Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1025 (6.12.1921)
- Date
- 1921-12-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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( jWi'en: Zum Abhoten iir cfer (Expedition, H.f Tabojstr.' 1—3, oder in einer Verschlcißstelle ((Trafik) .monatlich i- K V560. tMitHöatverstmd'f örvTien und (Oesterreich monatlich-.K' 560. (Ts c h e c ho-81 ow a Le f: -Mon. Kronen 18. Ungarn: Monati. E''roned 70. ‘>Jugoslawien: onatl. Drr/ar 15, Polen: . .onatl. Mark 500.T) e-irischiamd; Monatöch Mark 20. Fr a n kr e i-c h: Monati. Frcs'.ß. Ifts&ctt- -K ÜMjOfl Redaktion u. Adtnmisfrätioitf W-ian ll., TahMsirrsHe l-r-A TelepH'bfe.: ab 6 Uhr abends t-7-9-332 TeJegra;mniadi:esse:(-M:Qrgeaw 7 ''zeitung“, Wien*"' , foesferreic&isefcesk Postsparkasseirkointö 1Ä0:SW^ Nr. 1025 Wien, Dienstag, 6. Dezember 1921 3. Jahrgang Frankreichs Niederlage im Orient. st. Wien, 6. Dezember. Frankreich hat im Kampfe, gegen England eine Niederlage erlitten und muß seine auf die Vorherrschaft fm nahen Orient gerichteten Pläne für absehbare Zeit, vielleicht für immer, zurückstellen. Die, Wirkung dieser Wendung wird bald auf . den verschiedensten Gebieten der Weltpolitik zu merken sein. Auch der Zio nismu s wird von ihr betroffen. Sie ist für den Aufbau des jüdischen nationalen H e i in s ’ m Palästina von größter Bedeutung, denn die französischen Bestrebungen im Orient bedeuteten eine arge Bedrohung der zionistischen Sache. Frankreich hatte mit immer wachsender Besorgnis die Bemühungen Englands, in Palästina, Transjordanien und Mesopotamien Ruhe und Ordnung zu schaffen, dort seinen Einfluß zu sichern und damit seinen indischen Besitz zu schützen, verfolgt Wenige Wochen vor de-r Eröffnung der Konferenz in Washington glaubte die Regierung Briand den günstigsten Zeitpunkt für einen entscheidenden Streich gegen England gekommen. Sie schloß, umbeklimmert um alle Proteste :von London her, einen Separatfrieden mit Englands Feind, mit der nationaltürkischen Regierung in Angora. Nur aus dem Gefühle absoluter Siegesgewißheit heraus konnte Briand diese Handlung vollziehen, denn sie warf alle Verträge und Vereinbarungen mit England über den Haufen. Sie bedeutete aber auch den Bruch mit der alten französischen Tradition, im Orient als Beschützer der Christen - aufzutreten. Im Friedensvertrage gab Frankreich die Christen Ziliziens, Griechen und Armenier, wehrlos den jungtürkischen Schlächtern preis, den gleichen Banden, deren Armenier-Metzeleien während des Krieges Frankreich nicht genug laut verurteilen könnte. Die : iPäriser!ÄsKtsm^nek^ÄÜdevktenplötzlich ihr Herz für jöeii* von England geknechteten Islam, „Vorderasien (den Mohammedanern!" lautete jetzt die Parole und jirii Zuge dieser Politik setzte auch ein Kesseltreiben gegen den Zionismus ein. Palästina den Juden geben, heißt die Mohammedaner berauben l Der Zionismus wurde als englisches Blendwerk hingestellt, hinter welchem die Unterdrückung der Mohammedaner besorgt wird. In Mesopotamien und ‘den angrenzenden Ländern machten sich unterirdische französische Einflüsse geltend, welche, die Stmmung der Mohammedaner gegen England verschärft haben, und die antizionisüschen arabischen Aufstände in Palästina, wo früher das beste Einvernehmen zwischen Juden und Arabern herrschte, wiesen unverkennbare 'Anzeichen französischer Inszenierungskunst auf. All das hätte Briand nicht gewagt, wenn er des Erfolges seiner Spekulation . auf Washington nicht sicher gewesen wäre. Er rechnete mit der wegen des britisch-japanischen Bündnisses zwischen den Vereinigten Staaten und , England bestehenden Spannung und glaubte, mit Leichtigkeit an die Stelle der französisch-englischen Allianz das französisch-amerikanische Bündnis setzen zu können. Er hatte vor 'seiner Abreise durch seine Presse gegen England die Anklage erheben lassen, dass es (durch Erwerb der ehemals türkischen Petio- Jeumgebiete im Kaukasus und in Mesopotamien Amerika an die Wand drücken und die Herrschaft über den Petroleummarkt und damit die Seeherrschaft für alle Zeiten an sich reißen wolle. Er glaubte, dadurch Amerika zu zwingen, gegen Englands Orientpolitik Einspruch zu erheben und an Frankreichs Beitel zu treten. Aber das fein ausgesonnehe Spiel ging verloren, jln Washington versagte Briands brillante Kunst Sein Begehren nach dem französisch-amerikanischen Bündnis wurde nicht erfüllt und angesichts der besorgniserregenden Lage im Stillen Ozean zeigte sich noch kein amerikanischer Staatsmann geneigt, die Wege Englands im nahen Orient zu kreuzen. Die Aeußerungen der Pariser Presse lassen die (Schwere der erlittenen Niederlage erkennen. Die Blätter, welche Englands Protesten mit Hohn und Spott begegnet waren, blasen zutn Rückzug und plaidieren für eine Revision des Angora-Vertrages im Einvernehmen mit England, also für Preisgabe des Vertrages mit den Kemalistcn und Räumung des Feldes. Ja, die Parteien und Zeitungen, welche von Briand ein Vorgehen gegen England als Erfüllung einer patriotischen Pflicht gefordert hatten, wollen nun den verunglückten. Amerikafahrer als Sündenbock opfern. Im „Teraps“ erhebt. der Expräsident Raimond P o i n e a r ö, der zu den lebhaftesten Säbelrasslern gehört hat, seine Stimme gegen Briand, dessen Erbe er antreten will. Er wirft ihm vor, gegen England hinterhältig und großsprecherisch vorgegangen zu sein und fordert ehrliche Verständigung mit London. Die heutige Meldung, daß .in Kürze die englischen, französischen und italienischen Diplomaten zu einer Briand vor dem Rücktritt. Poineare künftiger französischer Ministerpräsident. Basel, 5. November. (Tel.-Komp.) Wie die „Nationalzeitung“ aus Paris meldet, macht man in der Umgebung des Ministerpräsidenten Briand kein Hehl daraus, daß Briand amtsmude sei und, ohne seinen Sturz abzuwarten, zurücktreten werde, sobald er das Vertrauen der Kammer schwinden fühlt. Als kommender Mann gilt Poineare, demgegenüber Präsident Millerand seinen Widerstand aufgegeben hat. . Konferenz einberufen werden, steht in unmittelbarem Zusammenhänge mit diesen Vorgängen.. Die Konferenz wird aller Wahrscheinlichkeit nach das französische Angora-Abenteurer liquidieren und England wird Garantien für die Einstellung der französisch-türkischen Wühlarbeit im nahen Orient verlangen und erhalten. Damit wird auch eine schwere Sorge von den am Aufbaue des nationalen jüdischen Heims in Palästina arbeitenden Zionisten genommen sein. Die. Beendigung des französisch-englischen Konflikts muß eine Besserung des jüdisch-arabischen Verhältnisses zur Folge haben. Es ist nuii Sache der zionistischen Führer, die günstige Situation politisch zu sichern und es ist Sache aller Zionisten, der günstigen Situation durch rascheste Aufbringung der für den Aufbau notwendigen Mittel Rechnung zu tragen. Zu den Pogromen in der Ukraine. Erklärungen der Petljura-Regieruhg. — Eine Richtigstellung. In .-ciineir _;iM' di< »Wienier .^To'rgettiiZiei-tuinig«, geridHttöte'ii' ZMchrift MrWt sich drir -Wiieiiiier 'Bresseviemtirie'tter dar tuik’naiiinii'S'dbein PeriMrL-Regtebmig gegen die aiuis der Lemtb«rg.er zteiiötiisidhteri »Ottwiitak ülbieirwommenie Nacihiricih.it' von Plogno-in'eirü der rutkraikni- SfcJhiam Auifsrtändfsdbeiii. D er Veiritreter der Peblj.'Uira- Regieiriumgs'cteeifot wns Hinter ainriesnörn; »Demgegenüber kann ich auf Grutel' auriientisdh-er Informationen feststelten, 'diaß die Meldung des getnauiiuten Lem'berger B’laJttfces vollständig unwahr ist iutad! lediiglich die Temfomz verfolgt, . die elementare Voilksbewegmig in .der Ukraine zu ,. diskreditieren. Zwischen den ukrainischen Aiuifatärtidisöhen. und dem Gros der jüdischen Bevölkerung, welche den Aufstand unter stützt, besteht da*s 'öenildbar herzheihste Einvernehmen. ' Wenn nun im VerJaiuf der-jetet /tmvermeidlieh gewordenen Auiseiandensetzung zwischen fern ulkrainischeih Völ'ke und) seinen Bedrückern 'asuah jüdische'K omm u bi i;S te ny die in diraisten, Sowj etin stitutionen tätig sind, der verdienten Strafe zuigeführt werden, so gehont eine Erwolität. soinidtergicichen dazu, von Judeh|pp@ro.men‘ «fear.! ukraanisdiien Aufstau dtsehiert m sprechien.« ' - Votierst) wäre bie>zu 'zar IbömierkiQn1,.. daß dar »Ohiwiila« dfe ' Tonidiarizi, die tu&tia^nwsicftte' FäieäheAtsfbew-eguuilg zw dislkired-iitikretii, gewiß muefhit zutziwscihlreitbon ist. Die ^Oiwafe« _ ifst. etini BÜialtlt, welches, die jü(H&cflt;en.. bniteressiein1 itn der dlMiifcfoislteint Wiöiise tvertiriht und Natchridbtön (über vorgid<mi>in'ein.e Roigrome gewiß nidilt erdichtet., Däimi aiber wäre fesAzusteelikn, diaß die Nadbridhiten über Pogwomie dar Airfstänidiisdheri Man Blätiteila gebradhifc wunden1, wel'dhe der' «Pesfclijjuira-Rfigienumig sahön wegen des Kampfes, gegen dfie Bdlisdhewiiken;. seÖiir - fuenimdliidi gegeaiülbiersteben, sk> >mm Beispiel.. vorn IPkariser »Tiamips«. Die ^Wiener MongeWeibinnig« . halt iin ihrer fetzten Sonntagnomimer einem^diesibeizüglidhen BeriidWt des Karresipiomdeniteu des "»Temjps« irepdibduizfetlb. Angesidhits diesiar' Meldtuttug foainim ein einfaiches, dundhi Anfühtung, von Faikiteia1 mfelilt fbiegründtete'S A'bfeugnen' diodh, inichtftir ,'\;to(U.''genoniimion werdian. Der Hilnfwei's dairauf,.: daß itninri jiüdiische lvtammiunistetii hc&bnatfit werden, isit.schiolni/zuim) Ueberdnuß vdederliioiljt wtordetn.;Eir wurde" sdlilon anläßlich des’eimt'sebzlUdhen» Wüten«: der Pebljiuira^Armee in Piroslknirow gdbraeh'fc. Jüdisidhe SwugiMinge, die.gewiß njclhlt deir Sowjetlragreiruing mahesitehielni, sind auf Bayjcmiette gespießt woffidie«, schwangeren Finaiuem, die , mit, Trolttzlki'j nichts gemein haben, ist def LeDb autfgesdhilaltet worden. Auch >damals sprach man von besteafteru (jüdischien Bjolschiewiükeni. Es soilil nicht ge^teuigüiiefc werdet^ daß in der Pehlijuray-Regieinung cntch Mävmier; sätiaen,; die den mörderischen GewaUbtäb^keitetn1 gegen -Jitfideö!’ abhold sind. Aiber’Ganaattfen gegen, diie eintbsctizEchen Unhaitein ihrer U.nlterführor sidieinen foisiniun 'nidilt gesdi-aiffen zu sein. Auch, die zioinisibisdhie;>Jüd't©ohe Rundschau« im Berlin hat Pogirotniiniadhiriahltan gebrachit uiiid ekve Zuschrift die-r Berliner Vertretung der iPet'ltjuma-Regierung eifhjahen. . Die »Jüdische i.RU'ii'd-sc!,!'2U'« .erwidert;, S«D!e ukrainische Gesandtechaft £'n« Bcidin: yesrbroitet ein Coimmuniquee, worin 'behauptet wind(, die neuen. Pogrome in der' Ukraine sesenmachit »von.den Petljura-Banden, ‘sondern von dem. Roten Tr,u)p.pea veranstolitet. Diese Art der demenfcierendten Bi‘-‘ ikäärungen kennen wir leider, atus 'den, letzten Jahren sciho-n zur Genüge. In den polnisah-iU'krakiis'oheäi!, deiä Ipohiisdi-irussischen' und-don u.kräiniach-ru'ssEscih'aid Kämpfen sind sie ■vom beiden Seiten wiederholt albgegeiben worden. Die furchtlbaire Tatsache der Br-' mordimg huntdertta'usenidiar, jüdisch er Metniscihein'feß' dsdlurch nicht gutgemadst. Es mag wohl richtig. <sfeiin;j daß es in allen Lagern Pogroanbafnidiem gibt, notorisch! ist aber, daß niemand so grausig gegen die Juden: wütete wie Denikins und Petljuiras So|date'ni! - Niemand1 ist daher naiv genug, den Äbleugniuingsivensuchen Glauiben zu schenken. Geradezu .protestiert muß dher dagegen werfen, daß gleichzeitig; .' Ibdhlautpitet wird, die jüdische Bovöikendng begrüße. die InäurgeMen. mit Enlthuisiasmus als Befreier,j! z-mmal wen-n dla'bei die 'bobdhewikisdbein Repressaliiete' erwähnt werden. Eine solche Erklärung kaiuni keine», - anfdere Beideütuing halben alls die einer DenrÄAziaLion',. sie ist unglaubwürdig genug, weil bekauntermaßen^ selbst .diejenigen Juden, ' die - - erklärte Gegner deiar Bolschewismus siind, stejls an-ericaininit halben^ daß die; ' Bolschewiken; bisher wenigstens noeih (keine' Pogrome'' . ireratostalfef haben.' Es imfüß-dlagegen -prottestieirt weri-< . dep, .daß'" die Juden,- -die -.©hlnieidies: genug zu, feide*^ ... kalben, als Mittel einer VötZtisÄiein PiD^agarM.' Är,, fremfe Zwecke benützt werdet und. diaß man - inv Vertrauen 'auf ihre Schwäche, um der Reldante. V willen, tausende jüdische Menischenloben inj Gefahr,! ■ bringt.« ' ‘ Dais gibt m denken. Oie Wiener V-WtzreAWg; 'der;! Petljsuca-Regieruing weiß von P'ögromen niMite, die Berliner Vfortretumg hingegen gibt zu, daß Pogrome! „ stattgefaniden haben, ibehJaiuipitet iaibeir, daßjsfe vom ßoii'acihewiikeii! herain's'teiHtet wurdien^ Die .Herren wemj der Peitlijhra-Regäeriuing. werden- - “begreif en-, (daß4 dfe!. graiuienvolHe- Kngste Vergangenheit m ..ibeired-ti. isptridit, ad« daß eine söldhe Art der Propaganda1 sie! einfach laiuklösohea könnte. Wenn die Perijuira-Partei; ehrlioh und enbadMoiasen mit . der Veirgangenheit; ibiredfceri wiH, dann' (SÄ'li .Ä'e jÄtem setaseoi 'tmä 'qiieht- WiOirte 1 : - - . Mt Bezug aüif VeröffenbBc&ngerK einer: «ufeäV arischen Preßagentof fet der ^Wiener -Moa-gern';«J_ Är*i_ zioiiistisichen Zenhrailikiodn'i'tees, jzwjgjekoarwoen'J m .wA' ahem' er uim die Festts'tdfcng erslii-cihlt, diaß er m?cmit der Petljiur.aj-(R'egientmg .verhamdeN; uoteh iiMMeiner Person das Recht gegeben! halt, in seinem! Namen'1 zw -vemnÄndeiin oder sieihi altif seine; (Zusstim- •mung zu berufen. __ Die Krise in Spattien. Die Nachrichten aus Spanien weisen seit einiger Zeit , eine starke Unruhe auf. Die wirtschaftlichen Nachwirkungen des Krieges haben das Land außerördent-, lieh empfindlich getroffen und in der unter schwerer; Not leidenden Bevölkerung den Boden für revokrtfnäre Explosionen vorbereitet Jetzt scheint sich! Spanien am Vorabend großer Unruhen zu befinden, die! durch die militärische Niederlage in Marokko ausgetöst' werden. Die Ministerkrise, die als erste Folge der Demission des Kriegsministers Lacierva assgebrochen ist, soll heute gelöst werden. In der; Kammer, hat es Stürme gegeben, die durch die Anträge der Republikaner airf sofortige Liquidierung des; Feldzuges hervorgerufen wurden. Im ganzen Lande sind1 Kundgebungen veranstaltet worden, in denen Verhandlungen über die Befreiung der in Marokko gefangenen Spanier gefordert wurden. , - r Im Pariser „Temps“ schildert der von dem Blatts nach Meli l.l a entsendete Sonderkooespoodeat die furchtbare Katastrophe, dte Spaatea «n|. Rif erlitten hat Tausende von Soldaten säen hin-;- geschlachtet tausende in Öefangemschaft verschleppt worden. Die Mitglied» des Generalstabs seien gezwungen worden, Selbstmord zu begehen, um nicht lebend in die Hände des grausamen Feindes zu. fallen. Geiveral; Navarro sei in ein e r Fe l s c n h ö ivl e - ge-