt, die .Hand, die.ihm sein Gegenüber breit entgegenhält. .. . . . . »Sie haben uns im Stich gelassen, was? Es sind wohl zehn Jahre her, daß man Sie gesehen hat. So : vernachlässigt mau seine Freunde?« Die Iiingewanderten haben in allen Ländern gleiche Sitten. Sie nehmen die Mundart vor der -Sprache an. Und wie um sich in die für ihre Kehle neue Modulation .einzugewohnen, - wird ihre Aussprache in de;n ...ausgefallensten und schreiendsten. Klängen heimisch, nimmt dieses Argot rieil Anschein von Protzigkeit;än. Es ist'die Vertrauliohilceit eines i -ungehobelten Flegel«; der deine Frau um' die Taille: ■faßt» Es ist eine'Art nationalen Duzens, dem wenige; Kaltblütige widerstehen. - : , Die Haut-'Valentin Loubaties w-uirde schmerzhaft wie die eines- Kranken, 'der den Operationstisch besteigt. Er kann nicht vermuten, daß die Menge nicht mit ihm den gleichen Widerwillen empfindet. Er läßt die!..Stimme und die Nase sinken. Mit der Fußspitze bearbeitet er den löcherigen-Asphalt des Platzes. »Was wollen Sie?... Die Kundschaft... 'Immer unterwegs.« 2h Dezember 1021 Nr. 1040 Und/beiseite grcÄtt e»r: '»Das.'ist ein ungeschickter Kerl, der sich umbringen lassen will. Man,sollte meinen, daß ich die Angst habe.« ' ■ ‘ ' Er richtet sich wieder a-uf. Die Beine gespreizt, den ,-Körper mager und gerade,' den Kopf-mit den harten;-Backenknochen:, sehr hoch auf die Schultern .aufgesetzt, verzieht'd:er [andere sein elfenbeingelb- »liches-J Gesiebt zu einerguitgläübigan Miene. - Öe* .Reisende bemerkt sein kleines, seliif-schwarzes Auge, ■ das,Ihn-unter dem seidenen Gewebe seines weißen- . Haares, hervor a-usspäht.-.Und mit. einem Male bricht der lange alte Mann in ein hartes Gelächter aus. , . '.- »Ah, Herr .Loubätie,' das -ist' einVergnügen» -Sie...zu'sehen. Wissen'Sie, daß meine Söhne hier, sind?«.;. — : , . ■ '■ .!! Das!Gedächtnis des.'Reisenden richtet mühsam ■ den Stammbaum ■ der 'Fäm-i'lie Davide... . witsch auf, -Und/vorsichtig antwortet-er: ' - »Alle?« - -»Kommen -Sie miu-rnir-zu Levy?« \ Ohne-die Antwort-ab z-u warten, ergreift dief, ' Kürsdiner Seine Astracbanmütize und schwingt sie •wa'greoht mit einer’ weitefi Geste über seine- Nachbarn,»die-et um Kopfeslänge überragt. »Auf Wied ersehen, "Freun de!« Sympathisches Khurren antwortet seinem aä alle':-gerichteten Lächeln* Er faßt Louhatie unterm Arm;pn,d schreitet, d^n .Kö-pf nach hinten geworfen, 'durch ‘die Menge. Der braune Bartdes Okzidentalea fügt sich, der, Gesellschaft.des.langen, fremdartigen 'Käftahs?und' der Mütze, aus einem-anderen Zeitalter. „. »Je’ nun, nicht alle;' zwei von ihnen: Abraham und Elias. Abraham machte seinen Dienst, als Sie .da. wajren. (Es .schien,;, wenn man ihn hörte» so, aks ob der, Reisende, sich.-sechs Monate am Orte aufgehalten und täglich zwölf Stunden-mit ihm zugebracht hätte.) Elias hat in der Armee von Väterchen Nikolaus gedient, wissen Sie. (Er »bricht in-ein Gelächter aus.) G-uidal ist-in New York und Israel in Aegypten.« , (Fortsetzung folgt.) Theater von heute. Anfang Burgtheater: Die versunkene Glocke 7 Staatsoper: Don Juan 7 Volksoper: Tristan und Isolde 6 Deutsches Volkstheater: Der Dieb 7 Wiener Kanimerspfele: Der Kammersänger — Tod und Teufel °/«7 — Morphium 10 josefstädter Theater: Fernands Ehekontrakt 7 jV:e«G Wiener Bühne: Beverley . 7 WienerStadttheafer: DergtitsitzendeFrack 7 7 7 7 7 7 7 Renaissance-Bühne: Rache Rasmtmd-Thsater: David und Goliath Carl-Theater: Po-enblut Theater au der Wien: Der letzte Walzer johann-dtrauS-Theater: Die .Tanzgräfin Wiener Bürgertheater: Die schöne Aiama Wien er Komödienhaus: Die fromme Helene Lustspieltheater (Gastspiel der Freien jüd. Volksbühne) Der Dorfsjiug iRoland-Bühne (Jüd. Bühne): Jankale ij, ALPINA* SP MauMnsfibss- Bad ihsdelsgseilsM m. d. L, Wien VH., Scbatfenfegdgasee 73. 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Gegenstand der Verhandlung : Antrag auf Erhöhung des Grundkapitales'der Gesellschaft.von 600 Millionen auf 1 Milliarde Kronen durch Ausgabe von l,?S0.p«O auf den Nominalbetrag von 320 Kronen lautenden Aktien, auf Aenderung der damit, cusaauueabängenden Pavagrupbe der Statuten'und Beschlußfassung Sbsr die näheren Bestimmungen der Hinausgabe der Aktien. /'■ - Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche.an der Generalversammlung feilzunehmeuwiinschen, werden hierait eingeladen, ihre Aktien samt Coupons oder die deren Stelle vertretenden Depotscheine der Anstalt spätestens am,24. Dezember 1921 als dein Statute«mäßigen Endtermine zu deponieren und zwar: ' in VHen bei der Liquidatur der Anstalt (I., Am Hof 6) an Wochentagen von 9 bis 12 Uhr, . , , in Bozen, Bregenz, Feldkirch, Graz, Innsbruck, Klagenfart, Leoben bei den Filial e.n.der An statt und bet den übrigen hieiür bestimmten Aumeldestelleo. . , 9336 W i en, im Dezember 1921. (Nachdruck wird nicht honoriert.) MMdM Wjj'WÄ [01 NM WÜ. 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Moryenzcüum1"'-1. INTraiuergasseö 7 297