Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1017 (28.11.1921)
- Date
- 1921-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 20 Kronen Einzelpreis 20 Krone« T^LiuuLtrationrpreise: « 1««r Zu« Nbholeu i« der 2. Bezirk» Lntor. «V»i« 1 M9 8» Mt« in einer Verschleitzftrke (Xttfli: Monotttch. Krönt« 54)0.— Vitt Pnstvtetznd ff» Wim «ch R«n«Kich. Sterne« 5<HW Lschecho-Blowakeir &Umaaidf . .Kronen 38*-» Bterleljnhrlich „ B4»~ k ilchecht-skoivanscher S<te««s i Nnztrn: Mnnnittch. . Krone« 2«.— VierteljithrUch , *!•«— ta rngarilchir Wthrr»t Ju-sflawitur Mnnnittch. . .Dinar 15*- Pierteljiivrlich » 4Ö«~ Aränttmerationspreise Polen: Mvi«»ttkch. . Nrar! K1i0^> i» poimschtr Währung DtntiMaAd: Monatlich. . . Mark JW>.~ Frankreich: Monatlich. . . Francs Ztalinc: Monatlich.... Lire Srnmäuien: Monattich. . . . Lei Schwerz il. daik üLrcze SlntUv.ri Monatlich . . . Fraucd L.— KedaktLonuLlduiinifiration LSte», s.B«L»Äa>»orstr: L— n Lelephovor 44OL«, a- « tt-v adcars Nr. 38303 Postsparkassenkonlv läO.'-u'-' Nr. 1017 Wien» Montag den 28. November 3921 3. Jahrgang Kenworlhy über die Rettung Europas. Berlin, 28. November. (Tel.-Komp:) "Ein Mitarbeiter des „Berliner Lokalanzeiger" hatte mit dem bekannten englischen Wirtschaftspolitik« Kenworthy, der von jeher den Versailler Friedensvertcag bekämpft, eine Unterredung über die gegenwärtige Lage Europas. Kerrworthy ging von der Washingtoner Konferenz aus, die seiner Aeberzeugung nach zu keinem Re sultaft kommen werde. Den Segen werde sie Europa nicht bringen, den mutzten sich die Völker Europas selbst schaffen, und zwar durch den internationalen Handel. Fänden sich die Völker Europas zum internationalen Handel nicht zusammen, dann würden sie unzweifelhaft zugrunde gehen. Er schilderte sodann die schlechte Lage Englands und meinte, daß man Deutschland retten müßte, um England zu retten. Käme es zum Schlimmste«, so erklärte Kenworthy, so hält Deutschland es noch cun längsten aus, länger als England, länger als Frankreich. Die Rettung Europas steht Kenworihy i« einem intensiven Zusammenarbeiten Englands und Deutschlands. Er denkt sich England als Arbeitgeber, Deutschland als Arbeitnehmer. Bezüglich Rußlands führte er aus,, daß England die Schiffe, die politische Macht und' das Geld habe, um am Wiederaufbau Rußlands teilzunehmen. Deutschland habe die Organisation und die Ingenieure, England werde die Rohstoffe liefern, Deutschland sie verarbeiten. England werde die fertige Arbeit nach Rußland verkaufen und .matt werde dadurch .statt des teuren ausländischen Rohmaterials billiges russisches Rohmaterial beziehen können. Wenn die Regierungen Europas zur Aufnahme des internationalen Handels nicht die nötige Weitsichtigkeit aufbrächten, müßten sich die Kaufleute über die Köpfe ihrer Regierungen hinweg einigen. Die Entscheidung über Oberschlesien hält Kenworthy für eine große Dummheit, die aber leider hingenommen werden müsse, wie etwa die Entscheidung eines hohen Richters, gegen die es Lerne Berufung gebe. Die Washingtoner Konferenz. /Bor-, -er'BrrtägMs der Konferenz. ~ Paris, 28.' November. sTeb-Komp.) Nach einer Meldung der ^Chicago Tribüne" aus Washington wird die Konferenz in der ersten Hälfte Dezember.vertagt werde». Biele Delegierte, die die Weihnachtsfeiertage in der Heimat verbringen wollen, haben bereits Plätze für den 13. Dezember auf der „Aquitania" belegt. In' der Zwischenzeit sollen die Ausschüße ihre Arbeit fortsetzen. Die nächste und voraussichtlich letzte Vollsitzung wird nach den Erklärungen des Staatssekretärs Hughes erst in einigen Tagen stattfinden. Bis dahin hofft man die Frage der Beschränkung der Seerüstungen hinreichend zu klaren. Die Ankunft Briands in Le Havre wird für den 2. Dezember erwartet. Lloyd George wird sich am 3. Dezember nach Amerika einschiffen. Deutschland und Washington. London, 27. November.. (Hqvas.) Die Blätter melden, aus Washington, der deutsche Geschäftsträger habe zur Kenntnis, gebracht, daß Deutschland bereit sei,- nach Washington eine militärische und eine w-i r t sch a-s t l i ch e A b o r d n u n g zur Besprechung der Fragen der Abrüstung zu'Lande und der Wiedergutmachungen zu entsenden. . Paris, 27. November. (Funkspruch.) Einem Vertreter der ^Associated Preß" gegenüber erklärte Vivi.ani in betreff der Anregung des Präsidenten Harding, auch Deutschland zur Washingtoner Konferenz beizuziehen, er könne sich nur auf seine in Genf gehaltene Rede gegen den Beitritt Deutschlands in den Völkerbund berufe». Frankreich werde sich Zeit lasten» mit einer Nation, die die Völkerrechte in so flagranter Weise verletzt habe, zu verhandeln, bis sie durch, längere Reue ihre Aufrichtigkeit bekundet haben werde. Derttschlairds Protest gegen Bria«-. Paris, 28. November. (Tel.-Komp.) „Petit Parisien" läßt sich aus Berlin berichten, Reichskanzler Dr. Wirth habe ursprünglich die Absicht gehabt, auf die Washingtoner Rede Briands zu antworten; der Reichskanzler habe aber davon Abstand genommen, dagegen sei vom Kabinett beschlosten worden, dem amerikanische» Geschäftsttäger Dresel eine Note zur Uebermittlung an Staatssekretär Hughes zu übergeben. In dieser an Amerika gerichteten Note protestiert Deutschland gegen die Rede Briands. Der Streit um Ostafien. B er li n, 27. November. (Priv.- Tel.) Aus Washington wird dem „B. T." gemeldet: Man rechnet damit, daß im Augendlick zu einer Explosion innerhalb der O st a f i e n ° K o m m i s s i o n kommen dürfte. Die Atmosphäre ist mit Elektriität geladen nnd der Konflikt cheinbar unvermeidlich. Entrüstung der Amerikaner über die französischen Forderungen. Berlin, 27. November. »Eft Europa zufolge bevrchtm die Lvüöoner WlMrFlkMMüfhmgLork, daß' dort', eine kritifch e Perro d e' eingetreten sei, namentlich deshalb, w.eil Fr ankrei ch sölche Forderungen bezüglich der Flottenftärke erhoben habe, daß es damit nicht nur das Erstaunen, sondern auch die Ent r 6 ft n n g der Amerikaner erregt hatte. ' : * Byrli«, 27. November. Zum Stande der Flotteuabrüstung meldet das ^Berliner Tageblatt" aus Washington, daß die Japaner sich vorläufig nur an die großen Richtlinien des Hughesschen Programnis halten und immer wieder versichern, daß Japan mit dem Hughesschen Flotteneinheitssystem von ö:5:3 ein schweres Unrecht geschehe. Die Amerikaner bestehen auf den Forderungen Hughes' und die Engländer greifen, bisher erfolglös, vermittelnd ein. PerLmax, der Autor der Mystifikationen. Paris» 27. November. (Wolff.) «New Bork Herald" teilt mit, daß die tasächliche Quelle des Washingtoner Telegramms über die angeblichen Arußernngen Briands gegen die italienische Armee nicht, wie gestern behauptet wurde, eine deutschfreundliche Agentur, sondern P e r t i n a x vom „Echo de Paris" fei. , ,. Aufreguug in Italien. Rom, 26. November. Die Blätter schür ihre Polemiken gegen Briaud wegen seiner angeblichen abfälligen Aenßerungen über dir italienische Armee auf der Washingtoner Konferenz.fort. Außer in Turm ist es auch in Neapel, Mailand, Genu« und Florenz zu Demonstrationen gekommen. Die franzöfifchen Senatoren gegen das Abkommen von Angora. Paris, 27. November. (Wolff.) 11.6 Senatoren haben an den Ministerpräsidertten ein Schreibe» gerichtet, worin sie ihrer Beu»ruhigu»g über die Folgen des A b k o » m e n s von A n g o r a Ausdruck gaben. Sie weifen auf die Gefahre» hin, denen das unter französischem Mandat stehende Syrien ausgesetzt sei, wenn Alexandrette im Bereich der türkischen Kanonen liege. Außerdem beunruhige sie der Gedanke einer zu raschen Räumung Ziliziens. Die Senatoren verlangen daher Schütz für die christliche Bevölkerung und Sicherung der Rechte der Minderheiten, ehe die französischen Truppen Zilizien verlassen. Politischer Setzerstreik in Italien. Rvm, 27. November. (Fnnkspruch.) ,8a Nazione" meldet aus Florenz: Züm Protest gegen die Er. m o r d u n g zwei er Setz er in Triest wird Montag in ganz Italien ein allg.e«eDer.Setzerstteik beginnen. Aktionen des rheinischen Sonderdnndes. Eine rheinische Aepnblik? Berlin, 27. November. Das „Berliner Taaeblat^ berichtet über neue Pläne der rheinischen Sonderbündler Danach hätten diese ans Drängen der Franzosen in Aachen beschlossen, am nächsten Donnerstag die rheinische Republik anszurufen. 'Außer wenigen industriellen Kreisen, die den kommenden Steuern entgehen wollen, besäßeri sie jedoch keinen nennenswerten Anhang im Lande.' Berlin, 27. November. Driv.-Tel.) Die rheinischen Sonderbündler wollen die Republik am 4. Dezember ausrufen. Ihr stärkstes Propagandamittel ist die Frankenwährung, die i» der neuen Republik eingeftthrt w'erdm soll. Damit versuchen sie insbesondere unter Hinweis auf die Entwertung der Mark Stimnnmg zu machen. _________ Horthy sammelt Banditen im Orden« bnrger Gebiet. «Kk Pvstest Oestereeichs. — F»rLsetz»»s des Bsrn marfches. Aus Oebenbsrg wird uns berichtet: Das Abstimmungsgebiet von Oedenburg scheint ein ungarisches Heerlager zu werden. Die ganze Grenze dieses Gebietes ift durch uu§ aris ch es Mi! i t ür abgeschlosiey.^ Bei Agendorf, Brennberg, Harkaü, ^olnhöf üno Mnkenöbrf sind Geschütze eingebaut. In Oedenburg liegen ein Bataillou Jnftiuterie unt^ 660 Gendarmen, in Breunberg zwei Bataillone mit vielen Maschinengewehren, in Agendorf zwei Kompagnien. Das Abstimmungsgebiet von Oedenburg ist em.Konzentraüonsraum der Banden geworden. Seit Tagen wird ein neuerlicher Zustrom von Banden nach Oedenburg gemeldet. Auch viele Bandenoffiziere befinden sich in Oedenburg. D i e Zahl der Banden im Abstimmungsgebiet beträgt bereits mehrere tausend Mann. Der ungarische Regierungskommissär von Oedenburg hat Bestimmungen über die Ein- und Ausreise aus Oedenburg erlassen. Mit Rücksicht darauf, daß lediglich der interalliierten Generalsmission das Verwaltungsrecht zusteht, wird die österreichische Regierung Protest erheben. Gleichzeitig soll neuerlich mit aller Entschiedenheit die Entfernung der Banden aus dem Abstimmungsgebiete verlangt werden. Amtlich wird'verlautbart: UnsereBnndeZtrupperr smd geftem, von der Bevölkerung freundlich st begrüßt, dispvsitionrgemäß und ohne Störung in Deutsch-Kreuz, Nikitsch und Strebersdors eingezogen._ Inland. Schwierigkeiten des BeaMtensdhanes. Die Regierungsvorlage, betreffend den. Beamteuabbau, hat vom ersten Anbeginn an bei den verschiedeueu Siaatsangestelltenorgamsationen nicht geringen Widerstand gefunden, der sich noch verstärkte, als auch von fachlichen Stellen groß«'Bedenken gegen die in Aussicht genomrnenen Maßnahme» erhoben wurden. Diesen Bedenke» beabsichtigt nun auch die Regierung Rechnung Zu tragen, da sie nunmehr selbst zur Ueberzeugung gelaugt ist, daß die Vorlage über den Beamtenabbau in ihrer jetzigen Form für die geplanten Beratungen, an denen auch die Vertteter der Organisationen teilnehmen sollen, keine geeignete BerhandlungSbasis bilden kann. Die Regiernug wird nun darangchen, eine neue Vorlage aus.z«arbeiten, und hat bereits-mit der Ersparungskommission Fühlung genommen, die an der Schaffung eines neuen Entwurfes für den Beamtenabbän teilnehmen soll. Die bisherigen Erörterungen über den gegenwärtigen Entwurf der Regierung haben die Meinung gefestigt, daß die Frage des Beamtenabbaues nur im Vereine mit der Berwaltungsreform gelöst werden kann, welch letztere Frage freilich nur aküdemisch erörtert, aber nicht in Angriff genommen wurde. Durch die Schaffung eines neuen Entwurfes für. den Beamtenabban wurde diese Frage vorläufig aus dem parlamentarischen Arbeitsprogramm ausgeschi^den' und dürste kaum vor Ende des Frühjahrs wieder zur Diskussion gestellt werden f e