Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1008 (19.11.1921)
- Date
- 1921-11-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ Einzelpreis L--L- Kronen Einzelpreis ^rSmtmerattsnsprekfe: WiMUMW VW»?LS»^ Kr»««»^0Är-. m» <HW«ch. «U77, ^*'Lphrchs»Sr»wakoi: ' Viertel Krone« Nrmluurerationspreise J586* ~*%W kchViz «: .da^Me^ Mria^ AKS^LK SNS?LL?A.D^ VvVf-arrdff«»w»kto Nr. 1008 Wien, Samstag den 19. November 1921 3. Jahrgang Differenzen in der Entente. —ka—. Wien, 18. November. Obwohl derzeit noch keine Rede davon sein kann, daß die Entente in der nächsten Zeit sich auflöfen wird, io zeigen sich doch bereits immer deutlicher die Gegensätze zwischen England und Frankreich einerseits und Italien andererseits. Es kann aber auch die Tatsache nicht übersehen werden, daß sich selbst zwischen England und Frankreich die Differenzpunkte mehren. Ursprünglich war das Abkommen zwischen England und Frankreich dadurch gesichert, daß England den Schwerpunkt seiuer Macht in Asien erblickte und deshalb an Frankreich auf Grund der Sicherung seiner asiatischen Intereffensphäre das Primat in Europa überließ. Die stets sich steigernden Ansprüche des französischen sowie des italienischen Imperialismus bedrohen aber immer , mehr die Fundamente der Entente. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn man in England den amerikani,chenBestrebungen nach Abrüstung sympathisch gegenübersteht, denn je mehr die Gefahr schwindet, daß es zu einem großen Kriege im Stillen Ozean kommt, je weniger England Gefahr läuft, in einen japanisch-amerikanischen Krieg verwickelt zu werden, umsomehr bekommt Großbritannien freie Hand nicht nur in. Asien, sondern auch in Europa England war., in der letzten Zeit mehr als einmal gezwungen, Frankreich oder Italien zuliebe eine Politik zu befolgen, die den englischen Interessen keineswegs entspricht. England will vor allem ein europäisches Gleichgewicht: keine Wirderaufrichtung einer preußischen oder'russischen Vorherrschaft in Mitteleuropa und in den Balkanländem, aber es hat andererseits nickt das geringste Interesse, daß an deren Stelle die französische oder italienische Hegemonie oder auch nur eine Vorherrschaft eines der Sukzefsionsstaaten trete. Daraus folgt, daß England mit der Lösung der oberschlesischen Frage keineswegs zufrieden ist, weil es keine einseitige Stärkung der polnischen Position wünscht. Es zeigt sich dies unter anderem auch dann, daß England die ostgalizischen Ukrainer und Juden nicht dauernd unter russischer Herrschaft belassen will. Mit äußerst gemischten Empfindungen betrachtet man daher auch in London ein Abkommen, das angeblich zwischen Frankreich und Italien in der Richtung getroffen worden sein soll, daß Frankreich in Deutschland, Italien aber in den Sukzeffionsstaate« des ehemaligen Donaureiches und den angrenzenden balkarischen Ländern nach Belieben schaltey und walten Kann. Nur diese Vereinbarung erklärt manches Rätsel in der französischen und italienischen Politik der letzten Zeit: die Art der Lösung der oberschlesischen sowie der ungarischen Frage und die Aufrollung des albanesischen Problems, den Widerstand der Botschaftelkonferenz gegen die Besetzung albanesischen Gebietes durch die Jugoslawen. Frankreich und Italien stimmen allerdings dann übern«, daß sie weder eine Stärkung des germanischen noch des slavischen Einflußes in Europa wollen, gleichzeitig auch den Einfluß Englands in Asien einzuschränken gewillt sind. Aber dieses gemeinsame Intereffe wird nicht aus die Dauer die Sonderdifferenzen zwischen Frankreich und Italien in Mitteleuropa und auf dem Balkan aus der Welt schaffen. Frankreich hat nie aufgehört, die Föderation der Donauländer in irgendeiner Form zu erstreben, schon darum, um nicht nur den Anschluß Oesterreichs an Preußen-Deutschland zu verhindern, sondern um auch ein Gegengericht gegen Italien an der Adria zu errichten. Gerade aus diesem Grunde will aber Italien nicht nur keine Donauföderation, sondern es erstrebt auch den Besitz Albaniens, damit nicht Jugoslawien oder ein neuer Donaubund ihm den Besitz der Adria Mitig mache. Würde Italien nicht seinen Besitz in Südtirol durch Großdeutschland gefährdet sehen, so hätte es — um selbst ein Getzengrricht gegen Frankreich zn besitzen — keinen ernsten Widerstand gegen eine Bereinigung des jetzigen Oesterreich mit Preußen-Deutschland gezeigt. Italien hat immer zwei, wenn nicht drei Eisen im Feuer und jetzt ist es bestrebt, durch ein Biind n is mit Ungarn und Rumänien, zwischen denen es vermittelt. auch ein Gegengewicht gegen die kleine Entente und speziell auch gegen Jugoslawien zn richten. In Prag und Belgrad mißtraut man schon längst den Italienern und dem von Italien ins Schlepptau ^genommene» Rumänien und hat sich deshalb bestrebt, Eine Konferenz zur Wiederherftellung der Währungen. London, 18. November. (Wolff.) „Daily Mail" meldet ans New-Bork: Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß ans die Washingtoner Konferenz, wenn sie erfolgreich verlaufen sollte., unmittelbar eine Konferenz zur Wiederherstellung der Wahrungen folgen werde. Die Konferenz Dr. Benesch-Schober. Prag, 18. November. (Preßzentrale.) Die Vorbereitungen zu der Ende dieses Monats stattfindenden Konferenz des Ministerpräsidenten Dr. Benesch mit dem Bundeskanzler Dr. Schober sind bereits beendet. In informierten Kreisen verlautet, daß bei der Begegnung der beiden Staatsmänner sämtliche wirtschaftlichen Fragen, die bisher noch nicht geregelt waren, einer vollen Bereinigung unterzogen werden sollen. Das BöLkerbunÄsekreLariat soll nach Wien überstedeln. Genf, 18. November. Wie die Schweizerische Depeschenagentuc erfährt, hat der Delegierte der österreichischen Regierung bei der internationalen Arbeits- Konferenz. Dr. Lederer, dem Sekretariat des Völkerbundes ein Schreiben überreicht, worin bas Völkerbundsekretariat eingeladen wird, die Frage der Uebersiedlung nach Wien zu prüfen. Die österreichische Regierung werde alles tun, ,mr dem Sekretariat, dem Internationalen Arbeitsamt und der Völkerbundversammlung Gebäude zur Mrsügung zu stellen, die allen Ansprüchen gerecht werden. Die verhafteten rmgarischerr Abgeordneten vor dem JmMvnitätsansfchNß. Budapest, 18. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Immiinitiitsausschuß der Nationalversammlung verhandelte heute die ImmumMtsangelegenheit der in Hast befindlichen Abgeordneten Stephan Rakooszky, Gras Julius Andraffy, Graf Anton Sigray und Eduard Beniczky. Die Sitzung dauerte mit kurzer Unterbrechung von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends. Die Vormittagssitzung nahmen größtenteils die Vorträge des Referenten und die Verlesung von Schriftstücken in Anspruch. Daran schloß sich das Verhör des Abgeordneten Rakovszky. Der Präsident teilte mit, daß die Geschäftsordnung die Erfüllung der Bitte Rakovszkys, die Angelegenheit im Wege feines Rechtsvertreters vorzutragen, nicht gestatte. Hierauf wurde Gras Andraffy verhört. In der Nachmittagssitzung wurde Graf Sigray vernommen. Der Justizminister legte hernach ln Vertretung der Regierung die Gründe dar, die vre Regierung veranlaßt hatten, die Weisung zur Verhaftung der betreffenden Abgeordnete» und zur Durchführung des Verfahrens noch vor Aufhebung ihrer Immunitätsrechte zu erteilen. Die heutige Verhandlung nahm mit dem Verhör BeniczKys ihr Ende. Mit Rücksicht darauf, daß die Müglieder des Ausschuffes noch nicht in der Lage waren, das umfangreich« Aktenmaterial eingehend zu studiere», wurde die nächste Sitzung für Dienstag den 22. d. M. anberaumt. . Der Ausschuß wird in dieser Sitzung einen meritvrische» Beschluß fassen. Die polrrisch-deutschen Verhaudlunge«. Genf. 18. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der ehemalige schweizerische Bundesrat Galonder, der vom Völkerbundrat mit der Führung der deutsch-polnischen Vorverhandlungen, betreffend Oberschlesien, betraut worden ist, hat der deutschen und der polnischen Regierung mittzeteilt, daß die Verhandlungen am 23. d. M,, 11 Uhr vormittags in Genf eröffnet werden sollen. Polen in die kleine Entente einzufügen. Alleist die tschechisch-polnische Allianz schließt nur eine wohlwollende NeutraÜtät in gewiffen Fragen in sich, keineswegs aber bedeutet sie ein unbedingtes Schutz- und Trutzbündnis für alle Fälle. Es ist mehr als zweifelhaft, ob Tschecho-Slowakien zugunsten des ukrainischen. Besitzes Polens oder umgekehrt dieses zum Zwecke dee Sicherung der Slowakei für den Plünderungen von LebensmiLtelgeschäften in Berlin. Berlin, 18. November. Heute Mittage wurden in verschiedenen Straßen Berlin« LebeusmiLLslgeschäfte geplündert, Trupps vor, mehrere« hundert Menschen zertrümmerten die Fensterscheiben der Läden und ranbten sie ans. Drei der Täter wurden verhaftet. Die Washingtoner Konferenz. China. Wrshivgton, 18. November. (Hillvas.) Die Führender neuen Delegationen für die Fragen des fernen/ Ostens haben beschlossen, die China betreffenden^ Fragen nach dein von der amerikanischen Regierung! v o r geschlagenen Pr 0 g r am m zu beraten, wobei.; bei jeder Frage das entsprechende Kapitel der Denkschrift^- der /chinesischen Delegation in Betracht gezogen werden^ soll. - Der e«glisch-sra«zSfische Gegensatz. Paris, 18. November. „Matin" glaubt zu wissen,! Wohd G>eorge habe Balfour ausgetragen, bei &eej Washingtoner Konferenz die Frage des Schutzes hex! christliche u M i nd e r h e i t e rt irr Kleinasien aufzu-' werfen. Balsvnr solle gleichzeitig die amerikanische Re-- gierung auf. den geringen Einfluß des Völkerbundes! im allgemeinen verweisen und sich bemühen, , bei &er; Regierung den englischen Stäydpunkt, der.fich.g.egen! die Räumung Ziliziens und die Ausgabe des! Minderheitsschutzes durch die FMnzasen wendet, ziW; Durchbruch zu verhelfen. England stellt den Ban der Kriegsschiffe ein. London, 18. November. (Wolff.) Wie amtlich gemeldet wird, sind die Verträge über de» Bau dreier britischer Großkampsschiffe bis auf weiteres außer Kraft gesetzt worden. ' ... Die Frage -er MandatsiuseLrr. London, 18. November. (Wolff.) Wie aus Washington gemeldet wird, unterzieht der britische Ausschuß zur Erörterung der Probleme des fernen Ostens die Frage der Mandatsinseln einer besonderen Prüfung mit Rücksicht darauf, daß Staatssekretär Hughes bei der vorgestrigen Eröffnungssitzung des allgemeinen Ausschuffes für die Fragen des fernen Ostens und des Stillen Ozeans darauf Bezug genommen hat. Die Vertreter von Australien und Neuseeland in der britischen Delegation legen besonderes Gewicht auf eine japanische Erklärung, daß I ap an bereitseiri .werde, Zugeständnisse zu machen imd die vormals deutschen Inseln im Stillen Ozean nördlich vom Aequator, die Japan nach dem Versailler Vertrag zugewiesen sind, unterschiedslos dem allgemeinen Handel zu öffnen, vorausgesetzt, daß die Engländer dasselbe bei den Inseln südlich vom Aequator tun, die ihnen zugesallen sind. Die amerikanische Ansicht ist, daß der Grundsatz der offenen Tür auf alle diese Inseln angewendet werdeü sollte. tschecho-slorvakifchen Staat das Schwert ziehen würde. Wenn man alles das Gesagte zusammensaßt, so sieht man nicht nur, daß es noch eine ganze Menge ungelöster Probleme und Gegensätze zwischen und innerhalb der einzelnen Mächte gibt, sondern auch! daß für ihre endgültige Lösung weder zwischen noch innerhalb der großen und kleinen EsttMte die notwendige Harmonie vorhanden itz.