Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1011 (22.11.1921)
- Date
- 1921-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang HUMMBWBIiW IsrrückZiLhMg der jugoslawischen Truppen aus Albanien. Graz, 21. November. Der „Tagespost" zufolge berichtet die „Politika", daß in der heutigen Sitzung des Minrsterrats der Mas über die Zurückziehung der jugoslawischen Truppen aus Albanien an die von der Botfchafterkonferenz am 9. d. M. bestimmte Grenze beschlossen worden sei. Der FlotLeNschlüffel. —y. Wien,.22. November. Len optimistischen Stimmuugsmeldungen aus Washington gesellt sich eine Tatsachenmitteilung zu, die mehr als alles über die Aussichten der Abrüstungsidee belehrt. Es ist ein aus fünf Admiralen bestehender Ausschuß zur Prüsung des amerikanischen Vorschlages und der hiezu von anderen Konferenzteilnehmern gestellten Anträge gebildet worden. Die Idee der Abmstung, die durch eine Liber die ganze zivilisierte Welt getragene Propaganda der FraumorganisaLionen den völkischen Wortführern der Staaten ’ so menschlichdringend aus Herz gelegt wurde, erführt .durch die Art ihrer Behandlung eine sonderbare Färbung; sie wird lächerlich gemacht und zu einem Gegenstand des Feilschens herabgewürdigL, hinter dem sich die sehr ernste Silhouette des Krieges aüftut. Nach dem Prospekt, der der Ostffenllichkeit vorgelegt wurde, sollte es sich um die Vermeidung aller Waffenkouflikte handeln. In Washington aber wird der Text anders gelesen und man erzählt, uni den KanonenfabrikanLen die Stirn-? nnmg nicht zu verderben, die Kommission der Marinesachverständigen sei bereits bei'einem Schlüssel von fünf zu drei für das Verhältnis der amerikanischen zur japanischen Flotte gelangt. Andere Differenzen bestanden zwischen diesen beiden Möchten in der Frage der Unterseeboote, der Hyänen der Meere. Um aber den guten Willen dieser Konferenz ganz zu begreifen, braucht man nur die Meldungen zu lesen, die von. einer, neuerlichen, Gefährdung der mMKy WirLschaftspolitik ' durch die unsinnigen . sranzöstschen Reparätionsforderungen an Deutschland berichten.. Es. ist dafür gesorgt, daß die Rüstungsindustrie . aller Staaten, die Internationale der Bölker- Mhetzung, auch' m Zukunft fette Profite emheimfen nrird. -' . . Nach wie vor ist der Chauvinismus die treibende Kraft in der Weltpolitik, jener Chauvinismus, der nicht von den Völkern gewünscht wird, wohl aber vvn her Gilde der Diplomaten, der Generale und der politischen Agenten, deren einziger Beruf die Verbreitung der Phrase von den bedrohten Gütern des Volkes, vom Schutz des Vaterlandes ist, und die mit der infamen Lüge ihr Gaukelspiel treiben, daß man. um den Frieden zu erhalten, zum Krieg rüsten muffe. Die Katastrophe des Weltkrieges verliert jeden Sinn; ihre Wirkung ist nichts anderes, als daß ein paar Staaten entwaffnet wurden, während die Sieger miteinander über das Ausmaß ihres eigenen Militarismus jtreitert. Ein Weltmeer von Blut ist vergossen worden, Millionen von Menschen haben Leben oder Gesundheit eingebüßt, alle arbeitenden und ehrlich erwerbenden Menschen find in eine unabsehbare Krise. verwickelt und wissen nicht, wovon sie in den nächsten Stunden ihr Leben fristen werden, aber eine Admiralskommission berät über den Schlüssel der Flottenstärken. Diese Abrüstungskonferenz ist, wenn sie zu Leinen anderen Resultaten gelangt, die entsetzlichste Blasphemie gegen die Toten des Krieges und gegen die Ueberlebenden, die man ausgerufen hat, für Selbstbestimmungsrecht. für die Freiheit der Meere, für die Kultur zu kämpfen. Die Giftschwaden des Schlachtfeldes' haben der Menschheit die Besinnung geraubt und verhindem sie auch heute daran, das Uebel klar zu erkennen: . daß es überall noch die Männer von 1914 sind, dieselben Politiker, die an der Vorbereitung des großen Krieges tätig mitgewirkt haben und in äderen.Händen sich auch heute noch das Schicksal der Welt.befindet. Diese Bazillenträger der chauvinistischen Seuche reden bei Festen und Feiern von Verbrüderung, von Frieden und von der Weltoersöhnung. Wenn sie aher beisammen sind, dann bewegt sich ihr Gedankengang noch immer in dem alten Zauberkreis: Gleichgewicht, Interessensphären und.Schlachtflotten. Solange keine neuen Männer erstehen, die den Krieg an sich selbst erfahren, haben, so lange bleibt jede Abrüstungskonferenz nur eine Farce. Wie AbriistUngskSKsereNz. Integrität Chinas. Äsudoir, 21^ November. (Frunkspruch.) Alle neun bei der Konferenz von Washington vertretenen Mächte s den Grundsatz der offenen Tür und der Integrität Chinas, .angenommen- "v; Die Reparationen. f BrrErr, 21. November. Heute nachmittags trat das Neichskabinett zu einer Sitzung zusammen, um über die Reparativnsfrage zu beraten und die damit in engem Zusammenhang stehende Frage der Kreditaktion der Industrie und einer eventuellen Ausländsanleihe zu besprechen. Ueber diese Besprechungen mit der Reparationskommisfion dürfte der Reichskanzler heute nachmittags dem Reichstagsausschuß und morgen dem auswärtigen Ausschuß des Reichstages berichten. SLinnes. Bcrlirr, 21. November. „East Europe" meldet aus London, daß das englische auswärtige Amt die Nachricht, wonach Stinnes von Lloyd George eingeladen worden sei, dementiert. Es wird sogar erklärt, daß eine Zusammenkunft zwischen beidennicht einmal geplant sei. Neuerliche TeuerMgskrarvMe iit Berti«. Berlin, 21. November. (Tel.-Komp.) Heute nachmittags kam es im Zentrum der. Stadt zu Teurungskrawallen. wobei Zahlreiche Schaufenster geplündert wurden. Der Schutzpolizei gelang es, einige halbwüchsige Burschen zu verhaften.' HnKgerstreikderpolitrschenGefangenen in Lichterrberg Berlin-. 21. November. In der Nacht zum Sonntag fanii eine Ueberfiedlung der Lichtenberger kommunistischen Gefangenen, die in den Hungerstreik getreten waren, statt. Die Ueberfiedlung erfolgte zum Teil nach Wittenberg, zum Teil nach Torgau. Die Führer, ungefähr 20 Personen, sind nach einem Vorort bei Torgau überführt worden. Diese 20 Führer scheinen die Absicht zu haben, den Hungerstreik fortzusetzen, während die übrigen Gefangenen, insgesamt 90 Personen, erklärten, daß sie den Hungerstreik einstellen wollen'. Außer diesen Gefangenen, die in den Hungerstreik getreten sind, haben auch die politischen Gefangenen in Wittenberg den Hungerstreik begonnen. Arabisch-jüdische Verhandlungen in London? London, 20. November. (Jüd. Korr-Bür.) Der vor einiger Zeit gemeldete Versuch des Kolonialministers; Churchill, die arabische Delegation aus Palästinas und die zionistische Exekutive zu einer Aussprache zusammenzubrigen, soll decknächst in die Tat umgesetzt werden.- Die erste Zusammenkunft zwischen den arabischen und zionistischen Bevollmächtigten wird noch im Laufe dieser Woche in London stattfinben. London, 20. November. (Zion. Preßbur.) Vor einigen Tagen veranstaltete die in London weilende arabische Delegation eine Versammlung ihrer englischen Freunde, bei welcher der bekannte Gegner des Zionismus Lord S y d e n h a m eine, scharfe antifemi« tische Rede hielt. Rücktritt der belgische« Regierung. Paris, 21. November. (Funkspruch.) Das belgische Kabinett ist Samstag zurückgelreten. Betriebsei«schrä«Lungen in Ostraner Bergwerken. Mährisch-Ostra«, 21. November. (Privat.) Die Alpine Montangesellschaii hat ihrer Arbeite, schaft mitgeteilt, daß wegen der anhaltenden Krise auf. dem K^hlenmiulte bic Kohlenförderung durch drei Tage in allen cm Schichten ruht. — Aus denselben Gründen bat das Ler,nnsv>'ltorat der Nord'ahngruben die Einst cllung der Wsthttung auf alle» ihren Betrübe»' Kr heute .'vttlüsp ' " """" ' Die Wahlen in Karpathorrrtzland. Prag, 21. November. (TeL-Komp.) Die Tschecho- Slowakei wird in der nächsten Zeit die Gubemiallandtags- und Parlamentswahlen für Karpathorußland ausschreiben. Dentsches Bahnmaterial für Angof lamm. Graz, 21. November. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: Der Staatsausschuß hat das Angebote der deutschen Regierung, aus Rechnung der Kriegsentschädigung an Serbien Eisenbahnmaterial zu liefern,, zur Kenntnis genommen. Danach verpflichtet sich Deutschland, auf Grund der Reparationen 100 Schnell-' zugs-, 200 Post-, 100 Last-, 50 Manövrier- und 20 schmalspurige Lokomotiven sowie 4000 Last- und 200 Personenwagen zu liefern, und zwar ein Drittel bis März 1922 und das übrige in den Monaten Mai und. Juni. Das hnngernde Rußland. Moskau, 21. November. (Funkspruch.) Irn Gouvernement tt f a wütet der H u n g e r. Stellenweise sind 80 bis 90 Prozent der .Bevölkerung erkrankt. _* Die Apanage für Exkönig Karl. Prag, 21. November. (U. K.) Die gesamte Prager Preffe nimmt in scharfer Weise Stellung gegen das Verlangen der Botschafterkonferenz. daß die Nationalstaaten die Apanage für Exkaiser Karl zahlen sollen. Der „Vecer" teilt mit, daß die kleine Entente die Gründe für 'ihre ablehnende Haltung in dieser Frage in einer Rote der Botschasterkonserenz Mitteilen werde. Prag, . 21. November. (Tel.-Komp.) Der englische Gesandte in Prag Clark hatte heute eine längere Unterredung mit Ministerpräsidenten Dr.Benesch. Allem Anschein nach handelte es sich um eine Unterredung bezüglich der Zivilliste Exkaiser Karls. Die Generalsmission konferiert in Budapest. Budapest. 31. November. (U»g. Tel.-Korr.-Bur.) Die Mitglieder der Ordwburger Generalsmüston, .Ferrario, Gorton " und Hamelin, sind heute vormittags hier eingetroffeu, um mit der. ungarischen Regierung über die Dmchtührmrg der Volksabstimmung Besprechnngen z» pflegen. \ Vom Keren Hajefjod. Adew-Aork, 19. November. (Jüd. Korr.-Bur.) Im Zusammenhang mit der Anwesenheit der zionistischen. Delegation in Amerika wurde heute in der hebräischtechnischen Schule eine Landeskonferenz fret Vertreter feeS Ke^rn-Hajess-od-Komitees, zionistischer und Mischer LvndesorgLNisationeu aus allen Teilen der Union eröffnet. An der Konferenz mahnten auch M'r. Sainm'l U nterme yet> Nahnrn Sv k« lvw und andere Mitglieder der Delegation teil. Minister Alfred Monds Begrützungstelegramm. Lvrtdion, 19. November. (Jüd. Korr>-Bnr.) Anläßlich der Vorbereitungen zur zweiten Keren-Hajessiw- Kampagne in den Vereinigten Staaten, richtete Sir Alfred Mond em Begrüßungstelegramm ürach Netv-> dark. Das Telegramm des Ministers Mond lautet 3 Der Ausbau eines jüdischnationalen Heims in Pcilästina erfordert beispiellose Anstrengungen. Die am«erikanische,l. Inden werden nach eirunal anfgerüsen, eilten großen.' Teil der Last zu übernehmen. Ich wünsche den zioitistischcn Führern . und der Keren-H-ajessod-Kousrreuz . . hMu.-AusiM^s