Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-12-18 · Heft 1037 (18.12.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1037 (18.12.1921)
Date
1921-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980116--09682-2995958
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

LSKLSWVMMTS» K LS Wien: Zum Abholen in 4er EKpedition, II.,Taborstr. 1—3, oder in 'einerVerschleißsklle (Trafik) monatlich K 560. MitPostversaiid fürWien und Oesterreich monatlich K 560. Tschecho-Slo\vakei:Mon. Kronen 18. Ungarn: Monat!. Kronen 70. Jugoslawien: Monat!. Dinar 15. Polen: Monat!. Mark 500. Deutschland: Monatlich Mark 20. Frankrei chzMonatl.Frcs.ß* 1037 Wiener Wien, Sonntag, 18. Dezember 1921 TrjcrseiSio-Slowaker tsch. K i Italien: Monatlich Lire 6. Rumänien: Monatl. Lei 30J Schweiz: und das übrige 'Ausland monatlich Francs 3J Redaktion u. Administration Wien. II., Taborstrasse 1—3* Telephone: 44-0-38, 43-3-10, ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegramraadres se: „Morgenzeitung“, Wien. Oesferreichisches Postsparkassenkonto150.693. 3. Jahrgang Das Abkommen von Lana. —y. Wien, 18. Dezember. Mit einem große« politischen Erfolg kehrt der Bundeskanzler aus Prag zurück. Er hat das in Halistatt begonnene Werk der Annäherung der beiden Nachbarstaaten unter, geschickter .Benutzung der allgemeinen politischen Situation yreitergeführi'Die Trinksprüche in! Prag haben eine über den . Wert von Höflichkeiten i hinausreichend,e Bedeutung. Sie •sind von Ministern gewechselt worden, die aus /deiii ilVolke kommen, vom souveränen Volke zu ihrem ’Afnte .berufen wurden. Ihre politischen Akte werden von den . Völkern selbst sanktioniert, die in beiden Staaten “deutlich zu erkennen geben, daß das Recht des Vergangenen begraben sein möge und daß das Recht der Ldberidefc tausendmal stärker »t als; vergilbte Architdokumente. Herr Schober, hat rnit glücklicher. Hand den Faden der Versöhnung fortgesponnen., Von der politischen;’Annäherung, die Doktor Renner, unter der offen ausgesprochenen Mißstimmung der' Großdeufcschen und Christlichsöziälen. irn Geheimen anbahnen mußte, ist er bis zur beiderseits zugestanclenen wirtschaftlichen Interessengemeinschaft gelangt lind die Vereinbarungen sind heute; ihrem. .Wesen dach auf die Zu Stimmung .der breiten ' Massen jestützt. Für die Widerstrebenden hüben wie drüben sind die.Vorgänge der letzten Monate ein harter Lehrmeister gewesen und: es mußte1 .erst der Oedenburger Betrug kommen, um in der Tschecho-Slowakai eine so gründliche Stimmungsän derurig/zu vollziehen, daß sojar;die.T „Narodni; Listy V das ^starrsinnigste-nationaldemokratisblie' Organ, sich' für den; Akkord mit Oesterreich äusspreChcir mußte. . . l yDie iNeiitralität Oesterreichs . -ih . allen außen- . apolitischen Fragen ist 'eine naturgegebene Folge seiner f^agei ^Oesterreich kann.. sich, .nicht . 'apders verhalten, HeiWrm' oberste“ RiCtifScMf bleiben; ‘ihüß.^Für.;'d|d Tscfiechö-Slöwäkeh . , piclnt erreichen. IcöWnfe, ist aber die NeÄEEt" OesEreichs. von höchstem'Wert. Wiens Bedeutung Äs wirtsehaftiiches Lentrmn, als. Mittelpunkt des kontinentalen Verkehrsaietzesist ungeschmälert geblieben. Daß es auch, ein politisches'‘Zentrum' ist, dessen. Gewicht sich immer stärker fühlbar macht, weiß heute .auch die tschechische Politik' zu .schätzen, die , in den / stürmischen Stunden des letzten Karlistenputschgs' mir. in Wien Anlehnung finden konnte. Die Erweiterung 'der politischen Interessengemeinschaft zur: wirt|chäftlichen Freundschaft liegt durchaus in der Linie der Entwicklung von der Isolierung aller neuentstandenen Staaten zur großen mitteleuropäischen Zollunion, die kommen muß, weil sie notwendig. ist Ihre Auflichtung wird heute noch durch die, Sorge um die Erhaltung .der nationalen Freiheit 'der einzelnen Staaten, hauptsächlich aber durch den Bestand des Horthy-Systems in Ungarn, . verhindert. Dieser letztere Umstand legt auch die Strömungen bloß, die innerhalb der Ententestaaten einer Einigung Mitteleuropas zuwiderlaufen. Die Gewaltherrschaft in Ungarn ist auf der einen .Seite ein Mittel zur unaufhörlichen Beunruhigung der neuen Staaten, ein Zentralpunkt aller reaktionären iund kriegshetzerischen Bestrebungen, auf der anderen Seite 'eine Bresche in dem Bau, den die gemeinsamen Interessen Wiens und Prags errichten müssen. In die Gründe für die Sympathien, die der blutige Absolutismus des Horthy in Paris findet, gehört auch diese Funktion, die sich der Konsolidierung Mitteleuropas und seiner Emanzipation von dem übermächtigen Druck der' Großstaaten entgegen stemmt. Aber die Verhältnisse sind stärker als die Menschen. t)le tschecho-slowakisehe Politik ist in den drei Jahren sÄt der Revolution von der Feindschaft gegen Wien bis zur Freundschaft gegangen. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten haben ihr Machtwort gesprochen und {zu einem politischen Abkommen geführt, das die neue 1 Ordnung in Mitteleuropa beschleunigt und dadurch ein großer Schritt zum allgemeinen Frieden ist. Diese Entwicklung wird die Widerstände, die heute noch; in Polen, in Rumänien und. in Jugoslawien vorhanden sein mögen, und sich nur am Leben erhalten können, weil sie vom Intrigantentum der französischen Kulissenpolitik genährt werden, überwinden und an ihre Stelle die bessere Erkenntnis setzen, daß das Wohl des einzelnen auch das. Wohl der Allgemeinheit ist imd-daß das Siechtum des einen Staates auch die anderen ihres Lebens nicht froh werden läßt Diese Entwicklung wird auch über Horthy. siegen. Prag, 17. Dezember. „Pravo Lidu“ schreibt: Die Zeit nähert sich, in der der tschechoslowakische Anteil an Europas Politik, Idealismus und Friedensliebe, von den Nachbarn begriffen und ausgeiiijtzt werden wird. Jetzt, nach der Zusammenkunft von Lana, die die Erbitterung der alten Feinde, der Länder, die wie Katz u nd Maus nebeneinander lebten, beseitigt hat/ kann rieht bezweifelt werden, daß man auch in friedlichem Geiste regieren kann, daß es besser ist den Frieden statt des Krieses voFzubereiten» Das Resultat der Komödie: Für Ungarn 15.343, für Oesterreich 8227 Stimmen* W i e ei, 17. Dezember. Wie von amtlicher ungarischer Seite mitgeteilt wird, hat die Ententekommission heute die Zählung der bei der „Volksabstimmung« in Oedenbürg abgebenen Stimmen beendet. Für Ungarn'seien 16.343, für Ö e sie rr e i c h 8227 S t i m m e n abgegeben worden. Deutschland nuiß zahlen. Paris, 17. Dezember. (Havas.) Das an die Regierung des Deutschen Reiches von der Reparationskommission gerichtete Note lautet: Die Reparationskomniission hat das Schreiben des Kanzlers vom 14, Dezember erhalten, in dem mitgeterlt wird, daß die deutsche Regierung nicht in der Lage ist, in vollem Umfange die Teile der Jahresraten zu bezahlen, die auf Grund des Zahlungsplanes am 15. Jänner und 15. Februar fällig sind und in dem ferner die Reparationskommission ersucht wird, einem Aufschub für einen Teil dieser fälligen Beträge zuzustimmen. Die Kommission kann nur ihre U e b e r r a s c b u n g darüber ausdrückeh, daß in dem Briefe des Kanzlers keine genaueren Angaben enthalten sind/ weder betreffs der Devisen, die die deutsche Regierung an jedem der Verfallstage, also dem 15. .Jänner; u.n d 15. Februar, zu liefern bereit sein würde, noch betreffs der Dauer d es Auf sch u b s, der, erbeten wird, um den Rest zu begleichen, noch endlich betreffs der Gar a n t /e in, . die der;LWehAM.M,,,, .apgebpten werdern WenndieKomimssion dlMöEinzelherten nicl# erhält und solange ‘sie sie "nij^t erliajteit :hatf;ist es ihr u n niö glich, das Ge s u-ch der d e uts eben Regierung in Berücksichtigung zu ziehen oder auch nur zu prüfen. Die Reparationskommission stellt mit Bedauern fest, daß in dem Briefe des Kanzlers irgendein Hinweis auf die Maßnah m e n fehlt, die die deutsche Regierung angewendet hat oder anzuwenden beabsichtigt, um den von, der Kommission in ihrer .mündlichen Erklärung vom 13.‘November und in dem Briefe vom 2. Dezember, auf den die Kommission die. besondere Aufmerksamkeit des Kanzlers lenkt, ausgesprochenen Wünschen nachzukommen. ' Frankreich und der Vatikan. Paris, 17. Dezember. (TeL der „Wiener Morgen zeitung“.) Der Klub der demokratischen und radikalen Mitglieder des Senats, welcher 158 Mitglieder umfaßt, hatte auf Antrag seines Vorsitzenden Doumergue mit allen gegen drei Stimmen beschlössen, im Senat eine Interpellation einzubringen, in welcher die Abberufung des französischen Gesandten beim päpstlichen Hof, Jonnart, und Auflassung des Postens gefordert wird. Als Begründung wurde angeführt, daß die Aufrechterhaltung offizieller diplomatischer Beziehungen zur Kurie den Gesetzen Frankreichs widerspreche und das Verhältnis zum Verbündeten Italien störe*. Die Interpellation führte im Senat zu einer lebhaften Debatte, in. die Ministerpräsident B r i a n d mit einer längeren-Erklärung eingriff. Es sei nicht im Interesse Frankreichs gelege ', daß eine Macht wie der K a t h o 1 i z i s m u s außerhalb der französischen Gesetze lebe, und er Wünsche, daß sie unter Aufgabe politischer Ideen in die legale Organisation zurückkehre. Er teilte eine Äeußerung des Botschafters Jonnart mit, wonach die Kurie sich dessen bewußt sei, daß die Ver weltlich ungsgcsetze respektiert werden müssen. Die Frage sei eine ausschließlich außenpolitische. Der Senat beendigte die Debatte, indem er der Regierung mit 174 gegen 129 Stimmen das Vertrauen votierte. Die Entente und Ostgalizien* Warschau, r.. Dazemlbet, (Telegramuni der »Wicaier M-oirgenfzeituinig-«.) In hieis-igen maßgebenden Kreisen herrscht'seit einigen Tagen Nervosität infolge der, angeblich aibs Lonidno ' tiinicl Plaris ecng^elataigten »Mitteiliuinigein wegen der. SteMmign’aJbrae dien: Entente rum qstgailz,Ischen Rrdb&em.' Darnach soll in der Einlteinite der Staindlpuhüct vqrheitrschen], gegenwärtig (keine definitive Lösung in der .Frage der staatlichen Zugehörigkeit Ostgadizieos verzuoehmem. Polen» soll niuir eiin iptrovisotris c h e s M ann d a t erfülltem.. D ie tovcirstehemde Abreise des Außenministers S k i r in u wt nach Paris wird mit diesjen kiformofckmC'n in ÄusammM-, hatti.gr gdbradhftk Kundgebung für den Zionismus tu Washington* New York, 14. Dezember. (Tel., der „Wiener, Morgenzeitung“.) Aus Anlaß der Anwesenheit Sokoiows iri Washington fand vorige Woche in Washington! eine massenhaft besuchte Versammlung statt,' in welcher; S o k o 1 o w und Senator Spencer über die Be-j deutung des> Keren Hajessod und die Pflicht Amerikas, an der Herbei Schaffung der Mittel für den, ■ Wiederaufbau Palästinas teilzunehmen, sprachen. Senator! Spencer versicherte die zionistische Organisation seiner Sympathien und seiner innigen Teilnahme an der Entwicklung des Zionismus und. forderte die Amerikaner auf, die Zionisten in der Erlangung ihres großen Zieles tatkräftigst zu unterstützen. Er schloß! seine Rede mit dem Rufe: „Ä m e r i k a muß d i e erste Nation der W e 31 s e i n, d i e d e r, zionistischen Bewegung hilf fei c lt zur Seite steht“ Dieser Appell übte einen tiefen! Eindruck und beeinflußt die jüdische Öffentliche Meinung in Amerika, da Senator Spencerafe- eine der führenden Persönlichkeiten im amerikanischem Senat bekannt ist -^ . - New-York, 16. Dezember. (J. C. B) Die vorf der zweiten Zionisten-Delegation eingeleitete K e r e n.-. H a j e 8.8 o. d - K a in p a g n e, nimmt einen erfolgreichen Verlauf. Professor W a r b u r g, J a b o f i n s k jr; und. Colonel P ater so n kehrten von ihren Besuchen in Madison, Chicago und Mi 1w a u k e e zurück, wo sie sich ihrer Aufgaben mit' sehr guten praktischen Erfolgen entledigten. An allen! Versammlungen nahmen die angesehensten jüdischen Einwohner teil. Die Sammlungen ergaben beträchtlich^. Summen für den Keren Hajessod. In Madison wurden, die Mitglieder der zionistischen. Delegation vonf Gouverneur. B1 a i n begrüßt, der erklärte, daß dia Bildung einer Nation jede ^Anstrengung rechtfertige. In allen . interessierten jüdischen Kreisen wird' erklärt, ■ daß es ein Leichtes ist, die Sammlung auf' mehr .als auf das für Amerika bestimmte Kontingent von neun Millionen Dollar zu bringen. Die Wilnaer Frage* Warschau, 14. Dezember. (Privat) Der Parisefj. Korrespondent der „Ga z eta War s z a wska“ beschäftigt sich in einem längeren Briefe mit def internationalen Situation der Wilnaer Frage. Untere anderem stellt er fest, daß es von Polen leichtsinnig; wäre, zu glauben, daß die Einberufung eines; Wilnaer Sejm alle internationalen Schwierigkeiten* beseitigen könnte. Hymans’ P r o j e k t stehe noch immer auf der Tagesordnung. Eine Intervention gewisser Ententemächte und eventuell des Völker- > bundes sei noch immer möglich. Die Litauer arbeiten sehr geschickt. Die Reise Dr. Rosenb au m s nach, Warschau sollte eben nur die Bereitwilligkeit Litauens zu Verhandlungen mit Polen, und die eigenmächtige Handlungsweise Polens beweisen* * * Kowtio, 14. Dezember. (J. C. BH Di\ litauische Regierung veröffentlicht eine Erklärung, daß sie vort der Reise Dr. Rosenbauns nach Warsch au «nd von den von ihm dort gepflogenen Unterhandlungen: keine Kenntnis hatte. Der Außenminister P u r i t z k i s, der in der Sache eingeweiht War und der Ausreise Dr. Ros'enbaums keine Hindernisse in den Weg zu legen versuchte,, hat seine Demission überreicht, welche vom . Präsidenten der litauischen Republik noch nicht angenommen wurde. * Wilna, 13. Dezember. (Privat^ „U i^s^r T 04* veröffentlicht in der heutigen Nummer die DeWaration der jüdischen Parteien ’ in Angelegenheiten der bevorstehenden Sejmwahlen, wonach Cz Enthaltung der Juden von den Wahlen proklamiert wird. Die Deklaration ist von Dr. Wigodzki als Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, der zionistischen, der zefcei-zionisii-, sehen und demokratischen Partei, dem Verbände detf jüdischen Kante*. und Handwedeer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.