Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 987 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Wie» Freitag dingungen nicht entspricht, alle DerantwvrlklchksiL in l-ezug auf die Einmengung der Nachbarstaaten und deren Folgen ablehnen. Die Note ist van den Vertretern der Ententemächte Castagneto, Hohler und Fauchö rmterzeichüet. Ungarn dementiert. Budapest, 27. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Bezüglich der im Umlauf befindlichen Gerüchte über Maßnahmen der kleinen Entente und deren Ultimatum, das angeblich heute der ungarischen Regierung überreicht morden sei, wird zuständigerseits erklärt, daß bis heute abends bei der ungarischen Regierung keinerlei Ultimatum der kleinen Entente eingetroffen sei. Gegen die Verbreiter dieser Meldungen wird das SLrafnersahren eingeleitet werden. Ministerrat in Budapest Budapest, 27. Oktober. (Ung. Tel.--Korr.-Bm.) Unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen fand, heute ein Ministerrat statt, der' sich mit der außenpolitischen Lage sowie mit der Lösung der infolge der Rückkehr des Königs aufgetauchten Fragen beschäftigte und bezüglich der zu.unternehmenden Schritte einstimmige Beschlüffe faßte. Was ein italienischer General erklärt. Budapest, 27. Oktober. (Privat.) Der italienische General M i n o r e t t i, Chef der Ententekommission, erklärt im „Seit Magyarorszag", daß. sobald die Kontrollkommissionen dem Botschafterrat die Vollstreckung ihrer Aufträge melden würden, der Kriegszustand mit Ungarn aufgehört habe. Dies sei für die Konsolidierung Ungarns sehr wünschenswert, da die Nachbarstaaten nur auf* die Gelegenheit lauem, um ihre Truppen wieder gegen Ungarn zu schicken. Wenn auch der Friede von Trianon ungerecht sei. so bilde er dennoch die Grundlage der Konsolidierung und seine Berichtigung sei nur eine Frage der $eit. Der General gibt seiner Zeftiedigung über das Gelingen der italienischen Vermittlüngsaktion in der westungarischen Angelegenheit Ausdruck und sagt, Italien habe gegen Ungarn schwer gesündigt, hauptsächlich seinen Verbündeten zuliebe, und empfinde daher Gewissensbisse. KriegsvorbereiLnngen in der Tfchechs- Slorvakei. ♦ Prag, 27. Oktober. (Tsecho-flow. Preßbur.) Alle privaten Telephon- und Radiotelegraphenstationen wurden aufgehoben. Der Privatoerkehr mit Ungarn ist eingestellt. Telegramme ins Ausland und ms -Inland werden nur auf Gefahr des Absenders angenommen. Die Telegramme find der Zensur unterworfen. General WeygSnd irr Preßbnrg. Prstzburg, 27. Oktober. lTschecho-slow. Preßbur.)' y-eute nachmittags ist hier General Weygand ringe tr-offen, Stsndrecht gegen MilitSrpersonen in der Slowakei. P:ag, 27. Oktober. (Tsch^cho-slow. Preßbuceau.). Tura/.eine Kundmachung des Ministeriums für-nationale Verteidigung wkrd für den Bereich der Slowakei und Karpathorußlands Las Standrecht. gegen alle Personen, welche der militärischen Strafgerichtsbarkeit unterliegen, wegen der Verbrechen der Subordinationsverletzung, des Aufruhrs, der Meuterei, der Desertion,, der Feigheit, der unbefugten Anwerbung, der Verleitung oder' der Beihilfe zur Verletzung der beeideten militärischen Dienstpflicht, der Spionage , und der Plünderung verkündet.' Diese Verbuchen . werden mit dem Tode durch Erschießen oder durch den Strang bestraft. Wegen des Verbrechens der -unbefugten Anwerbung, der Verleitung znr Verletzung der beeideten militärischen Dienstpflicht und der Spionage unterliegen dem Stand recht auch Personen, die sonst der bürgerlichen Sttasgerichtsbar^it unterstehen. Die Mobilisieri-mgskoste« der Tjchecho- Slowakei. 'Prag, 27. Oktober. „Narodni Lischt kündigen gh. daß das Parlament in der nächsten Zeit werde einberufen werden, um einen Gesetzentwurf zu beraten, durch den die Bewilligung eines Kredits von einer halben Milliarde Kronen zur Deckung der Mobilijierungskosten angesprochen wird. Wie das Blatt weiter erfährt, haben die tschechoslowakischen Mehrheitsparteien beschlossen, im Abgeordnetenhaus zu beantragen, daß die in der Tschecho- Slowakei befindlichen Großgrundbesitze und Vermögen aller jener Personen, die sich an den monarchistischen Umtrieben in den Nachbarstaaten beteiligt haben, beschlagnahmt werden. Inbesondere kommen die Besitzungen Andraffys, Rakovfzkys und Apponyis in Betracht. WindischgrStz in Eger verhaftet. Prag, 27. Oktober „Tejk6 Glovo" meldet, der Karlistensührer Prinz Ludwig Win dischg ratz sei an der tschecho-slowakischen Grenze in Eger verhaftet und nach Prag gebracht worden. > . ■ Miere« WlsrsereßOkmtK ■■» ii , ■iiiiii^ii■■■ ..■^r.i'M.Uiiiiiannwa'irayii» Die LSgerrprspaganda des Horthy. Wie«, 27. Oktober. Die „Politische Korrespondenz* schreibt: Der ungarische Propagandadrenst verbrettet im Ausland Meldungen, daß Oesterreich die letzten Ereignisse in Ungarn ausgenützt und unbekümmert um das Venediger Protokoll bereits den westlichen Teil des Durgenlandes besetzt habe. Von maßgebender Seite wird neuerdings festgestellt, daß diese Behauptungen auf glatter Erfindung beruhen. Oesterreich hat weder militärische noch Verwaltungsorgane in das Burgenland entsendet und auch sonst bisher in keiner.Weise der Ratifikation der Venediger Besprechungen vorgegriffe». Es ist daher vollkommen unverständlich, welcher Zweck mit der hartnäckigen Wiederholung unzutreffender und bereits dementierter Behauptungen verfolgt wird, wenn nicht etwa die Absicht besteht, durch solche Mittel den Sinn des Venediger Protokolls umzudeuten. y Andraffys Furcht vor dem weißen Terror. Budaprster Berichten zufolge hat die Familie des Grafen Andrassy die Vertreter Englands und Frankreichs in Budapest inständigst gebeten, ihren Einfluß geltend zu machen, daß der alte Graf, her von Horthy als Hochverräter in Gefangenschaft gesetzt wurde, nicht Folterungen ausgesetzt nnd körperlich mißhandelt werde. Man begreift die Angst der Familie deD gräflichen Führers imb Protektors her „Erwachenden Ungarn" -um das leibliche Wohl ihres Familienoberhauptes. Sie wissen am besten, welches Schicksal eines sogenannten Destruktiven harrt, wenn er in die Gewalt der Aorthy-Leute gerät. Wieviele jüdische Mü iter haben kniefällig den Grafen Andrassy im Lause der letzten zwei Jahre um die Intervention zur,' Rettung ihres in die Mörderhände Hejjas, Pronai und Oszienburg geratenen Familienmitgliedes gefleht! Wie oft mochten im Palais des Grafen Andrassy all die öffentlichen und geheimen Bericht» über die Ermordung, Verstümmelung und' Plünderung ganzer Judengemeinden, die furchtbaren Tragödien, deren unglückliche Heldinnen jüdische Frauen und Mädchen waren, besprochen und gutgeheißen worden sein! Daß sie gutgeheißen wurden, bekundete der alte Graf Andrassydamit, daß er sich gleichfalls durch einen Hochverrat an den Traditionen des Hauses Andrassy an die Spitze der extrem-.antisemitischen 'christlichen Vereinigung und damit auch an die Spitze der von dieser Partei gwjzgezügenen und geförderten. Vereinigung der „Erwachenden Ungarn" stellte. Zwischen Andrassy und dem nominellen Führer der „Erwachenden", Georg S zmrecsanyi, bestand nicht nur die legitimistische Gesiimungsgsnosienschaft, sondern,auch, die gleiche Gesinnung inder Judenstage. Aber die gräfliche Familie Andrassy mag ruhig sein. Teilt wohl Oszienburg augenblicklich das Schicksal Ändrassys, so sind doch Pronai und Hejjas noch immer die Herren von Ungarn und auf diese kann sich Andrassy' verlassen. Sie entmannen keinen Magnaten» sie reißen ihm nicht den Bart aus und wissen genau,'so wie Horthy und Bethlen, daß die ganze Verhaftungskvmödie für' Andrassy harmlos enden wird. Aber immerhin wird Graf Andrassy in dem bequemen .Arrest Zeit und Muße haben, darüber nach'zudenken, daß die Nemesis, die ihn ereilt hat und die seine Farnilie für fein Leben fürchten läßt, vielleicht doch eine gerechte Vergeltung ist dafür, daß alt die schauerlichen Menet' von seinen gegenwärtigen Kerßerwächtern seit zwei Jahren verübt wurden, ohne daß er auch nur einmal einen wirkungsvollen Schritt dagegen unternommen hätte. Wie Horthy de« Verlauf de« Putsche» .schildert. Das Organ Horthys, „Hetföi H'irlap" („Montags- Asituilg"), schildert die ersten Phasen des Karl-Putsches. wie folgt: > Vorige Woche Mittwoch kam Major. Osztenbürg als Sonderkurier in Herten stein an und teilte König -Karl mit, daß darr geeignete Augenblick zur Rückkehr gekommen sei, da Graf Andrassy nnd Rakovszky sich bereit erklärt Hätten, einen Kabimtt zu bilden. Rach eintägiger Ueberlegung entschloß sich der Könige der Aufforderung zu entsprachen nnd betraute den Botschaftsrat Bo.roviczenyi mit der Durchführung der notwendigen Vorbereitungen. Do r: u cr stag nachm ittags fuhr Karl mit Königin Zita im Automobil von Herten stein nach Dübendorf, wo ein Flugzeug schon bereitstand. Dieses Flugzeug nahm seinen Weg in der Richtung Linz uwd landete bei .Denesfa. Von hier fuhr das Königspaar, nach Oedenbur g, wo es nachtZ ankam. Angeblich befanden sich z w e i -de n t f ch c O f fiz ie re im Gefolge des. Königs. Freitag nachmittags hielt der Königs in Oedenburg die Truppenrevuen ab und" empfing die dort b'efiMichen Politiker. Es waren anwesend: Graf' Julius Andrassy, Stephan Rakovszky, Oedön Demi c s! y, Graf Josef C"z iräky, Graf Anton Sr gra y, General Hegedüs, Baron Anton Lehar, den der König sofort zum General eryannte. Außer diesen Persönlichkeiten war auch Dr. Gustav Gratz anwesend. Nach halbstündiger Beratung verließ Rakovszky. als designierter. M jl.n i st e r p r 5 f i d < n t da- Zimmer des Königs. .HaÄvszky erließ eine spezielle Regierungs- Proklamation, / welche B esch'i m p fu n"g en der Gerson des ReichLderwejexs, und."der RegiefäOöUdtit 1921' MM, ,t*1—1 ■■■ - ■ -- rungsmänner enthielt. Diese Proklamation wurde D*otf der Regierung mit dem bekannten Armeebefehl beantwartet. Die weiteren Mitteilungen des genannte«! Blattes decken sichj mit den bekannten Meldungen über die sogenannte Schlacht bei BudaörS. Wie Budapester Blätter die 8««f«r umginge«. Die Budapester Blätter durften, wie bereits ge-> meldet wurde, über die Vorgänge seit dem Tage der! Ankunft 5karls in Ungarn nur diejenigen Meldungen! ausgeben, die der Schwager Horthys, Pressechef Eck«. Hardt, durch das berittene Ungarische Korrespondenz-! burvau ausgab. Die gestern eingelangbr Nummer des! „Az vom 25. d. M. enthält einige Artikel, die dem geübten Leser die wahren Vorgänge schildern, ohne die in Betracht kommenden Personen zu nennen oder gegen das Verbot zu verstoßen. So wird zum Beispiel in Form einer Dagesnotiz ein ganzes Kapitel aus dem sibirischen Tagebuch des vor krwzem heim« gekehrten Polizeiinspektors Emmerichi Lakh abgedruckt/ in welchem die Gefangennahme und Internierung dey Zarenfamilie behandelt wird. An diesem Tage waren sich Budapester eingeweihte Kr-rise bereits des Mißerfolges des Karl-Putsches bewußt, deshalb repwduzierh „Az Est" besonders die folgende Stell: aus dem er-j wähnten Buche: „Nach den vielen ergebnislosen Pritsch-, versuchen fühlte sich Keren skrj nicht mehr sicher i«J bet Nachbarschaft seines erlauchten Vorgängers. Anfangs ließ er ihn mit geziemender Höflichkeit in Zarfkoje- Selo bewachen, dann in die Peter-Paul-Feftung einsperren, um ihn bald von dort mitsamt seiner Familie nach P o-b o ls k zu verbannen. Mit dem Zaren kam auch! seine Gattin, die wunderschöne .deutsche Fürstin. Mit! ihnen ging Tatjana. Und die alte Garde, die Speichel-- lecker des Hofes? Alle überließen ihn seinem Schicksals nur ein Getreuer ist rhm geblieben: Fürst Dolgorukij."- Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese ddotiz, in welcher Horthy mit Kerenskij verglichen wird, den Anlaß dazu bot, daß tags darauf das Horthy-Gesindel mit den „Erwachenden Ungärir" die Druckerei des „Az Est"' und anderer zu diesem Konzern gehörenden Zeitungen demolierte und 24 Stunden später-in die Administration des Blattes eine Bombe warf. Die Polizü.' die im Hause der „Erivachenden" eine Untersuchung vornehuten' wollte, wurde hinausgeworfen. Die Juden find schuld. An dem Putsch und dessen Folge» nämlich. A» dem Putsch — das beweist ein ungarischer GewahrAmann in'der „DeUtschösterrrichische» TageSzeitung".eniczky, der als Minister beS Inner» im Ungarischen Tiefland die Juden hat zu Dutzenden erschlagen lassen, hat eine Jüdin zur Frau. Das läßt' tief blicken. Die Königsfmge ist von den Juden anfu geworfen worden und di« „Erwachenden", das sind dix magyarischen Frontkämpfer, haben das erkannt. Wie^ kommt Hann A n d r a s sy an die'Spitze der Christlichf-- natwnalen-, dtzr Mutterorganisation der „Erwachenden"? >Auch an den Folgen sind die Juden schuld. D« „Reich spo s^ hat das heute entdeckt. Gestern waren es noch d«r eidbrüchige Horth y und der Räuberhauptmann Pronai. 'Ein Artikel der ,Mi«ner Morgenzeitung" bietet - die Unterlage für diese« Fund. ,^Dia haben am Ende gar Ungarische Inden „Putsch" und „Bürgerkrieg vngezettelt/weil sie gehofft hatvche . . . Die.Perspektive«, die sich da öffnen, reichen schier ins Endlose." Ins Ulsche« und Lügen natürlich. Telegramme. Der A«tzenaursch«tz der e«glischen J«de«heit »«d -er Völker-»«-. L»Äd»u, 24. DftoSer. Md. Korr.-Äur.) Taster« smck> hier unter Vorsitz Sir Stuart Samuels eim Sitzung des Jewish Board of Deputies statt, dem eine Neihe von Berichbm der Ausschüsse unterbreitet wurde. Mr. Äucien Wolf erstattet? Bericht sin Namen des Joint Foreign Committee über die den Vertretern des letzteren bei der Bö lkerb und v ersa m m luug in Genf erteilten Instruktionen in bezug , auf die Verfolgung der Juden in Ungarn und Lettland, ferner über die Kandidatur Litauens für den Völkerbund und das vorgeschlagene Minor-itätenübereinkommen mit Finnland. Weiters gibt der Bericht darüber Mskunst, daß ' bi« polnische Regierung ihren Vertreter in Budapest beauftragt hat, die Lage der von der ungarischen Regierung internierte n polnischen Juden zu untersuchen und Schritte zu deren Repatriierung nach Polen zu unternehmen. Dies geschah auf direkte Vorstellungen des Joint Foreign Eommittees bei tfcx polnischen Regierung. Mr. Lucken Wolf berichtete auch über seine Teilnahme an den Genfer Verhandlungen der internationalen Jmmi gratis ns ko mmissivn. Gemäß einem Beschluß d«r letzten Sitzung des Board of Deputies zog der Sekretär inoffiziellr Erkundigungen byim britischen Außenamt über die Möglichkeit britischer Hilfe zur Einstellung der Po gr ome in Weißrußland ein. -Er wurde verständigt, daß «S fiir die }