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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-26 · Heft 985 (26.10.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 985 (26.10.1921)
Date
1921-10-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelpreis @ Kronen Einzelpreis » Krone» ^riornnrerattonspreife: m bt* %»*MI|IU 2. Ztiixt, t«iw> MiTm % Hr .Ii «km ^»RtiWjWt «»«HO: St*MWft 990*— W»‘9»|N»f«(Mi ftoVtoR RHU : CtfMmktt -MMHrttt*. iniwi SCO/« . Tichech»7v>»»»retr MsNRttich . . Skr»»«« 1>U Mi»ri«lickhrlich , L4.— k» <ch»ch»»>lo»aN!4«. »ft***« Slafitmt MORRMch. . Stimm ffo«— W«n,lt«hrltch . «*- Im RRCMiWkt CHIctwii A»«0»«ch- . Dl«« 1&~ GtSLlllitzrltO Nr. 985 ^rL»»«eratro«L»re^e r. 9Mmt «on-tti^. . mmf 4Mt-, w »olmiL« VMInmi'.' . i D«Nsch<OR»r ■totttlkft. . . Md( J*~, ^««Iretchr ') \ M««Ottich . . . A»R»<> 4r~ Jtaliemr RfMiliA . . . . Kitt IriNRttfoffR: «r-natUch.... «et S»Sr~ Schwitz iu w»;Uri-e AR»lWw li»MlU4. . . 8nmI . Mrd,ktiou«.Ad«i»,iftrati»» tUi««, ".B«t..Taborstr. I—» »«liphone: 4>S|» «k Ubc Ode«»- Nr. Ul« V»rtrp«k»ir«l»ni» ümj* Wien» Mittwoch den 26. Oktober 1921 3. Jahrgang I ' i: Entwaffnung. —V. Wien, 26. Oktober.; Der Exkönig Karl und feine Frau können jetzt im Haotsgefängnis zu Totis über das Kapitel Freundschaft' und Vertrauen Nachdenken. Sie waren von ihrer Partei nach Ungarn gerufen worden und erlebten in atemloser Durchführung ein Drama, das sich mit Sh.ühespearischer Meisterschaft vor der Welt abrollte. Ihre. Truppen sind zersprengt und entwaffnet, die Freunde, soweit sie erreichbar waren, verhaftet, die Kinder weit draußen in der Schweiz. In wenigen Stunden hat sich das Schicksal. erfüllt, das alle Hoffnungen zerstörte. Horthy ist wieder der Sieger, diesmal stärker noch als im März, das Land und . die Armee haben sich für ihn erklärt und die kleine wie die große Entente stehen mit ihrer mUrtanschen Macht hinter ihrn.' Hejjas und Pronah .Haben'- für ihn den Aus- / schlag gegeben und von ihren Waffen gestützt kann Hörtyy jetzt daran gehen, sich aller seiner; Feinde auf den/ Wege de» Hochverratsprozeffes zu entledigen. ' Die politische Entwicklung Ungarns wird bis auf weiteres wieder von denen bestimmt/ die ihr den schmuMarrenden Charakter des Ealgenregimes gegeben haben. Es war sozusagen ein häuslicher Streit zwischen den monarchistischen Parteien. . der nun beendigt wurde. Das Land blieh ruhig und Zeigte keinerlei. Anteilnahme. Die Finünzmifere unddie Stockung des wirtschaftlichen Lebens - wurdennicht berührt, aber auch nicht die Stellung Ungarns zu seinen Grenznachbarn. Der Sieg der Restauration hatte den Krieg bedeutet. Äbei ihre Niederlage, der Triumph der Prönay, und Hejjas über .den ganz gleichgearteten OszteNburg, ist nicht der Frieden. Es wäre die Fortsetzung der Aevanchepülisik des heutigen Systems, wenn, die Stabten der kleinen Entente, denen es ans Leben gehangen wäre, sich mit dem augenblicklichen Erfolg zufnedengeben und der heuchlerischen Loyalität trauen würden, die ihnen heute von der Budapester Remerung entgegengebracht wird. Horthy mag es ehrlich meinen, wenn er nach Prag und Belgrad sich dankend verneigt. Aber die Clique, deren Marionette er ist. hat wieder gesiegt und hält die Macht fest in ihren Händen. Sie hat die Kanonen und die Kasernen, sie. beherrscht mit ihrer Macht die Gesetzgebung und die Verwaltung. Solange ihrdiese Machtfülle uneingeschränkt verbleibt, ist Ungarn eine Gefahr für den Frieden^ Das ungarische Vhlk kann nicht sprechen. Die Nationalversammlung Wohn mächtig ünd sogar in der Kritik beschränkt, die Presse von der Zensur an die Kette gelegt. Der Weg zur Demokratie bleibt gesperrt, solange die Offiziers- Kamarilla und die mit ihr verbündeten christlichnation.alen Panamisten nicht den entschiedenen Willen Europas verspüren, auch zwischen. Donau und Theiß di-. Ordnung herzustellen. Das Waffenlagec muß aufgtzhpben, die . blutigen Detachements aufgelöst» die Kerker geöffnet und den Emigranten der Weg in die HMat freigegehen. werden. Nie hätte man an den Flug von Hcrtenstein nach Öedenb.urg denken, können, wenn nicht das offizielle Ungarn mit.Zustimmung der Entente unter den Augen ihrer unfähigen Vertreter das Land in eine Kaserne hatte verwandeln dürfen. Der Unterschied in der Behandlung des eniwaffneten und mit leeren Versprechungen gefütterten, schließlich iit Venedig betrwgenen Oesterreich und des in Waffen starrenden Ungarn mußte zur höhnischen Reannexicm Westungarns ukd Zu der Terrorisierung der österreichischen Grenzhevölkerung führen. Dieser Fehler muß jetzt Mgehoben werden. Da aber das ungarische Volk aus eigener Kraft mit seinen Blutsaugern nicht fertig werden kann, muß die kleine Entente den Weg ihres Ultimatums bis zum Ende gehen. Tut sie dies nicht, so hat sie die Gefahr nur zur Hälfte gebannt. Können die Brachialgesellen sich ihres Sieges freuen und ihn bis in die letzte Konsequenz verfolgen, dann kann die.kleine Entente ihre Truppen bis in graue Tage mobil halten und ihre Steuergelder in das bodenlose Faß des Militärs versenken. Im Interesse ihrer Bürger, im Jntereffe Europas und Oester: eichs, des Zentrums des Kontinents, muß jetzt die magyarische Hölle für immer aüsgehoben werden. - Früher gibt es für die Welt keine« Frieden und für Ungarn keine Freiheit. Der „Az Eft" zerstört. Bndap e’ft- 25. Oktober. Trotz des DlandrechLes ist es heute zu AnsschreÄrmg?« grkomMeu, die sich gegen die $)’&*.$«. me n t a *i;f$ en' un d p « bl i zi st is ch e n Gegner ided' tz iovi'iü* S h'ste.mH; . Das - tz'o.'r t h h - M r l i't L r,' verstärkt durch »Er*, ^wachende"-Mh'.LsWÄffKeLe^ S L'u He ntzii, durch zog'.den ganzen Tag über. die Hauptstraßen. mb drang MlieWch -auch-.iu die.hauptsächlich nun Fnde»-LewshnLeuBezirke ein. I ü d i f ch e P a s.f-a n t^e n wurden schwer m t"ß h:a-n d e-l ^/tic Eafss und Gästhäufer, in denen jüdische Mäste -verkehre^ -zum SchliHen - gezwungen. DerschiedentlifH' wurde' geplündert.' - Die Polizei war dem'Militär''gegerrüder wachrlps. ' Das Gehände des Demokkatm-Klubs (der B 'a z f on hi - Pa r L e i) wurde gestürmt Ein Angriff ans die V o r s e wurde von der Polizei abgewehrt. Die Druekerer „Athenäum", in der der „ÄZ Gst" und der „Pssti Naplo" hergestellt werden, wurden oom Pöbel angegriffen und demoLsert. Vor dem .Parlament wurden einige RedMenre des- „Pester Llohd" verprügelt. . . ' ’ ' . t •; - : ■:: Me InterMerMg. des Exkönigs. SM.^KlWer^TihaM am 'Wattensee. : /2H.^Mroöer.'.ÄKsuErgebnis der 'gestttgen. ^Berat««z ^der Vertreter j der .tzroHe.N:Gtttsttte^.mit^^.;«nKOVifchen.''Begiern«^ besteht in den^Peschlnffe^ den König vorlänstg im Kloster TGantz am Platterrsee zu 'internieren.. Da er stch hedrngnugslos ergeben hat, können die bereits geMeldetsn sieben BsÄingungen, die ihM^ oon der ungarischen Regierung gestellt worden waren, als angettommen gelten. DÄs. KörligKPÄÄr-Mxd: »ach; Malta üherfÄhrt. / B u d ap e st, 25. Oktober,.(Privat.) Wie in guLMformierten Kreisen VerlanLst, wird Exkönig Karl mit der Königin Zita nach Abschlutz der Verhandlungen mit den EnLEntevertretern ans ein englisches Kriegsschiff gebracht und auf dem Donauweg über das Schwarze Meer und Konstantmopel auf die. Insel M a l t a.-überführt» die dem früheren König zum dauernden Wohnort zugewresen werden soll. - „Ich w«rLe irregsführt . . .“ Budapest. 25. Oktober. (Privat.) Exkönig Karl und seine Gemahlin befinden sich noch immer im Schlosse Eszterhazy in Totis. Der Exkönig weint und beklagt sein Schicksal. Er erklärt mit Bitternis: „Ich wurde von leichtfertigen Ratgebern irregeführt". Exkönigin Zita ist um das Schicksal ihrer in der Schweiz verbliebenen Kinder sehr besorgt.' „Herr und Fran Kofno". Zürich, 25. Ok-ober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die „Nene Zürcher Zeitung" teilt nach Informationen der Ad Astra-Gesellschast einige noch unbekannte Einzelheiten über den Abflug des Exkaisers mit. Die Plätze wurdenfür He r t n und Fr au K o fn o, einen rumänischen Experten namens Fekete und einen Ingenieur namens Ickser gemietet. In der geschlossenen Kabine des Flugzeuges nahmen die Herren Platz, zu denen sich vor der Abfahrt noch ein Fahrgast gesellte. Die Dame saß neben dem Piloten Zimmermann. Die Ättsweisung der Hadsburger ml ihres ganzen Gefolges aus der Schweiz. Bern, 25. Oktober. (Tel.-Komp.) Der Bundesrat hat heute vormittags grundsätzlich beschloffen, das ganze Gefolge sowie den Bruder des Exkaisers Karl, Erzherzog M a x, mit Ausnahme einer Person, die zur Pflege der Kinder Zurückbleiben darf, aus dem Gebiet der schweizerischen Eidgenoflenschaft auszüwersen. Die vollständige Liste der auszuweisenden Personen wird morgen veröffentlicht werden. Vom Gefolge kommen in Vetracht: Oberstkämmerer Graf Ledochorvski, Flügeladjutant Korvettenkapitän von Schonta, Bischof Dr. Seidl, Hauptmann Werkmann, Generalkonsul von Steiner und Frau,. Frau von Borovicsenyi, Baron von Hyc und Legationsrat von Gratz. Die Vorgänge in Budapest. Budapsst, 25. Oktober. Die Blätter melden/ daß Ackerbaumrnister Szabo in der Unterredung mit dem Ministerpräsidenten diesem die vollste Unterstützung der Landwirtepartei zusagte. Der Verein erwachender Ungarn und der Landebwehrmachtverein ^Möve" forderten ihre Mitglieder durch Maueranschlöge zur U n t e r st ü tz u n g d e r R egie r u n g a u s, da das Vaterland in Gefahr sei. Die U n i v e r s i 1Ü t s h ö r e r wurden auf Grund der Ermächtigung der Regierung von den Führern der Korporationen einberufen. Die Polizei hat strenge Bereirschaft, doch herrscht in der Stadt vollste O r d n u n g u n d R u h e. Die Verwundeten im sonntägigen Kampfe wurden bis zum Kelenfölder Bahnhof mit der Bahn und von hier aus mit Wagen der Rettungsgesellschaft in die Spitäler gebracht. Vom Kampfe bei Budaörs wollten Filmoperateure Aufnahmen machen, es wurde ihnen jedoch nicht gestattet. Friedrich verhaftet, Szmreefaayi entkommen. Budapest, 25. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die Regierung hat gegen die Abgeordneten Stephan Friedrich, Ladislaus S z i l a I y i und Georg Szmrecsanyi, ferner gegen General Horvath, Oberst Lehar, Graf Anton S i g r a y, Baron Borovieeni, Oberst A s b o t h und Major Osztenburg Haftbefehle erlaffen. -Sie sind des Aufruhrs angeklagt und zum Teile flüchtig. Im Haftbefehl heißt es, daß sie ohne Rücksicht auf das Immunitätsrecht in Gewahrsam zu bringen sind. Die AbgeordnetenFriedrich undSzilagyi wurden bereits von der Polizei verhaftet. Dem Abgeordnete» S-z m r e e s ä n y i gelang es, als ihn Deteküvs festnehmen wo llten, durch ein Fenster seiner Wohnung zu entkommen und im AutomobU zu flüchten. Sigrai verhaftet. Budapest, 28. Oktober. (Privat.) In Oeben-> bürg wurde der Gouverneur von Westungarn^ Grasj | Sigrai, der sich bekanntlich Karl angeschloffe» hatte,' verhaftet. „;! H j fc; Vf 1|'—' *~iii

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