Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1006 (17.11.1921)
- Date
- 1921-11-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr., 1006 Wien, Donnerstag Mie«er Morgerrzerrung 17. November 1921 Seite 5^ Hastigkeit. Für Haupimanns Dichterkrast ist es ja ein Beweis, daß er auch diesen Geist so ganz und gar zu erfassen und m gefialtfn vermag. Doch haben wir dafür bei uns in Dien nicht besondere Fachleute, wie zum Beispiel Beer-Hosmann:.imb Stephan Zweig?- 'Nicht wahr, hehrer, deutscher Dichter, was du im «H'ntenticb**- veikündtst, das bist nicht du selbst, das ist . nicht dein Gci'i! Deines Geistes ist jener Hauch, der über den schlesiichm Wäldern und Bergen, in den Herzen ihrer Bewohne weht, bald lieblich mnig. bald wild tobend und rasend; d «r Ge st, der rn deinen 'großen Werken, nnd mögen sie noch so märchenhaft, erden-- lern anmuten, immer wieder durchbiicht nnd in einem wackeren Teil deutschen Volkstums tief eingewurzelt ist! Das fühlen besonders wir Schlesier, auch tytr unpolitische Knechtschaft geratenen Clidetendcut'chen von dort oben. Und da§ erschüttert mt-3 in deinen Werken! (£§ macht »ms aber auch stolz, daß du einer der Lnseren bist, und zwingt manchen mit unwiderstehlicher Gewalt am d Mischen Volkstum festzuhalten!" Das .Hiricnlicd", Las den geheimnisvollen Prozeß künstlerischer Gestaltung, die mystische Wiedergeburt des Dichterin seinem Helden veranschaulicht, also den tiefsten Einblick mS egene Schaffen, den uns ein schöpferischer Geist bisher gewährte, darstellt, soll nicht Geist vom Geiste seines deutschen ^crfaflerg sein, weil dieser da§ rein Stoffliche des tiefsinnigen Werke- — der Bibel — zu entnehmen wagte! Ob Gerhart Hauptma n n seinerseits auf die Reklainierung seiner Persönlichkeit durch den' »wackeren Teil deutschen Volkstums", in dem eine solche Verständnislosigkeit für wahre Kunst und deren Wrien immer wieder durchbricht, als - einen der Ihrigen stolz ist, wagen 'wir zu bezweifeln. UebpigenS verdächtigt das großdeutsche Blatt die studierende Jugend, mit den Autogrammen, die sie ihrem Ehrengast «abgedriickt", in der Leopoldstadt Schiebergeschäfte zu machen. Die Deutschnationalen wisse« also, wo ein deutscher Dichter wirklich noch Anwert sindrt und wo man demenlsyrechend auch seine Autogramme am einträglichsten anbrinren kann: Nicht 6el den sagenhaften Sudetendeutschen, die angeblich nur durch Gerhart HauptmannS Geist ..mit unwiderstehlicher Gewalt gezwungen werde«, am deutschen Volkstum festzuhalten", sondern eben 1p der — Leopoldstabt. Isidor Kaufmann. Der plötzlich aus dem Leben geschiedene Maler Isidpr Kaufmann gehörte zu den geschätztesten Künstlern. bec älteren Wiener Generation. E-n Darsteller von beträchtlicher Fruchtbarkeit hatte ex sichals Maler jüdischer Sujets eine besondere Note geschaffen. Sein sicherer Blick für das charakteristische Gepräge der engen, aber tiefen jüdischen Welt, der seine besondere Liebe galt, kommt in seiner Abschilderung der dem Studium der heiligen Bücher hingegebenrn weltentrückten Typen zu besonderer Geltung. Kaufmanns bleiche Talmudjünger, sein« Petergestalten. die Knaben mit den tief«, träumerischen Äugen W "das ist wit künstlerischer Liebe sstr das Detail geschildert und mit einer Wärme gestaltet,> in welcher der Mische Erlehenston fühlbar «itschwmgt. Das Leichenbegängnis des akademischen Malers Isidor K auf mann findet heute um 18 Uhr mittags auf dem Zentralsriedhof kl. Tor) statt. Freie jüdische Volksbüline Gastspiel im Lustspieltheater "iRSÄ.flSIslfcScheitel LUW, Eisik Scheftel — Pauli ßaratow (Ben Zwi) 'jgt9T* D a s TKeater ist geheizt! '79% Aus Bett Theatern. " Zm B n r g t h e a t e r findet morgen, Freitag, eine G e« d ä ch l n iß feie i: für Thaddäus Ritttter statt. ES gelangt zur Äufführung „D i eT r a g 8 d i e d esEumene S". Der Boxstellung geht ein von Anion WildganS »erfaßter Prolog voran? dey Frau Pleibtre u spricht. Anfang 7 Nhr. J'm Operntheater geht morgen, Freitag, „Elektra" in Szene. Anfang 7 Uhr. ' In her VolkSoper gelangt heute, Donneretig, «Mab a m e Butterfly" mit Frau de Dcbicks m der Titelrolle zur Aufführung. Beginn'/-8 Uhr. Im Deutschen VolkStheater wurde für Sonntag den 20. d. M-, nachm ttaas Vs3 Uhr. Schönherrs Tragödie eines Volkes »Glaube und Hermat" angesetzt. - In de» K a m m e r s p i e l e n gelangt Sonntag dm 2v. d. M., V-3 Uhr, Wedclinds »Schloß Wetterstein" zur Anssühryng, f kw .8 u st.s v i e l t h e a t e r. (Gastipiel der Freien scheu Volksbühne) geht heute abend? 7 Uhr nach längerer Pause wieder Pinskis erfolgreiches Arbeckcrdrama t f r,k S ch e f t e l", mit Paul Baratow(BenZwi) NN der Titelrolle, in Szene. Dys Stück wird Samstag deu 19. d. M. wiederholt. In der R o l a n d b ü h n t (I ü d i s ch e B ü h n e), B.. Pratastraße 3b. gelangt heute „D \ e Krr nz e r s o n at e", Drgma in vrer Akten von I. G o r d i n zur Aufführung. An dxr Neuen W r e n er Bühne beginnt Paul W e g e n e r Freitag den 26. d. M. sein für sieben Tage anbsraumtes Gastsviel at4 Othello und als Edgar m Strinddcrgs „Totentanz". __ .. Die Anbische Sflodevne veranstaltet heute, Donnerstag, 7 Uhr abegds. im Cafs Margareten. V., Wiehncr Hauptstraße 87. einen Vortrags- und D i s k«j s i o n sabcnd über das Ergebnis des oste,reichischen zionisti'chen Parteitages. Referent Dr. Michael Steinderg. Gäste hetzlich willkommen. Klavierabend zug»«sten de- VolksheimS. Zugunsten des VoUSheims findet D>ensiag den 22. d. M.. V Uhr abends, im großen Saale des Ingenieur-und Archeeklenvereiues, Eschenbachgasie 9, rn Klap rabcnd von Magda Hattinoberg statt. Karten m!< 10 und 60 bei den Hauswarten Eschenbach-- gasse und Kofierpark 7. Mitteiluligku aus dem PubttknM. ZUR VERMÄHLUNG w der Frau Erna Schwarz, 'geh. Weissfisch mit Herrn Oskar Schwarz (Wien) beglückwünschen herzlichst ' Gyula Frostig und Frau Bratislawa. ZUR VERMAHLUNG 9!0i des Fräuleins Erna Weissfisch mir Herrn Oskar Schwarz gratulieren herzlichst Sal. Rubinstein und Frau Bratislawa. Wir gratulieren herzlichst anlässlich der Vermählung des Fräuleins Esti Weissfisch , mit Herrn Oskar Schwarz (Wien). Bernhard Seinfeld und Frau Bratislawa. ZUR VERMAHLUNG des Herrn Samuel Schmidt mit Fräulein Bella Herstein gratuliert herzlichst Familie Kreindter. Erstklassige Preise, grösster Käufer von 5559 ,, Perlen, Juwelen, Platin, Gold, Silber falsoho Zähne kauft von Händlern, Jnwelieren, Zahnärzten und Privaten Wei3?9rena JuwebSer RABSMÖWiTSCM l«i Mahlerstrasse Nr. 5 IS., Hollaneistrasse Nr. 3 Telephon 3fr. 6841 (frühere Stephaniestrasse Haltestelle Opernrinff Tolophon Sfr. 46146) Zugang Karntnerstrasse ^tan beachte die grosse Strassenuhr Samstag geschlossen im eigenen Hanse Nr. 3 Echte Jägerwäsche 4*™! 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Außerdem hat das Warenverkehrsbyreau gegen die amtlich verfügte Aäumung eine B e s i tz st ö r u n g s. k l a g e erbvben und gegen die Zuweisung und die Zinsbestimmung gleichfalls zmeiBeschw.'rd^n an den VerwaltungSgerichtsbof emgebtacht. Die Besttzstörnnghklage wurde vor« Gerichte wegen Unzulässigkeit des Rechtsweges betcits z u r ü ck g e w i e s e n, ebenso hat der Bcrwaltnussgerichlshos sowohl die Beschwerde gegen die Zuweisung der angeforderten Räume als auch die Beschwerde gegen die Bestimmung des Vergütungsbctrages ohne mündliche Verhandlung z u r st ck g e w l e s e n. Dw Beschwerde des W a r e n v e r k e h r S b u r r a n gegen die Anforeernng kommt demnächst zur öffentlichen mündlichen Verhandlung, lieber die Beschwerde der Erdölstelle gegen dir Anforderung wurde die ongeivchtene Entscheidung wegen mangelhaslen Verfahrens a u fgehoben, weil der Verwaltnugsgerichtshof auf dem Standpunkt steht, die Erdöistelle sei eine staatliche Anstalt, weshalb vor Ausspruch des AnsorderungZerk-nntmsieS die Genehmigung d^s- Bürgtrnicisters als Landeshauptmann einzuholen und das Einvernehmen mit dem Mmisterium für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten zu pstegen gewesen wäre. Das Wohnungsamt, daß sich zu diesem Standpunkt deß Be.waltungsgmchtshofes nicht bekennt, da nach der Anwid inngsverorduung diese beiden Erfordernisse nur dann notwendig siird. wenn es sich um von jeder für öffentliche Zwecke benützte Näumlickkeittn handelt, nicht aber, wenn erst solche Räume ohne Bewilligung der Bebörde dem Wohnzwecke entzogen werden, hat trotzdem die vom Verwaltungsgerrchisbof gerügten Mängel zu beseitige», getrachtet, und Aoivh tit Bälde vor dem Mielsenate der Stadt W en in einer neuerlichen Verhandlung Gelegenheit finden, leinen'' N'chisstandpunkt zu vertreten. Damit dürste endlich diese Angelegenheit ihr End? finden. Eme Geldstrafe von 14 Milkiosten Kronen- Veruvte lLc BriksarrLenfchnniggler. . Mit ihrer unk> hört hohen Valuta kamen vielfach Ausländer reale Werte in Oesterreich auf und bangen sie in das Ausland,, um sie dort nnt großen: Nutzen abzusctzrn. lim nun die hohen Zölle zu sparen und alle Scherereien zu yirmeiden, geschieht e§' oft genug, daß solche Werte aus dem gusgeplündertem Land heimlich ins Ausland geschafft werden. Dieser Tage nwt, haben mehrere Kriminalbeamten einen solchm Schmuggler an-- gehalten und ihn der l nanzamtliche Behandlung zugeführt. Er ist der 32jährige Kaufmann Max König zu New-Z)ork gebore», der hier im Hole! Metropole gewohnt hat. Der Mann^ wurde am 15. d. M. im -Hstbahnhole angehalien, als tr! eben einen Fernzug besteigen wollte- Man fand hei ihm eine groß«' Zahl vngesaßler Brillanieu im Werte von vielen Millionen, die' König ins Ausland schmuggeln wollte. König wurde der Finanz« Bezirlsbirektlon zur Nintshandltmg übergeben und von ihr zrr einer Geldstrafe von P i e r z e h u Mil (tonen Krone» verurteilt. Außerdem wird König polizeilich abgeichasit werde». Bezeichnend für unsere Verhältnisie ist es, daß der Mann während seines verhältnismäßig kurzen. Aufenthaltes in Wien nicht wmigrr als z w a n z j g H fi u s e r zusammengekanst hat. . ■ ■ . E-n zweiter Brillantenschmnggler wurde in der Person de§ angeblichen Kaufmannes Isidor Gersten, nach New-Dork znständig, gleichfalls im Ostbahnhof angehalteu. Er wurde'wohl nicht auf frischet Tat betreten, doch stand er im Verdacht, den Brillanten* schmuggel nach dem Ausland gewerbsmäßig zu betreiben. E§ konnte auch der Beweis geführt werden, daß er heimlich Brillant««! nach dem Ausland geschasst hat. Gersten wurde von der Finanz! bezirksdnektion im Ablaßvecfahren zu einer Geldbuße vo«> 400 Dollar verurteilt. Btillanlen hat man diesmal bei ihm nicht! gefunden. Der Antrag des Anklägers im Berliner „Neigen"-Prozeß. Der Prozeß in der Berliner „Reigen"-Affäre ist beendigt. Das Urteil wird heute bekanntgegeben werden. Der Vertret« der Anklage sagte in seinem Plaidvyer, die Aufsührnng d«S „Reigen" fei als Vornahme einer unzüchtigen Hand» l u n g anfzufassen und bie Angeklagten strafrechtlich verantwort« lsch. Er beantrage, die Angeklagten S l .a d e k und E Y s o l d t zu vier Jahren Gefängnis, alle übrigen Angeklggten zu je drei Jahren Gefängnis zu verurteilen. Bestrafung einer deutschen antisemitischear Zeitung. Auf Einschreiten des Zentralvereines deutscher Staatsbürgern jüdischen Glaubens wurde die „Hallesche Zeitung" wegen AuS«! str'emmg von Verleumdungen gegen die Vereinigung gerichtllchj verurteilt. Die „Hallesche Zeitung" berichtete nämlich unlängst,! daß der Vorsitzende der Zentralvereinigung State gedungen habe, die eine Versammlung der deutschnationalen Partei sprenge»! und eilten der Redner hätten tüten sollen. Der Staats«! anwalt von Halle lehnte jedes Ein«! schreiten gegen d i e Z e i t« n g ab. Erst auf Vrv-l anlassung des I u st i z m i n i st e r s wurdm 'zwei RedaktionL-I Mitglieder der „Halleschrn Zeitung" unter Anklage gesteA untz! verurteilt. (I. C. B.) Sport. Die Wettspiele des nächsten Sonntags. Am kommenden Sonntag werden die Meisterschaftsspiels fortgesetzt. Das Wettspielprogramm lautet: I. Klasse: Amateure gegen Wacker, Hertha gegen Sportklub, Floridsdorf gegen Ostmark, Admna gegen W. A. F., Hakoah gegen Rudolfshügel, Rapid gegen Simmering. II. K l a s s e: Slovan gegen Gersthof, Red Star gegen Simmeringer Sp. $$., .Bewegungsspieler gegen Blue Star, Nuß-! darf gegen W. A. C>, Germania gegen Ottakring, Sturm 19141 gegen Cricket, Rennw eg gegen Donaustadt. IV. K l a s s e, S ü d o st:. Feuerwehr gegen Uuitas, Kadmia gegen Hasmouea, Hechawer gegen Prater Sp- C., Hazair gegen Veritas, Athen gegen Vindobona, Meteor gegen Wtitze Elf. Stand der Meisterschaft der I. Klaffe. Mannschaft ß CS 's a S NZ für Tore gegen K Amateure . 7 6;■ T”' - 1 48 6 12 Hakyad . . 8 4 2 v: , 2 . 18 14 ' 10 Sportklub . Rapid... 8 4 ' '' 1 ';l 1 lß 8 9 4 1. -? .22 13 - 9 Hertha . . 7 n :l ■' 1 - 9 8 9 Wacker . . 9 9. - ' 3 lü 14 9 Floridsdorf 9 3 4 10 10 21 . 8 Vienna . . 9 ■! 2 - 4 ' 5 14 * 8. W. Sk F. . 8 3 1 '■ 14 22 ' . 7 Rudolfsh. . 7 1 4 " 2 9 14 -8 - -6 Ostmark. . 8 2 1 5 22; 5 Simmermg 8 2 — . 6 14 22 ' 4 Abmira . ■ 8 1 2 5 16 23 4 Kadima—Hechawer 3 r 1 (2:1), Dieses bedcu'lame Sviel fand auf dem Jedlersdorfer-Platze vor zahlreichen Zuschau rn statt. Man bekam in der ersten Halbzeit einen spannenden Kampf;u sehen, in dem betde Mannschaften sich selbst übetbotep, biS kürch eine krasse Fehlentscheidung des Schieds» Lssonilvi's Ohkasion nachweisbar Original engl, Herren- und Kann & Fpied! QaiPAnittoKe «ehr aragsmerf hsa u. ^327