Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 987 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis » Kronen Etnzeipreis Sü Kronen ^rLnnnrernkonspreist: »■»•»: Sam »Lholr« in der Ekpe»iti-n, L vrzirt, Lab»», ftraitzl Mil ater in tkm [ »orttttirtrt« (SwW: MDNstltch. Mtavum 2«0«~ SW4;9#mfMk »V «tat; m* ..Cüfimdrti: M mnMtch. Sintta S(0/> Lsch«ch>7elM«rei: W«mtltch.. .StM'nrlSr», „ 64v— «. OH«ch»-sl»»»Üich« Wtlstn^ rener VimmtUch. . Knuts 70«— « t»»t»riÄ-«ch - . itlOru tent«tiWnmtcum ■,. Mn1B^ «nNRiTel«» . 45r- Sir. «87 Wien, Freitag den 28. Oktober 1S21 &vaM*mtTmau*r>mfe: «vnatttch.. »r«,_ «i polnisch« »4|(ws ’ ■ : . Jtali«,:! ■ «-»«tlich..... _ ' N»«ä«i,n: Movalttch ... . , . S0^- Schweii ». bat tkfee; L,^n» Moxtttch. . 9*rtUtc«, -< »rl«phx»: ck4S38> 4SS1, «* Uhr «be»v0 Nr. iS30i PostsHnrkaffenrottt« 1Ü0JSV! 3. Jahrgang DasUltimatum gegen Horthy. —7. Wien, 28. Oktober. ... Das mitteleuropäische SLaatensystem tritt heute Ln . die kritische Phase seines Bestandes. Heute läuft dgs Ultimatum ab, das die drei Staaten der kleinen Entente der Horthy-Regierung gestellt haben und das von dem Gedanken ausgeht, der Äestaurätionsverfuch des . Exkönigs Karl sei nur eine symptomatische Episode m dem Bestreben der magyarischen Politik, den Frieden von Trianon umzuwerfen, die verlorenen Gebiete wiederzugewinnen und als monarchistisch konstruierter Staat, wieder die alte unnatürliche Hegemonie in einer mit Waffengewalt aufzurichtenden Völkergemeinschaft zu erlangen. Demgemäß fordert da« . Ultimatum nebst der gesetzlich zu vollziehenden Absetzung der Habsburger, noch die pünktliche und genaue Durchführung, des Friedensvertrages und die Reduzienchg der Armee von!^6D00 auf 30.000 Mann. Hinter diesem Ultimatum, das ^der ungarischen Regierung außerdem. noch den vollen Ersatz der Rüstungskosten und. die Erfüllung der' Kohlenoerträge.an Jugoslawien.auferlegt, steht der Krieg.'Die. Tschecho-Slowäkei und Jugoslawien haben mit. der Mobilmachung, bereits begonnen, in Rumänien ist Ministerpräsident Äoerescu mit. der Mobilisierung der'Fuß- und. Reitertruppen beauftragt worden. . Das Ultimatum richtet sich wie jede derartige Note an die Regivuirg. nicht an das Pylk, Aber noch festen äst 'der Unterschied zwischen diese« beiden Faktoren so, grell W. beobachten gewesen. Es - sind imnM'die Pölker, die die SündE / ihrer. Regierung mitMlük Md' BM M MW. haben.*? ■ Zn Mm - norlre'qendm Falle aber wäre es?.für das gesamte in Unäurü lebende Volk eine Erlösung arrs .schwerster ^Me,>wenni-die; kleine Entente ihren Millen durchseM' würde. . Dre . Entwaffnung: und Auflösung der- MKee'ßKde den - Alp verjagen, der - seit vollen zwei ZiMsi aüf Ungarn -liegt. Mit der -Äxmeebricht auch das/System des Mordes, der politischen undmateriellen Erpressung: zusammen, verschwindet die Gesellschaft von Tagedieben.' Ignorantem, Mauldreschern und Söldnern, deren Tätigkeit' Ungarn bis auf das NiUau der mongolischen Steppe .heruntergedrückt har. Diö Bemichtung! dieses Regimes,'das sich an den 5'iümen des Admirals Horthy knüpft, würde dm im ungarischen Volke wie in jeder anderen Nation lebenden Kräften des arbeitenden Schaffens wieder .freie Bahn geben.und die vielen, die inder Verbannung ihr Leben verzehren, wieder der vollen geistigen, sozialen und wirtschaftlichen Produktion zuführen. Vollends iw*, nichtige und schaffeusfreudige. jüdische. Volk in Ungarn, das von Horthy und -seiner Umgebung von Stallknechten? und - antisemitischen Hetzpriestern dem. .lftitergang yreisgegeben war, würde wieder dem Leben iu>-des; Wortes primitivster Bedeutung: zmückgegeben werdeiu : Für die innere Entwicklung Ungarns kann durch den Schritt ster kleinen Entente, wenn sie fest bleibt und nicht den Drohungen der italienischen und französischen Protektoren Horthys weicht, eine Zeit der Ruhe sich öffsten. Von weit größerer Bedeutung aber ist die ungarische Frage heute für Europa. Der Karlistenputsch. wäre kaum zum Versuch, geschweige denn zur Tat geworden, wenn ihm nicht die zynische Banditenaffäre im. Burgenläsid vorangegangen wäre und das Sprungbrett geliefert hätte.' Diese Affäre hätte sich nicht - ereignen Können, wenn die Schutzmächte des Friedensvertrages nicht das Horthyfche Spiel mit diplomatischen Einuftd Zweideutigkeiten geduldet hätten, wenn ihre Beruheter in Budapest nicht ihre jämmerliche Blindheit zu einem sehr wesentlichen Posten in der Rechnung der gNssenen Roßtäuscher Ungarns gemacht hätten. Rechnet Frankreichs Bolschewikenhysterie gar so fest mit den üstgarischen Hilfskräften in der großen Auseinandersetzung mit Lenin und Trotzkij? In dem Millionenkampf, der sich da entwickeln würde, , fallen die paar magyarischen Korps nicht fo schwer ins Gewicht und so tüchtig ist die Sowjetdiplomatie, daß ' sie Ungarn in einen Zweifrontenkrieg, tttst seinen Nachbarn im Norden und Süden verwickelt Hütte. Da» würde die magyarische Hilfe illusorisch machen und nicht einmal milttärtechmsch den Verrat rechtfertigen, den Frankreich an seinen große« und stokerr Traditionen der Freihett begeht. Von unserem Parlamentsberich t erstatte r. Ans Anlaß der Verhandlung des neue« 20-Milliardenkredi'.Z gab es gestern im Nationalrate wieder eine Ernähninasdeballe. aus der die Zustimmung der Sozialdemokraten mm Abbau der' staatlichen Ernähr-unaszuschüsse hervörznheben wäre. Diese Zustimmung sprach Dri Bauer nur unter einer Reihe von Kantelen aus, während seine Pyrteigenössrn F r e undlich das Anthorm der Zuschußw-rsichast als eine K a t a str 0 phe für d i e Volks t c n ä h r « n g bezeichnte. Flnaamiinister Dr. G ürtler griff pveimch in die Deballe ein. während von den Mehrheitsvarteren nur Abgeordneter K n n s ch a k den Smicildemokra'en die Spitze bot. Die beiden ersten Punkte der Tagesordnung, Teuerungszulagen auf dem Gebier der P e nsionsv e x f i ch e r ung d e r Privat« n g e stellt e n und der Antrag wegen Ausgestaltung der Staat sa n st a l t s ü r P f l a n z e n s ch u tz, wurden «ach kurzer Erörterung angenommen. Abgeordneter Dr.' O d e h n a l referierte wdünn über das Bunvesgeseh, betreffend die Kreditoperationen. Abgeordnete Emmh F r e int blich (So.stälöemskratin): Die neue Kreditermächiigmig auf 20 Milliarden bedeutet die Ermächtigun g. - um 20 Milliarden neue Banknöten zn drücken. Die Wirkungdieser Ermächtigung konnte man an,der Börse Deutlich, bcobachM.'DicMändigLDMtenhüuffeübt gewdM''-cherhrerenbe ' WndaiHeF^attf"'dieiLDchsWltM^^-Änserevö'Oevölkerung^ aus. Oesterreichbraucht monatlich 200 Millionen Hollandgulben c zum Ankauf von Getreide. Diese kosteten im August. 2 Milliarden österreichische^ Kronen, September 7 Mrlliardeu -und heute 10 Milliarden. Das Plusmehl stieg von August' von L 70 aus. L'134'im Oktober, vom' 5. November dürfte es L"300 per Kilogramm kosten. tRufe: Hört! Hört! ber den Sozialdemokraten.) ' Reis kostet nach ernsten. Offerten, die im .Ernährungsministerium vorliegen, L 198'per Kilogramm: im Einkauf. Ein Waggon bunte Bohnen kostet K 1,4‘JO.oOO. Wir müssen eine Katastrophe m unserer Ernährung gewärtigen, denn der berühmte freie Hcindel hat?zu wenig Betriebskapital, um drese ungeheuren Benäge aufzubrmgen. Heute werden mir nicht mehr von fremden Armeen blockiert, aber eine viel schwerere Blockade trifft Oesterreich durch die unerträgliche Entwertung unseres Geldes. Wenn die Entwertung so fortschreitet, werden wir in v i e r W 0 ch e n. keine Lebensmittelm eh re rnführrn köuuen Wenn die Regierung zusicht, wre wir täglich ' dem Bankrott naherkommen, die Bevölkeung kann nicht ruhig mitansehen, daß nicht nur unsere Lebensmittelversorgung, sondern auch unsere A> beit aufs schwerste gefährdet wird« Biele Unternehmen stehen heute vor der Frage, ob sie ihre Betriebe weiter aufrechterhalten öder zusperr rn sollen, weil sie nicht genug Rohstoffe kaufen können; dies umsomehr, als die. Banken, die ihr ganzes Geld in Valutaspekulationen anlegen, der. Industrie keine Betriebskapitalien geben. Es ist zu bezweifeln, ob es dem Dr. Rosenberg gelingen wird, seine früheren Kompagnons dazu zn bewegen, daß sie die Bankett dazu veranlassen, unsere Industrie so weit zu unterstützen, daß wir nicht vor die Katastrophe einer zunehmenden Arbeitslosigkeit gestellt werden. Einem Abba« der Lebensmittelzuschüffe können wir nicht zustrmmen, bevor nicht jene Hilfe organisiert ist, die notwendig ist, um die Lebenshaltung der Ackeiterttaffe zu sichern. Welche Lohne müßien befahlt werden, wenn rin Laib Brot statt K 34 K 934 kosten wirs? Löhne von K 15.000 bis 18.000 kann man nicht dem freie« Lohnvertrag ttberaniwor en, weil sonst eine ge ährliche Lohnbewegung' eintreken müßte. Der Finan minister hätte sich die'e gefährliche Lage ersparen tonnen, wenn er von unserem Finanzplan vor allem jene- Maßnahmen unternommen hätte, die wir an die Spitze des Finanzplaues gestellt haben. vre Anforderung der fremden Valuten und Devise« in. Oesterreich. '; Er muß. nur die notige Energ'e haben, dann wird er isich .die zwei Mrllronen. Hollandgulden, die wrr monatlich idrauchen, M'Oesterreich.silbsi holen können. Er darf das aber. nicht, denn Dr. Rosenberg hat es nicht erlandt. Dr- R 0 f e n b e r g ist für eine innere Anleihe Aber Kronennoten, die aus einer inneren Anleihe einfließe:?. können, uns nicht retten. Solange die besitzenden Klaffen dieses StaatcZ nicht'bereit sind, Opfer zu bringen, kann man von der.Arbeiterschaft nicht verlanarn, daß sie auf die LebensmittelzuschM Veözich-et. Wenn der Staat weiterhin Einkäufer auf demOsvisettmarkt bleibt, wird man es auch mit den schönsten ErmähmüMn des.Dr. Gürtler und Dr. Rosenberg nicht verhindern, daß der Balutentaumel anhäft. - m Finanminister' Dr., Gürtl e r bezeichnek rß als schlechte Angewohnheit des Oesterreichers, Kr dit-- ermäckt'gunge« und Vermehrungen des BanknotenumläriseS als identisch anzusehen. Ich bin mir darüber im llaren, das; gewrffe Maßnahmen?ur Vermehrung der Saatsernvahme« nur in «ittrr gew'ffen Reihenfolge sozialer Gerechtigkeit erfolgen fonrim, aber hier gibt es für mich Termine, an die ich mich selbst^ gebunden . vccke.!Ich bräuche ja. auch. zur/ Vörnahme' normaN Dredit-' .ppLrationen sine Krrdiiermächrigung. dre große Kreditaktiou des Bölkerbwndes Man hat sich ganz abgewöhnt, die Vermehrung des Bchcknolenumlüufs zu änalystepen. Wennman sich die Mühe Wen würde, die Bankausweise anznschauen, so würde man stndch, daß irmnerhin -ein erheblicher Teil des Banknotenumlanses aßs. An-- sprüchrn anderer Gevrelskörperschasten resnlriert, die aber obliza- : tionsmaßig gedeckt sind, daß aber ein großer Teil aas der Einreichung zensurierter Warenwechsel berrührt. Ich möchte nur wünschen, daß aus der Rede der Fron Freundlich die B ö r s e nicht andere Anregungen erfährt als die, welche sich im heutigen Privatverkehr geäußert haben. Heute hat sich der Privatverkehr von.der .L>s'x^e,i Panlksiimmnng io ziemlich erholt, so daß die Valuten zu wesest'- lich geringeren Kursen abgesctzt wurden. Es rst schon e:i.n-1 g e w i s.s e S e l b st b e s r n n u n g eingetreten. Ohm - Beseitigung der staatlichen Zuschutz Wirtschaft kommen wir ans dem Defizit nicht heraus, denn fie führt rettttugö' los dahin, daß wir immer güterloser werden und eine immer größere Menae von Banknoten gedruckt werden müffeu, um-bis znm bitteren Ende zu kommen. Wenn wir die staatlichen Zuschüsse abgebaut haben, sind alle andere« Maßnahmen sekundärkr Natur- Es. wird sich nur darum handeln, daß die Kosten dieser Maß« nahmen nicht aui dem Rücken von Senten ausgetragen werde«, -die sie .nickt ertra en können. Die Klippe unserer ganzen Situatirin liegt im Abbau des Lebensmitteldefizits. Für mich steht das eineftst : Wenn wir wieder gesunden sollen, so müssen alle Zweige d'.e r Volkswirtschaft durch ihre eigene Br»- .d u k t i 0 n n n b e ig e n c Ar beit - leistung tz De. K,oste« ihres Unterhalts decken. Ich glaube' -daß.bi8 zum 16. N 0 v emb'e.r. viele Besitzer von Pevlsen und Valuten g e n ö t i g,t. siin werden, i h,r e D e vä s.e n und Valuten z« verkaufen, u« ihre SteuM enttichlen zu können. . > ' . Abgeordneter Dr. Dauer bestritt, daß das MN Problem »wer S StaatshauShalies - der Äbbau der i staMch-.n ^Zuschußwirlschaft l^i Durch dresen Abbau konnte nur r n Briisi.*.■ reil nn'eres Desizits beseitigt werden Sie sind auch jetzt auf dem besten' Mge, z« glcmh^i> datz alles mit dem Wbau der LebensmittelzuMssej chyckHll Mi«! Es ist richtig, daß :m dem Wirtschaftsleben Europa« Ungarn ebenso: fehlt wie Deutschland und Rußland. Aber während Deutschland besiegt und bis zur Ohnmacht ermattet ist. wurden Rußland und Ungarn - durch ihre eigene. Schuld aus dem Organismus ausgeschaltet. Es ist unmöglich, im Rahmen eines für den Tag geschriebenen Zeitungsartikels der verblüffenden Analogie in dem Schicksal j dieser, beide» Vlaateu bis ins einzelne nachzugehen.) Die Existenz der Gewaltsysieme in Moskau und m Budapest verhindert den Eintritt dieser Staaten m den Produktionskörper Europas. Ungarn hält keinen Vertrag, kein unterschriebenes Wort. Sein Regime hat die Zündschnur unter den Bau des Friedens gelegt. Wenn Horthy und seine Leute weggejagr werden, so wird Ungarn und Mttteleyropa . anialme» Lönnea.