Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1015 (26.11.1921)
- Date
- 1921-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelpreis A4L Kronen Zkrämt«eratiottspreise: S tenr Zn« Abholk« in der W«i»M«k, Bezirk, Tabrr- Mafie 1 bis 8, oder in rmer Verl«l>letßsteve <LrafU); Monatlich. Krone» Evr?.— Mil Postversand für Wir» und Oesterreich: Monatlich. Krone« 560.— Tscheche-Slowakei: Vionailtch. . Kronen ' 18.— Vierteljährlich „ 54.—* u NH«ho»1lowak«cher Währung : Ungarn: . Monatlich. Krone» VS.— Vterreljährltch - *l»rm ungarijchrr.Wahrrmg Jngoslawien: * Monatlich. . Dinar lS.- ViertcliiilrrUch . , 4L.— Einzelpreis KM Krone« A'räulrmerationsprerft Pole«: Monatlich. . Mark SSS«- m polnischer Währung Dentschland: Monatlich. . . Mark SS.-. Monatlich. . . FraneS L." Italien: Monatlich-. . . . Mite ©.— ifittntänitJt: Mooattich. ... per 2S.— Schweiz «. da» übrize Rnslsns Monatlich. . . Francs 3.— Nedatttonv.Ädli:t»iftvatio» Wien, .B^.,Taborstr. 1—L Telephone: 44VL8, 488?,!» ab 6 Uhr abends Nr. Lrsvl Postsparkässerrkouto I50»&y3 Sfi*.‘-lr *5 Wien, Samstag de« MonkMÄsr 1921 3. Zahrgang iw»«mwif3 fqmnMttawnwwnBiiMgniwnniiniiHaiBwiffiimwnmiiniwanrwglwiMwiMlt ™«™kmmarxmxa An nnfere Frennde nnd Leser! Die„Wiener Morgenzeitung" nimmt ab 1.Dezember eine Aenderung ihrer äußeren Form vor. Sie übergeht vom deutschen Buchstabentypus auf den romanischen. Der Grund hiesür liegt in der Notwendigkeit, auf die Bedürfnisse des außerhalb des deutschen Sprach Kreises lebenden jüdischen Lesers Rücksicht zu nehmen, um sein volles und ungeteiltes Augenmerk für das Leben der Juden in Oesterreich von der Äußerlichkeit des Druckes unabhängig zu machen. Gleichzeitig mit dieser Aenderung fassen wir eine Erweiterung des Inhalts unteres Blattes ins Äuge, um in Zukunft durch Erfüllung der im Laufe von fast drei Jahren an uns gelangten Wünsche -ec Leserschaft allen Anforderungen zu entsprechen, die an ein modernes Blatt gestellt werden können. Unser Bestreben ist darauf gerichtet, die technischen Mängel, unter denen die Fertigstellung des Blattes 'bisher litt, zu beseitigen und uns. durch ErwerbANg . einer Druckerei nach der. technischen Seite hin unabhängig, zu machen. ,Die ersten Schritte hiezu sind bereits getan. ' Es ist heute, überflüssig,' die Bedeutung und Wichtigkeit der „Wiener Morgenzeitüng" hervorzuheben. Durch lauge Jahre hat das Judentum in Mitteleuropa eines eigenen, täglich sprechenden Organs entbehren müssen. Die Presse, der übelwollende Kreise die Vertretung des Judentums zuWieben, hat btcfc Ausgabe selbst zu - jeder Zeit aögelehnt - und zum Judentum nurAm ^-tzinne'r/'Sv^WMeuKMW-'-Md- Negation StelluWrMdWiEWDWWMiger und unentbehrlicher ist dieses Blatt. geworden. Die „Wiener Morgenzntung" hat die Pflicht auf sich genommen, die berechtigten Interessen des jüdischen Volkes auf allen Gebieten, auf dem politischen sowohl wie aus dem kulturellen, zu vertreten. Sie erfüllt damit eine wichtige Ausgabe gegenüber dem Judentum selbst, indem sie einen Sammelpunkt seiner politischen und geistigen Interessen schafft. Sie ist gleichzeitig auch ein Mittelorgan zwischen dem Judentum und den übrigen politischen Keisen, ein Organ des unterdrückten und zürückgeseßten. jüdischen Volkes. Unsere Zeitung hat dis jetzt keine Gelegenheit versäumt, die so überaus aktuelle Aufgabe zu erfüllen. Während die sogenannte Judenpresse zu den Ausweisungen der Ostjuden, zu dm Optionsskandalen schweigt, um nur nicht die antisemitische Tendenz der nichtjüdischen Machthaber zu verletzen, hat die „Wiener Morgenzeitung" als einziges Blatt gesprochen. Sie allein gibt dem Judentum und der europäischen Welt Kunde von der Pein der Juden in Ungarn, von dem rasenden Masseupogrom im Osten. Unsere Zeitung ist nicht bloß ein Nachrichtenblatt, auch nichtbloß ein parteipolitisches Nachrichtenblatt. Sie ist mit ein Faktor für die politische Durchbildung der jüdischen Massen. Sie befaßt sich mit den jüdischen Fragen vom Standpunkte des großen, in seiner geistigen Und wirtschaftlichen Bedeutung unerreichten jüdischen Volkes und nimmt zu allen Fragen, auch wenn sie nicht' direkt und unmittelbar mit dem Judentum in Berührung zu stehen scheinen, klar und unzweideutig Stellung. Die „Wiener Morgenzeitung" will, das Ihre dazutun, daß die jüdischen Masten zu allen, die Staaten, die Weltpolitik und die Weltkultur bewegenden Fragen sich ihr festes Urteil bilden und nach diesem. Urteil handeln, damit sich die Völker damit vertraut machen, auch die Meinung des jüdischen Kulturvolkes zu achten und zu hören. Wir wollen aufklärend für die Juden und für die gesamte Oeffentlichkeit im Geiste der gesunden kulturellen und sozialen Entwicklung wirken. Unser Blatt hat auch besondere Bedeutung als Sprachrohr des jüdischen Volkes in Oesterreich gegenüber dem Ausland. Durch den Staatsvertrag von St. Germain ist zwar unser Miuoritätsrecht unter den Schutz des Völkerbundes gestellt 'und somit ein Bestandteil des Völkerrechtes geworden. Wie aber dieses. Recht behandelt wird, zeigt die Praxis auch, in diesem Lande, deffen verantwortliche Führung die Juden nur mehr als steuerzahlende Subjekte gelten lasten will. Wir waren oft genötigt, Aebergriffe und Rechtsbeugungen cm den Pranger zustellen. Es ist unserer Arbeit gelungen, zu Bewußtsein zu bringen, daß die österreichischen Juden nicht Schutzbefohlene und Kammerknechte sein wollen, tanbent selbstbewußte Bürger des Staates, die auf dem Boden, auf bem sie leben und soziale Arbett Die. HMhH-TrWPeN Müssen das Oedendurger;l; Gebiet Melassen. Ern,He?chlntz des BsLschKsterraLes. - Wien, 25. November. Die Politische Korrespondenz schreibt-: Die österreichische?Regierung J)at fidj in den letzten Wochen unausgesetzt bemüht, durch internationale Behandlungen die . primitivsten Voraussetzungen für eine unparteiische Durchführung de^Abftimmuug. in, Oedenburg und Umgebung Merznstellm. Sie hat hiebei die Unterstützung derMejaMen der drei Erüentegroßmächte in Wien sowie der Generalskomnüssion in Oedenburg gesunden. Aus diese Weise ist es ihr gelungen, die BotschasterkynserenL davon p überzeugen, daß die österreichische Regierung mit ihren die Abstimmung betreffenden Wünschen keineswegs die Ratifizierung des Protokolls von Venedig entgegen» zuarbeiten oder sie zu verzögern suche, daß sie vielmehr gerade darum auf die Verücksichttgung dieser Wünsche bestand, um die unerläßliche Voraussetzung für. die Genehmigung des Protokolls durch die österreichische Volksvertretung zu schaffen. Nach einer, dem österreichischen Gesandten in Paris zugekommenen Verbalnote der Botschafterkonferenz wurde der ersten Bitte der österreichischen Regierung, die E ntfe r n u ng a I I e r u n g ari sch e n- Tri: p p e m ' uit d G e nd armen aus demDie bif zi.tg e bist, re ft los en tspro che n.; Ueber bk weiteren Wünsche der österreichischen Regierung, betreffend „Entsendung von Ententeossizieren und einer genügenden Anzahl interalliierter Sicherheitsocgane", ist eine Entscheidung noch nicht getroffen, doch wurde mitgeteilt, daß diese Vorschläge in Erwägung gezogen seien und eine die Unparteilichkeit gewährleistende praktische Lösung gesucht werde. Die österreichische Regierung hofft, daß die Botschafterkonferenz sich auch in diesem Punkte der Stichhältigkeit der von der österreichischen Regierung vorgebrachten Gründe nicht verschließen und eine Entscheidung fällen wird, die im Einklang mit der Tatsache steht, daß die österreichischen Wünsche nur auf die Sicherung des freien und unbehinderten Ausdrucks des Volkswikens im Abstimmungsgebiet abzielen. Sofort, nach dem Einlangen der Nachricht hat die österreichische Regierung das Protokoll von Venedig dem österreichischen Nationalrat zur verfassungsmäßigen Genehmigung unterbreitet. Magyarische Hetze gegen die Oedenbnrger Inden. Aus Oedenburg wird uns gemeldet: Der ungarische Regierungskommissär und Obergespart des Oedenburger Komitctts Dr. Zfembery erstattete an die ungarische Regierung die Meldung, daß die deutschen Wntschaftsbärger Oedenburgs aus Feigheit nicht zur Urne schreiten werden, dahingegen die Juden vollständig unverläßlich seien, weil sie die Regierungsbehörden mit ihrem Lippenbekenntnis ihres ungarischen Patriotismus zum Narren hallen, im Herzen seien sie gut österreichisch und werden am Wahltage geschloffen für Oesterreich stimmen. Obzwar dieser Bericht durchaus unwahr ist, wird durch ihn der Vorwand geschaffen, um in Oedenburg nach einer zugunsten Ungarns ausfallenden Volksabstimmung die wüsteste Anrifemitenhetze einzuleiten. Der EilAvmrsch im Mlrche BrrrgeNlKKÄ. Wien, 25. November. Amtlich wird gemeldet: Die für heute vorgesehenen Marschziele der Bundestruppen im südlichen Burgenland wurden ohne Zwischenfall erreicht. Die über die niederösterreichische Grenze vorgerückten Kolonnen sind bis mr die Linie Lackenbach—Draßmarkt—Geresdorf ~ Bernstein gelangt. Aus Steiermark her wurden von den Bundestruppen im Raume von Pinkafeld Alhau, Stegersbach, Eltendorf und Jennersdorf in Besitz' genommen. Wie im Norden hat unser Bundesheer, auch heute bei der Bevölkerung im Süden des Burgenlands überall herzliche Aufnahme gefunden. Das militärische Höchstkommando hat heute die Verwaltung des Landesteiles nördlich des Abstimmungsgebietes von Oedenburg einschließlich des Gebietes östlich des Neusiedlersees an den L a n d e s v e rwalter des Bmgenlands übergeben. -Die. tschechische MiAsriLkt irr Wierr. ’ _ Der tschechische Naliormlcmsschnß, in Wien unter-- brrllete dem Staatskanzler Dr.'S chober eine Huschest, betreffend die Vertretung der nationalen Minderheiten des Burgenländes in den VorbrreltrrngskommiGonen. Dre Zm'chrift laute?: „Das Burgenland geht m die Hände der österreichischen Nepubll-: über. Es wird fiir die österreichische Repudlick vorteilhaft senr, wenn die dortigen slawischen Mmderhriten' schon v o r h e r Bertrauenzrr der neuen VerwaltMg hegen. Mit Rücksicht auf die angesvprten Umßände uud au* die. bevorstehende 2ü'.-. Mimuns in Oed'nburg fordern wir daher, daß die nationalen - Minderheiten des BurgenlandeS in den VorbereitttNgZkeinmissioneu vertreten seien/ __ Die Berfaffnng PalKstimrs. Teeusalem, 93. November. (J5d. Korr.-Bur.) In der zwölften Sitzung des Advisortz Council (Staatsrat) erlliirte der High Commlsskoner, daß die Brrfasfung für Palästina die Form cmeZ Erlasses des Rates habm werde. GleichzettiiZ werde ein besonderes Ge'etz über die S 1 a a t.s bür g e r s ch a f i erlassen werden. Der Erlaß des Rates wendet die Bestimmung des Vertrages vo» S ü v r e s on, demmsolge sämtliche o t 1 o m a n i s ch e n U n t e r t a u e n, die ständig i n Palästina w o h n.e n, sogleich p a l ä st i n e »s i-, s ch e Staatsbürger werden. Gemäß denr Bertrage können Juden fremder Staatszuge- .Hörigkeit, die zur Zeit der Inkrafttretens des Berl tz-gges ihren ständigen Wohnsitz in Palästina habrn, dir palästinensischeSraatsbürgerschask erwerben, wenn ste innerhalb eines Jahres ihren Wunsch, für dre pslüstmensischc Staatsbürgerschaft zu optieren, erklären. Außerdem könne die palästinensische Staatsbürgerschaft durch Naturalisierung erworben werden. Das Besetz bestimmt, daß der High Commiistoner NaturalistecungSzeriikate unter folgenden Bedingungen verleihen kann: 1. Die ur Betracht kommende Person muß zu» mindest zwei Jahre vor der Abgabe der Erklärung in Palästrua gewohnt haben. 2. Unbescholtener Charakter des Bewerbers und entsyrechetide KenrrLnrs deS Arabischen, Hebräischen oder Englischen, s. Die Absicht des Bewerbers, in Palästina zu wohnen. Die BorgLnge i» Iernsale«. BLne ProtcstkANdgebnttg der ägyptische» Zionisten. Alexandrien, 23 November. (Privat.) Die..zionistische. Orgsnisatiou von Alexandrien hat eine Protestresolutioit gegen., die Borfälle von Jeru'almr vom 2.. November beichloss-ru. in' welcher der nnerschütterliche Wille der Zionisten auSgevröckt wird, das iüdischnatianale Heim in Palästina zu . errichten und allen Exzessen des arabischen Mobs zum Trotz in enger Zusammenarbeit, mit der arabffcheu Bevölkerung, gemäß den Beschlüffrn von Karlsbad, vorzugehen. Tie Resolution, welche der englischen Regierung und Sir Herbert Samuel übenniitelt wurde, fordert die strenge Bestrafung der Schuldigen unv die Beschleunigung der Bcmühnugen nach ehester Ratifizierung des Mandats über Palästina. venichten, in jeder Beziehung und voraussetzungslos ihr volles Recht für sich fordern. Unser Blatt ist nicht auf Gewinn berechnet. Es ist nach allen Seiten hin unabhängig und diese politische Bewegungsfreiheit legt ihm finanzielle Schwierigkeiten in den Weg. Wir haben keine anderen Hilfsquellen als die Opferwilligkeit unserer Freunde und Leser. Unser Blatt bringt für jeden große Opfer. 2lber jeder, der er liest und sich der besonderen Bedeutung dieses Blattes bewußt ist, wird uns helfen, über die schweren Verhältnisse der Zeit hinwegzukommen. Wir wenden uns an die Opferwilligkeit unserer Freunde und Leser, in dem Bewußtsein, daß sie uns ihre Sympathie und ihre Anerkennung für unser Witkeir durch ihre Hilfe ausdrücken werden. Sie dienen damit sich und dem Judentum. Redaktion und Administration der ^Wiener Morgenzellung"«