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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-15 · Heft 1004 (15.11.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1004 (15.11.1921)
Date
1921-11-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gettt 4 Wien Dienstag SMr»»r 9t99§eft$ettsKft 15. November 1921 tk. 1004» Xidj? bald wieder normat sein. Gilt konkretes Hindernis der Vertiefung der Wiirtschaftsbrzrühungen liege nicht vor. Ungarn sei. bereit, konkrete Schritte cinzuleiten, damit die gebesserten Beziehungen zu Italien auch in wirtschaftlichen Vereinbarungen zum Ausdruck kommen. Jnnerpolitifch fei die Durchführung der Bodenreform! und die Regelung der Arbeiterfrage geplant. Die Auflösung der Nationalversammlung würde nur im Falle deren Arbeitsunfähigkeit erfolgen. Keine rumänisch-ungarische Personalunion. Bukarest. 1t. November. (Funüpurch.) Dir von verschiedenen Zeitungen gebrichte Nachricht von einer angeblich beabsichtigten Pir'vnalun-on zwischen Ungarn und Rnmän'en entspricht nicht dm Tatsachen. Eine Skandalaffäre des Gesandten Meeir. Prag, 14. November. (Tel.-Komp.« In der letzten Sitzung des Dudgelausschusses hacke der Abgmidnet: Beran an den Ministerpräsidenten Dr. Bcnesch die Frage gerichtet, ob die über eine Skandalasiaire der tschecho» slowakischen Gesür-dtchast in Brüssel zirkulierenden Mclduu cn ans Wahrheit beruhen. Nach diesen Gerüchten sei der Brüsseler Ge'andre-M t c t r mit einer jungen Amerikanerin nach der Slowakei abgcreist. Als se ne Fra» hievon eruhr, habe sie aus Rache die Möbel der Gesandtschaft, die Eigentum der ischecko-flowali'chen Republik sind, verkau t urd ist mit Staatsgeltenr, unbekannt wohin, abpe rrik. Der Ministerpräsident erklärte diese» Sachverhalt für richtrg »nd bckonte, daß in dieser Angrlkf/uheit eine Untersnchuug bereits >m Gange sei. Tagesbericht. Maler Professor Isidor Kaufmann gestorben. In später Nachtstunde erhalten wir die Nachricht, daß gestern um 9 Uhr abends der bekannte Maler Professor Isidor Kaufmann in seiner Wohnung. Wien, U., Ganöplatz 3. vlötzltch an einem Herzschlag verschiedea ist. Noch am gestrigen Nachmittag arbeitete Professor Kaufmann aa einem Bild, das er beenden wollte. Am Abend ereilte ihn der Tod P.ofesior Kaufmann, ein in weucn Kreisen durch seine Werke bekannter und geschätzter Maler, stand im 70 Lebrnösah e. KulLnsgemeindesragen. Mau schreibt uns: Bereits vor einiger Z-cir hat sich ker Verband der Angesteilwder W'e:wr israelitischen Kultus- Gemeinde einer Gewerkschaft, dem Bund der öffentlichen Angestellten, angeschlossea. Die,A::gstttüm der Tempelvereinc folgen ihm nunmehr nach, obwohl sie lang: Zeit damit gezögert haben. Die finanzielle Situation der Angestellten der Wiener Tempelvereina ist aber eine derart trostlose, daß jedes Bedenken nunmehr gefallen ist. Nach wie vor i't nichts geschehen, uin das dringliche Problem des Verhältnisses zwischen der Kultnsgemeind: und den Aezirksvereinen in Angriff zu nchmen. Man kann speziell vom zionistischen Standpunkt ans über den positiven Wert der Tempelveremr eine recht geringe Meinung haben, sie erfüllen jedenfalls zumindest eine negative Funktion, sie hemmen die völlige Loslösnug d:r assimilierten liberalen Juden vom Judentum. Und gerat: bei der kommenden Umwandlung der Kuliusgemeinde in eine V o l ks g e me in d e, wird es von größter Bedeutung sein, wenn alle Außen- Positionen der Wiener Kehillah organisatorisch erfaßt sind, was bis jetzt entweder überhaupt nicht oder sehr unzulänglich geschehen ist. Tre Notlage ihrer Angestellten ist nur ein SiMptonr für den allmählichen Zerfall und Verfall der Wiener Tempelvererne. Da aber an ihre Stelle keine andere Institution tritt, so entsteht ein „leerer Rauin", der gerade vom nationalen Standpunkt aus höchst besorgniserregend: Konsequenzen hat. Das ohnehin geringe Band zwischen den Asst.milanten und dem jüdischen Volke, der-gelegentliche Besuch des Tempels, wird unmöglich gemacht. ES gibt nur zwer Lüsungsniöglichkeite-n, um der finanziellen Not der Tempelverenie ein Ende- 31t bereiten: Entweder wird der Hauptertrag der KultnSftener ans den Vorortebezirken für die Ausrechterhaltung des Gottesdienstes in den Vororten verwendet, oder aber di« Wiener Knltusgemeinde liquidiert die bisherigen Tempelvereiue und schreitet zur Einverleibung der Synagogen. Im ersten Falle würde:; also die Tempelvereine lediglich B ec n e r n für dre g e m r i n s a m e n Institutionen der Wiener Großgemeinde (Verwaltung, Oberrabbinat, Friedhof usw.) zu tragen haben, aber die Knltusstener ihrer Mitglieder für lokale Zwecke verwenden. Diesen Ausfall an Kultussteuern könnte die Wiener Großgemeinbe dadurch decken, daß sie die Besucher der Wiener Gemeindetempel ebenfalls in Vereinen organisiert und düsen Ztznnpelvereinen die Sorge um den Gottesdienst überläßt. Damit wäre di^ Gleichstellung zwischen den Gemeindetempeln und den Äörortetempeln erreicht, denn es ist durchaus nicht einzusehen, warum gerade die Juden ans Margareten, Favoriten usw. die doppelte Last eines Knltussteuerzahlers und eines Tempetvereinsmitgliedes tragen müssen, warum dev bisherige, ungerechtfertigte Zustand fortdauern soll, daß die Wiener Kultusgeineinde zwar von allen Juden Kultussteuern erhebt, aber für den Gottesdienst m den Bororten nur unzulängliche Beiträge leistet. Mitteilungen ans dem Publikum. Unseren freunden unck velcsnnten zeigen wir an, dass unsere Kinder Jud» WeSnberger und Dora Langer am 21. November d. J. ihre Vermählung in Magdeburg feiern. Isacher Weinberger Salomon Langer Krakau ,-eoj Magdeburg Laura und Josef Rath zeigen hocherfreut die Geburt eines kräftigen Buben an. ^cs Erstklassige Preise, grösster Käufer von Ö5i9 Brillanten, Psrlen, Juwelen, Platin, Gold, Silber fa’seh* JEihuo kauft von Händlern, Inwelieren, Zahnärzten und Privaten SieMjrma Juwelier RABINOWSTSCM "38® I,, Nehlmtrasse Nr. S II., Hollandstrasse Nr. 3 Telephon JTr. 8541 (fVühero Stephanioatrasae Haltestelle Opernring Telephon Kr. 43146) Zuganp Kamtnerstrasse Man beachte die grosse Strassenuhr Samstag geschlossen im eigenen Hause Nr. 3 Möbelfabrik J. Spira Fei». 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Da aber die ‘ nächste Zeit diese Nmwandlrtng. nicht durchsetzbar ist und ' die Not iit den Vororten ein nicht mehr zu übersteigendes Höchstmaß erreicht hat,'verbleibt also die erst« Forderung: Die Vorortsjuden zählen an die Kultüsgemeinde mir einen Beitrag zur Nusrechterhaltung der gemeinsamen Institutionen für Groß-Wien, dieeigentliche Knltusstener wird ausschließlich zur Äufrechterhaltung des Gottesdienstes in den äußeren Bezirken verwendet! Die hier berührten Fragen sind von zentraler Bedeutung für den Weiterbestand eines großen Teiles der Wiener Judenhcit. Sw verlangen eine weitsichtige nationale Politik von unseren zionistischen Mandataren. S'. Letzte Nachrichten. Balfonr akzeptiert -en Agrüsturrgs» Vorschlag. W a s h i n g t s n, 14. November. Offiziell wird angeküttdiZt, daß nt der morgigen Sitzung der Konferenz Balfour eine Rede hatten wird, in der er im Prinzip den amerikanischen Abrüstungsvorschlag annehm cn wird. Finanzen und Begltütschrcibon der Oesterreich! sch-nngarischen Bank bedeckt war. Auch das vom Begleitpersonal, Bramten der Oester» reichisch-nngarischen Bank und der D>rvisenzentrale mitgenommene Reisegeld — inländische und ausländische Valuten — entsprach den Ausfnhrdvkum'snten und dem Reisebedarf, wobei nicht unerwähnt bleibem soll, daß ein im Original der Anzeige richtig angegebener Betrag von 77.330 österreichischen Kronen iit deren Wiedergabe in der Presse mit 777.330 österreichischen Kronen aufscheint. Balsour-Deklarationsfeier in Ezernowitz. Man meldet uns: Die Bnkowntaer zionistische Organ:'' sattou veranstaltete am 6. d. M. ein politisches Bankett zur Feier des vierten Jahrestages der Balfonr-Deksaration, an dem als Ehrengast der englische Konsul Mr. John Cameron teilnahm. Dieser hielt auf die Begrüßungsrede des Dr. Ing. Reiner die folgende Ansprache: Meine Herren! Es macht mir Vergnügen und gereicht mir zur Ehre, heute in Ihrer Mitte dieser Zelebration beiwohnen zu dürfen. Die Geburt einer Nation ist selbstverständlich ein großes Ereignis in der Welt, aber die W re die rgebn r t einer Natron nach 2000 Jahren ist etwas noch viel. Größeres. Es ist ein Ereignis, das nur möglich war bei der jüdischen Nation, welche, obgleich auf der ganzen Welt zerstreut-.'durch. so viele Jahrhunderte es. verstanden hat, ihr» Tr'Mtiou und Ideale zu bewahren. 1; ~ : Ich mutz wohl kaum sagen, daß wir Engländer' für die jüdische Nätsou großes Interesse haben.' Das ins Englische übersetzte Alte Testament bildet einen der Grundsteine unserer Literatur. . ' Im britischen Wiche, dessen Fortschritt, so. sehr vom Handel abhängig ish bilden die Juden ein wertvolles Element. Aber nichr nur int Handel. Soll ich den Namen D i sr n-e l^', eineS^rstserer berühinbeKSr Prepilerministers,' oder ' des Lprd Reäding, Le's. grotzk.jt^.Mief Justice und'jetzigen Vizeköuigs von Indien, in ''Erinnerung rufen?. Meine Herren! Seit ich in Ezernowitz bin, habe 'ich Gelegenheit gehabt, Zenge des Enthusiasmus zu sein, mit welchem die zionistische Bewegung ausgenommen wird,' ganz besonders von der Jugend, genannt Chaluzim, und ich kann nur sagen, daß, wenn ich etn Jude wäre und 20 Jahr: alt, ich könnte mir nichts Schöneres und Idealeres denken, als in solcher Gesellschaft nach Palästma zu gehen. Meine Herren, ich danke Ihnen! Der angebliche MMardenschmuggel. Prstest der Beamtenschaft. Der Betriebsrat der Beamten, Beamtinnen und Küuzleibeamte» de r Oesterreichisrh-imgarischen Bank und der Devisenzcutrale teilt uns mit: Die unverantwortlichen und ungerechtfertigten Verdächtigungen, welche in einem Teile der Wiener Tagesblätter anläßlich eines Silber- und Valutentransportes nach Holland gegen drei Funktionäre sowie gegen das gesamte übrige ^'rsonal der Oefbrrreichisch-nngarischen Bank bezie- ,n/.gsir«ise der Devisenzentvale erhoben wurden, haben in der Beamtenschaft dieser beiden Institute tiefgehende Enjpyruilg airsgelöst. Alle in dieser Angelegenheit ergehenden Berichtigungen könnest nicht genügen, die leichtfertig verletzte Ehre dieser Angestellten vor der gesamten Oefsimtlichkeit in . gänzlich zweifelloser Weise wiederherzustellea. Die Angestelltenschaft beabsichtigte vorerst, ihre Tätigkeit sofort einzustelleu undden .Betrieb in solange ruhen zu lassen, bis ihr nicht seitens aller in Betracht kommenden Faktoren völlig« Genugtuung geboten sein würde. Um jedoch das Wirtschaftsleben nicht einer derartig tiefgreifenden.Störung auszusetzen, hat, has Vertrauensmännerkollegium beider Institute beschlossen, zum Zeichen d es Pro tests gegen diese Verdächtigungen Mittwoch, den 16. d.M. von 0 Uhr bis 11 Ührvormittags die Arbeit an den Kassenschaltern und in den Partelenbureaus rühcn zu lassen. s Die Staatskorresponbenz schvribt: D'er von Kriminalbemnten am 25. Oktober in St. Pölten auf- - gehaltene Expvrßzug Wien—Amsterdam führte in einem besonderen Prrsockenwagen einen Silber- und Valutentransport mit, der von der Deviseirzentrale ausging, aus 65 ordnungsmäßig von der Oestcrreichisch-uugartschen Bank verpackten und mit ihrem S'.-'get verschlossenen Kisten bestand und mit allen erforderlichen formellen Bewilligungen des Bundesministeriutns für * De« Orientalist Profesior Goldzieher gestorben. Der bckarmte Orientalist Uviversitätsprostsior Ignaz G o l dz i e h e r, langjähuger Generatsekrerär der Pester israelnischcn Kulta-temrinde, ist, wie, uns ans Budapest aemclbet wird, cn» garigrne Nacht. 12 Uhr, im Alter von 71 Iahten gestorben. Er bat ausgedehnte Retsen im Orient unternommen, habilitierte sich im Jahre 1872 an der Budaprster Universität und wurde dort im Jahre 1893 zum Piofrsior etnannt. Zahlreiche seiner Geile, darunter die Abhandlangcn zur arabischen Philologie und seine mohammedanischen Srndien, haben in Fachkleism grobe Anerkcnnnng gesunden und vielfach urue Wege der Forschung gewiefere. * Jüdische Kindersieeunde. Dieustaa de« 29. d. M-. 7 Uhr abends, findet im Heim, II, Ödere Donaustraße hl, bi: II» ordentliche Generalversammlung de- Vereines Indilche Kmderfreunde mu foleender Tagesordnung statt: 1. TängteliLbericht, 2. Kassenbericht, 3. Slalnttnänderung» 4. Rrnwahl rcs Voistandes, 5. Eventuelles. Antläge mästen drei Tage vorher'nu Sekretanaf, Wien, U., Obere Donaußiüße.SI, schriftlich eingebracht werden. - * Freiveranstaltutttzen de» H«r««ch Als erste Veranstaltung findet heme. präzise *ftll Uhr, eine Exkursion in das JüdischeMuseum, H-, Malzgasse 16. siait. KnsioS Prosesior Dr. Jakob B r 0 n u e r hat in liebenswürdiger Wusr d»e Führung Übernommen. Rktzietmlrag K 10. * Ueberfiedlu«- der Ischecrjo.ilswakischs» GesarrDtfchaft. Die tickecho-sloivakische Gesandischaf! in Wien üb rsie.'-u von ihrcm bishcrigen Sitz, »tHf., Penzmgerstraße I!. m D.u llobkowitz-Palais. l., Lvbkowitzplatz 2, wo sie beceüS ab 15. 0. 'X>>. amneien wird. Das Genrralkonsulat vcrblcibr auch weiterhf.i im Cumberland-Patais, XU!., Penzingerstraße 11/18. * Nenreselung der Lohn beding»,igen -erHandetsarbeiter. Durch Verbandlunzen zwischen dem Greliinnn der Wiener Kaufmannschaft und dem Arbeiteraustchusse des Gr - miumS sind für sämtliche Handetsarbriter tGeschänidie:'?'. Bureaudiener, Packer, 'Packerinnen. MagazinSarbeiter, Ani-u^ü' Wärter, Reinigungspetsonal, Vausburlchen. sonstige män.n Arbeiter aller An) der beim Gremium der Wiener Kauimr.m - ichaft inkorporierten Handelssiunen bie Wochennmidestlöhne ßuf Grund des abgrickloslenen KollektivvettragrS neu g e r c g r 1 t morden. Die Mindesttöhne betragen von 81. O kl0 b er ickül an iür Arbeiter itub Arbeiteunnen bis zuin vollendc'..« 17. Lebensjahre K 1900, iür mmmtiche Arbeiter unier 22 Iabre.l L 2800,!ür «lännUche Arbeiter über 28 Jahre K lOOu, mc weibliche Arbeiter utiler 22 Jahren K 2460, fijr weibliche '.'tibeile'.' über 32 Jabre 3800. Die Löhne der Kntjcher betragen i( Jetzt wieder Geiegenheitskäufe feinster Herren- und Damen- Karl Schwarz & Co. Stoffreste sehr preiswert bei sMT VI. Windmübl^asse 2 6918

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