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Wiener Morgenzeitung · 1921-11-08 · Heft 998 (8.11.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 998 (8.11.1921)
Date
1921-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelpreis JL4k Kronen \ L72N28N Nränmuerattsnspreise: <B itm S»« AVIjvlcn ut d» Expedition, Ü, Bezirk, Taborpraß» 1 bis 3, ult* in einer BerschlrWelic (Trafik): Monatlich. Krone» LS^.— Mit Postvrrsand iLr Wir« und Oesterreich« Monatlich. Krone« SSV.— Tschecho.SlvLalki: Monatlich.. Kronen 18.— Bierteljichrlich , S4 — i» Ischecho.slowatischer D-Yrnng Ungar«:. Monatlich. . ttxsrie» vo^a, lvierteijährltch , v»©.— in ungarischer Mhrnng Jugoilawien: Monatlich- . Dinar 18.— «Vierteljährlich . , 45»— Z'ränumeratisvspxeise: ^olr«: Monatlich. . Mar! 5©©<^. in polnischer Währung : y Deutschland: Monatlich. . . Mark S0.—. Frankreich: J M-natlich. . . FraneS «!.- Italien: i Monatlich.... ^ire 0.— _ Rnmäniku: .! Monatlich.... Lei 30.— Schweiz u. dar übrige Ausland Monatlich . . . Francs 8,—! „ Redaktion «.Administration *, Wien. .Bez.,Taborstr. 1—Li Lelephone: 44©N8, 4331^ »d « Uhr abends Nr. ML01 Vostioarkaisenkonto 150.6S3 Mg^^WWMWW>>WW>WWW»MWW»»«»M»»I»M>»«Vef»^*v »I»f»aWWlW»>WW>>>>>W>M>>WWU>e«M»»WW»MMlW»>»WMWWWMW»W>>W»»»W>M»»»»>Wl>>M»WW>MW»>WWW»W>WM>>WM*''^—''- - "«Mg»UHWWMWWWM«>»WWZ»MWWRMM>.W,«WE'-Z»LU>>«UI Kr. 988 Wien» Dienstag ven 8. November 1921 3. Jahrgang Westungarn von den Aufständischen geräumt. Eine ungarische Meldung. Budapest, 7. No verüb er. Das Ungarische Telegraphen-Korrespondenz-Burean meldet: Die westungarischen Gebiete sind von den Aufständischen geräumt. Sämtliche Aufständischen, die k^ine Westungarn sind, haben das Gebiet verlassen und sind zu ihrer friedlichen Beschäftigung zurZckgekehrt. Oesterreich verlangt Sicherheiten. Zu dieser Meldung wird dem Telegraphen- Korrespondenz-Bureau mitgeteilt, tatsächlich sei festzustellen, daß eine Bewegung der Banden im Zuge ist. Ob aber die optimistische Auffassung. daß das Burgenland bandenfrei ist, zutrifft, muß erst festgestellt werden. Denn auch schon im August hat die österreichische Regierung auf alle ihre Mitteilungen, daß sich im Burgenlande Banden bilden, stets beruhigende Zusicherungen erhalten und alle Besorgniffe, die die österreichische Regierung äußerte, ja selbst die konkreten Beweise für die Bandenbildung wurden damals von der ungarischen Regierung als unbegründet bezeichnet. Jedenfalls wird die österreichische Regierung sich nunmehr Sicherheiten verschaffen und dann das ihr zugefprochene Gebiet in einer den Besitz des Landes gemährl-üsiend-n Weife besetzen. * Wie wir inm-.n, i;öt sich die Großmächte gewendet. daß sich in W e st u n g a r n Ercigmsse vorbereitm. die der im Venediger P.-otökoll in Aussicht genommenen Regelung der westungarischen Frage zuw:d ei laufen. Wie in parlamentarischen Kreisen verlauset, erwartet die Regierung noch im Laufe des heutigen Tages die Antwort der Botschasterkonserenz auf die am Samstag unternommene Demarche. J Bundeskanzler Schober wird in der für Donnerstag drn >9. d M. rinbernfenen Sitzung des Ausschuss s für Aeußeres über den Stand der burgenländischen Frage berichten. Bis dorthin hofft man, daß auch m der Frage des für Oedenburg jeft.m* stellenden Abilimmungsstaiuts eine Klärung emgetteten sein wird. Der österreichische Gesandte in Paris E i ch h o s f erschien heule beim Vorsitzenden der Botschafrerkonferenz Cambon, um;«t dnser Angelegenhüt die berechtigten Wünsche der österr'chächm Regle-ung vorzubringen. EirrsteCrmg des Arrgsverketzrs. Budapest, 7. November. Das. Ungarische Tele-' graphen-Korrespondenz-Bureau meldet aus Oedenbmg: Die Direktion der Staatsbahnen hat gestern den unmittelbaren Verkehr mit Westungarn eingestellt. Auf den Linien Oedenburg—©uns, Oedenburg— Kiltsee, Eisenstadt—Ruszt, Körmend—Güssing und ben übrigen westungarischen Linien ist der Zugsverkehr eingestellt. Auf den Linien der Raab-Oedenburg-Ebenfurther Eisenbahn sowie der Südbahn verkehren die Züge fahrplanmäßig. dic öüc>r stniüe N gieiung an um üe darauf aufmerksam zu machen, ^-Oie MKMhen - in JTrusslem. '/ ' '' """ ■ . V s (Von unserem Londoner Korresponl-enSeff?)^^^ Das Mißtrauen. —y. W c e n. 8 'jiui, iUH'-. : ^Die österreichische Regierung wird heute dem Nationalrat den S.taatsooranschlag für das Jahr 1922 vorlegen, der mit einem Defizit von 140 Milliarden Kronen schließt. Der Banknotenumlaus hat die Summe von. 90 Milliarden überschritten, die neuen Beamtenforderungen belasten den Haushalt mit fünf Milliarden. Um den Eindruck dieser Ziffern abzuschwächen, nmd von seiten des Ernährungsamtes versichert, daß die Lebensmittelversorgung Wiens für Monate hinaus gesichert sei. Andere Mitglieder der Regierung verweisen aus die bevorstehenden Maßnahmen der Finanzverwaltung. die die staatlichen Zuschüsse zu den Ernährungskosteu abbüue und auch mit der Reduzierung des Beamtenftandes Ernst machen wolle. Aber die im Wesen richtige Heilung des Budgets durch die Einstellung der Zuschüße hat ihre Wirkung vorerst in einer neuerlichen gewaltigen Zunahme der Inflation und dadurch ein weiteres Abbröckeln der inneren Kaufkraft der Krone gezeigt. Der Arbeiter und Angestellte, der sein Brot teurer bezahlen muß, stellt Lohnforderungen. Uebernimml der Arbeitgeber vom Staate die Leistung der Zuschüße, so: erhöht er die Gestehungskosten. Aus dieser Rechnung ergibt sich dann die beschämende Flucht zu dm fremden Valuten, deren Kursentwicklung von Zeit zu Zeit geradezu eruptiv ausbricht und vielleicht in Bälde dazu führen wird, daß alle öffentlichen und privaten Angestellten die.Annahme ihres Lohnes in der gesetzlichen Währung verweigern werden. ' - Die Mäimer der Regierung zeigen einen schönen und,' wie wir meinen, nicht unberechtigten Optimismus. Die Krise wird überwunden werden, so wie Oester- : mE. seit dem Bestände der Republik -schon einige sHliMMS^FieManfälle überwunden hat. Aper' diesem^ .OptMSMus steht als gefährlichster Feind das Mißtrauen der'reigenen^ Bevölkerung. insbesonM^Mk' städtischen, gegenüber, hie da weiß, daß sich in den Tresors der Banken und in den Truhen der Bauern die fremden Zahlungsmiltelin Mengen befinden, diehinreichen würden, die Notenpresse zum sofortigen Stillstand zu bringen und dem Defizit energisch an den Leib zu gehen. Die psychische Voraussetzung für eine aussichtsreiche Bekämpfung des inneren Mißtrauens wäre Sparsamkeit auf allen Punkten. Wenn Regierung und Parteien den entschiedenen Willen dazu zeigen würden, mit der Errichtung neuer Aemter, mit der Lizitation in populären Forderungen aufzuhören, dann könnte mit vollem Recht das Publikum zu Ruhe und Geduld gemahnt werden. Aber dieser Beginn der Selbsthilfe, von der jüngst der Finanzminister sprach, ist kaum zu sehen. Im Finanzapsschusi ist vor kurzem darüber Klage geführt worden, daß die Gebarung der Gemeinden und Länder keine Rücksicht auf die Knappheit der staatlichen Mttel nimmt und indirekt von der Ftnanzverwaltung durch Zuschüsse auf außerparlamentarischem RZege unterstützt werde. . Die Krankheit unserer Staatswirtschaft ist schon zu weit, vorgeschritten, als daß sie durch die kleinlichen Mittel von Steuererhöhungen geheilt werden könnte. Das rein mechanische Erhöhen der Einnahmeziffern ist wertlos und kann niemanden befriedigen. Nur eine Reform des öffentlichen Lebens, strengste Sparsamkeit, Erhöhen der Produktion kann "einem Ausweg schaffen. Das Vertrauen der Massen, die heute keiner Partei mehr glauben und jedes Comnmniquö über die sagenhaste Kredithilfe zornig glossieren, kann aber nicht durch die Demagogie der Parteiführer gewonnen werden. Das Volk glaubt lluch nicht mehr an die Phrcffen der Stcaßenfchreier, es will die Tat sehen, die ihm wieder Mut und Freude am Staat bringt. Mit Straßenumzügen, mit einer Politik des Chauvinismus und mit der Waberei ist'heuleckem Zeller mehr zu ersparen,-kein Budget zü sanieren. ' ' - .Die zi««iftische Amerika-Delegation. > London, 5. November. (Privat.) Heute ist die zionistische Ametikadelegütion, bestehend: aus :'@ o k o-! o w, Professor W a r b u r g, I a b o. t i n s k y und G o Idstein nach.Amerika rckgereist. Voraussichtlich wird sich Ende November auch Weizm a n n nach Amerika begeben, um an der Propaganda für Den K r r r» H aj e j so d MtMsuken» Am 2. November, dem vierter: Jahrestag der B also ur- Euktärung, haben wiederum ernste Unruhen :n Jerusalem stirttgefunden. Schon einige Tage vorher war in Palästina eine Stimnmng vorherrschend, die den Ausbrrrch van Unmher: befürchten ließ mtb, wie gemeldet wurde, beabsichtigten die arabischen Kaufleute zum Zeicherr des Protestes gegen die Balfour-Deklaratwn die Läden am 2. 'November geschlossen zu. halten. Der englischen Regierung wirr es bekannt, daß in Palästina wieder Uinruhen geplant seien und die antiseniitische „Morning Post", welche bekanntlich den arabischen Widerstand gegen den Zionismus fördert, brachte am 2. d. M. die folgende charakteristische Notiz: „Anläßlich des vierten Jahrestages der britischen Deklaration''zugunsten einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina haben wib Teleg ramme der muftlmanisch-christlichen Organisatiouen von Jerusalem und' Jaffa und vom palästinensischen Komitee ln Aegypten erhalten. Sie wiederholen ihren Protest gegen Mr. Balfours Deklaratwn./Dtkse wird, so erklären s:e, der Grund für ständige Unzufriedenheit und Unruhen in Palästina Lleiben, wo an demselben Tage und ans derselben Ursache' «einander entgegengesetzte Manifestationen stattfinden werden, solche der Trauer bei den Palästinensern und solche der Freude bei den Zionisten." Die palästinensische Lvt'alregierung hatte erklärt, es würden die einergischesten Maßregeln zu Aufrechterhaltiuig der Ordnung im Lande ergriffen werden. Nach den bisherigen Nachrichten kann mai: noch nicht klar sagen, ob die palästinens.sscho. Regierung wirklich. alle nötigen Maßregeln ergriffen'und so weiteres Unheil verhindert hat. Die Unruhen scheinen auf Jerusalem beschränktgewesen zu sein, in Safed hat'ein arabisches Komitee chiert Protest gegen die Balfonr-Deklaratiion erlassen. -;; r Auf jeden Fall haben sich die getroffenen Maßregeln in Jerusalem als unzurercheud erwiesen. Tatsache: ist, daß in der jüdischen Bevölkerung von Jerusalem große Nlizufriedeuheit.über dm Gouverneur General Storrs herrscht, der von früher her als Gegner , der jüdischen Rechte bekannt ist und ■ dessen Verhalten wiederholt Anlaß. zu berechtigter Klage gegeben hat.' Eine Renter-MelöMg verbreitet' das folgende Delegramirr des High. Gommissionev" vom 2. Novenrber an das Londoner. Kolonialamt: „Diesen Margen fanden in Jerusalem.Ustmhen . statt, nachdem eine kleine Grupe von arabischem. Mob' sich in der Jaffaerstrahe gezeigt hatte. Sie wurde durch' bi^Pölizei zerstreut, sammelte! sich jedpch bald wieder,-, um ’ düs j ii d i-s.ch-e. Bne r te-l^a «- zu greife». Dies wurde von d,°r Polizei verhindert. Zwischendieser u„d-de,n .Massen n;-'. jnois^eu Pter.rl wurde.«:. .LytiZe Schüsse gewechselt.. M watde geworfen und es kam zu einigen Messerstechereien. Truppen - patrouillierten durcl, die Stadt und der Gouvemeur mit dem Truppenkommandanten und einer Anzahl von nvoslemitischeu Notabeln zogen durch die Straßen. und stellten-die Ordnung wieder her. Vier Juden und ein Araber wurden bei diesen Unruhen g e t ö t et fünfzehn Personen wurden v erw un d e t und .e in H aivs g cpl ntrt.bcrt. Eine Anzahl Verh ast tun g en wurde, - vor-genommen und die Schuldigen werden morgen summari.sch «bgenrterlt werden." Wie von jüdischer Seite aus Jerusalem gemeldet wird, hielten die Araber am 2. November die Läden geschlossen, wodurch sich die Indenveranlaßt sahen, ihre Läden uiw (10 Uhr zu schließen. Während des Tages ereigneten sich viele Angriffe in der Altstadt; die Zahl der Verwundeten beträgt 39, davon wahrscheinlich 25 In den. Zahlreiche Verwundungeu rühren von Messerstichen her. Die allgemeine Meinung - gehe dahin, daß von Anfang an energischere Maßregeln, nötig waren und die jüdischen Ver-- tretnngskörper haben die Einleitung einer Untersuchung ge-! - fordert, damit die Verautlvortlichkcit für das Geschehens festgestellt werde. Sie' verlangen, daß Gouverneur S t o r r s i inzwischen von: Amte elnthoben werde. — Soweit bisher ^bekannt wurde, herrscht überall ich Lande Ruhe. Die Zahl der Verhaftete«: beträgt vierzig. s Die bedauerlichen Ereignisse füiib zweifellos eine Folge' der ständigen Verhetzung der Araber und der Vorfall tzeigtwieder, «vie dringend eine Klärung der politischen Situation im Lande ist. Die erste Bedingung hiefnr ist die endgültigs' - Bestätigung des Mandais, ferner Maßnahmen der englische«: Regierung, aus denen ilar tzervorgeht, daß sie zur Realisierung des Inhalts der Balsaur^Detsaration entschlossen ist. Ausreichender Schutz für die jüdische Bevölkevung m«d die Freigabe der Ennvanderumg -— das ist die conditio sine qua» ü'vn für jede produktive Tätigkeit und die Herstellung dev Ruhe im Laude. Rach dein Mißerfolg der arabischen Delegation in London, welcher Sir Herbert Samuel viel mehr Entgegenkommen gezeigt ha: als die Londoner-Regierungsstellen, eklatant geworden ist, «väre cs au der Zeit, daß die Regierung aus ihrer Reserve yerauStrcte und durch eine präzise Umschreibung ihres Standpunktes der nnterirdischeL. Hetze drn Bober: entziehe. BeruhLsrrngsaufrUfe der arabischen ' -Rotabel«.- , ' Jerusalem, 5. November. (Jüd. .Korr.-Zur.) Der drr Bürgermeister, b.v Präsident, des mshammed-cmifchM i .ApP.rll4ttMM,ch.hes,--drik .Präsident der.-Exektttive- M <VZMj

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