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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-14 · Heft 1033 (14.12.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1033 (14.12.1921)
Date
1921-12-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer lü Wien: Zum Abholen In der Expedißoa, IL,Taborstr. l-r3* oder in dlnerVerschleißstelle (Trafik) monatlich K 560* MitPostversaud filrWipn und - Oesterreich monatlich K 560. Tschecho-Slowakei: Mon. Kronen 18. Ungarn: Monatl Kronen 70. Jugoslawien? Monatl. Dinar 15. Polen: Monatl. Mark 500. Deutschland: Monatlich- Mark 20. Frankrei cb: Monatl. Frcs. 6. tscSi. X 1 Italien: Monatlich Lire Ä Rumänien: Monatl. Lei 30J Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 3; Redaktion u. Administration] Wien IL, Taborstrasse 1—3. Telephone: 44-0-38,43-3ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse:„Morgenzeitung*, Wien. Oesterrelchisches Postsparkassenkonto 150.693. wmmm Wien, Mittwoch, 14. Dezember 1921 3. Jahrgang Die Oedenburger Generaiskommissiön im Dienste d|r Betyaren.; General Ferrario ordnet die Abstimmung? für heute an. — Oesterreich beteiligt sich an dieser Abstimmurigskomödie nicht und zieht seine Abstimmungskommissäre-zurück. Der Vier-Mächte-Bund. —y. W’i.e'n, 14, Dezember.:’ Die Washingtoner Abrüstungskonferenz - hat' : die Frage der Abrüstung nicht. gelöst’ Sie; konnte dies nicht'tun, wejl däe Mächte; .de^en Vertreter eich zur Konferenz zusammengefunden; hätten, nicht den ^Willen zur Abrüstung’ besitzen. Die;Entlassung der Armeen und. .der vollständige Verzicjitauf die Waffenanwenr düng. im. Falle - von Streitigkeiten kann ’nur; unter - Be-- dingungen' geschehen, die in-der. Heutigen Atmqsphäre Europas noch nicht zu finden' /sind; Bedingungen,.1,die sich aus der Erkenntnis ergeben, daß der Krieg .kein ' politisches Mittel ist' und-'1. daß . er weder ,'., polir tische, ’ noch wirtschaftliche Fragen; jrestlos lösen kann. Der- Krieg 'ist' die Anrufung der Macht des Stärkeren;-er ist die Ausschaltung, des Gewissens und er führt inseinen , Konsequenzen; zu neuen Kriegen. Seine Beseitigühg. aus. dem -Arsenal des politischen Rüstzeuges'^Mn'' nur eine Folge . der Abrüstung der Geister sein, d^rSieg der Auffassung, daß das menschliche Leben;!:!imd. die menschliche. Arbeit der höchste und heiligste'Besitz der Menschheit sind. Eine Politik, die sich nur von der Rücksicht; auf Leben und'Arbeit der Staatsbürger' leiten läßt,- kä’nh niemals' zum Kriege führen, solange sie sich - auf das .Recht und; die auf die Gewalt; stjitzt! Die Mächte, zu: deren Gunsten' der 'Weltkrieg ausgefallen - ist, stehen noch ‘zu stärk unter dem Eindruck ihres Waffen-- sieges" Und sind bestrebt, die ' Früchte ihrer Anstrengungen gegen Jeden Rächeversuch der-Unterlegen eh, - aber auch gegeneinanderzu sichern. Sie erkennen aber heute‘schon die Gefahren dieser aus: dein Kriege überkommenen psychischen Strömung. Sie . haben den Völkerbund geschaffen und1 einen . permanenten Gerichtshof,,'dem; internationale Streitfragen ziir Entscheidung vprzujegen, wären.;- ,§je -damit;-wenn; a^ch; Zögernd; (%iHdjetzt ■ iffc W^ilngtjöfi' HUE WUMHMW-MW.; ^egarrgen.?! wollen sieh; auf-, ein-,PrqMMM.-eiyMn^^däs wenigstens! für zehn Jahre dert kriegerischen Konflikt zwisqHen ihnen verhindern soll. - - Diese Einigung ist noch micht Gesetz geworden find harrt: der Ratifizierung durch die . Volksvertretungen der beteiligten - Staaten. Es - bedeutet aber - immerhin eine ansehnliche Konzession . an; die - Friedensströmung u!d an die RuhebedürLigkeit der; Staaten-. Das .Abkommen soll sich nach , einer, Mitteilung des ,ameri,ka- - machen Senators Lodge an die .-Washingtoner Konferenz zunächst nur auf , die; Probleme des * Stillen Ozeans beziehen,: also auf Fragen, die auch Deutschland und Rußland lebhaft interessieren1 müssen. Aberda diese ..Staaten von der,Washingtoner Konferenz ausgeschlossen sind, ist auch die Regelung sicherlich nicht y un'er Berücksichtigung ihrer Interessen erfolgt. Die 'Ordnung dieser Fragen ist also . eine. Sehr ( einseitige qnil.. es 'können „ in ’ einer allerdings! reelit weiten, Zukunft schwere Konflikte daraus entstehen. Einstweilen! ist ajaer aus den . Beziehungen ' zwischen , Japan! u d. Amerika die Kriegsgefahrgebannt, England und Frankreich mußten . nicht.• ihre Stellung,.'wählen,, was!, auph Zwischen ihnen . neuerliche Entfremdung hättp.'wächrüfen müssen. Für zehn Jahre ist auf diesem Gebiet Ruhe.. . 'l.v. j_... - '■ ■ Von hier aus aber; istJ.es möglich, auch zu einer, Beruhigung Europas zu! gelangen. In den europäischen Staaten der Entente wächst der Unmut über die Zu* Die interalliierte Generalskommission in Oedenburg hat von der; ihr seitens der Botschatterkonlerenz erteilten Er* ntächügung, die Abstimmung in Oedenbürg auf den 18., beziehungsweise 20. d. M. zu verschieben, zweifellos über ungarische Einflüsterung, keinen. Gebrauch gemacht. Die Abstimmung in Oedeinburg beginnt nach einer gestern nachmittags der ungarischen Regierung durch Geriet ral Ferrari gemachten Mitteilung heute um 8 Uhr früh. Infolgedessen werden üb er A uf trag der österr eichis chen Regierung die 32 österreichischen Ab st im mün gs- Kommissäre das Abstimmungsgebiet v erlas s e n, so daß die Abstimmung zii einer F a r c e und Komö d i e herabsinkt, deren von vornherein feststehendes Resultat von Oesterreich nie h t a n e r k a n n t werden wird. Der Einspruch Ungarns gegen die Verschiebung der Abstimmung entsprang der berechtigten Befürchtung, daß die gef ä 1 s c ht e n Abstimmüngslisten seitens der Generaiskommissiön gereinigt .werden könnten, woMirch ein ungarischer^ Erfolg ausgeS ChlosSeri gewetzertz wäre-. ', , - j ’1 r;■y. y; -:yy:^yy-i;;.;-iv- - >* - - . - -» ' . . .-^ *' v. *''■ : ■*' Die Herren Ententegeneräle in Oedfenbürg haben schon oft bewiesen, daß sie mit allen Kräften bemüht sind, das Schwindelsystem und die Terrorakte der Horthy-Banditen liebevoll zu schützen und Oesterreich bei jeder Gelegenheit zu schädigen.- Trotzdem die Pariser Botschafterkonferenz Wert darauf legt, daß in ' Oedenburg keine m’a g y a r i s ch e, sondern eine eur op äi sehe Abstimmung ‘ stattfindet,. ist die 'Generaiskommissiön anderem Sinnes. Sie will der - Schwindelabs'immung Vorschub’ leisten- und Oesterreich um sein in - Venedig fesfgelegtes Recht prellen, lassen.^ •Die Beziehungen zwischen den-Herren Generälen .‘ der Entente in Oedenburg zu Horthy und; seinen Genossen sind so intim, daß. auch die Botschafterkonferenz zu schwach ist, diesen Budapester Einfluß zu. brechen. Falls in Oedeftburg heute . die Abstimmung durchgeführt wird, kann : die europäische; Oßffentlichkeit: diesen Skandal nicht unerörtert bleiben. lassen. Oesterreich muß zu seinem Recht — auch gegen den Willen der Ententeg'eneräle — - verholten werden.. Der Protest der osterretebllscben Itegtenmg. . ’ Wien, 13. Dezember. Die „Politische Korrespondenz“ schreibt:' Im Ministerium des Aeußern . sind in! den - späten Abendstunden Nachrichten . eingelaufen, nach' denen die interalliierte Generainkommission in Oedenburg trotz der ihr. von der Botschafterkonierenz erteilten Ermächtigung eine Verschiebung der Abstimmung in Oedenburg nicht durchzuführen geneigt;i|tj; so daß mit der Abstimmung am 14. Dezember ge- |echnet werden muß. Gestützt auf. die ihr von ihrem Delegierten in Oedenburg zugekommenen Berichte,, nach denen in keiner Weise ein auch nur den p r i m i- $i‘v s t e n B e g r i f f e n der U n p a r teil i c h- 1c eit'und Reinheit einer Abstimmung entspre- ’ehender Vorgang gewährleistet wird, hat die Bundes-, 'regierung im Einvernehmen mit 'allen ■p o l i t i. s c h e n Parte i e n d e r Nation;alv e r s a m m l u n g beschlossen, , an einer . solchen Ab stimm ung n i c h t teil zu ne h m e n, die Abstijnmungskommissäre - ab zuber u f e n und das Ergebnis der Abstimmung nicht an z u er kenn e n, falls die Generaiskommissiön an ' ilirem Standpunkt festhallen sollte. } -! Das Protokoll von, Venedig bestimmt in, Teil -If,; daß acht Tage nach her Pazifizierung des Landes in der Stadt Oedenburg .und Umgebung. eine Volksbefragung erfolgt. Es bestimmt aber zugleich, daß die .Generalskömmission die .Verwaltung^ejre.chtsaiiie 'auszuüben hat, und zu gleicher 2eit wird Im Protokoll .von Venedig festgesetzt, daß die GenefaMömmission; bereits von der Unterzeichnung an siqh!'mit den r wendigen Vorkehrungen zu defasseb. Häise,! DjeseD .tatsächlichen- Inhalt des-, PwtokÄlLken^MechMd,- liut|fcv;4ufth ,där' Beschluß des .'österreichischE'^M^önälrafös, . - ,der! ausdrücklich r! die .Gene h m i g u.p g ^4^ - Pro t o k o 1 I st ’r unter ’ der V p r a u s s e't^'üAH. , de r' E r f. ü 1 u n g der im Protokoll selbst enthalteneh,. Bedingungen ausspricht1 ' f y ' Die österreichische Bundesregierung und1 der.Österreichische. Nationalrat haben durch diese..ihre*Stellung;.- nahme das weitestgehende Entgegenkommen. gezeigt Sie' können aber das im Protokoll von Venedig^ festgesetzte Plebiszit nicht zu einer‘Farce herab Würdigen lassen und . sollte die, Generalskommission an . dem von ihr beschlossenen Termin festhalten, trotzdem die Bol- ’ schafterkonferenz in ihren Entscheidungen ausdrücklich ‘die Reinheit und Unbeeinflußtheit des Plebiszits unter' "den Schutz, der interalliierten Truppenkontingente ge- .stellt, hat und außerdem der Generalskommissiiön die Ermächtigung zur Verschiebung der Abstimmung erteilte, so wird die Regierung .die ihr zur Verfügung stehenden Materialien; die in .einwandfreier Weise den Nachweis erbringen, daß entgegen 1 dem Venediger Protokoll die, Abstimmung weder formell noch sachlich vorbereitet ist und. aller Voraussetzungen einer freien Willenskundgebung der Bevölkerung, entbehrt, dem Nationalrat vörlegen. Die Oeffentlichkeit wird dann beurteilen können, daß die österreichische, Regierung alles getan hat, um sowohl ihre Pflicht gegenüber; ihremHLande zu erfüllen als [auch den Bestimmungen und dem Geist, des Protokolls von -Venedig' gerecht zu werden. stände - der ewigen Krise, -die die - wirtschaftliche; Sanierung Europas verhindert, . utjd insbesondere in England tritt der Gedanke einer Revision der Friedens- Verträge wieder; in; der DisliuVsion hervorl 1!Die englische Politik,' die jetzt' von yder Sorge um Iriand befreit wird, kann sich wji»der intensiver, ■ dein europäischen Problem - zuwericjeit und ihre, -auf eihen Ausgleich zwischen Deutschländ“ und Frankreich gerichtete Tätigkeit mit mehr Aussicht auf Erfolg'aufnehnten.. Professor Keynes, '.einer-der schärfsten und ein. ringlichst'en Kritiker des Versailler Vertrages, : hat wieder’’eine .Aktion eingeleiteß und eine stattliche Ahzahivon>; HändÄskAmmsrn für seine Meinung - gewonnen,; daß deJ DrE dei;Reparationen änk Dedtschläftd --zu '--Mer-.MifEko'nienlng!*der Weststaateiii’führen liiiiß;-;. dei; diese ynijeht - mehr -- gewachsen sincJi.- -'Das F.rlödeusvyerkvoii; Versailles'-'jst-dn-‘ keinem seiner1 Teile zu haltend Es iH Win iin bezü^ 'auf die - ünsriziDlen Bi^stimWingen, ' auf' diel - GrenzhiLHung und- -dl- Stellüfjg der' 'nationalen Msy^iMten -so viel1’Unfeöf.i begangen worden, daß der Krje^yzu einer' dauernden ErscheinunggeworiJen' ist.Maji T braucht Mjür ' atif Oesterreich. ■ und den groteskejiy Bürgenland-Koriflijä ‘ hin zu weisen,: am i; die Widersinnigkeit :-des Diktätfrifederis ailgeniÄiii verständlich zii: machen.- JNach dem Pröblein des Stillen Ozeans muß jetzt die Ordnung in Europa und in Vorderasiej» -hergestellt! werden. Dies istmir iiiiVglid"- durch eilte. Revision’) dds!:Frieden&..!..... Das Vier-^äckte-Abkommen unter reiebnet. Washington» ' 13. Dezember. (Regier.) Die Vertreter’ Amerikas, Frankreichs, Englands und Japans haben heute das Abkommen der VieNWächte unterzeichnet > ' Eine Friedeisrede Balfours. Washington, 13. Dezember. Das Abkommen der vier Mächte E n g 1 a n d, ' A m e r i k a,1 F r a n kr e i c li und J a p a n ist perfekt und wird am Montag’ unterfertigt.!• t a 1 i e n und H o 11 a n d haben ihren Beitritt‘erklärt. B a 1 f o u r. begrüßte däs Abkommen - in' einer1 Rede, - in der er sägte n Die 'Lpahnung in der - pazifischen Frage sei beendet; Das: e;n g l i s c h-;j a pan-i s c h e B ü m d n i.-s, das nunnjehr sein Ende - nehme; habe die Prüfung von.zwei;großen Kriegen1 Überstunden. { Unter diesen : Umständen: . hätten! die Unterzeichner"’ rt i/ch-t , au?einandergeheti; ■ können wie .Fremde. .England -sei, Mißverständ- -nissen - ausgesetzt gewesen, die r; äls; einziges Auskunftsmittel zur Folge gehabt. , hätten, - den britisch-japanischen Vertrag auf eine breitere Grundlage zu steilen. Ich freue mich, erklärte Balfour, zu sagen, daß die Vereinigten Staaten pcl Frankreich jetzt durch ein gemeinsames Abkommen ’ mit Groß- — .. ybrijannien und Japan verbunden sind Nichts, ist besser geeignet, den Frieden,* zu sichern und die Abrüstung zu ermöglichen. " " Gegenwärtig wird noch an dem japanisch-ameriükanischen. Abkommen über, die Insel Y.a p' gearbeitet. Mächte wollen den europäischen- Staaten die;■ Errichtung von Funkenstationen auf Yap freigeben. Eine englische Anleihe für Deutediiand. London, 13. Dezember. ' (Reuter!) Wie y,Daily •Expreß“ berichtet, soll es R a t h e n a u gelungdn sein, die britischen Finanz 1 e u t e dafür zu gewinnen,. daß sier Deutschland eine -Anleihe von 6 Millionen Pfund gewähren. Die indische Obstruktion. . London, 13. Dezember. (TeL-Komp.) Bei seinem Einzug in Allahabad wurde der Prinz von W a'l e s von der Bevölkerung vollständig i gn ar i e r t Während die Straßen, durch die sich der Festzug he- . >vegte, verschwenderisch . mit Fahnen und Girlanden; geschmückt waren, hielt sich die MyWeriM y°ft. ständig fern#

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