Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 993 (3.11.1921)
- Date
- 1921-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis SrLrnrvierationsprerse: Sj«*i iJM» Abhvlt« in der 8» Bezirk, Taüor- D»«»« 1 biS 3, oder iu rmrr «rrfchleMküc <Trafik): Monatlich. Krone« 2 SN_ Kitt Postversand sür Wien und Ocherreich; /, Monatlich. Kronen 280.-. Tscheche-Slowakei: Monatlich. .Kronen 18.- «terteljahrlich . 34.— in Mecho-slowaklscher Wü^rung Ungarn: Monatlich. . Kronen V0,— Vierteljährlich . ÄL0.— i» ungarischer Währung Jugoslawien: Monatlich... Dinar 15.— «ierteljShrltch „ .45.-' Krone« Einzelpreis L-M KrvMW Mener ArLnumerationspreise: Polen: ’i mpnatliä). . Mart &©p,J in polnischer WSHrungH'^ Deutschland: ■Sv**'.'”-'- Monatlich. . . Mark »0/- «ouattich. . . Franes 8.- Italien; i Monatlich. .... Lire. 6,— Rumänien: - Monatlich.... Lei ao.— Schweiz «. da» übrige AuSlano Monatlich. . . Franc- 8.— Reaktion u.Adniinistration Wien, »«Bez.,Tal>orstr. 1—8 Lelephoue: 4<r> x, 4LL1« al»« Ähr abrnx- -ir. 163Ol Postsparkasse150.698 Nr. 993 Wien, Donnerstag den 3. November 1921 3. Jahrgang Ein Protest gegen die Entente. —V« Wien, 3. November. Der Bandenführer Hejjas benützt die Wirren in Ungarn in feinem Sinn. Er läßt durch feine Banden Westungarn brandschatzen, raubt die österreichischen Grenzdörfer aus und foltert die jüdische Bevölkerung. Er will offenbar der Einwohnerschaft den Unterschied zwischen Ungarn und den europäischen Kulturländern recht deutlich machen. In dieser ihm lieb gewordenen Tätigkeit stört ihn niemand. Ddc Himmel ist hoch und die Entente ist weit. Es ist für die Großmächte soviel zu tun, um für die Zukunft Gelegenheit zu politischen Giftmischereien zu schaffen: es werden Schritte und Gegenschritte getan, das Schicksal' der Dynastie Habsburg bewegt alle politisch Interessierten so weit, das; sie sogar zu -Krieg und Abwehr rüsten. Kein Wunder, daß man sür Westungarn so wenig Zeit übrig hat. Und das mit Unrecht. Westungarn und seine Zuteilung an Oesterreich ist die Vorbedingung sür den Konflikt, der den Diplomaten so viel Gelegenheit gibt, ihre Kunst zu üben. In Westungarn ist die Bewegung aufgeflammt, die den Vertrag von Trianon in Fetzen reißen wollte und dieses Ziel auch sow eit erreicht hat, daß der Heimfall des deutschen Vurgenlandes an Oesterreich in eine noch sehr problematische Völksäbstimmung in Oedenburg verwässert wurde. In Westungarn hat das Horthy-SysteH, feine, diplomatische Gewandtheit gezeigt, das Fauftfche Hexenemmalcins zü überlresfen. und aus eins-wiMch zchn zn MKw^KMgestnM / mit Gewehr ''U.n.THaydgranatH-°Jat^für ^8as iSelbst^ bestimmungsrecht Ddr-'-Bi-nns-Kornir^EWUsif^ und' gfr siegt. Das Spiel sist aber so weit'- gediehen, daß es jeden Sinn verliert. -- '7 - - - In Venedig ist beschlossen worden, ' sich den Argumenten der Horthy-Gmde zu beugen.'Man hat das Land in zwei .Zotten geteilt, deren 'eine .an'Oesterreich! kommen soll, währimd die zweite,' die Stadt Oeden- ' bürg und fünf andere Gemeinden, äbstuumen soll. Die Dotschafterkonserenz hat, wie der. .Diplomatenjargon dies ausdrückt, prinzipiell in das Arrangement gewilligt und der famosen GmeralralskomMission in Oedenburg, nachdem sie ihr Versteck, das sie vor Hejjas' Gendarmen aufgesucht, verlassen.hatte, die nötigen Instruktionen erteilt. Es wäre , also zunächst nötig, das Land durch interalliierte Truppen zu besetzen, da die bisherige interalliiert, genannte Osztenburg-Truppe den Weg aller Hyrthy-Gegner gehen mußte. Aber die Entente macht keine Miene: das Selbstverständliche zu tun. Und so nehmen' im Burgenlande die Dinge ihren Lauf: Jüdische Kaufleute werden verschleppt, die jüdischen Gemeinden müssen Strafkontribuüonen zahlen, jüdische Kinder in Kobersdorf müssen für ihre Väter aus dem Friedhof ein Massengrab ausheben .... Da es sich,in der Hauptsache um.Juden handelt, wäre die Indolenz der Entente verständlich. Die Juden sind unbeliebt und können oft und gerne als Ablenkungsmittel gut gebraucht werden. Aber wie steht die Sache um Oesterreich? Das Protokoll von Venedig ist, wie immer man es ansieht, ein Vertrag, der ausgeführt oder durch Verhandlungen modifiziert werden kann. Keinesfalls aber ist es ein Strafurteil; sollte es aber als solches gelten, dann müßte die primitivste Menschlichkeit verhüten, haß man die Exekution den Hejjas-Banditen überträgt. Handeln sie aber nicht 'mit Wissen der Entente — was wir zur Ehre Europas ' cmnehmen wollen — dann müßte' sehr, rasch etwas geschehen, um dem Morden .und Plündern Einhält, zu tun und die Führer dieses Gesindels sowie feine Protektoren vor ein unparteiisches Gericht zu stellen. Es kann Keinen politischen.Grund gehen, der eine Fortdauer dieses Treibens, rechtfertigen würde. Wird, aber nicht Wandel geschaffen, so könnte sich die, 'Ansicht elttwickeln, daß .die Entente, durch ihre Massivität dazu beitragen will, in der nächsten Nähe -von Wien einen neuen Herd der Anarchie zu errichten und den Ländern des jüdischen Elends ein neues airzugliedern. Wir protestieren gegen die Untätigkeit der Entente. tttt llt . . ♦ Budapest» 2. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der heute stattgefundenen Sitzung der Partei der kleinen Landwirte erörterte Ministerpräsident Graf B e t h l e n die infolge -des Erscheinens des Königs geschaffene schwere Lage uni) drückte sein Bedauern aus über die traurigen E r e i g n i s s e'b e r , jüngsten Tage, insbesondere darüber, daß brüderliches Blut geflossen ist. Der Ministerpräsident teilte sodann mit. das er morgen der Nationalversammlung, z u m T e11 e unter dem Drucke der Ententemächte, folgenden Gesetzentwurf unterbreiten werde: - r Gesetzentwurf über das Aushören der Herrscherrechte König Karl IV. und der Thronfolge des Hauses Habsburg. - § 1. Die Herr sch e x t e ch t c des König Karl IV. haben a u f g c h ö r f. § 2. Die in den Gesetzen! und I! vom, Jahre 1723 enthaltene pragmatische Sanktion, die die Thronfolgerechte des österreichischen Hauses (cloniusaustr-iaea) regest.. hat ihre' Wirksamkeit verloren sind hiemit sil das-Rechh-der ^öiti g s wähl Ä-iMr.an dkeMatioir' - ,^-rt'7’r § 3. Die Nation halt: die' ävitifche "S'ü a a t sf 0 r m d e s Kön i -g 1 u n v e r Ü n d e r t a u f r echt, - v er sch i e b t j e d och die Besetzung des König, (tu h l s . Ä. u f spätere Z e i t e n und weist das Ministeriunr an, diesbezüglich in geeigneter Zeit Vorschläge zu Watten. . § 4 Dieses Gesetz tritt am Tage seiner Pronnllgierung "ins Leben. 7 Der Ministerpräsident ersuchte hie Partei, die Vorlage womöglich ohne Debatte anzunehmen. Schließlich teilte der'Ministerpräsident noch mit, daß dem Hause' auch ein Beschluszantrag unterbreitet werden wird, den er ebenfalls ohne' Debatte anzunchmen bitte. Abgeordneter G ö m b ö s stellte den Antrag, daß die Protestresolution der Partei der kleinen Landwirte durch ein Mitglied dieser Partei , der Nationalversammlung unterbreitet werde. Nach den Erklärungen mehrerer Abgeordneter wurde der Gesetzentwurf sodann angenommen. ' Budapester BerÄturrgeV. Budapests 2. November.' (Ihro Tel.-Korr.-Bur.) In i'er heute vynnit-agS unter Börsitz -des Ministeiptäsidenlm abgehaltencn ' interparteilichcn Konscrcn; ergriffen Graf Beihlennnd Minister des' Acnßern Grat - Banfsy luiebciljolt das Wort/ lm; auf die-aufgeworfnen Fragen ÄMärunsiell ,-u erteilen. Die Konferenz nahm sodann den Entwurf d^r Vorlage zur Regelung der Kömgsfragc miteiner vope Abgeordneten Hcnc.',- beantragten ' Äbmedernng einstimmig an- Abgeordneter Nasjay bedielt sich das - Recht vor/ weitere Abänderungen zu mrterbreilen. - Ungarn verspricht, die Entenstedeschlnsse . durchznführsn. Prag. 2. November. (Dchecho-jlow.Prcßbur.) Die uiagha-. rische Regierung hat der tschecho-llowak-.schen Regierung vfsiziell miigeteilt,-dak sie alle Beschlüsse dnrchfähren werde, die ihr von den Mgiernngen der Grvkmächte. vorgelegt werden. BeschMsse der BstschäsLerk.onfere»z. . P«riP,2. November. .(Havas.) Die Botschasierlonferenz hat,- iijbuu .- l'icv bic; Note des^ ts.chech.o-slowakischcn Mittiftcrvräsideuteir Dr. B-.e » e 5; zur,'Kenntnis nahm, jest-.eftettt/. dag die Versündigung der T h r,o ne. n ts ctz u u g der H a l> sb n.r g. e-r . durch die unj-aysche Regicrung der kleinen- Entente die verlangte Beruhigung b i e t e n würde. Damit die von der.ungarischen Nesierung gegebene Versichernqg. diese Entthronung zu verkünden, der kleinen Entente gestatte, < die - militärischen Vor-/ . berenuns.en einzustellen, ha7 die Konferenz, beschlossen, die. nuMische Negierung - an.szusordnn, .die Absetzung der Hab§- buWr innerhalb einer über deu?. No-ember nicht hinans- . gehende» Frist tatsächlich zu verkünden. Die Konferenz prüfte , sodann die Bedingungen der I n t e r n i e r n n g des Exkönigs Karl und insbesondere die bezüglich seiner Person zu crgreiftnden st e b e r w a ch u n g s m a ß n a h m. e n. f . Hierauf befaßte sich die Konferenz mit der Lage in Nv.'rd-. albanien. Jugoslawien wüd ausgesordert werden... sich akler militärischen Operationen in Albanien, dessen Grenzen unverzüglich würden festgesetzt werden, z« enthalten. Horthy-Trauer. Budapest, 2. November. (Ung. Tel. Korr.-Dur.) iect Minister des Innern hat an sämtliche Polizcibchorden eine llnfulawerordnung gerichtet, in der diese aufgefordelt werden, m'.t Rücksicht auf die ernste. Lage des Landes acht Tage hindurch leine öffentlichen Unterhaltungen zu gestatten. Ani 4. November haben sämtlich: Theater und sonstigen Unterhaltungslolale.. zu speeren und in den Kaffeehäusern ist das Musizieren untersagt. .Gratz rM Gefängnis. 7 Budapest, 2. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.^ Doktor ’ G r a tz rst heute nach Budapest gebracht und ru Vuo Gefängnis des- Gerichtshofes .für den ,Pester LMdh^tr^ ein. .'.gesiefert worden. Sesi« ^GnvdMhmmig -Ä-waMheirz-' lich morgen statt finden. Die FSHLr'N-s Exil. ' ■. Budapest, 2. dtovemdcr. „Magyar Orszag" meldet, dstz das englische Kanonenboot „Glühwurm" mit Er-Kömg- Karl nüd . Er-Kö:ügin i^ila bei Orsova von rumänischen Monitoren übernommen wurde, d:e cs bis Galatz begleiten werden. . Der' englische Donaunvrnitvr ^Mühwnrin" wird >d^it. Hx«-. tö'.lig -und seine Frau Nach G'alatz bringen.' 'Dort rverden beide auf ein englisches Kriegsschiff überführt, - das..sie-nach dem Ort tragen soll, deu die Biotschasterwnferenz. zir deitttnnlen hat. - Wie bereits gemeldet, soll dies M-adeirn .sein, : doch hat die portugiesische Regierung gewisse Bedingnngein. gestellt, die vor allem in der ' Bewachung der EntentsLruppen ° bestehen. - " - ' . " Die politische Seite der Angelegenheit ist itorf) iiu-niet nicht klar. Die ungarische Negierung setzt ihre.-passive-NefistEzfort und will sich nur zur Absetzung Karlss nicht aber-der -Habsburger, bereit finden. Sie-hat -zugesagt, bis Kum 8. V.-M. das bezügliche Gesetz durgs die Skatio'nalversammluügerledigen zu.- lassen, was - zu einem amüsanten- Eiertanz -der Llegitimisten und der freien KönigSivähler Anlaß bieten wird. Die kleinen Entente Hab. zwischen dem" Ersatz ihrer " Mobilisierungskosten unddem Vertrag'von T'ri-anon ein Junktim hergestellt. . Wird Der Vertrags dnrchgeführt,.. also das Abkommen von Venedig gestrichen, so wollen 'die Staaten, des Kleinvcrbandes Ungarn 'die - Kosten Nachsehen.' Bezüglichder Entivaffunng Ungarns dauere der Streit fort. Die G.r-ostuüichte wollen keine Mitkontvolle der kleinen Entente zulassen; - sie wollen deren Vertreter nrlr als Ratgeber gelten lassen. EL wird aber in den. Kreisen der Wiener Entenjeversrelernachdrücklich. betorlt, daß ein längeres Hinauszisherr der-Thronfranealle Abmachungen irmstvfzen und - dazu führen--mnhle/ daßmail'der kleinen Entente den Weg frergibt. 7 ' ' Wie verlautet, ist. gestern ans Ro m-eiiie'-Zuschrift beider ' österreichischen Regierung eingelauigt/ -in- - welcher, -mit- . geteilt wird, das; die -Zustiiilinung der Botschaste-rkouchrenz : zum Ab ko miuen vo n Venedig d-urächnis -nichteinen. -.Zwang ans Oesterreich Darstellen. soll. Es ser' Oesterreich -in-jedem Falle der Weg von Verhandlungen, -mit - Ungarn . frei. Das würde bedeuten, das; -.die..Wehrlosigkeit Oesterreichs auch weiterhin mit Zustimmung, der . EiN^ue von . Ungarn ansgcbeiltet werden kann. Denn Oesterreich hak keine .-Mittel, seinen Willen DnrchznseM. Man erkenAt dies oin . besten ans dem entsetzlichen Treiben der Hejjar-Ban-en i« Westungarn. .Es heißt ztvar, daß die Entente beschlossen Habe, löÖO uKatut, Trutzpey. -M WeHijMN. M'.-bxinE« 07