Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-11-27 · Heft 1016 (27.11.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1016 (27.11.1921)
Date
1921-11-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980095--09483-2995738
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Einzelpreis L-M Kronen NrLnmneratt-nspreife; W te»; jjxm L-tiolen in ict ÄMebNÜm» S. Vrzirk» Tal»srftttftt 1 biS 3. »de, in tittt »rifdiltilfftetle artfU): Msmttttch. Kronen Sü SM Postvrrsand für Wien n«ck Oefterrrichr MouaSUch. Kronen 560.— Lslhecho-Tlowakei: Monatlich. . Krone« 18.— Bierteltnchrttch . 64.- n rlchechv-ilowaUichn Würnnng . Nngam: Monatlich. . Kronen 70.— Btertelführlich' . L0«— in nnzanlchtr Währ «Atz Insoilawirnr Monatlich- . - Dinar 15«— Btertekjithrltch . , 4S«— * Nr. 1016 Mener Wien» Sonntag den 27. November 1021!rSWLN. ^rLlrmneraiionsprei se .Polen: - MonatttchMar! üÄtt.-. m Polnischer Wühn-lrg \ Deutschland: MvnalUch . Mark ,; Frankreich: ' Monatlich. .. . Fr'ancS L»- StaUtn: Monatlich. . . . Lire 6.-»- Rnmiinirn:-!; Monatlich. . .. . Let'S^--:- Echw kiz n. daS übrizr LntlmÄ-'. Monatlich . .'Franek- D..— Redsktto« ruAdWintfirikilisO Wien. 5.B>ez.,Ladorstv. I—0 Teieph»ner-44v..8, 4S2ij» ab 0 Sbr abends Str. K &©.f Bostfparkasssntoriro 1S4U&1 ’. BRuajBampppa» afmnraaSSSSa^mmammam 3. Jahrgang BgexBMBMsoaNaBo^auaBMBatäwnM Binwaiiiwnwm Frankreichs Kampf gegen die DLMokratie. —y. Wie«. 27. November. Der Versailler Friedensoerttag. der gleich nach seiner Entstehung von einsichtigen Patrioten der Entente- ISnbcc als ein Unglück auch für ihre eigenen Länder erkannt worden ist, hat nunmehr in der Zeit seines dreijährigen Bestandes sich ausgewirkt in einer Weise, ' die den Pessimisten vollkommen recht gegeben hat Gs handelt sich nicht darum, daß Deutschland vordem Zusammenbruch steht und durch diese Aussicht in neue unheilvolle Kampfe zwischen den Radikalen non rechts und links geworfen > ist; dieser Zustand ist von vornherein beabsichtigt gewesen und ist planmäßig angestrebt worden. Es ist dies die Fortsetzung der chauvinistischen Kriegspolitik' Frankreichs, die trotz des feierlich bekräftigten Friedens doch den Frieden nur als einen Zustand ansieht, in welchem rnan für den nächsten Krieg sich politisch und militärisch vorbereiten muß. Aber die Reparationspolitik, die Deutschland immer näher an den wirtschaftlichen Abgrund bringt, äußert ihre Wirkungen auch in den Siegerstaaten. Die Exportprämie, die in dem niedrigen Markkurs liegt, bedeutet für England ein Anschwellen des Heeres der Arbeitslosen, die zwangsweise abgelieferte deutsche Kohle gefährdet die englische, französische und belgische Industrie und tust in den Ententelandern ein sehr starkes wirtschaftliches Unbehagen hervor.. Das Memorandum der englischen Industrieverbärrde an die Regierung ist ein Dokument hiesür. Die französische Gewaltpolitik äußert aber auch ihre politische Verderblichkeit. Das, was Frankreich durch seine Härte gegen Deutschland verhüten will, provoziert es geradezu. Es verhindert die demokratische Entwicklung Deutschlands. Ein demokratisches Deutschland würde alle seine Kräfte nur darauf verwenden» die Verbrechen, seiner Führer im Kriege zu fyeüm; es würde aber auch durch fein Organisationstalent ein Hauptträger des Wiederaufbaues in <£utop(t werden. Die Politik Frankreichs, die Briand jüngst zum Entsetzen seines englischen und italienischen Bundesgenossen in Washington verteidigte, Hai aber die Demokratie in Deutschland untergraben. Die direkte Folge dieser Politik ist es, daß ver Weizen der Ludendorff blüht und, daß die Geheimorganisationen der Brüder vom Stein und der. Orgesch im Begriff stehen, sich zu Herren Deutschlands zu machen. Dies bedeutet auch den moralischen Niedergang Deutschlands, der zum Ausdruck kommt im inneren Leben der Hochschulen, in dem Geist, in welchem die akademische Jugend für ihren kiinstigen Beruf erzogen wird, in der militaristisch und imperialistisch durchsetzten Rechtspflege und in den Abtrennungsbestrebungen Bayerns. Frankreich jubelt über diese Zersetzung. Ist es doch fast ein Leitsatz der französischen Geheimdiplomatie geworden, durch die gegen Deutschland beobachtete Gewaltpolitik Deutschland innerpolitisch zn zerschlagen und so eines der stärksten Fundamente der europäischen Demokratie zu Zerschmettern. Es hat oft den Anschein, als ob die französische Außenpolitik nicht von den Epigonen der französischen Revolution geführt wird, die die Völker gelehrt hatte, fiir Volkstum und Volksfouveränität gegen den. Absolutismus zu Kämpfen. Die heutige Politik Frankreichs ist eine geradlinige Fortsetzung der Kardinals- . Politik Richrlieus und Mazarins. die i» ganz Europa zündelten und denen die ewige Unruhe der Völker ein Mittel der Gloire war. Die konsequente Fortführung ' dieser französischen Gewaltaktionen, die mit dem ,. Diktatfrieden beginnen, treibt Deutschland in die Arme des Bolschewismus, fei es des Leninschen oder der Ludendorsfschen. Frankreich arbeitet an der Schaffung eines reaktionären, vom Hakenkreuz beherrschten Deutschland, das seine Zukunft auf die Gewalt und V auf die volle Restauration des Junkertums gründet. Dieses Deutschland ist der Hort der Reaktion in aller Welt, die Hoffnung der Wiener Frontkämpfer und der Dudapester „Erwachenden". die Freude aller, die die Entscheidung der Menschheitsfragen nicht im ftiedlichen Wetlbewerk. der Geister, sondern in der Aobeit suchen. Präsident MosaryL über . Prar?» 26. November. (Tschecho-slow, Preßbur.) Präsident M a s a r y k äußerte sich einem Vertreter des „N c no 9) o r k Wort d"' gegenüber über das mittele.uropäische Problem» wobei er erklärte, es handle sich um die Konsolidierung von mindestens 18 Nationen und Staaten. Es seien dies kleine.und kleinere Völker. In Westeuropa und in Amerika bestehe w e-ü i g V e r st Ä n d n i s für dieses Problem, weil das akute Sprachen- und Nationalitätenproblem dort nicht bestehe. Die Konsolidierung Mitteleuropas fei auch, . mit Rücksicht aus die russische Frage notwendig, die in kurzer Zeit in eine neue P h a f e treten werde. Rußland werde sich zu seiner Konsolidierung aufraffen. Ueber das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland sagte der Präsident: Europa kann und muß eine große Entente großer und kleiner Völker sein. In. diesem demokratischen Sinne spreche ich von einer freundschaftlichen V e r st ä n d i g u n g zwischen Frankreich und Deutschland. In diesem Sinne müssen wir wünschen, daß Rußland seinen Einfluß die PoliLMeK ProhleML. in Europa wieder gewinne und .daß Amerika mit den . europäischen. Völkern . Zusammenarbeite. * Der Präsident äußerte sich zur. Frage der E n tw a f f n u n g: Bei allen Völkern müsse die Hefter« zeugung Wurzel fassen, daß die A g r e s s i v i L Ä t a u f h ö r e n m ü s s e und daß die Moral der Menschlichkeit nm die Defensive, nicht die Offensive zulaffe. Ueber die Haltung Amerika § 3um Völkerbund meinte der Präsident, er sei kein Freund der Passivität. Es fei besser, für. eine Sache überall tätig zu sein, wo sich die Gelegenheit dazu bietet. Das gelte von allen Fried ensv ertrag e n. Diese seien nicht fehlerfrei, nicht ohne Intümer und Widersprüche. Aber sie hätten einen besseren po litis chen Zustand geschaffen, als er vor dem Kriege bestand. Bei gegenseittgem Vertrauen und Zusammenarbeit könnten nach längerer Erfahrung die Fehler gemildert und beseitigt werden. ZusaMMMbruch der Petlzum-OMnsme. Paris, 25. November. (Eigener Bericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der gestrige „Temps" errt-l hält einen Bericht über den Angriff der ukranifchen P e t l j u ra - Armee gegen die Bo!,chewiken und den im Jnnem der Ukraine von den PeLljura-Anhäugern geleiteten Aufstand, welcher mit der Feststellung schließt, daß das ArrLerrrehrrren völlig gescheitert ist. Der Bericht verdient ernste Beachtung, denn der „Temps" hat im Fuge seiner antibolschervikischen Politik die Bestrebungen P e 11 \ u t a 0 bisher als aussichtsvoll bezeichnet «nd gefördert. Der Bericht besagt: „Nach besonderen Berichten, die wir über Jassy erhalten haben, bietet sich gegenwärtig folgendes Bild: Die ukrainischen Truppen haben um den 20. d. M. die galizische Grenze überschritten und sind in die Ukraine eingedrungen. Sie sind von den Bolschewiken vernichtend geschlagen worden. Die roten. Truppen haben den Zbruez überschritte» und besetzen gegenwärtig die polnische Grenze. Die Reste der ukrainischen Truppen sind neuerlich nach Polen geflüchtet und dort interniert worden. Zur selben Zeit haben sich in der Umgebung von Kiew und in Wolhynien, also im Rücken der roten Armee, viele kleinere Banden geblldet, welche die Dörfer und. Marktflecken angreifen und ausplündern. Ihre Taktik besteht darin, die Eisenbahn- und Telegraphenstationen zu zerstören, alle Gelreidelager zu vernichten, und in forttvRhre«Ven Pogromerr §egs» die Jude»,. so in Nowo-rad'Wolynsk, Guszatyn usw. Untre den Banden finden sich nur wenige Intelligenzler. Die irische Frage geregelt. ELT Avksmme« getroffert. London,. 26..November. (Havas.) Wie verlaütet» foSea die Der and luv gen, betreffend Irland, in die letzte Phase getreten und ein endgültiges Einvernehmen erzielt rvürde« sein. Die zwischen Llohd- George und James Cr a i g getroffene Vereinbarung werde.Dienstag veröffentlicht werde«. General ZieligowskL Will zurücktrete«. Warschau, 26. November. (Tel.-Komp.) General Zieligowski berief eine Versammlung von Vertrelem der Wilnaer Bevölkerung ein, der er die Erklärung abgab, daß er den Entschluß gefaßt habe, von seinem Posten zu scheide». pDasür findet man unter ihnen viele Großrussen und Donkosaken. Vorläufig wird ihre Arbeit von geheimen Parteigänger» unterstützt, welche sich in die. Kommanden der Bolschewiken einzuschleichen wußten, und von dort aus die roten Truppen in Unordnung bringe» wollen. G56lchzeitig sind von der. rumänischen Grenze her Detachements, welche von P e 11 i u t a unb General Delwrg organisiert wurden, gegen die Bolschewiken vorgerückt. Auch sie wurden von den Roten geschlagen. /- Die Aufständischen sind außerstande, eine reguläre Macht zu bUden. Die Bolschewiken ihrerseits operieren in der Ukraine mit sehr starken Kräften. Man muß feststellen, daß die AnfftandshewSgUNg ksmerlsL Aussicht ml Erfolg hat und ihr Zusammenbruch unvermeidlich ist. Das einzige Resultat kann nm eine Verschärfung der ökonomischen Krise in Sowjetmßland und eine Verstärkung der militärischen Bolschewiken sein, welche von T r 0 tz L i und B u ch a r i n geführt werden und deren Vorherrschaft sich schon jetzt geltend macht? Kischinew, 26. November. (Orient-Radio.) Eine Abteilung von 125 aufständischen Mrainern hat ans der Flucht vor bolschewikischen Patrouillen dön D n j « st r ö b e r s ch r i t t e n. Die Aufständischön wurden von den rumänischen Behörden sofort e n b w a f f n e t u n d interniert. Sie erzählen, daß die A u f st ä n d i s ch e n T i r a s p 01 besetzt hätten, jedoch von überlegenen Kräften wieder vertrieb e n worden seien. Englische MaßrrahMTA gegerr Las NKgora-AkkomMeN. London, 25. November. (Havas.) Die Note der. britischen Regierung an die französische ist vom britischen Kabinettsrat genehmigt worden. Bis zur Regelung der durch den Vertrag von Angora hervorgeruftnen Meinungsverschiedenheiten hat die brlttsche Regierung bereits jetzt Maßnahmen getrofferr, um ihre eigenen Interessen in Kleinasien zu wahren. Sie hat beschlossen, ein Kriegsschiff nach Mersina zu entsenden. Ko«stanti«oper, 25. November. (Havas.) Bier höhere englische Offiziere sind nach Angora abgereist, um mit den Kemalisten in Verbindung zustreteu. . London» 26. November. (Reuter.) Entgegen den Behauptungen einzelner Blätter wird gegenwärtig in Zypern keine Ansammlung von britischen Truppen; vollzogen. Von einer Landung von Truppen in Mersina ist keine Rede.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.