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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-04 · Heft 1023 (4.12.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1023 (4.12.1921)
Date
1921-12-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fiittxefift&ssftntär K 2V 'Wien: Zun: Abholen In der 'Expedition, i(,,Taborstr. 1—3, der in cinerVerc.clilcifcisteUe [(Trafik) monatlich K 560. IMitPöstversaiid fürWIeu mtü tO.esterreich monatlich..K.560. (Ts c hech o-Slowaken mp. Kroflbn 16. Ungarn: Monat!. /Kronen 70- Jugoslawien: iMoiiatl. .Dinar 15. Polen: rAouatl. Mark500. Deutschland: Monatlich Mark 20. •Frankreich: Monat!. Frcs. 6. Wiener äth. K l i^rtaTtoo: Monatüch^ 1 Rumänien: Mooafl. Lei 3$ Schweiz und das fihned Ausland monatlich Frsuc^Ä Reöalcffoa u. Adnöbfsfrsffföhi Wien 11, Tabor-strasse l—35 TeIephoneiÜ0-38, 43-S-lE ' ab 6 Uhr abends 1-7-9-33* Telegrammadresse: „MoftHMal Leitung“, Wien./ „_Oesfcmeichiscftösj Potffsparkassenkonto 15VMN Nr. 1023 Wien, Sonntag, 4. Dezember 1921 3. Jahrgang j Generalstreik im Ostrau-Karwiner Revier. Ab Montag. — Vermitthmgsaktion der Regierung. Der Hochverrat. j —y.. W i e n, 4. Dezember. | Der österreichische Finanzminister Dr. Gürtler hat im I Budgetausschuß die fortschreitende Entwertung der | Valuta auf eine allgemeine' hochverräterische IJeberj zeugung zurückgeführt, die der einzelne betreibt, der sich durch den Erwerb fremder Valuten aus der Gesamtheit, lösen will. Es ist wohl das erste Mal von der Miriisferbank ein so scharfes, aber die Sache richtig kennzeichnendes Wort gebraucht worden und es wäre angezeigt, wenn diesem -Worte die angekündigten Maßnahmen. in der rechten Art, zur rechten Zeit, am rechten Orte folgen würden. Es ist Hochverrat, wenn Jemand in der Not des eigenen Staates sein _' Geld einem fremden, gesünderen Staate zinsenfrei zur Verfügung stellt und der Gemeinschaft Mittel entzieht. Es ist auch Hochverrat, wenn unter den Augen des Staates die ganze Bevölkerung zum Spiel mit den Valuten verführt wird, wenn an allen Straßenecken in der Hauptstadt wie in den kleinen Provinznestern die Lockhöhlen der Großbanken aufgetan und geduldet werden, die durch ihre bloße Existenz die Bevölkerung dazu bewegen, den Lohn ihrer Arbeit h fremdes Geld .umzuwandeln. Wenn man der Theorie des Finanzministers konsequent nachgeht, so findet man aber auch den Hochverrat auf - Gebieten, die mit dem Börsespiel und. mit - der Valutaarbitrage wenig gemeinsam haben./.Man muß es auch .als Hochverrat ansprechen, wenn die bäuerliche Bevölkerung ihr exkontingentiertes ’ Getreide nicht dem hungernden Staat abgibt, sondern an < ie kaufkräftigen Reichen oder an die Berufshämsterer für teures Geld verkauft, das sie dann wieder in fremde Valuta umwandelt. - . . ','V. . ... Es ' ist „Hochverrat,>• wenri Ditz';der Milch , für ' . Kinder und Kranke Wucher;getriebeir wird; Vielleicht wird! noch fdie Stunde kommen; .ih:, der der 'ffibknzminister, der. die. Leiden des Staates,ahi‘sf|rksteh Und am unmittelbarsten zu fühlen bekommt, auch äufdiese Dinge seine. Bezeichnung artwenden und auch hier die, Tat einsetzen' lassen, wird,1 die man bisher schmerzlich vermißt . Wat.. Denn es Wann nicht anders als Hochverrat genannt werden,-.Wenn ehe ganze Klasse der Bevölkerung in ihrer Geldgier' den Eintritt eines. Zustandes beschleunigt oder sogar herbeiführt, der in der Großstadt die Menschen zur Winterszeit aus ihren Zinskaserneri' hinaustreibt und sie jede Achtung vor dem Gesetz, - vor dem Eigentum und der redlichen Arbeit des Nächsten vergessenläßt“ Man ist seit gestern eifrig damit .beschäftigt, die landfremden Agitatoren zu suchen, die als Urheber der Plünderungen und Zerstörungen . am Donnerstag in Frage .kommen sollen. Man spricht von reichsdeiitschem oder russischem Geld, ja auch von den. ungarischen Emigranten-ist die Rede. Ist es nicht viel naheliegender, die Quelle des Unheils in Oesterreich selbst zu suchen und den offen zutage liegenden Agrarwucher, wie er fast auf dem gesamten Territorium dieses Kleinstaates betrieben .wird, verantwortlich zu machen? Hochverrat ist alles,, was 'die Allgemeinheit ' schwächt. Es gibt auch einen Hochverrat, den man nicht vor das .gewöhnliche Gericht stellen kann, den Hochverrat der Aufreizung und des Hasses, der in Oesterreich von jeher»Presse und jenen Politikern gepredigt, wird, die sich gerne bürgerlich nennen und über die Gesetz- losigkeit der Plünderer vom 1. Dezember außer, sich sind, die laut nach Maschinengewehren rufen., Diese Presse und diese Politiker stehen Herrn Dr. Gürtler nicht sehr ferne und wenn er sich ‘ auf der Ministerbank . umsieht, wird er unter seinen Kollegen den Minister des Indern finden, den Herrn Wajjer, dessen Optionspraxis Oesterreichs Ansehen. und Kredit im Ausland genau so schädigt wie irgend . einer .. .der sagenhaften Plünderungsagitatoreri, Im Friedensvertrag hat Oesterreich sich durch sjme Unterschrift dazu .verpflichtet, alle seine Einwohnevgleich zu behandeln und keine Unterschiede nach änderen als strafrecht- ' liehen Kriterien gelten zu lassen. H^err Waber bricht .'durch seine Verfügungen, die jeden Juden als unwürdig des österreichischen Staatsbürgerrechts erklären und die Pariastellung der Juden auch noch gesetzlich fixieren wollen, das Wort des Staates. Die Gesetzesr Verachtung, des Vorstädtpöbels,' der Schuhe und .Kleider raubt, erhält1 durch die Handlungsweise eines. der obersten Hüter des Gesetzes eine gewisse ideelle Bekräftigung. Wenn der Minister des Innern einen so | großen Teil der Einwohnerschaft außerhalb.des Gesetzes stellen kann, ohne daß die Ministeranklage. erhoben wird, wenn täglich in der rüdesten Weise zu.Mord und Brand gegen die Juden gehetzt' werden darf, so ' kann man billigerweise mit dem juristisch nicht gebildeten Vorstadtpubiikum nicht gar so streng ins Gericht gehen. Und diese Haltung des Ministers Waber, wie nennt man sie, Herr Dr. Gürtler? Mühriseh-Ostrau, 3. Dezember. (Tschecho-slow. Preßbur.) In der Konferenz der Mitglieder der Betriebsräte des Ostrau-Karwiner Reviers wurde der Verlauf der unter Mitwirkung des Ministers für Öffentliche Arbeiten Tucny mit den Arbeitgebern in Prag geführten Verhandlungen erörtert. Die Versammlung verlief ziemlich erregt, doch hatte die Debatte vollkommen sachlichen Charakter. Es wurde folgende Resolution angenommen: Da die Verhandlungen zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung des Lohnkonfiikts nicht zu einer Einigung geführt haben, hat die Bergarbeiterschaft beschlossen, von Montag an in den Streik zu treten. Die Forderungen der Bergarbeiterschaft sind folgende: ... 1. Verlängerung des Gültigkeit des Vertrages vom November 1920 bis zum Abschluß eines neuen Vertrages. 2. Aufhebung der im November d. J. ange- Die notleidenden Währungen. Beratungen über eine Hilfsaktion in Washington. . London, 3. November. (Tel.-Komp.) Der Spezialkorrespondent des' „Daily Telegraph“ berichtet, daß in Kreisen der finanziellen Sachverständigen auf der Konferenz . der Plan ■ einer Hilfsaktion der n o t i e 1 d e nd e n W ähr u n gen- E uropas - auf Grund * eines mödKzjefken ’ ier? C .-Meuterischen [Systems sehr ernstlich "erwogen 'wird^ t?ie :a m e r ik a n i s eft e n D e 1 e g i e r f-e n sind im Prinzip •bereit, ein Drittel des : amerikanischen G o! dÜberflüsse s für diese Aktion zur Verfügung zu stellen, so daß eine Golddeckung von 25% für die Stabilisierung der entwerteten europäischen Staatswährungen flüssig gemachtwerden könnte. Der Korrespondent erwähnt •ferner, daß im Verlaufe der Beratungen der Finanzdelegierten die Frage aufgeworfen wurde, ob der Versuch einer Währungsstützungsaktion nach. dem System der ter-Meuien-Bo s bei einem einzelnen Staate mit besonders ' heruntergekommener Währung, wie etwa Oesterreich, erprobt werden soll. Die Finanzdelegierten gaben jedoch übereinstimmend der Meinung Ausdruck, daß die amerikanische Stützungsaktion, wen« sie überhaupt aktiviert wird, nicht einem einzelnen' europäischen Staate, sondern womöglich allen Länder n mit großer Papierinflation zugute kommen soll. Die Abrüstung zur See. Japanisch-amerikanische Verständigung. i New-York, 3. Dezember. (Wolff.) Der „Associated Preß* zufolge scheinen sich Japan und die Vereinigten Staaten einem Abkommen in der Frage der S e er.üstungen zu nähern.- Baron Kato erklärte, daß die Frage der amerikanischen Befestigungen im Stillen Ozean und der Wunsch der Japaner, den Dread öught „Mutsu“ zu behalte», noch einer Erörterung unterliegen. Ein Japaner, der die Delegation in nichtamtlicher Eigenschaft begleitet, deutete an, daß, wenn Amerika einwillige, seine pazifischen Flottenstützpunkte nicht weiter zu befestigen, die japanische Flotte auf 65 oder 60% herabgesetzt werden könne. Das neue ungarische Kabinett. B&nffy, Aussenmmister, Graf Klebeisberg Innenminister. - Budapest, 3. Dezember. (Ung. TeI.-Korr.-Bur.) Graf Stephan B e t li 1 e n hat im Laufe des heutigen Tages sein Kabinett konstituiert. Die Ministerliste lautet: , Ministerpräsident — Graf Stephan Bethlen, Aeußeres — Graf Nikolaus B ä n f f y, Kriegsminister — Alexander B e l f t s k a, Finanzen — Tibor K a 11 a y, Inneres — Graf K1 e b e 1 s b e r g, Ha del — Ludwig H e g y e s h a 1 m y, Kultus und Unterteilt — Josef V a s.s, Ackerbau — Johann M a y, e r, Justiz — Wilhelm Paul Tomcsäny, , Volkswohlfahrt — Ferdinand B emo 1 a k, Volksernährung (ohne Portefeuille) — BOla T e rf fy. Zu Staatssekretären wurden im Ministerium des Innern Stephan K o s z 6, im Ackerbauministerium Karl S c h a n d 1 ernannt. Die Ernennungen werden in der morgigen Nummer des Amtsblattes veröffentlicht werden. kündigten Herabsetzung der Gedinge und Löhne. 3. Nachträgliche Auszahlung der der Arbeiterschaft bei der Auszahlung der dritten Rate infolge der Herabsetzung der Gedinge abgezogenen Beträge. Schließlich verlangt die. Arbeiterschaft, daß ein einheitlicher K o 11 e k t v v e r t r a g.für die gesamte Bergarbeiter* schaft der Republik abgeschlossen werden möge. Hiezu erfährt das Tschecho-slowakische Preßbureau von kompetenter Stelle: Das Ministerium für öffentliche Arbeiten hat heute nach dem Ostrauer Revier den Ministerialrat Krizek entsandt, damit ejr den Boden für weitere Verhandlungen auf Grundlage; des Korn pro mißvorschlages des Ministers' für Öffentliche Arbeiten vorbereite. Es besteht, die Erwartung, daß es gelingen werde, den scheinbar unabwendbaren Streik doch noch inv letzten Augenblick zu verhindern. - Die Berliner Reparätionskoinmission besteht auf Zahlung. Paris, 3. Dezember.. (Ha-vas.) In der Note, die die Reipa^aition-skommission gestern am die deutsche Regierung gerichtet hat, eri-mne-st sie diese; an.' die Mündlichen Erklär-u-nge-n,. die sie dem R-eichskainföfler) ' ' während des Aufenthaltes :'ki 'Berlin' aibig-eigeitfeit*:: •hia'fy’ v und die sich folgöndetmaßeh zitm-mrti'en'fassen'Tasseniij 1. Die Kommissicnn bestöhit''nadi drüddich **.d^ -die*' detttsche--'RegimHigi---dai,.^dnanittelbar not\vei^li^ea!.‘ Maßnahiri-en zür Sicherung der' am ‘15. Jpjdaer . ,am 15. F.etbruar 1922^^ fäiligent ZaLhluinigört. alle^ AüfmöiiK^'- sam-keit zmvend'e. deutsche Regierung'' werde, Äüfe / diese Weise .die e r -n s -t e n ■ F o I g e.n verhüten, die siolti , notwendigerweise für Deitteolilatnid1 gms der Nicht-, .za-h'ltong dieser' Fälligtlc-cvten' zu den .bes-tknm.ten Fristen* ergeben-würden." Die ICotmission fördert, die deutsche? Regierung dringend auf, bei ihren Staatsangehörige»!,: die no'tm'isch G u t h a b e n i m -A ti sha.n d) besitzen^ und bei auswärtigen ,Dairlehensgöbei7i, itte Anisbrenigitun-!’. gen zu machen, um' die noch feh-lenSifeai. atuslätufisöhci^ Devisen .zu eriralten. 2. In ‘Erwägung, des UimspAniÄs.^ daß diic Schwierigkeiten, a/u-f die 'die deutsche Regierung? stoßt, viel mehr einen finanziellen ab einen wirtschaftlichen Chn-ralkter tragen, -bemerkt die Kommissiena, Metze! Schwierigkeiten seien . in weitem Maße auf . die Tatsache aufrückzufüihiraa-, daß -dfie deutsche Regierunges, unterlassen hat, zur richt!gen Zeit -die notwendigen Maßnahmem zit ergreifen, um das . Budget ine ' Gleich-gewi-cht zu bringen. Daher forciert sie d-ie-deufteche Regiennugdringend auf, tmverzüglich alle notwendigem Maßnahmen m treffen, um die Finainizlaige des Recdh-eszu 'bessenn. __■■ ' . Das intermertenlager in Zalaegerszeg. ■ Budapest, 3. Dezember.. (Privat.) Dös InternienmgslageT von Zalaegorszeg soü,; wie .es saheitnilv' mit allen seinen Foltericaimmerii ein ständiges Requisfe: ungarischer Justiz werden. Die« geht a-us einem wfö-; zielletn Coimnuniquee an die* ungarischem Blätter her-; Vor, daß.der an Stelle des Grafen S igr-ay zirm;Q!berregiernngskotinmissär für -den Rayon Steaamainiger ov-j nannte .Alexander. A l ma-ssy vor einigen ‘Tagen dfe; Internierungslüger von Zala-egerszUg <u/md Unvge'buirg; . einer' .ea-ugehenden Inspektion., .mjt-ewzogten' und '. audhf die Initermierceh ein vernommen höJbe; Der Regietruingskommissär stellt fest, daß keine >\vc©ettüichäü«f-Kia'geln laü-t geworden .seien/ Die .Gebäude <und- '-dii'e JBatra'dkea'u, : werden geheizt, die -Fitster sim-d ganz umd '.d-ie-■V'W'kostf-. gung gut. Der Regiemngskoöiinisisar «sgyriötüt . sägäc,. •der Verwaltung seine Anerkennung aus. - . Daßdas Internierungslager . v-on' Zialaeg^t‘sz%j eine ständige Einrichtung bleiben soll, gehtt anits; dc$ weiteren Meldung hervor,. daß. iru-mmehr für die Imteaf-; liierten ständige B e t h ä n s e r gebaut - urerdötiw Di«, katholische Kirche ist bereite fer.ti-ggestel-lt, * w$hrend| . die ipro-testa-n-tischesi. und. \j ü dis-chen. B-ethäus^r 'int* Bäu - begriffen sind. U'eber A-nffcragdes Re^emngs-! ..kommissärs sollen amc-h Seelsorger für gestellt werden. Di'c erst in jüngster Zeit aus <ltem-Lhter- . niemwgslager kovusnemidtefn Klagen, ganz bcsoin-ders der •jüdischen Internierten- und in eWer Reihe! der noch immer ira Lager zuTivckgefh-aStemen gätlfersöhe« Juden stehen in grellem Widersp-ruch zu dien unwa/hrefii Besdlionigungen der Vcuhäk-nissc; in Zalaegerszeg,; Der Handel mit Australien. Melbourne, 3. Dezember. (Reuter.) In der Kammer ist ein Beschlußantrag, betreffend die Wiederaufnahm« der Handelsbeziehungen mit Deutschland und Oesterreich, eingebracht worden. Die Regierung beabsichtigt die Vorlage eines diesbezügliche« I Gesetzentwurfes.

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