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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-16 · Heft 1035 (16.12.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1035 (16.12.1921)
Date
1921-12-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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HZKLLSKLSMMSS' K LT Wien: Zum Abltolen in der Expedition, n.,Taborstr. 1—3, oder in einerVerschleißstölle (Trafik) monatlich K 560, .Mil Postversand fürWien und . Oesterreich monatlich K 560. Tschecho-SlowakeiiMoti, , Kronen 18. Ungarn: Monat!;. Kronen 70. Jugoslawien: Monatl. Dinar 15. Polen: ' Monatl. Mark 500, Deutschland: Monatlich Mark 20, Frankrei ch: Monatl. Frcs. 6. Tscsscha.siowakeä tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire Rumänien: Monatl, Lei 3 Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs Ä Redaktion u. Administration? Wien 11., Taborstrasse 1—3; Telephone: 44-0-38, 43-3-19, ab 6 Uhr abends 17-9-33/ Telegrammadresse: „Morgeazeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 150.693. Nr. 1SZZ Wien, Freitag, 16. Dezember 1921 3.Jahrgang Deutschland fordert eine Fristerstreckung bei den Reparationen. P ar is, 1.5. Dezember. (Havas) Die deutsche Regierung hat der Rep-aratiohskominission mitgeteüt,- d.aß sie die am 15. Jänner 1922 f ällige Summe ' von'500 Millionen ’Gdidmark nur t $ i Iw ei s e za Wen könne und um eine Fristerstreckung für einen Teil der Zahlungen ersucht. Die deutsche Note. ... Berlin, 15. Dezember. (Tel.-Komp.) Die deutsche Reichsregierung hat an die Reparationskommissibn folgende Note gerichtet: An den'Herrn ^Präsidenten: der Reparationskömmission in Paris!, Hqrr Präsideiitl.Wie ich der Reparationskommission bei ihrer letzten Anwesenheit in Berlin erklärt habe, ist die Reichsregierung, auf das ernstlichste bemüht gewesen,. , die beiden nach dem Zahlungspläne vom, 5. Mai .1921 'bevorstehenden Zahlungen zu sichern. Da dies nur.mit Hilfe'einer im Auslande aufzunehraenden Anleihe gelingen könnte und hiebei eine wesentliche Mitwirkung der englischen Finanzwelt unerläßlich gewesen wäre, hat die. deutsche Regierung in England wegen .einer solchen Anleihe verhandelt. Von maßgebender Seite ist' ihr > jedoch erwidert worden, daß unter der Herrschaft der Bedingungen, die zurzeit für die . Zahlungsverpflichtungen der deutschen Regierung gegenüber der Reparatiönskommission währendder nächsten Jahre maßgebend wären, eine solche Anleihe . in .England nicht zu erlangen sei, und zwar weder als, langfristige Anleihe, noch als kurzfristiger Bankkredit! Unter/ diesen Umständen kann die deutsche ' Regierung; .nicht', mehr' " damit rechnen, daß, es: ihr gelingen werdet Budapest, 15. Dezember. In der heutigen Sitzung 'der Nationalversammlung befaßte sich Abgeordneter Riss eingehend mit der vierhundertjährigenHerrschaft der Habsburger, die ,er. als die ärgsten F e i n d e der. ungarischen Freiheit hinstellte. Sodann sprach Abgeordneter S z i 1 a,g y i für den Minoritätsantrag, wobei er sich besonders scharf gegen die Landwirtepartei wendete, der er politische Kurzsichtigkeit vorwarf. Er unterzog die anläßlich des Königsputsches getroffenen Maßnahmen der schärfsten Kritik. Er fordert die sofortige Fre ilassiug d es Majors'.Osztenbu’rg,. der in Oedenburg/ sehr populär sein soll. Weiters greift Redner auf das heftigste die Umgebung des Rei c hs.verwesers an, der er persönliche Machtgelüste zuschreibt..... , . / . - 'Budapest,* 15. Dezember. .-Inder. -fertigen,; -Sit-' jauaig der Nationalversammlung!,erklärte Abgeordsieter S z il ag.y i in seiner Rcde,.u. a--., daß der erste. ^Bürgerkrieg,der jüngsten; Vergängenbeit . sieh nicht Ifaei Biudaärs, sondern in .vder Nahe von Eiseinstadt (abgespielt habe. Dort vbäben/ eiriklärte’ Redner, die 3?T.eiedhärler des H e J j a s.die unter dem Kcmwnando Ö? *r,i e-dlr ich« ' stehenden .Aufständischenäng*cgriffen. Letztere sind.tags darauf zum Gegenangriff 'geschritten. Es kam. 'zu. einem.- regelrechten ::F.euergefedfot, wobei es Verwundete; Tote und Gefangene jgab. Dort hat Friedrich.. uuteir-'iden .von ihm.i gei fcnaditen Gefangenen' auch mehrere' vexiu.r.t e-i; I-t e Raubmörder vorgeftmden, die ihre Strafe, noch «riebt abgebüßt hatten'' und : ivdie 'auf unbekannte Meise atps dem K e r ik er gehÖlt-und zur Rehabilitierung nach Westtingam gekracht worden -waren. Abgeordneter Dr. Barciz-.y (Demokrat): Es lebe die Rechtsordnung! > t. •: Abgeordneter*! Szilagyi: - Metiaeh beruft .man (Sttdh1auf . <Le Kriegsgefahr,. die uns wegen -der An-, äctmffc des. Königs gedroht habe. Udo möge sich' aber an die Weihnaclitsfeicrtagc! des yc^dgen' Jahres crjmnem, Damals hat tv.an .Hejjas seine Organisationen »gesammelt und’ einen Idinbiush /in Oberongam an-, pefohlen. Zum ' Glück: hat damals. der.. Laji'desvcrteidiigangsminister Beti-tska die ganze Aktion-’ vereitelt und die schon'» im Vormarsch befindlichen Truppen zurückbeordcrt. Die Regierung beruft sich (stets darauf, daß Ungarn der Iconsolidicrtestc Staat IMitteieiTropas sei. Trotzdem waar cs möglich, daß leine geschlossene Formation auf mar seine r eu,. eine diejenigen Beträge in ' voller Höhe zu bezahlen, die nötig wären, um die. am 15. Jänner und 15. Februar 1922 fälligen Raten zu : bezahlen. Selbst bei aller Anstrengung und unter Nichtachtung ihrer budgetären Lage würde die deutsche Regierung für diesen Termin ■ unter Anrechnung der'Waren-- und Sachleistungen und ‘ der Gutschreibungcn . aus dem Rekonveyakt nicht mehr als. ungefähr 150 bis 200 Millionen Goldmark aufbringen können.' Die deutsche Regierung sieht sich daher, genötigt; ftir y den nicht erfüllbaren Restbetrag der Raten einen Zahlungsaufschub zu beantragen. Sie beschränkt sich .zunächst auf diesen Antrag, obwohl sie sich bewußt ist; daß sie bei den nächstfolgenden Raten gleichfalls mit Schwierigkeiten zu rechnen haben wird. ' Genehmigen' Sie.*. u. s. w. Gezeichnet: Wi-rth." Berlin, 15. Dezember. (Wolff.) Eine, gestern eingetroffene Note , der Repaiatipnskomm.issipiv. weist auf die -Unzulässigkeit der A u s f u ft r . vlö.-n ‘ Ko h 1 e , und Kd ks. ohne ihre yoräusgehendeGenehmigung hin und spricht den Wunsch aus, daß." die nicht-; bewilligte Ausfuhr. unverzüglich ei n'gest e 111 .werde. Die. Lieferungen nach H 0 11 a n d könnten unverändert weitergehen. Die deutsche Regierung hat die Reparationskominission ersucht, wegen der weiteren v Zulassung der Ausfuhren sofort in mündliche Erörterung mit ihr einzutieten. Paris, 15. Dezember. (Havas.) Die R e p a- / ratio n sk0 m m i ssi0 n hat Deutschland fürdie bis zum f.'‘Mai 1921 abg^eterten: jSdtiff-evdie Sumnie. von 10,244.649 'Goldmark gutgeschrleberi.; , neu uh6 alles vcrnichtLn konnte, was ihr m die Hände fiel. All das zu. einer Zeit, in der die Garnis-oii vo-n, Budapest so stark war, wie noch .nie. rin den letzten zwei Jahren. Es wäre leicht gewesen, diesen Tmp.p a-ufz-uftälten und die VenvüsfcüügÄ.aribeiten zu . verhindern. Daß' die Regierung es n icli'it getaniiat, beweist,, das -sic nicht Herrin der Situation war. Es : beweist, daß liier eine .*N chen r e g i e 1*un g existiert, die die Macht in den Händen hat u-ucT alles vernichtet, was sie vernichtenwill. Das Aütonomieprojekt für Ostgallzien. Warschau, 14. Dezember. (Tel. der „Wiener A^orgenzeitung“.) Wie ihr Korrespondent von gut in- -formierter Seite erfährt, hat die interministerielle . Kommission zur Ausarbeitung eines A u 10 n 0 m i eprojekts für O.stgalizien ihre Arbeiten bereits ab gesc.h4o.ssen. . Nach Annah.me des Projekts wird der Außenminister Ski r m u ntdiePührer aller Sejmparteien zu einer Konferenzeinfaden und ihnen die Notwendigkeit einer Annahme .•von konkreten Beschlüssen in der ostgalizischen Frage nahelegen. Sodann begibt sich Ski r m u n t nach Paris, um noch vor der der ostgalizischen Frage gewidmeten Tagung des Obersten Rates den Ententevertretern das offizielle polnische Autonomieprojekt für Ostgalizien .bekanntzugeben und die eventuelle Zustimmung der französischen und englischen Regierung zu erlangen. , Die polnischen Gesandten in Paris und London sollen bereits Weisungen erhalten haben; ■ die diesbezügliche Stellungnahme der englischen und französischen Außenämter zu sondieren.? - Die Odentkonferenz. Rom, A 5. Dezember. (Tel.-Comp.) Nach der „Tribuna“ ist die Zusammenkunft der alliierten Außenminister zur .Beratung der allgemeinen Lage ,im Orient upd besonders-in*Kleinasien auf die e r s t e n J am-u a*r- ,t ßge verschoben worden. Bei dieser Zusammenkunft wird vor allem die Vernrittlungsmöglichkeit eines griechisch-türkischen Friedens geprüft werden, Ein Brief Franz Ferdinands. —y. Wien, 16. Dezember.- Die von den diversen kriegsknechten und ihrer* Schreibkulis verbreitete Legende von der meuchlerischen Erdolchung , der Front erhält, je mehr die Hülle vor der Geheimgeschichte des Untergangs der, österreichisch-ungarischen Monarchie sich senkt, ihr, Tatsachendementi. Sie hat heute den gleichen Wert wie die alldeutsche Auffassung, daß der Weltkrieg vom den Juden angezettelt worden ist. Die 'Memoirenliteratur der Feder- und Säbelhelden gestattet - naejv lind nach einen Blick auf die' Bühne, hinter deren* Kulissen die Weltgeschichte und das Glück der ge-’i liebten Völker gebraut worden ist.; Da veröffentlicht' jetzt der' Feldmarschall Conrad von Hötzendorf seine Memoiren, -durch die er seine Verdienste im Krieg er-, weisen und andere belasten will.' Das wird ihm nicht ganz; gelingen und es bleibt seine welthistorische Tat, daß! er die strategische Räumung Ostgaliziens1 und diej Nässenevakuierung der ostjüdischen Dulder :in dass gastfreundliche Hinterland ersonnen und betriebiftvliäti Er sucht aber seine Verteidigungsschrift' duÄ: den- Beischluß verschiedener Dokumente interessanter zumachen, ihre hervorragenden Momente durch pikante) Briefe zu markieren. So druckt er auch einem Brief! ab, den ihm Erzherzog Franz Ferdinand im Februari 1908 aus der-Schweiz geschrieben hat. Man vergegen-; wärtige sich die damalige internationale Lage: Dlej jtmgtürkische Revolution für Einheit und; Fort-1 schritt ' stand gerade in der Entwicklung;j in Bulgarien bereitete man die Losreißung; von der Türkei und in Oesterreich die Annexion der; Reichslande vor, beides Akte, die ein Attentat auf die] von Krämpfen zerrüttete Türkei bedeuteten. Alle öster-i reichischen Militaristen, die von dem Marsch „nach; Mitrövicä“ träumten, konzentrierten ihre -.-MsM:ünO ihre Intrigen' darauf, die Monarchie in jene AkHvitäfcs^; politik zu verstricken, die sechs Jahre später Lp „'unseren; letzten Kampf“ auslaufen sollte. Der innere Zustand» des Reiches entsprach diesen Träumen in keiner. Weise. Der nationale Streit hatte alle Hoffnungen auf das Postament des allgemeinen und gleichen Wahlrechts mit Reif bedeckt Uni so schwieriger war die Aufgabe des Kriegsministers; er hatte die! Forderungen der Kriegshetzer in Einklang zu bringen mit den Möglichkeiten des von den. Agrariern aller Nationen ausgebeuteten Staates.! In dieser Situation schreibt Erzherzog Franz Ferdinand^ der schon damals dem alten Kaiser Franz Josef diej Tage seines Lebens nachzählte, den Brief .an. deni. Chef des Generalstabs: ..' Man'schenkt bierj den Beamten 20 - Millionen, dsrt den Eisenbahnern! dasselbe und bringt nicht die schäbigen neun Millionen für die armen Offiziere auf ... . . . Der tjeferiiegende:: Grund ist der, daß jetzt die Monarchie total in dem; Händen von Juden, Freimaurern, Sozialisten und! Ungarn steht ..... Ich ließe mir ..... kommen! und würde ihnen sagen: .„Ich jage euch alle zunij Teufel, wenn ich nicht binnen acht Tagen die; Rekrutenerhöhung habe!“ und ich stehe gut, -inj 24 Stunden habe ich alles! So wissen die MinisterJ es geschieht ihnen nichts, die Armee kriegt nichts ub& die Juden, Sozialisten und Ungarn triumphieren^ Welche Psyche spricht aus diesen Worten! . So mag manwohl am Stammtisch eines Gemeindewirtehause» in Blühnbach denken und sprechen. So ist aber nicht hur in diesem Wirtshaus, in den! Offizieremessen, in den Militärschulen und. in deni Schlössern des Hochadels gedacht und gesprochen! worden, sondern auch in den höheren Bifosgerkretsen| im Wiener Gemeinderat und am Hof. Der Kampf derp Völker um nationales Recht, der Kampf der Arbeiter-! schaft um politischen und sozialen Fortschritt, der Kampf; der Beamtenschaft um Verbesserung ihres glänzender* Elends, das Drängen aller politischen Kräfte nach der, Demokratisierung des Staates — das alles sah em so hochgestellter Mann alseinen Kampf der Juden,Sozialisten und Freimaurer an, ganz im Anne Philipps -voa Spaniens, dem Posa vergeblich seine Vorträge hält.* Dieser Erzherzog ist noch immer der Abgott jener. Kreise, die durch die Revolution beiseite gedrägigjfc worden sind. In ihnen lebt die Weltanschauung Franz Ferdinands fort und noch heute verstehen sie es; meisterhaft, die Gehirne zu verkleben. Auch heute erklären sie das Ringen des Volkes nach Brot und Frieden als eine Zettelung der Juden und Freimaurer.1 Dieser Brief zeigt, daß man aHezeit,. wenn mM kein anderes Argument besaß, die zugkräftigste Weise spielte: derjud! Das Parlament trat den schsankeu- , losen Militärforderungen, den Sbidatenmißhanditsngen^ den Sticheleien gegen Rußland entgegen; Franz Ferdinand und seine Partei schrie»: Juden*! Die Sozialdemokraten und bürgerlichen Demokraten warnten vor den Nadelstichen gegen das ^dpeheBsehäadeH6che| üafieiK, Franz Ferdinand and seine Partei sehrieH Juden! Die Monarchie ging zugrunde, Ge Jugend verij \<SS*te >s <*» fDfcuckerei -Mrmeu...die Das neue belgische Kabinett. Brüssel, 14. Dezember. (Havas.) Das nette Kabinett ist gebildet: Präsidium und Finanzen — T h eun i~s, Aeußeres — — liVerteidigung —wD.;CrV;erz L Die Raubmörder in den Hejjas Detachements. Enthüllungen über das Horthy-System.

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