Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1031 (12.12.1921)
- Date
- 1921-12-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 fl. V Einzelnummer K 30 •Wien: Zürn Abholen In der .Expedition, Il.,Taborstr»l—3, oder in einer Verschleißstelle, (Trafik) monatlich K 560. 1 MitPostversand fürWientmd Oesterreich monatlich FC 560. C Ts c h e c h o- S1 ow a k e i: Mon. Kronen 18. Ungarn: Monat!. Kronen 70. Jugoslawien: .Monati. Dinar 15. Polens Monat!. Mark 500.D e u t s c hlan-d: Monatlich Mark 20.- Frankrei ch: Monatl.Frcs.6. Nr. 1031 tsemcvie-stew&Rer »sek. K t •Halien: Monatlich Lire TL Rumänien: Monat!. Lei 30. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 2% Redaktion u. Administration Wien IL, Taborstrasse 1—3. Telephone: 44-0-38, 43-3-10, ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgcn- - zeitung“, Wien. Oesterreicbisches Postsparkassenkonto 150.693L Wien, Nontag, 12. Dezember 1921 3. Jahrgang Für die Rettung Europas. Die englische Presse über die Konferenz Lloyd George-Briand. London, 11. Dezember. (Wolff) Die »Times0 schreiben in ihrem Leitartikel, es handle sich. nicht mehr um eine genaue Durchführung des Vertrages von Versailles, sondern um eine zusammengefaßte Anstrengung der Alliierten, Europa , vor den Folgen des drohenden allgemeinen finanziellen Zusammenbruches zu rettend Zweifellos habe aus diesem Grunde? Lloyd George Brian , eingeladen, die. wirtschaftliche Lage der. Welt mit ihm zu erörtern. Vielleicht würden die beiden Staatsmänner die augenblickliche Wirtschaftslage benützen können, um die Grundlagen eines neuen politischen Uebereinkommens zu schaffen. Vielleicht werde man Methoden zur Behebung der Mängel des Friedens- Vertrages von Versailles finden. London, 11. Dezember. (Wolff.) Wie „Daily Mail“ berichtet, würden sich die Erörterungen zwischen Lloyd George und Briand n ich t auf die Frage der Reparati onen und eines Mor a t o r-ium s für Deutschland beschränken, sondern alle Fragen umfassen, in denen die französische un J britische Politik auseinanderlaufen. „Daily Chronicle“ schreibt* Lloyd George habe darauf, hingewiesen, daß die Frage der deutschen Reparationen nicht gesondert 'behandelt werden könne und daß die Reparationen nur einen Teil der größeren und wichtigeren Frage der wirtschaftlichen Stabilisierung Eiiropas bilden. Lloyd George habe die Idee zu einem großen Plan für die Schaffung normaler wirtschaftlicher Bedingungen in Europa, die er mit Briand erörtern werde. '' ■ .? ■;*■ Wie dasselbe Blatt meldet, werde in französischen Kreisen erklärt, Briand sei -durch zahlreiche: dringende, Geschäfte / in Anspruch' genbhmtfenj1 «nd: - es sei nicht sicher, ob er die Einladung-Lloyd Georges werde arinehmen können.; London, 11. Dezember; Wie das Reütersche Bureau .mitteilt, erwarte man, daß eine Vollkonferenz des Obersten Rates unter Teilnahme Italiens und Belgiens zur Erörterung der Frage? der deutschen Reparationen wahrscheinlich zu Beginn des. neuen Jahres stattfinden werde. London, 11. Dezember. (Wolff.) „Evening Standard“ berichtet, daß das Schatzamt bereits vor einiger' Zeit unter der Führung von Blackett. und; Bradbury ln engs':er Zusammenarbeit mit Lord Curzon einen Plan für die finanzielle.Wiederaufrichtung Europas und; die Stabilisierung der Währungen ausgearbeitet habe. Der Standpunkt Amerikas* New York, TO. Dezember. (Funksprüch. Wolff.) Wie -der Vertreter der „Associated Preß“ mitteilt, ist der Standpunkt Amerikas gegenüber verschiedenen Plänen, wonach den Finanzen und der Industrie Deutschlands und anderer Länder Hilfe geleistet werden solle, um sie aus ihrer durch . den Krieg geschaffenen Lage zubefreien, der, daß die Initiative zu. einem annehmbaren Plan von den betroffenen Ländern selbst kommen sollte. Die Vereinigten Staaten wären dann gerne bereit, über eine geeignete Methode der Hilfeleistung zu verhandeln. Louchettr verhandelt mit Belgien* Paris, TI. Dezember. Wie die Brüsseler, „Etoile Beige“ erfährt, werde sich Loucheur demnächst nach; Belgien begeben, um über die Frage der Reparationen mit der Regierung zu verhandeln. Die deutschen Delegierten haben London ...;‘y;~' verlassen* - Paris, 11. Dezember. Nach dem „PeHt Parisien“ haben Rathenau und Simons abends London verlassen. Die Verhandlungen werden; von dem Sekretär des Finanzministeriums fisolier fortgeführt «m Oesterreich. Die parlamentarischen Arbeiten vor Weihnachten. Die parlamentarischen Weihnachtsferien - sollen nach den gegenwärtigen Dispositionen spätestens am 20. Dezember beginnen. Wenn auch das Bestreben vorherrscht, die Budgetdebatte möglichst abzukürzen, so steht doch schon heute fest,, daß der,Nanonafrat nicht mehr.Imstande sein wird,- neben dem ursprünglich in Aussicht genommenen Arbeitsprogramm auch noch die vom Firja izminister^ am Freitag angekündigten neuen Steuergesetze in ' ihrer' Gänze zu erledigen, da ja einzelne, dieser Vorlagen, vor altem das Gesetz , über den Abbau der staatlichen Lebensmittelzuschüsse, sehr schwierige und langwierige Verhandlungen zwischen den Parteien erfordern werden. Besonderen Wert legt die Regierung auf die rascheste Verabschiedung des am Freitag im Nationalrat eingebrachten Bundesverfassungsgesetzes Über die außerordentlichen Teuerungszulagen .für die Bundesangestellten. Nach diesem Gesetze sollen bekanntlich in Zukunft die Verhandlungen mit den Biindesangestellten über die Regelung .der Monatsbezüge, nicht mehr von der Regierung, sondern von den Parteien, beziehungsweise von einem bevollmächtigten Subkomitee das Hauptaussdiusses, geführt werden. Bei einer baldigen Verabschiedung des Gesetzes würden bereits die Dezemberverhandlungen von diesem Subkomitee zum Abschluß gebracht werden. Sie werden voraussichtlich zu einer Erhöhung der Novemberbezüge um 70 bis 90% führen, „was ziffernmäßig eine Steigerung des Personalaufwandes von etwa 10 bis -18 Milliarden Kronen bedeutet,, wozu: noch der Aufwand für die Weihnachtsremunerationen käme, die im Prinzip bereits genehmigt sind,. deren Höhe aber noch nicht feststeht, sowie der durch die.Neuregelung der Ueberstündengebühren sich ergebende Mehraufwand, wodurch sich die Personalkosten des Bundes gegenüber dem Vormonat ungefähr verdoppeln werden. Die Abstimmung in Öedetiburg. Budapest, 11. Dezember. (Ung.-Tel.-Korn-Bur.) Aus Oedenburg wird gemeldet: Pie interalliierte Generalskommission hat für die! Dauer der Volksabstimmung über das ganze Abstimmungsgebiet eine Grenzsperre verhängt, die Montag 12 Uhr mittags beginnt Infolge dieser Anordnung ist die Einreise sowohl von österreichischer als auch von ungarischer Seite her außer denjenigen, die eine Abstimmungslegitimation besitzen, nur denjenigen gestattet, die über eine vom Vorsitzenden der Generalskommission ausgestellte Reisebewilligung verfügen. Eine magyarische Abstimmungskomödie? Wien, 11, Dezember. Die Korrespondenz Herzog, meldet: Bei allen österreichfreundlich gesinnten Be-: wohnern des Abstimmungsgebietes herrscht wegen desbereits , festgesetzten und. verlautbarten Termins der Volksabstimmung,' die für den 14. und lö. d. M. angesetzt ist, die größte Bestürzung und Aufregung, Jeder Oedenburger weiß, daß die Stimmlisten, falsch sind, daß nicht Hunderte, sondern Tausende von Nichtabstimmungsberechtigten eingetragen sind, Abstimmungslegitimationen erhalten haben und für Ungarn stimmen werden. Den österreichischen Abstimmungskommissionären ist es bis heute gelungen, ungefähr 10% der Fälschungen richtigzustellen. Die österreichischen Abstimmungskommissionäre haben Beweise'daß Heimatscheine in großer Zahl gefälscht worden sind.. Jugoslawien. Die Regierungskrise. Belgrad, 11. Dezember. (Tschecho-slow. Preßbureau.) Nachdem es Davidovic. nicht gelungen ist, die erforderliche parlamentarische Unterstützung für. das unter seinem Vorsitz zu bildende Koaji ionskabinett zu gewinnen, wird seine Mission als ' mißlungen befrachtet. Die weitere Entwicklung der Krise hängt von dem Verlauf des Landeskongresses der radikalen Partei ab, der heute vormittags in Belgrad zusammentreten wird. - Belgrad, 11: Dezember. (Preßbureau Belgrad.) Heute fand in Belgrad der Kongreß . der radikalen Partei statt, auf dem der gewesene Ministerpräsident Basic über die außenpolitische , un i . Abgeordneter. Dr. ‘Lazar Markovic über die! nerpolitische Lage berichteten. . Gemeinderatswahlen in Agram. Zagreb,' 11. Dezember. Heute fanden i Zagreb r’ie Wählen in den 'Gemeinderat statt Es erhielten: Der kroatische Block 36, die demokratische Partei . 6, die Zio isten 2, die. Unabhängige. Arbeiterpartei 2 Mandate, die sozialistische Vereinigung 1 Mandat, die Jugoslawische Unabhängige Pa tei 2 Mandate und die kroatische Volkspartei 3 Mandat Die radikale Partei.; . . . - . - , i; die ebenfalls ihre Wahlliste aufgestellt hätte, erhiel kein Mandat Die Wahlen wurden ohne Zwischfal! durchgefRhrt, , , - Tschecho-Slowakei.; Parteitag der deutschen Sozial- . demokraten. letschen, 11 .Dezember. (Tschecho-slow. Pressbur.), Heute wurde hier der dritte Parteitag der deutschen, : sozialdemokratischen Partei in der Tschecho-Slowakei; durch Abgeordneten Dr. Czech eröffnet .Der;Parteitag soll das Fundament für die Arbeit auf kommunalpolitischem Gebiet und für. die Sozialisierung geben. . Prag, 11. Dezember. Von den tschechisches Sozialdemokraten ist a'i den Parteitag ein Begrüßungsschreiben eingelaufen, in welchem es heißt : Die Gleich-, heit der wirtschaftlichen und sozialen Interessen wird das Proletariat der beiden Nationen in eine geeinigte1 Kampf- und Verteidigungsfront bringen. Es wäre zu' wünschen, daß die Annäherung in den taktischen Anschauungen im Wege eines sachlichen und seriösen . Meinungsaustausches - von beiden : Seiten gefördert , werde, wozu wir auch fernerhin gerne bereit'sind. Palästina. Die Regierimg derukigt äie Araber. London, ,8. Dezember. (J. C. B.) Wie aus Jerusalem gemeldet wird, hat die Regierung, um die Stimmung der arabischen, Bevölkerung zu beruhigen, eine Erklärung herausgegeben, welche ausführt : 1. daß die anläßlich der Unruhen vom.;, 2. ffoveniber gefällten Urteile nicht von. ' einem Militärgericht sondern von -einemjnit besonderen Vollmachten ausgestatteten.Zivilgericht gefällt wurden;2.daB dieses Gericht auf .Grund des ottomanischen Rechts urteilt 3. daß die Beschwerden der Araber, wonach ein Jude kürzlich in Jaffa wegen Tragen eines-Revolvers zu 1 Pfund Strafe verurteilt-worden, während den Arabern jetzt; viel schwerere Strafen auferlegt wurden, unberechtigt sind, da. die. beiden Vergehen unter ganz verschiedenen Bedingungen verübt worden sind. Im Falle von Jerusalem . trugen die Beschuldigten Waffen mit der Absicht, Gewalt anzuwenden; : 4. daß die Nachricht, wonach jüdische Polizeioffiziere Waffen unter den Juden verteilt haben, unbegründet ist; 5. daß es unrichtig ist, daß in Jerusalem keine J u d e n verhaftet wurden; drei Juden wurden verhaftet und. stehen wegen Mordes unter Anklage; 6. Daß es unrichtig ist, daß . die jüdischen Polizisten am 2. November bewaffnet waren'; Weder die arabischen noch die jüdischen Polizisten waren am 2. November bewaffnet. Telegramme. ' Frankreich tritt dem Vier-Mächte- * Abkommen bei. Washington, 10. Dezember. (Havas.) In der Vollsitzung der Konferenz schloß sich V i v i a n f im Namen Frankreichs dem V i er- M ac h t e- Ab kommen, betreffend den Stillen Ozean, an, Er erklärte, Frankreich werde sofort nach der Ratifi- , zierung des Abkommens die ihm aus demselben erwachsenden Verpflichtungen Übernehmen, wie es auch die; Rechte, die ihm das Abkommen verleihe, ausüben werde. Viviani betonte sodann den moralischen Gesamtwert des Abkommens und gab der Ansicht Ausdruck, daß der Beitritt der vier Mächte zu demselben genüge, um den Frieden zu bewahren, ^.gewährleisten und zu schützen. Die Konferenz habe dank der Einschränkung der Seerüstungen und dem Abkommen über den Stillen Ozean einen vollen Erfolg erzielt Washington, 11. Dezember. (Havas). Der Wortlaut des Vierer-Abkommens, betreffend, den Stillen Ozean, der in großen Umrissen bereits bekannt ist, wird wahrscheinlich am kommenden Montag unterzeichnet werden. , Ungarische Pogromisten in Amerika* New York, 7. Dezember (J* C. B). Eine Vertreterkonferenz der in Amerika lebenden Juden aus Ungarn nahm einmütig eine Resolution an, der amerikanischen Regierung über die Greueltaten, die von der mit der »Aqtiitania* jüngst angekommenen ungarischen Delegation seinerzeit an den Juden Ungarns verübt wurden, einen Bericht vorzulegen und demzufolge deren Deportation aus Amerika zu verlangen. Diese Abordnung kam nach New York unter Führung eines Pfarrers, welcher dis ludenmassakers zu Weihnachten 1919 verschuldet hat»