Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1001 (11.11.1921)
- Date
- 1921-11-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis JL4L Kronen Einzelpreis MH«»ww«»wrri'a?ffiBaBaBi Srämtmerali-ttspreife: W ten: Z«m Ävliolr» in d« Cxvedition, Bezirk» Tabosft.trnfcc 1 diö H, oiict' in einte BcrschleißslcUc (Trafik): Monatlich. kknancy 387.— Mit PosivcrsaiiL für Wim Md Lest erreich: . Monatlich. ikronen 380.— Tschecho-SIowakeir Monatlich . . Kronen 18.— vierteljährlich .. 54.— « rschecho-siowakiicher Währung Ungar«: Monatlich. . Kronen 70.«» vierteljährlich . in uiigarilchn Währung Jugoslawien: Monatlich. . -Dinar 15.-7vierteljährlich m 45.— Nr. 1001 •ä'<v A riin ilmeraiionsprerse^ Polen: j Monatlich. . Mark 500.-. nt polnischer Währung;\$ Deutschland: ■ Monatlich. . . Mark SO.^ Monatlich . . . Francs 0^ Statt eit: jj Monatlich.... Lire 6*?* Rnrnänien: ' .,*! Monatlich. . . .Lei 30,— Schweiz u. das übrige Ausland Monatlich. . .Francs 3 Redoltio» ».Administration Wie», «.Bez.-Taborstr. 1—3 Tele>»lw«e: 44038, 4331« mb 6 Uhr abenvÄ Nr. 103 vH Wien, Freitag den 11. November 1921 3. Zahrgang Gegen die Juden ist alles erlaubt. —y. Wien, 11. November. Als Vorfeier für den vierten Geburtstag der österreichische^ Republik hat die - sozialdemokratische Fraktion des Nationalrates gemeinsam mit den Großdeutschen und den deutschen Bauern den Wiener Juden das Recht auf Vertretung im Landesschulrat genommen. Es soll damit wohl der Satz in der den Festoersammlangen vorgeschlagenen Resolution bewiesen * werden, „daß die Republik mit ihren neugeschaffenen politischen Freiheiten und sozialpolitischen Errungenschaften eine Reihe großer moralischer Kräfte ausgelöst hat". Es entspricht wohl nur dem Freiheitsbegriff der -sozialdemokratischen Abgeordneten, wenn ein so großer Teil der Bevölkerung Wiens ohne Vertretung bleibt. Zwar will das Zentralorgan dieser Partei glauben machen, die, Streichung des „RabbiiEs" sei nur aus taktischen Gründen erfolgt, um einen neuerlichen Einspruch das Bundeprales gegen das auf solche Weise, verfassungswidrig gemachte Gesetz zu provozieren. Diese Erklärung reicht aber nicht aus, um die widerliche, ekelhafte Schimpfszene zwischen den Sozialdemokraten und Christlichsozialen zu begründen, und sie gibt vor allem kein Motiv für die Rede, in der Abgeordneter Seitz den Standpunkt seiner Partei vertrat. Daß der jüdische Rabbiner die „Inkarnation des Judentums" darstelle, kann man schließlich trotz der offenkundigen -Unwahrheit dieses Ausspruches noch hingehen lassen. Aber daß im Wiener Stadtschulrat ein Jude die Seelender Kinder mit seinem jüdischen Geiste nHäist< . -dieser. Anspruch stempelt diesen. Seitz zu estiem tvürdigen' Gesinnungsgenossen der Jerzabek und Richl, die -ja: auch' nichts andere^-behaupten und politisch von der Dummheit leben,daß die jüdische Denkart gefährlich fei.- Wenn dieser jüdische Geist vergiftend wirkt, weshalb nennt sich dann Seitz einen Schüler des Karl Marx? Weshalb duldet er daun Fritz Adler, Otto Bauer, Danneberg Md Austerlitz in seiner Partei? Weshalb läßt er sich -die vielen, vielen jüdischen Genossen gefallen, auf deren geistiger Arbeit allein die theoretische Entwicklung der Sozialdemokratie beruht? Weshalb läuft dann Seitz an der Spitze seiner Gefolgschaft vor den Wahlen den jüdischen Wählern nach?. -• Das Judentum ist nicht als Nation anerkannt. Es kann deshalb die Erziehung seiner Kinder in der staatlichen Schule nur in der Form beeinflussen, daß es als Konfession die Gleichberechtigung in dieser Frage in Anspruch nimmt. Das ist ein selbstverständliches Recht, das auch niemals angezweifelt wurde, dessen Ausübung auch zu keiner Zeit zu einem Konflikt geführt hat. Vom nationalen Standpunkt aus gehen unsere Anschauungen freilich über das Ziel hinaus, das durch Mitarbeit im Stadtschulrat erreichbar wäre. Aber unser Schulprogramm führen wir seibst durch und wünschen dabei unter voller Anerkennung des staatlichen Auffichtsrechtes unsere nationale- Autonomie. Aber wir geben kein Recht auf und verzichten nicht, solange jüdische Kinder die allgemeine Schule besuchen müssen, aus unsere. Vertretung in der Aufsichtsbehörde. Diese Vertretung ist niemals' durch einen Rabbiner erfolgt und war immer eine|n Mitglied des Kultusvorstandes anvertraut, lwas ja auch der sozialdemokratischen Forderung entspricht. daß alle öffentlichen Funktionen durch gewählte Personen auszuüben sind. Wir haben ja. wie bekannt, auch bezüglich der Wahlen zur Führung der Kultusgemeinde die Anwendung des demokratischen Prinzips der allgemeinen, gleichen und verhältnisgemäß zu erfolgenden Wahl verlangt. Die Sozialdernokrarie hat dafür kein Verständnis gezeigt. Aber selbst wenn der Vertreter der jüdischen Konfession. ei.w Rabbiner . wäre, so ginge . das nnr das Judentum, niemals aber die Sozialdemokratie auch nur das geringste an. Der Einwand von der Vergiftung der Seelei?ftammt aus den Geheimnissen der Weisen von Zion. Es ist eine Schande, ein charakteristisches Merkmal für den Tiefstand unseres öffentlichen Lebens, daß der Führer der Sozialdemokratie, der erste Präsident der österreichischen Republik, aus dieses Niveau gesunken ist und sich dabei die ihn von unten aus dementierende Korrektur seines Zentralvrgaus gefallen taffen muff: »Aus einen wirkliche» Die Verhandlungen über das Plebiszit in Oedenburg. Optimistische Auffassung der österreichischen Regierung. Der Ausschuß für Aeußeres hielt gestern nachmittags unter Vorsitz des Obmannes Hauser eine Sitzung ab,, an der auch der Vundesmimster für Heerwesen Oberst Wach t er teilnahm. Nach Eröffnung der Sitzung erstattete Bundeskanzler Schober einen eingehenden Bericht über den gegenwärtigen Stand der westungarischen Frage. Es wurde kein Beschluß gefaßt.. * Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Die heutige Sitzung des Ausschusses für Aeußeres wurde einberufen, weil seit der vor mehr als drei Wochen abgehal'.enen letzten Ausschußsitzung sich Ereignisse zugetragen haben, die es notwendig erscheinen ließen, die Mitglieder des Ausschusses über die von der Regierung zur Erledigung der westungarischm Frage in der Zwischenzeit unternommenen Schritte zu unterrichten. Bekanntlich Haider Ausschuß die Regierung zur Fortsetzung der in Venedig begonnenen Verhandlungen und zu deren Abschluß unter entschiedener Wahrung der Rechte Oesterreichs und der burgen ländischen Bevölkerung ermächtigt. Im Sinne dieses Beschlusses, der den interessierten Mächten mitgeteilt wurde, hatte die österreichische Regierung mit der ungarischen Regierung Fühlung genomen, um ergänzende Verhandlungen über. das im Venediger Protokoll vorgesehene Plebiszit entsprechend den wtzNi-Wsschuffe geäußerten Wünschen durchzusühren. Der Rest a u r a t i o-it s v ecf u ch in Ungarn hatte Zunächst- .-eine- Verzögerung der nn gar: sch e n A nt wort zu r F o l g e. Aeberraschendenveise ist es aber gerade in den letzten Tagen der ungarischen Regierung angeblich gelungen, die Räumung des Vurgeulandes durchzusetzen. Für die ö st e r r e i sich e R.e g i e t u n g ergab sich die Notwendigkeit, n e u e r l i chaus die 2l u snähme der Verhau d lu n g e n zu dringen, und' der Stand der österreichischerseits mit allen kompetenten Faktoren geführten Besprechungen berechtigt zu der Annahme, daß eine rasche Bereinigung der nach dem Venediger Pr' )ll noch offenen Fragen zu gewärtigen sei. Der -Bundeskanzler hat diese Situation dem Ausschuß in erschöpfender Weise dargelegt und an seine Ausführungen knüpfte sich eine eingehende-Debatte, an der sämtliche im Ausschüsse vertretmeil Parteien teilnahmen. Am Schluffe der Sitzung berichtete noch Bundesminister für Heerwesen Oberst Wächter über die zur Besetzung des Burgenlandes Militärischerseits getroffenen Vorbereitungen. Eine Beschlußfassung des Ausschusses unterblieb, weil der Regierung schon durch den Ausschußbeschluß vom 18. Oktober die nötigen Vollmachten erteilt sind. Einmütig trat jedoch der Wunsch zutage, daß die selbstverständlich noch notwendige parlamentarische Genehmigung des durch eine Detailbestimmnng über die Volksabstimmung in Oedenburg und Umgebung ergänzten Venediger Protokolls mit größter Beschleunigung anzustreben sei. ' - *! - - Aus Wiener - Neustadt wird uns. berichtet: Eine Kundmachung des Bürgermeisters der Stadt Oedenburg vom 6. d. M. läßt keinen Zweifel übrig, daß die Volksabstimmung in Oedenburg ra einer für Oesterreich nachteiligen.' Weise durchgesührt > werden soll. Nach dieser Kundmachung waren stirnnn berechtigt diejenigen, welche in die Wählerliste vom Jahre 1920 ausgenommen sind sowie jene, die im Jahre 1920 noch nicht stimmberechtigt waren, jedoch am 1. Jänner 1921 ihr 20. Lebensjahr überschritten haben oder seit sechs Monaten in Oedenburg wohnen. Die ch letztere Kategorie fallenden Männer und Frauen haben sich bis spätestens — 9. d. M. zu melden. J 4 Da diese Kundmachung amtlichen Charakter tragt, ist anzunehmen, daß sie im Einvernehmen mit der Oedenburger Generalsmission erlassen worden ist^ % . Oedenburg, 10. November. Die ungarische Propagandatätigkeit ist in vollem Gange. Flüchtlinge aus dem Banat und Siebenbürgen, meistens ung'arische Staatsbeamte sowie Schemnitzer Studenten der dortigen Hochschule für Bergbau, gehen von Haus zu Haus, um Unterschriften für Ungarn zu sammeln. Meistens werden diejenigen Bürger, die sich weigern, mit scharfen Maßnahmen bedroht, so daß sich einzelne Wahl< berechtigte scheinbar zu der selbstverständlich, angesichts des Zwanges vollkommen unverbindlichen, Unterschrift Herbeilasien. Seit gestern sind die Gendarmerieposten im gesamten Abstimmungsgebiete bedeutend verstärk^ worden. Die AHrüstrmZskonferLnz. ' Washington. lO. Mvember. (Tel.-Komp.) $t<?’ erste morgen stattslndende Sitzung der Abrüstungskonferenz wird nur' sehr kurz fein und dann auf den 12. November verschoben werden. Am -12. November, wird Präsident Harding eine Ansprache halten und hierauf wird die Prüfungder Mandate der Delegierten und die Wahl des Vorsitzenden erfolgen. Die Konferenz wird sodann erneut auf den 14. November vertagt. An diesem Tage wird die erste beratende Sitzung staitsmden. Die Heiden ersten Sitzungen werden öffentlich sein. In der Sitzung am 14. wird die Konferenz bestimmen, welche von den späteren Sitzungen der Oesfentlichkeit zugänglich sein soll. Genf» 10. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) Im Text des Glückwunschtelegramms, das die internatio< uale Ärbeitskonferenz auf Vorschlag des Präsidenten Burnham an die Abrüstungskonferenz in Washington gesandt hat, heißt es unter anderem: Dis dritte internationale Ärbeitskonferenz bittet den PrM deuten der Vereinigten Staaten, den in Washington versammelten Delegierten ihre «ärmsten Wünsche fürj den Erfolg ihrer Arbeit darzubringen. Die Vertreter aller Nationen, die' hier versammelt sind, um' bessere soziale und wirtschaftliche Bedingungen: durch eine internationale Zusammenarbeit anzustreben,j drücken die Hoffnung aus, daß die Konferenz < vovt Washington durch die Anwendung der gleichen Methode, ein dauerndes und solides Werk schaffen werde, um endlich den Weltftieden herzustellen, ohne den em soziales Gleichgewicht und ein wirtschaftlicher Fortschritt nicht gesichert werden kann. Alle sind überzeugt/ daß die Versammlung der Vertreter der großen amerikanischen Republik und der anderen großen Nationen des Ostens und des Westens nicht ansteher: wird, auf wirksame Weise der Sache der Menschheit zu dienen^ Mögen ihre Arbeiten zu den besten Resultaten führen.! Einfluß der drei Virilisten kann natürlich in dem etwa aus neunzig Mitgliedern bestehenden Stadtschulrat nicht gerechnet werden." Was Us also mit der Vergiftung der Seelen? , Wenn es den Sozialdemokraten um die prinzipielle DurchkLmpsung ihrer Doktrin ginge, daß die Religion Privatsache fet/ dann müßten sie genau formulierte Anträge auf Abänderung der Verfassung im Sinne der Trennung der Kirche vom Staate stellen und die Ausschaltung des konfessionellen Moments aus der Schul gesetzgebung anstreben. Das tun sie nicht, weil sie vor der Entfesselung des Kulturkampfes Zittern und Well ihnen die Freundjchajl der Bauern» denen sie mit ihrer Getreidegesetzgebung das Proletariat samt dem Mittelstand in die Wucherhände geliefert haben, zu sehr am Herzen liegt. Statt dessen üben sie' ihre Parteitaktik auf Kosten der Juden, deren Wehrlosigkeit zu solchen Scherzen direkt einlädt. Aber wenn Seitz meint, daß der Oberste Rat eine Verletzung des Friedensvertrages huldvoll verzeihen wird, wenn oder weil sie nur gegen Juden begangen wird, so irrt er sich. Das wird nicht geschehen. Aber es ist nicht so unwichtig, anzunehmen, daß sich Seitz ganz auf die Sette des Waber begibt. Es werdenwieder Wahlm kourmen. ------ ÜS9SPM* - . MimllliwiII.HliTHTÜ'11 "