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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-20 · Heft 1009 (20.11.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1009 (20.11.1921)
Date
1921-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis L.--L Kronen mmmmm&maBamsmmmsmmxmm&mfmsmsxisgwz* HfrinmneiMOnsyttVe: « 1e«: ßw* t&ttiot*r iu -er Sx^etzÜto«. 8. tttyirf, Taborst«chr 1 bis 3, oder fot «tan «erschtkißsieLe (Trafik): Moaatlich. Krourn 2«3.— MU yiefUttt^abJ&t Wie» und RoaotUch. Kronen 2S0 — Tschttho-Vlowaki: Moaatttch. . Kronen 1&- «tertrijürltch r 54L- « ischecho^kov«r>!cher WS-narz «n-ar»; Monatlich. .Krone» 70,- mMUMtliA . »L0<- i» «agaBchn WS^en», Iu-oKovienr Monatlich. . Dinar II.« BiorteljShrlich , 45.- Einzelpreis L--L Krone« Wiener 'ArärmmeraLionspreife Potc«; Mark ü««^. WSHv irr p Mischer WSHrung Derrtschlimdr Monatlich. . . Mark Italien: Monatlich.... Lire «.— dlmuüni en: ■ Mouatlich.... Lei 3$.— Schweiz k. daübrige Lhi^land Monatlich. . . Franc s.— Red akttou-nLtdmiuistrati o a Wie«, «.Beg^Davorftr. 1—8 LelMouer 44VL8, wio nb S»tzr abend» Nr. issvbi PoWravrafsenkorrLo 150.693 Nr. 1009 Wien» Sonntag de« 20. November 1021 Z. Jahrgang Für einen Zollverein der Sukzesfionsstaajen. Wie« als Mittelpunkt des Warenaustausches. Genf, 19. November. (Tel.-Komp.) „La Suiffe" veröffentlicht einen Leitartikel von Georges B e a u m e, der sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise in Oesterreich beschäftigt. Nach eingehender Schilderung aller durch den Fliedensvertrag hervorgerufenen Schwierigkeiten des Landes gelangt Beaume zum Schlich, daß die einzige Rettung für. Oesterreich die Schaffung eines D o n a u w i r 1 f ch a f t s b u u d e s wäre, welcher alle Sukzeffionsstsaten der ehemalige» Monarchie in einer Art Zollverein, bei Wahrung der vollsten politischen Unabhängigkeit aller Gliedstaaten dieses Bundes vereinigen würde. Der Artikel fährt fort: „Bor der Auflösung Oesterreich-Ungarns hatte der gesamte Handel zwischen Triest, Böhmen und Ungarn die Stadt Wien rum Mittelpunkte. Wien ist durch seine geographische Lage zur Hauptstadt vorbestiwmt und Oesterreich wird immer Mitteleuropa eine bevorzugte Stellung einnehmen. Bon Wien aus, das gleichzeitig der w i ch t i g ft e D o n a u h a f e n ist, gehen alle E i s e n b a h nl i n i e n strahlenförmig auseinander.Wie«; das sich an der Kreuzung der Derkehrsstraßen von Deutschland nach dem Mittelmeer und von Westeuropa nach der Levante befindet, ist weitaus der bestgeeignetste Mittelpunkt für die großen Verkehrslinien, welche Europa von Ost nach West, von Nord nach Süd durchziehen. In Mitteleuropa wird Wien, trotz aller Not des Augenblicks, immer der Hanptsitz des Handels und des Bankwesens bleiben. Für die Länder jedoch, die an Oesterreich grenzen, wird das Elend Oesterreichs wie eine stete Ansteckungsgefahr wirken. Für diese Länder ist es ebensosehr wie für Oesterreich selbst hoch, an der Zeit, daß ein W i r t s ch a f t s b u n d der Donau st aaten errichtet werde, da dies die einzige Möglichkeit für die wirtschafttiche Erholnng aller dieser Staaten ist." Me Abrüstungskonferenz. Vriarrd verteidigt de« französische« Militarismus. Das russische Gespeuft. Waf-M-t»M M Rovinnber. (Haväs.) Minister-' Präsident Bei and wird in der Vollsitzung der Konferenz am Montag, der auch Marschall F o ch deiwohuen wird, eingehend die besondere Lage Frankreichs darlegpu und erklären, daß er dem Hvghesschen Program« günstig gcheniiberftehe. Die hestige französische Flotte entspreche der geographischen Lage, der Lange der Küste» und der Zahl und Lage der französischen Kolonie«. Godamr wird der Ministerpräsident eine Darlegung der gegeuwättigev Lage in Europa geben. Rußland besitze 150000 Mann unter den Waffen. Was würde geschehen, wenn es Polen ««griffe Md in Deutschland einfiele? Frankreich sei deshalb genötigt, seine Armee anfrechtzuechalte«, solange die Ordnung in Europa nicht gesichert sei, wo seit dem Abschluß des Waffenstillstandes mehrere Konflikte auszubrechen gedroht hatte». Frankreich sei dnrch keine natürliche Grenze geschützt. Das D r e i m L ch t e a b L o m m e n, das Frankreich seinerzeit im Zusammenhang mit der Rheingrenze augeboten habe, sei nicht i» Kraft getreten. Frankreich wünsche lebhaft, die schweren militärischen Lasten zu vermindern. Ein diesbezüglicher Gesetzentwurf sei dem Parlament unterbreitet worden; aber es gebe ei» Minimum, unter das Frankreich nicht gehen könne. Gego« Fraukreichs Soebeftrebunge». L-«do«, 19. November. (Wolff.) De« Washingtoner Berichterstatter des „Manchester Guardian" zufolge w i d e r f e tz e sich die britische Mannedelegatton auf der Konferenz der proporttonrle« Verminderung der Flotte» solange «icht die künftige Größe d er fr anzöfischen und der rt al ie »ische n Flotte festgesetzt sei, da sonst Frankreich in fünf Jahren beginnen könnte, durch Flottenbauten ebenso die V o r h e r r s ch a s t z n r S e e anstrebeu, wie es die Ueberlegenhett zu Lande besitze. Man vermute, daß die Haltung Englands in dieser Frage Italien willkommen sei. Paris» 19. November. (Wolff.) Pettinax kabelt „Echo de Paris" aus Washington über Unterredungen, die er mit Persönlichkeiten oer Wall Street in New-Pork über die Lage Frankreichs gehabt habe. Man habe ihm gesagt, Fraukreich sei in großer Gefahr, die Sympathien Amerikas zu v e tl 11x e n. Es erscheine im Augenblick als die, militaristische und imperialistische Nation par excellence. Pole« soll «Brüste«. Warschau, 19. November. (Tel.-Komp.) Wie in informierten Kreism verlautet, wurde auf der Washingtoner Konferenz die Frage der Einschränkung der polnischen. Wehrmacht berührt. Die polnische Regierung hat dagegen Protest erhoben, daß iu dieser Angelegenheit ohne Anhörung eines polnischen Vertreter» i«aa»d«ekde BMWe Mcht «erden.' Die japtmisch-chinesischen Beziehungen. Loudo«, 19. November. Einer Meldung des Reuterschen Bureaus zufolge hat Admiral Kalo mitgeteilt, daß Japan die chinesischen Vorschläge als „Grundlage M eiue WrchM des Ausschusses" angenommen habe. Luftschiffe «rö Anteese^vote. Wie das Reutersche Bureau. aus Washington erfährt, sei von maßgebender Seite eine Mitteilung über die Absichten Großbritanniens bezüglich der Unterseeboote und der L u s t w aff e erfolgt. England sei nicht der Ansicht, daß die Luftwaffe an die Stelle der Großkampffchiffe bei der Seekriegführung trete. Die Luftwaffe nehme im Kriege einen bessnderen Platz ei«. Selbst Bombenwürfe aus Städte könnten berechtigt sein, da dadurch ein Druck auf seindliche Regierungen ansgeübt werden könne. Die U n t e r w a f f e r f a h r z e u g e feien jedoch nach malischer Ansicht als Mordwerkzeuge zu bezeichne«, da durch sie nicht dieselbe» Wirkungen auf Völker und Regierungen ausgeübt werden können wie durch Luftangriffe auf Städte. Wie wetters berichtet wird, «erde I span eiue Flotte beanspruchen, die den vom Staatssekretär Hughes io seinen Abrüstungsvorschlägen niedergelegten Maßstab etwas überschreite. Admiral Kalo teilte Presseberichterstatter« mtt, daß Japan wegen seiner geographische« Lage es für angemessen erachte, eine Flotte Zu erhalten, die 60 Prozent der größten Flotte« um ein Geringes überschreite. Deutschland will Kredite auf- «ehme«. Berlin, 19. November. (Wolff.) Der Reichskanzler hat heute der Revaraüonskommifsiou vor ihrer Abreise das folgende Schreiben übergebe«: Die deutsche Regierung geht davon «ms, daß es a» und für sich nicht dem Sinne der Bestimmungen des Verhandlung»- planes vo» London entspricht, z« Ausbringung der Annuitäten zu dem Mi tteldes Kredits zu greifen. Sie ist aber, um eisen Beweis ihres guten Willens zu gebe«, bereit, eine solche Kredttoperation vormnehme«. Für die Frage, unter welche« Bedingungen ein Kredtt genommen «erde« würde, kommt es i» erster Lime auf die Vorschlag desjenigen an, der das Geld herleihen soll. Die deutsche Regierung ist berett und hat auch bereitsSchritte getan, um sich einenKredit zu verschaffen. Sie bittet die Reparationskommifsion. sie hiebei unterstützen zu wolle». Sie fühlt sich verpflichtet, schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, daß für die Zeit der Rückzahlung des Kredits eine außerordentlich schwierige Lage mtt Rücksicht auf die sonstigen Verpflichtungen des Reiches entstehe« wird, und sie erwartet von der Reparatiouskommission, daß sie dieser besonderen Lage Rechnung tragen werde. Die Aufgaben des Zionismus. Don Dr. £>$futt C»h», Mitglied des Drirtschm ParlamerrlZ. Der bekannte Führer der Unabhängigen sozial ,stilchev Patte- Deutschlands, welcher am 15. Oktober seinen zwvnridfnrüzlgsteu Geburtstag friette, äußert sich m dm Fragen des Zion s»ms, denen er steis als bewußter Jude r esstes Inrerefse entsegenbrachte. anläßlich eines Gespräches mit dem Publizisten M. Hmde?, dem Vertreter des Jüdrschrn KorrespondMzbureaus, in ebenso klarer wie weitblickender Weise. Wir freue« uns, Gelegenheit zu habes. die AnsfZbruvge« des bekannten PoliukerZ unseren Les«m uachüeherÄ bringe» zu können. Ich gehöre nicht der ziomftffchen Organrsatton au. und meine Anschauungen find daher als die eines Außenstehenden zu betrachten. Diese Bemerkung soll aber keinen Grund geben, an meinem starken Interesse zu zweifeln, das ich allem entgegenbriNZe, was sich auf den Zionismus und auf die Tättgkett der zionistischen' Organisation bezieht. Die Sympathie, die mich heute beherrscht, habe ich stets empfunden. Ich bekenne, daß ich als Jude, das heißt als PazW und Sozialdemokrat, mtt kein emderes Gefühl als das der Sympachie gegen diesen Versuch der Wlederbelebmrg des jüdischen Volkes voestellen kann; und ich bin der Ansicht, daß jeder Jude, welcher sich nicht positiv und! mit voller Achtung zu diesem Unternehmen verhielte! und etwa ihm gleichgültig oder gav f e t n d l t ch g ege n^ü b e r st ü n ft e, s i ch a ni der B e r e w i g « n g der W a n d e r g eschichte seines Volkes mitschuldig! macht, welche ohnehin schonK« lange dauert. Daraus ist kl«, wsrmn ich im August alle Meine! übrigen Arbeiten unterbrochen mrd am Zionistenkongreß! teilgenommen Kabe. Was ich dort sah, war für mich! ein neues Erlebms. Znm ersten Wale hatte ich die; Möglichkett, bei den Bechsadlsnge» des e i n z i gen jüdischen Parlaments anwesend zu sein rmd so einen tiefen EüMck in Äe Größe der ziorüßffchen Aufgabe zu gewinnen. Als aller Parlamentarier habe ich das Recht, über den ZioniftenKongreß das Arteib zu Men: Gine fo tätige Bolksvertretnng habe ich noch nie gesehen. Welch eine koloffale Arbeit mußte in der kurzen Zeit vom Kongreß geleistet, wieviel Hoffnungen mußten verwirklicht, wieviel Enttäuschungen — vermieden werden! Anter diese» Umständen begrüße ich mit besonderer Befriedigung die Tatsache, daß die angeschenen europäischen PubRMen es nicht Unterlasten habeki, dem Kongreß ihre Anerkennung auszudrücke«. MaximMan Harden, mit welchem mich polttische Fremtt)- schaft verbindet, hat in seiner „Zukunftgesagt, daß in Karlsbad »im Wesentliche» die Grundlagen eines neue» Staates berate« und beschlossen wurden". Die Wiener „Arbetter-Zeitrmg", welche als das Organ der Wim« Jnteruationalen Arbeitsgemeinschaft angesehen «erden kann, versicherte »ach dem Kongreße, daß die jüdische Arbeiterschaft bei der Kolomsatton Palästinas sicher auf die Unterstützung des internationalen Proletariats rechnen könne. Die größte liberale Zeitung Deutschlands, die „Frankfurter Zettnng", widmete bem Kougreß hia gäßere Artikel positw politischen * Charakters. Was meine eigene Stellung zu dm Problemen aulangh welche der Kongreß zu lösen versuchte, so will ich zunächst mit dem Kolonis ationspro blem beginnen. Wenn man die Frage: kollektive oder individuelle Kolomsatton stellt, so antworte ich: Die zionistische Organffatto» kann nur auf kooperativer Grundlage kolonisieren, wenn sie nicht ihre Aufgaben' «nvenvkklicht laste« will. Ich glaube, daß die ungeheure schwere berufliche Umschichtung der einzelnen Juden der Organisation heute nur eine Möglichkeit! läßt daß nämlich diejenigen, welche neuen Berufen! eingegliedert werden sollen, in Genostenschaften ver-! einigt werde». Weun auch die Kwuzoth (Genosten-' schäfte«) mtt Defiztt arbeiten — die Verhandlungen in, Kinlsbad haben gezeigt, daß die „bewiesenen Defizite"! nicht immer als wirkliche Defizite betrachtet werden; dürfe» — so bleibt doch das Kapital, welches angebliche auf solche Weise verloren geht, eine gute Jnveftitton! für dtt Zukunft. Denn diese „Pwduktionsoerluste"! kann ich nur als Lehrgeld für die Chaluzim betrachten,! die doch -- und das muffen die Krittker der- Kwuzoth in Bettacht ziehen — ihr wichtigstes j Kavital. ihre Emrgip, iMstirren. Ich bin ferner!

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