Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-11-01 · Heft 991 (1.11.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 991 (1.11.1921)
Date
1921-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980070--09248-2995478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Vranrmeratiorrsftreise: Sä ien:Z„m Älcholtn in iec Expedilii»,, u. Äezirk, Taborftvoße t bis 3, »der in einer Bn-stzleißftrllk (Trafik): Monatlich. Kronen 3©t.— Mit Postversand sür Wikünnd Oesterreechr, Monatli ch. KronenSS9 — TsLiccho-Slowakei: Monatlich . . Kronen ä.8»— Vierteljährlich » 34.— in Ischecho-Ilowalilcher Wühplug llngaru: Monatlich. .Kronen W.— Vierteljährlich . »10,-. in urgarischer Währnng Jugoslawien: Monatlich- . - Dinar4L.—' ^vierteljiihrltch . 45.- Kronen elVreis L^L Kronen Ginzelprri rener Frärrrlmerationspreisr: Polen: Monatlich. . Mark SO»-- . in polnischer Währung Teutichland:! Monatlich. . vMark *0,-, Italien: 1 Monatlich. . . . Lire 0*— __ fflnmnttien: 1 Monatiich.... Lei 80.— Schweiz «. dar übrige Ausland Monatlich. . . Francs 8*— Redaktion ».Ndmtnisträtion ‘ “ * fpe.] Wie», Sr.Brz.,Taborstr. 1—3 Dotephoner 44038, 4881* »d 0 Ar «venvr Nr. 1«8vl PeftsdarkaAenkont« MM» Nr. 991 Wien, Dienstag den 1. November 1921 3. Jahrgang Alle Habsburger in Ungarn von der Thronfolge ansgeschlossen. Die neue Ententenote. Budapest, 31. Oktober. Das Ungarische Telegraphen- Korrefpondenz-Bureau meldet: Heute vormittags erschienen beim Ministerpräßdenten Grafen Bettilen dieBudapester Gesandten der Entente-Großmächte und überreichten ihm schriftlich nachstehende Note: Sen der Konferenz der in Ungarn befindlichen diplomatischen Vertreter der alliierten Großmächte. Herr Minister! Wir beehren u»s. Eurer Exzellenz folgende Note des BotichafterrateS zu überreichen: Der Dotschafterrak, .der, ,, mit Brsriedigung ersehen hat, daß die ungarische Regierung entsprechende Maßnahmen getrsffen hat, um dem neuerlichen Experiment des' Exkönigs Karl ein sofortiges Ende zub er ex te n, y hat t r.o tzd em - f e st g e st e l l t, datzdie ungarische Regie-' rpngdein Beschiuffe der alliierten Großmächte nicht nachg ekorir men ist, dex,-die PrAamierun^^prs ThronverWrShetr>sst. Der - LtzMperMH'' wollen scheint, kann nicht als Durchfiihrursg/Mes Beschlusses b.etraMet werden: ' <■' -Die im Botfchasterrat vertretenen alliierten Machte find von B \ f orgnise r s n l l t wegen der stetig zunehmenden A u s r e g u n g, die dieser neuerliche Versuch einer Restaurierung in.den N a ch b a r st a a t e n Ungarns hervorgerufen hat. und' find ttirig, bemüht, diese zu beschwichtigen. Zu diesem Zwecke fordern sie dieungarischeR eg ittung a u f, unveiziiglich den Thronverlust des Exkönigs zu proklamieren und diesen — im. Sinne der am 4. Februar 1920 sowie am 1. April 1921 gefaßten Beschlüße des Botsthnfterrates — gleichzeitig auf sämtliche Mitglieder de S Hauses Ha b § b n rgausz u d c h n e n. Der-Botschaftrrrat erwartet, -dah -die ungarischr Regierung, indem sie zur Aüfrechteihältimz des allgemeinen Friedens deizulragen wünscht, die Durchführung dieses Beschlusses unverzüglich in Angriff nehmen wird.- Empfangen Eure'Erzellenz «sw. ' Gere chnet: Castagneto m. p. ' Ho h l'e r m. p. ' -! F o n ch ö m. p. >'Mit Rücksicht darauf, daß die unzirische Regreruns in der gegenwärtigen schwierigen Lage des Landes, die durch - die fortwährend sich steigernden militärische« Maßnahmen der Nachbarländer hervorgerufen murre, auf die Unterstützung der verbündeten Großmächte .angewiesen ist, blieb rhr in der gegenwärtigen Z w a n g s l a g e.ke.ne . andere Wahl, als diesen neuerlichen Beschluß d e r . G r o ß m ü ch t e a n z u n e h m e n., ffiad) Erörterung ,. der allgemeinen Lage! wurde der diesbezügliche . Entschluß . ' vom , M in i st e trat e inst i in. m i g g e f a ß t, wovon die ungarische Regierung die Verbündeten Großmächte sofort verständigte und-diese Antwort wurde auch den Dubapester Vertretern der tschecho-slowakischen Republik, des Königreiches S. H. S. und» des rumänischen Königreiches noch im Lause des heutigen Tages niitgeteilt. Da die Eirleritegroßmächt.e für die Annahme ihrer Forderung durch die'Gesetzgebung einen P r ä k l u s i v t e r m i n gestellt haben, wird die Regierung l)insichtl'.ch der dringlichen (SrubcuOmtg bet Nationalversammlung die notwendigen Verfilsungen treffen. Einberufung der Nntional- Versammlung. Budapest, 31. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bury Dir National-- 'ersammlnng wird Donnerstag eine Sitznns abhalten. Die Einschiffung des Ex-Königspaares erfolgt Dienstas nachts. : Budapest» Sl. Oktober. Wie die Blätter'.melden, werden der König Karl nnd die Königin Zita in der Nacht von Dienstag an! Mittwoch von Tchany nach Dunaföjdvar gebracht werden, wo ste von ' dem in-wischen dort emgetrofsench Kanonenboot ^Gloworm" Lufgenottinten wrrden sollen. Für die Ueber<ühr»ug werdea'die gegenwärtig 'in T hany weilenden Militärveitreter E»ilNrldS Frankreichs und LwUenS SsiLt trsren. Die Konfiskation der Gkter KsroLyis. Horthtzs Rache. Budapest, 31. Oktober. (Ung, Tel.-Korr.-Bur.) Der Budapester Gerichtshof verhendslte heute die Klage des Direktoriums euusarum regalium, wirin auf Grund des Gesetzt vom Jahre 1915 über^ die vermöjpmsrechtliche Entcignung von Hochverrätern die Einziehung des Gesamtvermözens d^s Grafen, Michael K a r o l h i verlangt wird. Der Aerarvertreter SlaatZ- ^ekretär Marinovic führte aus, daß auf Grund d-s Gefrhaitikels43 vom Jahre 1921 die Rechtslase sich geändert habe, da dreses Gesetz auch das Anspruchsrecht auf Ftdeckömmiffe zulasse. Deshalb er-8«ie er die ursprüngliche Klage dahin. ,drß neun Zehntel des Karoly,scheu Fidelkommiffes konffsziert werden uvd ausgesprochen werde, daß sämtliche,Deszrndenten und Anwärter ihres' Anspruches' verlustig'.gehdn und vom F'ideilommiß? ' -, Der' - Rechtsanwalt ' ddS,''M'äfrK'"'Karolpi ermchie, mit Röckffcht daxauf.. daß dieser derzeit in Spalato wohne .ur»d die ursprüngliche Kluse abrcändeit wurde, ihm die modlfizicrie K^agx zuzustellen'und die Verhandlung zu vertagen. Der Gerichtshof vertagte hierauf die Verhandlung ans den 28. Dezember. Kein italienischer ThronkKKdidaL für ' Ungarn. Rom, 31. Oktober. (Funtspruch.) In amtlichen italienische.! Kreisen wird das von einigen ausländischen Btättcrn verbreitete Gerücht von einer möglichen Känditur des Herzogs von A o ft a für den ungarischen Thron für vollkommen falsch erklärt. Ein Sohn Rakovszkys verhaftet. Prag., 31. Oktober. Aus Lipto-Lzenl-Mrklos wnd gemeldet, daß dort cm Sohn Stephan 1'a;l ovszky § vcrhaitct worden sei. Ein intereffantes Dementi. Mm, 30. Oktober. In Kreisen des Vatikans wird versichert, daß die Meldung der „Reichspost" wonach der.P.a p st gegen eine allzu harte Behandlung des Exkaisers Karl Einsprn.ch, erheben-. werde, .jeder G r a n d l a g e, e n t b e h r e. - Wie die Budaprfter Horthy-Presse lügt. Bezüglich der Erklärungen, die angeblich General Minorctti, Chef Ententeksmrnisffon, einem Korrespondenten dtS „Magyar Orfiag" gemacht haben soll und die von einer Wiener Korrespondenz weiterverbreitet worden sind, teilt die königlich italienische Gelandsschast mit, daß weder' bei der Kontrollsommiiffon in Budapest noch bei einer andkleir Militärmisffön fich rin General oder ein italienischer Osfizier namens Miuoretti befindet, demnach e>» solches Juterview n.chl stüttgeßändcn haben kann. ' ' R«tzland hez«htt -ieVorkriegsschuldcn. Mörkä«, 31. Oktober. lFnuksprüch.) R a d e l schreibt in , der „P r a v d a": Um die hungernden Massen vom Tode zu retten und die Wiederherstellung der von den Eutente-Armeen zerstörten russischen Volkswirtschaft zu be-'chleunigen, nimmt' d i e S'» w j e t r e g i e run g d i e Verpflichtung a u fssss ch, d i e V o r k r i e g 8's ch u l d e n z u zahle n- Air werden aber jedenfalls nicht eher zahlen, als die Soivjetregienmg von der' Entente v o l l a n e r k'a n'n t wird, denn ohne diese Anerkennung hätte die Verpflichtung zur Zahlung der Schulden keinerlei nnlelnationalkn Wert. Vor der Entente steht nun die klare Frage : Will fie an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands-unter den Bedingungen deZ Sieges der Oktober-Revolution Mitwirken/, uin äüs d-m Wirderanileben drS Landes Gewinn m ziehen, oder will' fie ihre Abcirtcuerpoliti! tortfetzeu, die u«s nreht besie-t. sonocrn den ^russischen Bollsmaffen 1 viel Leid und Elend, dem Kapitalismus aber große Verluste l brM? V.; .... Berlin—Paris. F; SB i ck, 1. November. Bor etlichen Tagen hat die französische Kammer ihre Ferien beendet. Eine Flut von Interpellationen schlui der Regierung entgegen, von denen sich eine sittliche Zahl auf Frankreichs Auslandspolitik bezog und den Anlaß zu einer mehrtägigen außenpolitischen Debatte bildete. Der Sturm gegen Briand ging von den Nationalisten aus, welche Briand Schwäche «nd Nachgiebigkeit gegenüber Deutschland vorwerfen und nicht müde werden, mit dem Säbel zu rasseln und nach dem starken Mann zu schreien. Briand hat in der Kämmer keinen leichten Stand. Das Parlament ist seit den leßten Neuwahlen stark nationalistisch orientiert und bk Schwenkung nach rechts hat Briand die Arbeit nicht leichter gemacht.' So ergibt sich das merkwürdige, aber bei der bekannten Geistesverwandtschaft jeglichen Chauvinismus nicht überraschende Schauspiel, daß man auf gewisser Seite in Paris mit den Zugeständnissen an Deutschland unzufrieden ist, während die deutsche Gegenseite die Entscheidung über Oberschlesien zum Anlaß nehmen möchte, um die Einhaltung der deutschen Verpflichtungen zu sabotieren. Um was es dem französischen Chauvimsmüs geht, der diesmal unter anderem den früheren Sekretär Clemenceaus. Herrn Mandel, ins Feuer schickte, aus dem er als Blessierter — er wurde von einem SoZialisten geohrfeigt — zu den Seinen fand, ist detztlich; die Opposition zielt auf Bnänds Kopf. Aber dessen, Nationalisten einen Strauß zu wagen, die sich „in allgemeinen Floskeln^„.ergMp und sich nicht weiter darüber den 'Kopf zerbrechen, wie Deutschland die hundertzweiunddreißig Milliarden ausbringen soll, und ebensowenig zu bedenken gesonnen sind, welche katostrophalen Folgen es für ihr eigenes Land hatte, wenn der von ihnen empfohlene Weg der Erdrosselung Deutschlands gegangen würde. Es sind zwei Trümpfe, die Briand in Händen hat: Lösung der Frage von Oberschlesien und das Wiesbadener Abkommen zwischen Loucheur und Rathenau. Außerdem aber wäre es nicht leicht möglich, Briand heute zu Fall zu bringen. Das vorläufig geschlossene Abkommen mit den Kemalisien, das Frankreichs Position in Syrien stärken soll und seine deutliche Spitze gegen England richtet, das wohl nicht so ohneweiters in die Zuerkennung von ganz Kleinäsien an' die Türken willigen wird, weil dadurch seine Position in der Meerenge beeinträchtigt würde. Der Besuch des griechischen Ministerpräsidenten in Paris, der die Der« föhnung Frankreichs mit dem konstantinischen Griechenland und Briands Intervention in dem griechischkemalistischen Streit bezweckte — all das ließe einen Kabinettswechsel heute auch den Scharfmachern ans der Rechten nicht rätlich erscheinen. Zudem ist Briand zur Washingtoner Konferenz abgereist, der man in Paris mit größtem Interesse entgegensieht, obgleich^ es fchwerfsllen muß, an den Erfolg von Bemühungen zu glauben, welche darauf ausgehen sollen, .Amerika der Versailler Politik zu nähern, nachdem dieses durch seine Sonderverträge mit Deutschland und Oesterreich seinen diesbezüglichen Standpunkt deutlich kundgetan hat. Allerdings könnte auch Briands Regierung ein Bein gestellt werden, und zwar, so seltsam dies klingt, von Berlin her. Briands Erfolge Deutschland gegenüber bilden einen der stärksten Aktivposten seiner politischen Rechnung und wenn in Berlin die Richtung die Oberhand gewänne, die Deutschlands schwierige Situation, welche die Entscheidung über Oberschlesien geschaffen hat. durch ein gewaltsames Durchhauen des Knotens noch verschärfen möchte, so könnte dadurch das Kabinett Briand leicht ins Wanken geraten, und es bleibt fraglich, ob ein Wechsel in Deutschlands Interesse läge. Man müßte in Deutschland zur Einsicht -kommen, daß eine Milderung der Deutschland .diktierten Bedingungen nur auf dem Wege der Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen und des friedlichen Verhandelns erreicht weiden kann. Aufgabe einer weiterblickenden und realen deutschen Politik wäre es, eine Annäherung, zunächst im Geiste, an jenes andere Frankreich zu suchen, welches täglich stärker wird Auch im Gefüge des nationalen französischen Parlamentsblocks ' beginnt es zu ^knistern und die in den letzten Tagen entstandene linksbürgeclichr .Gruppe, welche fich «eM Wir /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.