Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 997 (7.11.1921)
- Date
- 1921-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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L »L01 DakisdarkaNenkont» 150.69? tmmmmmammmmMMnmmti»»n. nn nn 3. Jahrgang Die ungarischen UeÄerrUMPlungsvZrsAche in der Abstimmungsfrage. Ei« Schritt der österreichischen Regierung. Die Bewegung der Banden in Westungam weift mr gegenwärtigen Stunde Leine sicheren Ziele au;. Eist Teil der Banden beginnt sich offenkundig gegen die Trianon-Grenze zu konzentrieren, der mell aus größte Teil ist aber in Westungarn verblieben und '.entfaltet eine sehr rege Tätigkeit. Diese auf den ersten Blickschwer begreifliche Erscheinung findet ihre Erklärung m der Taktik der ungarischen Regierung, die He. ’ feifc kürzester Zeit in der westungari'schen Frage esnschlagt. Bekanntlich erklärt das Protokoll von Venedig, daß acht Tage, nachdem die Generalkömmission in O ed enburg die vollständige Pazifizierung des Landes festgestellt haben wird, in der Stadt Oedenbmg und Umgebung eine Volksbefragung erfolgen soll. Das Protokoll von Venedig erklärt dann des weiteren, daß freie Bestimmungen »gemäß heu konstitutionellen Gesetzen der betreffenden Länder in Wirksamkeit zu treten habend. Die österreichische Regierung-hat durch ihr Verhalten in der westungarischen Frage klar bewiesen, daß sie völlig eindeutig vorgeht. Es ist daher selbstverständlich. daß sie verlangen mußte, bei Festlegung der Bestimmungen für die Volksbefragung in zweckdienlicher Weife Mitwirken-zu Können. Diese Mitwirkung ist nur dann möglich,, wenn unmittelbare Muhandlungensei es -M.Mallen,.,sei ..es mit WrMn - jene . Grundlage für eine Volks- Msimmung ergeben, die notwendig ist, wenn hie}?: Schiit nicht ein Poffenspiel werden ■ soll.;V’ Dos o'V rreichijckre'' Anßenamt' har die hiein. nvl* wendigen Schritte bereits umemommen. Die ungarische 'Regierung ha: aber die ganze Angelegenheit Hingehend behandelt und sucht nun allem Anschein nach jenen Teil der Banden, der ihrem Einfluß unterliegt, zum Abzug zu bewegen, um durch die Generalsr Kommission die Pazifizierung des Landes feftstellen tm lassen und derart Oesterreich in der Frage der Volksabstimmung zu überrumpeln.;?■ Sogleich nach Einlangen der ersten Nachrichten hierüber hat die österreichische Regierung zu diesem dem Protokoll von Venedig widersprechenden Vorgänge Stellung genommen, sie hat den Hauptmächten der Entente und der ungarischen Neuerung die amtliche : Mitteilung zukommen lassen, daß sie einer solchen Taktik gegenüber sich zu der Annahme genötigt sehen müßte, daß Ungarn die Grundlage der Venediger Besprechungen verläßt und es infolgedessen die größten Schwierigkeiten verursachen würbe, die Besprechungen von Venedig in einen den österreichischen Staat bindenden internationalen Vertrag umzuwandeln. Infolge dieses Schrittes der österreichischen Regierung sind die Entscheidungen bereits in den nächsten Tagen zu erwarten. Wie die Banditen in Westungarn hausen Vor einigen Tagen erschienen bei dem italienischen Hauptmann Mario E a n t o tt, der in Steinamanger disloziert ist, die Frau des österreichischen Staatsbürgers Arnold Glaser und teilte ihm mit, daß ihr Mann mit zwei italienischen Staatsbürgern, namens Giaeomo G i o r b ö n i und Giuseppe Rabia, beide aus T u r i n, sich in das Burgenland behufs Pferdeankaufs begeben habe und von einer ungarischen Bande gefangengenommen, verhaftet und all ihrer Habseligkeiten beraubt worden seien. Die Gefangenen seien nach F e l s ö - P u l j a gebracht worden. Hauptmann Canton begab sich sofort mittels Automobils nach F e l f ö - P u l j a und es gelang ihm» den Landeschef sowie die drei Gefangenen ZU eruieren. Die beiden Italiener wurden sofort auf freien Fuß gesetzt und nach Steinamanger gebracht, während bezüglich Glaser der Bandenchef erklärte, es handle sich um einen österreichischen Rese. vroffizier, der am kommenden Tag um %5 Uhr morgens cbgenrteift und aller Wahr fcheinlichkeit nach wegen Spionage zum Tode durch den Strang verurteilt «erde» wird. Hauptmanu Canton wollte Glaser nicht seinem tragischen Schicksale überlassen und blieb bei ihm. Während der Nacht gelang es dem italienischen Hauptmann. in. einem' unbewachten Momente Glaser auf sein Automobil zu nehmen und in nach Stein a m a n g e r zu bringen. Den beiden genannten Italienern wurden von der Bande unter anderem 1,076.200 ungarische Kronen, 34.800 österreichische Kronen und. 695 . Lire« abgenommen, die bisher nicht her a u s g e g e b e n wurden. . Das Enthrsnungsgesetz ÄvgLNoMMLN. . Budapest, 6. November. (U. T.-K.-B>) In der heute um 11 Uhr vormittags eröfftteten Sitzung >> der Nationalversammlung uifterbreitete der Ministerpräsident einen Gesetzentwurf, betreffend die' .Erleichterung der Wohnungsbaualliou. und der Handelsminister Vorlagen betreffend die Registrierung der ungarischen Seesahrzeuge und bezüglich der Reorgannäilon der Außennerkehrsstatistik. Die Gesetzentwürfe zvurden andie zuständigen Ausschüsse, geleitet. Hierauf wurde der Gesetzeritvurf über den- Verlust cher^.HeMsch.^tzM:^hGg,.Wls/. IV.. -und. das-.Erlöschen, - dB^Wrönf9kg'erxeMch''-'beV'^'Ha-uies Habsbürg üu-ch - nt dritter Lesung einstimmig angenommen. Schließlich wurde üu* Präsidium ermächtigt, im Einvernehmen mit der Regierung den Zeitpunkt der'nächsten Sitzung zu bestimmen und in den inzwischen eventuell vakant werdenden Wahlbezirken die Neuwahlen ausschreiben zu lassen. Nach der Autbentifiziernng des Protokolls wurde die Sitzung um 11 Uhr 8 Minuten geschloffen. Eine ungarische Ehrenangelegenheit. Budapest, 6. November. (U.T.-K.-B.) Nach Schluß der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ließ Abg. Szmrec s a ny i in den Couloirs den Abg. BenJö zu sich rufen und stellte ihn zur Rede.Zob er in der gestrigen Sitzung des Hauses gesagt chabe, der König sei der erste Deserteur gewesen. Auf die bejahende Antwort Benkös insultierte ihn Szmrecsanyi tätlich. Hinzueilende Abgeordnete machten der Szene ein Ende. Benkö ließ Szmrecsanyi sofort fordern. Oberst Lehar in München. Wien, 6. November. Dem „B e e s i Magyar Afsag" zufolge ist der Karlistenführer Oberst Lehar nach München geflüchtet, wo er sich insgeheim aufhält. Lehar hatte bei Ko morn die Donau überschwommen und flüchtete zunächst nach Prag, wo er sich bei einem Schauspieler versteckt aufhielt, um einige Ta e später die Flucht nach München sortzusetzen. Die Reise ins Exil. Bukarest. 6. November. (Orient-Radio.) Exkönig Karl und Exkönigin Zita sind mittels Sonderzuges um 9 Uhr früh in Galatz eingetroffen, wo sie von General R u f i n s k y und dem Hafenkommandanten von Galatz empfangen wurden. Das Königspaar begab sich an Bord des Dampfers „Pmizipesa Maria", der bald darauf nach Snlina abging. In Sulina wird das Königspaar an Bord des englischen Torpedobootzerstörers „Cardiff* gehen, der es nach Konst antinop ei bringen wird. Fuuchal, Wohnsitz des EMvvigsptmres. Paris, 6. November. (Hanas '■ einer Meldung aus Funchal (Me.dtira) ist - Do'.'-nsit; für Exkönig Karl und Exkönig,». , ia bereits bestimmt worden. Der Kongreß der italienischer Volkspartei. (B»n unserem Korrespondenten.) Rom, Ende Oktober. Fast unmittelbar nach dem sozialistischen Parteitag wurde in Venedig der Kongreß der katholischen Volkspartei (Popolari) einberufen. Trotzdem die Partei sehr jung ist — sie hal sich vor etwa drei Jahren organisiert und der soeben geschlossene Parteitag ist der dritte-— spielt sie im italienischen . öffentlichen Leben eine sehr bedeutende Rolle, sowohl dank) , ihrer Mitgliederzahl als auch dägk der Zahl ihrer Abgeordneten (fast hundert)- und ihrem. ^Einfluß auf die Massen.' ■ Wenn sie hinter der sozialistischen Partei zurüübl-ibt. so', hat sie jedenfalls alle anderen sogenannten konstitutionellen Parteien, weit überholt. Ihr parlamentarischer Einfluß Ist - noch bedeutender als ihre Rolle im Laude, da die . '^zchielle - Opposition der Sozi allsten dazu . geführt hat, dl. ohne 'Beteiligung der Katholiken keine mehr oder . minder stabile M e h r h e i t im Parlament möglich ist.. ' Wenn auch die Parteiführer hartnäckig darauf bestehen., daß die Partei keinen konfessionellen Charakter trägt/ und versichern, daß sie von den Idealen des Christentums im allgemeinen Mspiriert wird, ist es kaum zu bezweifeln, daß - in' diesem Falle unter Christentum der Katholizismus ,'u > verstehen ist. Als Führer der Parier fungiert ein Geistlich er) Don Stnrzo, ern Mann von unzweifelhaften orgamsatorischen Fahrgkeiten und einer außerordentlichen polilischeii Elastizität: «er überragt in solchem Maße alle anderen Parteiführer, daß - er ruhig als Parteidiktator betrachte werden kann. Der Vatikan nimmt einen sehr warmen Anteil aa. - der 'Parteitätigkei-tnnd die kurzen Roten des'^ ,:Oss!.'rvat.u'e Röw.aüo" stellen, oft jerie Direktiven'b<rr,''die'vdn .ber^Parioi fast! immer Leisölgt werden; es kommt ^or, daß der „Osservae' > tove" esfür nötig hält, die Verantwortung für die Panel . abzulehnen, so wie auch dre „Popolari" sich ab und zu darauf. / besinnen, daß ste eine akousessionelle und unabhängige Partei sind esist aber, nur ein Streit -in der- Familie//: sLie.. l Organifaltousbasis der Partei ist, speziell auf. dem Lande, ' von der Kirche gegeberr und der Geistliche stellt '.jenes! , Zentrilm dar. um welches sich die lokalen Pärteikräfte gruppieren. Diese lokalen Kräfte tekrutieren sich hauptsächlichauL"< dem Bauerntum — aus Kleinbesih'tzrn und teilweise aus- Landarbeitern^ Die Partei beschränkt keinesfalls ihre Tätigkeit auf die Politik, sondern arbeitet curch auf sozialem Gebiet und die sogenMNten „weißen" Gewerkschaften, die mit ihr verbmiden sind, vereinigen in sich fast eine Million Mitglieder. Dre Dolkspartei. ist somit, zum Unterschied von verschiedenen liberalen und radikalen Parteien, eme wirkliche Massenpartei, was den Charakter' ihrer Tätigkeit in stärlstem Maße mitbestrmmt und sie den SvMlisterr.' nähert. Schon das Entstehen und der schnelle Erfolg der katholischen Partei ist eilre Besserung und ein Syrnptom der Krise, wennnicht ' direkt des Untergangs des Liberalismus, welchen Italien, und nicht allein Italien, in den letzten Jahrzehnten ''durchmacht. Die programmatischen Grundprinzipien der Partei.kann " man ungefähr folgendermaßen zusammenfassen: Iw der inneres Politik — die größte Dezentralisierung der NegierungS- und teilweise der Parlamentsfunktionen, Reform der Bureaitkratie und lokale Tlutonomie; auf sozialem Gebiete — die Unterstützung der Arbeiterschaft in ihrem Kampfe gegen das Kapital ber Unterstellung der Interessen beizerunter die allgemeinen Interessen des Staates, die Parzellierung des großen Gruirdbesitzes im Interesse der Rari.: -»- Kleinbesitzer.' die freie Schule, das heißt Verleihung der gleichen Rechte an die Schulen, die von Privaten oder Privat gesellschaften (das heißt katholischen) Mterhalten werden, wie sie jetzt dre rrichtko-nsessionelle Staatsschule genießt. In der parlanrentarischelr Taktik war die Partei immer für die Koalition eingetreten, sie hat sich an allen Ministerien Beteiligt, die in Italien seit ihrer Entstehung da Ware,,, obwohl sie iite daraus ein Hehl gemacht hat, das; sie nur "auS Not mit Liberalen und Radikal«!: ziisammrnarbciu:., während'sie ihren natürlichen Verbündeten in sozra'listkschen.!Partei sieht. In der internationalen Politik hat die Partei seinerzeit scharf gegen der Versailler Frieden protestiert und unterstützt jetzt sehr warm die Idee des' Völkerbundes.; sie hat auch Schritte zur internationale>i Veremtgung der katholische« Parteien unternommen uno unlängst hatSturzo zu diesem Zwecke e.ine Reise nach Deutschland unternommen (wir haben über diese Bewegung neulich berichte!' — Red.), der wahrscheinlich Reise« nach Fcantreich imo Belgien folgen werden, obwohl er der ULberz/eupung ifc daß «S in diesen deidm Läudepn keine