Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 985 (26.10.1921)
- Date
- 1921-10-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mW* Mm. Mittwoch .i ■ i m mmnn—aa>j»*»smiM*WM. >—»»»-> ->-> - >>> >—>» »» «.m.» Sin neuer jüdischer Deputierter tat litauische» Parlament. Äowno, 23. OKIob«. <Iüd K»tk.-B«r) An Stelle des verstorbenen Deputierten Friedmann wurde - der Direktor der Jüdischen Volksbank in Poniewiez, H. Landau, in dar litauische Parlament gewählt. Dr. Wirth mit der Neubildung des Kabinetts betraut. Berlin, 25. Oktober. (Privat.) Der Reichspräsident hat hm bisherigen Reichskanzler Dr. Wirth mit der Neubildung des Kabinetts betraut. Oberschlesieu. -Warschau, 25. Oktober. (Tel.-Kotnp.) Die Durchführung der, Entscheidung des Obersten Nates^ soll etappenweise^ vor .sich', gehen. Dir GrenzffststEungs-. komMiffioN, ^.die . unter dem Vorsitz, des Generals D u p.o n t bereits amtiert, wird ihre meritorische. Tätig- - feit sofort nach der Antwort der' polnischen Regierung an den' Obersten Rat aufnehmen. Die Aufgabe dieser Kommission wird darin bestehen, die in der Entscheidung fest ge fehlen 'Grenzen abzusteckem' Diese .Aufgabe wird sich häufig schwierig gestalten, weil in d«r Entscheidung des Oberstes Rates die Grenze nach den'Gemeinden festgesetzt wird, wobei Bergwerk», Fabriken und sonstige - Unternehmungen, die auf dem Gebiet zweier Gemeinden liegen, nicht berücksichtigt werden. Die Kommission wird sich also häufig durch den Aiistausch benachbarter Grundstücke behelfen Müssen. v Die zweite Kommission besteht ans polnischen und deutschen Delegierten unter dem Vorsitz des ehemaligen Schwerer- Bundespräsidenten -Ad'or.- Aufgabe dieser Kommission ist der Abschluß des vom Botschafterrat empfohlenen wirtschaftlichen Abkommens zwischen Polen und. Deutschland. Die' Arbeiten dieser Kommission sollen innerhalb eines Mönats zum Abschluß gebracht' werden. ' "Die dritte''Kommission ist gleichfalls . eine ge-"- mischte und dient der Regelung der gegenseitigen wirtschasrlichen Verhältnisse zwischen den geteilten Gebieten. Sie hat ferner die Aufgabe, die zwischen Polen und, Detttschland "abgeschlossenen Vereinbarungen burchzusühren. Diese Kommission soll während der ganzen fünfzehnjährigen Dauer des Provisoriums im Amte bleiben; / Paris. 24. Oktober. (Wolff.) Noch einer Blättermeldüng .ms Warschau ist per iktzize polnische Oberlommiffär in Danpfl, Plu ci ns ki, zvm Vertreter Polens bei den wirtschaftlichen Verhandlungen über. Oberschlesien bestimmt worden. Die polnische Regierung hat die Beschlüße von Genf über Obrrschlesten angenommen. OSerschlefisches Gebiet für dieTschechosSlowakei? Prag» 25. Oktober. .Nasinee" erfahrt, daß der 20 km lange und 3 bis 7 km breite Landstreifen z w i s ch e n H u l d s ch i n und der Oder mit zehn Gemeinden der tschecho-slowakijchen Republik zufalle« soll. Die rumänischen Finanzen. . Bukarest, 24. Oktober. Der Ministerrat hat den Abschluß einer schweizerischen Anleihe in der Höhe Hon 40 Millionen FianeS genehmigt. Rumänien erhält 16 Millionen bar und 24 Mill'onm in Form von Materialien für Post, Telegraphen und Eisenbahnen. D:e Rückzahlung erfolgt im Jahre 1923. Rumänien hat 7500 Waggon- Getreide der hrnrigrn und 75 Waggon-der nächstjährigen Erme a» dir Schweiz ab- M'efcrn. Im gleichen Ministenat hat der Finanzminister berichtet, baß m den letzten 5 Monaten die Staatseinnahmen um 253 Millionen Lei höher waren als die Ausgaben. Er kündigte murr. eine Aktion zur Hebung der rumänische»Valuta an. Memel für Kowno? Berlin, 25. Oktober. (Tel.-Komp.) Dem ^Lokalanzeiger' zufolge wird der Oberste Rat nunmehr auch seine Entscheidung - über das M e m e l g e b i e t treffen. Dieses Gebiet soll, da Wilna Polen zugesprochen werde« soll, Litauen als Entschädigung für den Verlust dieser Stadt anregliedert «erden. Eheißt, daß die Swdt Memel an Stelle Kowrios Hauptstadt des veremigtr» Li'.aurn werden soll. Kämpfe Mische« Arbeiter« und - Fasziste«. Ro«, 24. Oktober. Bei einem Kampfe ztvisHen Arbeitern und Fasästen in Carrara »irrde» zwei Arbeiter g e t ö t e t und einer verletzt. Auch, in Bologna wurden im Laufe eine- Zusammenstoßes zwei Kommunisten und ein Faszist verletzt.' Die Kabinettsbildung in Albanien. London, 25..Okwber. (Funkfpruch.) Elevang helz bat das neue albanische Kabinett gebildet. Der Kamps gegen die Ieschiwoth i« Somjetrntzland. Einer Meldung des in Berlin, erscheinenden russischen Tagula tes ,,Rul" zufolge hat das Volkskommissariat für Erziehung-« wesen auf Ansuchen des Depgrtemems für jüdische Angelegenheilen äie unverzügliche Schließung alter Chedanni uni Äeschrwoth, die in Gowjetrußland «och eriliieren. ungeordnet. Das Dekret verbittet ferner' die Zulassung von Äedarim«' und Jeschiwoth-Lehrer« zu den bemslichen Gew.erkschaften. (I. C. ÄSie««nr — —r--~— Mittkiluugell aus dem Publikum. , LIEBHÄBERPREISE für Perlen, Brillanten, Gofidde&en, Silber etc« zahlt ' iHwslier Rablnowltsch, I, MAHLERSTRASSE S II., HOLLANDSTRASSE 3, nr Rr. 3 (frflhara SaxfmillaHrtr.) Tbl. 8541 f (KMisra Stephaalostrasse) Im eigenen Hatte Haltestelle Operaring, Zng. Kärutaoretr. Tel. 45-1-48 Sameteg gesohleuea. 4489 Han aohte aof Straaeennhr nitd auf Hum Rr. 3 «- BESTABRUNT APERER »» Wien, H., Taborstrasse 12 Erstklassige Ktioko / Spezialität: Täglich, polnische Fische / Tokayer und Szamorodner. Weine Debernahme von Hochzeiten und Diners Grosser u. kleiner Saal furünterhaitangen etc. zn vergehen *«« f Feinste * Herrengarderoben nach JSass . liefern vir promptest in prima Dualität «cd Ausführung su konkurrenzlosen Freisen. 9151 GeM & Fürst, Wien, II., Holiandstrasss 86 III. I I ..I——III, 111 II.. 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Ms diese feigen Henkersknechte, welche allerdings vor und nach jeder Schurkerei fleißig in die Kirche liefen und sich den Segen blutdürstiger, antisemitischer Bischöfe holten, im Judenblut wateten, Mische Frauen und Mädchen schändeten und würgten, die Donau mit ihren verstümmelten.. Opfern füllten, da. pries die fromme „Reichspos^ diese Schandbuben als ,Werkzeuge der Vorsehung und reine Streiter für bas Christentum. Nun hat der christliche König Karl-, der Träger der Stephanskröne, die Ritterlichkeit der Horthy-Banditen, die ihm in den Rücken gefallen sind, zu verspüren bekommen. Flugs ist die „Reichspos^ mit ihrem Urteil fertig und verflucht, was sie gestern gesegnet hat. Unter dem Totenkops. Ungarische Kulturträger. Die aus Preßburg nach Budapest Nus'gletMNberte Ungarische Universität wird, mit allen ihren Professoren und ihren sonstigen Einrichtungen nach Fünsiirchen verlegt werden, um dort,, an der südlichsten Grenz>r Ungarns, ungarische Kultur zu verbreiten. Vorläufig erfüllt sie diese Mission-noch in Budapest, wahrscheinlich um der Jugend der Baranya Gelegenheit zu grben, sich in der ,Horthy-Kultur" zu üben. Welcher Art diese ist, zeigt» sich, vergangene Woche, als in einem Hörsaal dieser ungarischen Hochschule, während der Saal für die Dauer eines physikalischen Experiments verdnnkrlL wurde, die christlichen Studenten über ihre jüdischen Kommilitonen herfielen und sie verprügelten. Tags darauf haben offenbar dieselben Dunkelmänner auf der Ankündigungs- Lasel «men Anschlag angebracht, in welchem di- Juden aufgefordert werden, nicht in den ersten Reihen, sondern in der letzten Bank M sitzen und auch dort nur bann, wenn alle christlichen Studenten bereits je einen Platz belegt haben, widrigenfalls außerorbenLlichi- Mittel folgen würden. Das gleiche gilt auch für Mische Studentinnen. Ein zweiter Maueranschlag lautet wie folgt: ,^-uden! Wagt es ja nicht, den Vvrtragssaal zu betreten, sonst kann es euch schlecht ergehen." Als Urnterschrist prangt ein Dotenkopf. Msv selbst diese verschwindend kleine Zahl jüdischer Höchschüler, w-rlche der Numerus clausus überhaupt noch zuläßt, wird in Horthy-Uugarn an ihrem Leben bedwht, wenn sie es wagt, ihren Studien zu obliegen. 26. Okwöer MNss ...- - ,, ■ ... m.n„,r^,;m1^ar!3a .. . , Astronom Leopold Schulhof gestorl / In Paris ist dieser Tage im Alter vvn 73 JrchttzW der Astronom Leopold Schulhof gestorben. Gr. entstammt einer jüdischen Familie jwt Baja imb &W Bll zum Ende seines Lebens nicht nur astronomische, sv«^ auch jüdisch-wissenschaftliche Studien. In dies« Fragen stand er in regem briefliche« Verkehr mit feinem Vetter)- d«m vor einigen Jahren verstorbenen Budapester Ober*- rabbiner Dr. Samuel Kvhn und seinem Studiengenossen Universitätsprofessor Julius Donath. SÄn^ astronomischen Studien begann Schulhof unter Litt r 0 w und Weiß in Wien, wo er durch seine Bereiches nungen von Kometenbahnen sich' bald einen Namen errang. In weiteren Kreisen bekannt wurde sein Name,' als er eine Asteroiden entdeckte, den er „Protogenvna". (die Erstgeborene) benannte. Bald darauf wurde er von dem Direktor der Pariser Sternwarte, Levy, der .aus Preßburg stammte, an das Pariser Bureau dos! Longitudes berufen. Das Ergebnis fsiner Tätigkeit a« diesem Institut war die Entdeckung dreier weiterer kleiner Planeten: Caja, Camilla und Liüsratrix. Schuld Hof wurde von der französischen Akademie mehrfach ausgezeichnet, war Mitglied der ungarischen Mvdemie der Wissenschaften Und Ritter.der französischen Ehrenlegion. Unter seinem wissenschaftlichen Nachlasse befindet sich ein nicht ganz abeschlossgenes monumentales Werk über die Eigenbewvgung der Fixsterne. Kurz vor seinem Ableben äußerte er Freunden gegenüber, daß er de« Wunsch habe, nur noch zwei Jahre zu leben, um dieses Werk/an welchem er acht Jahre «leitete, abschließen zu können. Dir alldeutsche« SiMchath-Thora- Fahne». V" Man schreibt uns: Der herzerDuende' Anb'Kck der bunten Fähnchen, welche die Kinder am Simchath-Thora in den Synagogen flattern lassen, bekam diesmaleine unangenehm-komische Nnauce dadurch, daß sich unter den Fähnchen der jüdischen Kinder hie und da schwarz» wt-gvldene Fahnen befanden. Es wäre doch wirMch leicht, dieser Geschmacklosigkeit, welche aus der Achtlvsigkeit der Eltern entsteht, abzustellen. Daß am jüdischen Thora-Freudenfest die Kinder gerade düe Fahuertfarben der Patentgermane« tragen, ist doch wirklich nicht notwendig. Es ist ohüedies beschämend' getmg< wenn es noch immer erwachsene Juden gibt, die schwarzrot-gvld schillern; die Kinder, die noch unverdvrberv sind, sollten doch die Farben, die heute das Symboll des säbelrasselnden Durchhaltertums und des bierehrlichen Antisemitismus geworden sind, nicht tragen müssen, und am wenigste« in der Synagoge? Streik in der Poliklinik. In der Poliklinik ist gestern em Streik der Angestellten, 150 an der Zahl, ausgebrochen. Im Ausstand sind sämtliche Bedienstete mit Ausnahme der Aerzte und Pflegeschwester«. Die Ursache des Ausstandes sind Lohnforderungen, Es wird eure 150prozeutige Erhöhung der Bezüge verlangt. Ei« bulgarischer Student alo Scheckbieb Der bulgarische Kaufmmm Moni-Senro-?. sö zirk, Schüttelstraße 19 a wohnhaft, war vor einiger, Zeit nach Bulgarien geschäftshalber gereist rmd fatte in seiner Wohnung seinen Schwager Josef Schoeff zurückgelassen. Dieser hatte vor etwa vierzehn Tage«! einen Bekannten ans früherer Zeit, den bulgarische« Studenten Josef Arie getwffen und ihn, da eri eine Wohnungsuchte, eingeladen, bei ihne zu wohnen. An die Wohnräume - grenzten dis Bureauräume Moni- Semos. Sie waren stets abgesperrt, doch' - lag der Schlüssel im Wohnzimmer. Am .21. d. 0WL bekam nun Schoeff einen Brief, der anscheinend von einem Be-' 'kannten, einem bulgarischen Zahnarzt, geschrieben war,; und in dem dieser Schoeff vinlud, aus den Südbahnhof zu komnten, da er ihm einen Brief einzuhändigen habe, der 120.000 1 Kronen enthalte. Herr Schoeff begab' sich auf den Südbahnhvf, wartete aber vergeblich aus den Zahnarzt; als er zurückkam, richtete ihn Arie aus, der Zahnarzt sei indessen da und allein in der. Wohwung gewesen. Am 23. d. M. war Arie aus fcfet WöhMng verschwunden. Er hat angegeben, er müsse mit demi D-Zug nach Bulgarien. Später vermißte Herr Schoeff' 15 Schecks seines Schwagers auf die Allgemeine Verkehrsbank, den Wiener Bankverein, die Zentralkreditbank, die anglo-ö sterreichische Bank unb^ die Mittel!- deutsche Kreditbank. Es unterliegt wohl keinem Zweifel/ daß der bulgarische Student die Schecks gestohlen, hat. Arie hat auch bas Mädchen von dem Erscheinen des ZahMrztes nur ausgeheckt, um Schoeff aus der Wohnung zu entfernen und GelegenheiL zu haben, aus dem Wohnzimmer in die Comptvirräume des Herrn! Moni-Semo zu gelangen. Am 24. d. M. bekam Herr Schoeff die Verständigung seitens der Zentralkreditbank in der Rvtenturmstraße, daß auf einen der 15 Schecks ein Betrag von 90.000 Zkronen behoben' worde« M- Andere Schecks sind bisher nicht verwertet wordeal Das SicherheiWuxeau hat die Bersotznng Skt** Ä“ gelL.itet> ,,K