Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1014 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iWffBwmgg Einzelpreis Arämrmtrattonspreise: W ie«; A»« Llbholcn in der Expeditts». L. Br-irk, Taboi'- ftratze 1 bis L oder in einer BerichleitzfteLe (Trafik): MonatlichKrone« S«s«— Mit Posiversand iür Wien rmd Oesterreich: VtonatlichKronen SSO.— Lschecho-Slowakei: Monatlich. .Kronen 18«— Pierteltshriich „ 84.— u lichecho-IlowaNicher Mähnmg i Ungar»;; Monatlich., . Kronen 70,— Vierteltatzrlich « r 10.— . in uirgarilcher Wtihrung Zugpflawien: Monatlich- . . Dinar!8.— ^.'ierteltiistrlich » 45.— Kronen Einzelpreis L-L Kronen MBM ^ränumerationspreise Pole«: Moriatttch. . Mark 500.^ in polnischer Währiinx Deutschland: ' Monatlich. . . Mart SO.- rankreich: . . . Francs 0.— Italien: Monatlich..... Lire 0,~ Rnmanirn: Monat tich. ... Lei So.— Schweiz a. das Lbrige Nuttan: Monatlich. . . Franrö L.- 3iedakttonn.2ld»tmistraiiLl' Wien, :.Bez^Dahorstr. 1— L Telephone: 44038, 43 SIS av 6 Ui«r abends Nr. 1vs»1 Postsyarkaffenkonto 15».^' Nr. 1014 Wie«, Freitag den 25. November 1921 3. Jahrgang Völkerbund und Option. ' si —y. Wien, 25. November. Der" auswärtige Ausschuß des Verbandes der Mischen Gemeinden Englands und der englischjüdischen Vereinigung hat an den Rat des Völkerbundes eine Beschwerde gegen die Handhabung' der Optionspraxis durch Oesterreich gerichtet. Der Einspruch wendet sich gegen die falsche Auslegung des Artikels 80 des Fnedensvertrages von St. Germain durch die österreichische Regierung, da durch diese Auslegung Tausende von Juden, die früher Staatsbürger der österreichisch-ungarischen Monarchie waren, um ihr vertragsmäßiges Recht, für die österreichische Staatsbürgerschaft zu optieren, gebracht weiden Es wird sich also Gelegenheit ergeben, die österreichische Waberei zur Diskussion zu stellen. Die schützende Hülle des Schweigens, die die Wiener Affimilanlenuns Antifemitenpreffe über diese Brutalität gebreitet hat, wird jetzt zerrissen werden können und es wird möglich sein, genau so wie bezüglich der Ausweisungserlässe ein Urteil des zivilisierten Europa zu provozieren. : Die Regelung der Staatsbürgerschaft ist in Oesterreich, teils durch absichtlich falsche Auslegung der. Bestimmungen des Friedensoertrages, m einen Skandal ausgeartet. Die Verfügung -des Ministers Waber, die generell die Abweisung jedes jüdischen Hesuchstellers anordnet, hat schon mehrfach zu Ver- letzungen der mit anderen Staaten abgeschlossenen so ^besonders des Brunner Vertrages, geführt, der eine sehr einfache Ordnung der Angelegenst eitfür die seit zehn . Jahren auf dem Gebiet eines der Dertragsstaaten wohnenden Optionswerbers vorsieht. Das Minifterigm hat sich gedruckte Formulare besorgt und sendet sie an die Optanten. Das nennt man dann Aufarbeitung und individuelle Behandlung. Man hat sich nach, den Geboten der alldeutschen Nationsidee ein Schema zurechtgelegt und fragt nicht lange nach der. Reflexwirkung dieser Ordonnanzen in den auswärtigen Beziehungen und nach dem Eindruck, den diese Gesetzlosigkeit außerhalb Österreichs machen muß, wo" man solche Fragen denn doch vernünftiger zu behandeln weiß. Die rumänische Regierung zum Beispiel erklärt in einer dieser Tage erschienen Verlautbarung: „Vollberechtigter rumänischer. Staatsbürger wird ohne jede weitere Formalität jede Person, die zur Zeit des Inkrafttretens der Friedensverträge mit Oesterreich und mit Ungarn auf dem Gebiete, das ein Teil Rumäniens ist,' gewohnt hat, vorausgesetzt, daß diese Person zu - jener Zeit keine andere Staatsbürgerschaft als die österreichische oder ungarische gehabt hat." Diesö Verordnung geht klar auf das Wesen der Sachö los uad läßt'sich durch chauvinistische Treibereien, deren es ja glich in Rumänien genug gibt, nicht beirren. / In Wien hat man sich,, weil es just so paßt, die / unklare Ausdrucksweise des Artikels 80 des Friedeirsyerstages zunutze gemacht und will allen Ernstes glauben machen, daß die Autoren des Friedensoertrages . gerade in dieser Bestimmung den alldeutsch-antisemitischen Velleitäten sich anpassen wollten. Diese Meinung ist aus dem Ministerium hinausgetragen, durch juristische Spitzfindigkeiten und Jonglieren mit der Rassentheorie befestigt worden, so .weit, daß sogar der Verwaltungs- Gerichtshof der Suggestion unterliegt nnd zu Urteilen .gelairgt, die die Verwirrung noch vermehren. Durch di'e^Beschwerde der englischen Judeuschast wird man . endlich zu einer authentischen Bestimmung des Friedens- Vertrages gelangen und dem Minister.Waber beweisen körmen, daß auch er kein inappellabler Verfechter der arischen Rassentheorie bleibt. , Deutsch-polnische Konferenz in Genf. Genf. 23. November. (Wolfs.) Heute voruntrans wurde im Bölkerbundpalast.die polnisch-deutsche Konferenz eröffnet. Am Schlüsse der Sitzung gab du Kouferrvz folgende amtliche Mit. lciUmg aus: Der von den. alliierten und assoziierten Hauptmächten ou- §n,'oulitterie Beschluß des Völkerbundrales über Oberschlesien sicht ein Abkommen zwischen Polen und Deutschland zur Regelung des U e Der g a n g s r e g: in es in Oberschlesim und Le8 M i u b c r Y e it s l ch utz e s vor. Beide Beriretungen legen Wert darauf, sesizustellen. daß.sie mit bem besten Geiste der Berstihuung an ihre Aufgabe herantreten würden, lieber daS rinzuschlagende. Verfahren fand eine Vorbesprechung statt. Ein von O l s z o w s k i (Polen) vorgelegter Vorschlag wurde als BerhandlungsbafiS angenonunen. Die Konsereuz unter sucht uuiunkhr Briand hat die Abrüstung vereitelt. Frankreich fordert Garantien. Was rrrzton, 24. November. (Havas.) Die Abordnungen der fünf Großmächte erörterten die Frage der Abrüstung zu Lande. Briand nahm in energischer und entschiedener/Weise Stellung gegen eine betail.Itcrtc Bes p rechu. ng dieser Frage/ wobei «r erklärte, Frankreich könne den Stand seines Heeres, nur dann, herabsetzen, wenn die anderen Mächte seine Gefahren teilen. Ohne solche Garantien sei eine Beschränkung der Rüstungen derzeit unmöglich.. Schanzer verlangte beruhigende Erklärungen seitens Jugoslawiens. London, 24. November. (Wolff) Der Sonderberichterstatter des „Daily Chronicle" in Washington meldet seinem Blatte, Briand seigentlicher Beitrag zur Washingtoner Konferenz sei gewesen, daß er j e d e Au'Ssicht a us ein e D erminder u n g der stehenden Heere in Europa Lder anderswo z e r st ö r t h a b e. In einem Leitartikel schreibt das Blatt, England fei über die Rede Briands äußerst enttäuscht. Deutschland sei heute wirksam entwaffnet rrnd habe weder die Geschütze noch die Ausrüstung, um auch nur im Traum daran zu denken, Frankreich anzugreisen. Die Politik Briands fei ' ein^ Hindemrs für die Verwirklichung jeder allgemeinen Rüstungseinschränkung zu Wasser und zu Lande, die England von der Konferenz erhofft habe und noch erhoffe. Paris» 24. Noveniber. (Wolff.) Wie der Sonderberichterstatter der „Chicago Tribüne" in Washington mitteilt, würde die französische Delegation es gerne sehen, daß die Erörterung der Abrüstung zu Lande so beschleunigt werde, daß sie mit einem endgültigen Spruche der Konferenz nach Frankreich zurückkehren könne. Dem französischen Premierminister nahestehende Persönlichkeiten hätten gestern geäußert, er wünsche eine Erklärung der Großmächte mit nach Paris zu nehmen, daß sie Frankreichs Entschluß, die Stärke seines Deverrfioheeres nicht herabzusetzen, unterstützen. , Paris, 24. November. (Havas.) Unter Bezugnahme auf die italienische Anschauung, die aus die Ausarbeitung eines Entwurfs für die Einschränkung' der Rüstungen hinausläust, weist der Sonderberichterstatter der „Agence Havas" in Washington barauf hin, mit welchem Nachdruck Ministerpräsident Briand dieser Anschauung Mgegengetreten sei. Die Lage Italiens sei mit jener Frankreichs nicht zu vergleichen und Schanzer habe zugeben muffen, daß Jugoslawien, das augenscheinlich in dem Abrüstungsentwurf gemeint sei, keine feindliche Macht sei wie Deutschland. Andererseits können die Uereffierten Mächte, wie Jugoslawien, Rumänien, di? Tschecho-Slowakei und Polen, sich durch die Konferenz militärische Einschränkungen nicht auferlegen lassen, ohne bei der Erörterung vertreten zu sein. Paris, 24. November. (Wolff.) Laut „New Pork Herald" war man gestern in den Wandelgängen der Kammer sehr überrascht über den Vorschlag der französischen Delegation in Washington, die französische Großschiffwnnage auf 300.000 Tonnen sestzusetzen. Das Blatt glaubt, eine starke Opposition in Kammer und Senat gegen diesen Plan, der nach Ansicht des Parlaments über die finanzielle Kraft Frankreichs hinausginge, Voraussagen zu hönnen. Paris, 24. November. (Wolff.) Nach einer Meldung der „Ehieagy^Tcibune" aus Washington hat das Kongreßmitglied T i n k h a ttt gestern eine Resolution eingebracht, derzusolge die Vereinigten Staaten der Einschränkung der Rüstungen zur See erst zustimmen sollen, bis der englifch?-japanische Vertrag beseitigt oder durch irgendeine Vereinbarung ersetzt sei, an der die Vereinigten Staaten beteiligt werden. London, 24. November. (Tel.-Kemp.) Der japanische Delegierte Admiral K^s-t o brachte einen Zusatzantrag ein, der zu den Fordermrgen in der m a ndschurischer^ Frage den 8tatu8 gas als Grundlage weiterer Verhandlungen verlangt. Zur größten Ueberraschung aller Delegierten stimmten die Vereinigten Staaten zu. Kabinettskrise in Jugoslawien. Paste zurückgeireten. Graz, 24. November. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad : Die heutige Plenarsitzung des radikalen Klubs war kürz, aber sehr stürmisch. Zu einem definitiven Beschluß ist es nicht gekommen. Der Führer der Partei, Ministerpräsident P a s i c, legte die Beschlüsse nicht zur Abstimmung vor. Der Klub sprach ihm das Vertrauen aus, forderte ihn aber gleichzeitig auf, dem König die Demission des gesamten Kabinetts zu unterbreiten. Paste begab sich sofort zum König und unterbreitete ihm die Demission, die vom König angenommen ivurde. Pie Exzesse in Iernsalem. Der „Times"-Korresponde«t über die Behörde». Vmürio«, 23. November. (Jüd. Korr.-Bur.) Di« „Tünes" veröffsntlichbelr Ms der Feder ihres Jerusalemer Korrespondenten eme SichÄderumg der Ausschreibungen am 2. d. M. „Al s Engländer.— schreibt der Korrespondent —Empfand ich brennende Schande und Zorn angesichts der Gleichgültigkeit der verantwortlicheU Behörden gegeuriber dem Schicksal dbrses nnglücklichien BvMs, und ich entschloß mich,'in das Gouvernement zu gelM, um die apathischen Bearnterr zur Erfüllung ihrer Pficht KU verhalten." Auf dem Weg« znm Gouvernement ivürbr er von Arabern verprügelt und mit einem Messer in den Nacken gestochen. In fast bewußtlosem Zustand wurö2,er dann von einer heldenmütigen Jüdin, Judith Wittenberg, in das Gouver^ nementsgebänd'ir gebracht. ' „Ms ich dis militärische Wach? arn Tore passiert^, sah ich die Soldaten ruhi^ dastehen. Sie hatten keinen Befahl, .sich zu r itthF.en-o. L.e.r k i;K : > 48 Araber verurteilt. Jerns-aleur, ■ 23., November. (Jüd. Korr. - Bur.) Einem ofsrzielen Commumqnee znsolge wurden bisher 4 6 Araber, die an den Jerusalemer ,Unruhen am 2. d. M. beteiligt waren, von den Gepichten verurteilt; davon zwei Araber zu 15 Jahren, Gefängnis, einer zu fünf Jahren, einer zu zwei Jahre-n, einer zu lö Monaten, wähvspd die übrigeir mit Gefängnisstrafen bis zu einen: Jahre belegt wurden. Zwei jüdische Polizisten, die gleichfalls untrv Anklage standen, wurden s r c.igesprochen. Anstchere Lage in Jaffa? iLondon, 23. November. (Jüd., Korr.-Bur.) „Exchange" nreldet aus Rom:. Adnüral Salozer begab sich an Bord eines Kriegsschiffes von Mapel nach.' Jaffa, um die dortige italienische Kolonie vor etwaigen Unruhen zu schützen mtd die dieser.. Kolonie drohenden- Gefahren zu untersuchen. Das Begräbnis-er Opfer. ° Wie „Haares berichtet, wurde von der Behörde, in Jerusalem der Befehl erteilt, die bei de:: iteber- -ffallen der Araber gefallenen Juden am 3. November, abends zu bestatrear. Gleichzeitig erging der Befehl,, daß der Aufenthalt auf dear Straßen Jerusaleors nach 6 Uhr abends untersagt sei. Die Mitglieder der zioni^ stijichen Leitung iu Palästina und die Vertreter des», Waad-Leumi beschlossen, sich an de:: Gouverneur Siorrs mit der Forderung zu we:Äen, daß das Begräbnis am 4. Mdembev um 12 Uhr mittags stattfinde. Es. dernonstrierte auch eine große Menge von Juden, welche sich von: Spital drr Hadassa, w» die vier Totei: lagen, versammelt hatte, gegen die Anordnung des Mouver-. neurs. Der -Gouverneur bewilligte die Forderung. Das, Leichenbegängnis fand in. Anivesenheit, tion nieshr als! 10.000 .Menschen statt. Die J:lden überimhmen es selbstdie Ordnung an frech tzuerh alten. Es wurde etne Ordnerkette. gebiMtt i». der. sich auch. MgeMiG hr.r Mtz-, i ';- $ ■ I \ h t JL