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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-24 · Heft 983 (24.10.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 983 (24.10.1921)
Date
1921-10-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die Regierungstruppen sind durch das Eingreisen eines Bataillons aus Richtung Nagy-Teteny und durch das Eintreffen von Verstärkungen aus den Provinz- Garnisonen stark entlastet worden. Her Reichsverweser weilt bei den Regierungstruppen. Die Truppen Ws früheren Kaisers find mehrere Kilometer zur ü ckg e d r ä n g t r> o tb e n. Die Osztenburg- T r uppen verloren nach den bisherigen Angaben 9 T o L e und 26 Gefangene. Die Garnison von Steinamanger hat dem früheren Kaiser den E i d e r n e u e r t. Einige höhere Offiziere blieben hingegen auf Seite der ungarischen Regierung und wurden von ihren eigenen Truppen verhaftet. Die Regierung hat Pro « ay beauftragt» mit seinen Truppen in Steinamanger die Ordnung wiederherzustellen. Es dürften daher doctselbt zwischen den Regierungstruppen und den Legitim: st en Kämpfe bevorstehen. In Budapest sind alle «amhüsteren Legitimisten unter strenge Polizeiaufsicht gestellt. Das Stadtbild und die Stimmung sind vollkommen ruhig. Die Gedaß zwischen der Regierung und den Legitfi rMentruppe« bereits ,.em Waffe nst i l l st a n d Meschlossen sei, finden zur Stunde noch keine offizielle Bestätigung. Rach den Aeußerungelr informierter Kreise hegt die Regierung die Hoffnung, in kurzer Zeit der Situation Herr zu werden. Die Derhandlungr» der rmgarifchen Regierung mit W König Karl. Budapest, 23. Oktober. Das Ung. Trl.-Karr:-B«r. meldet s'.-uNuch: Die «vgarische Regierung erhielt Samstag in den Morgenstunde» Kenntnis davon, daß König Karl und Königin;■» i t « Freitag, in Ordenhurg eingetroffen seien, wv der König die llebernahme.der Herrscherrechte proklamiert und unter dem Borsitzt Stephan RakovszkyS eine Regierung ernannt habe. Minist rrpräsident Graf Bethlen berief nach Empfang dieser 1 Meldung ecken Ministerrat ein, der nach gründlicher Erivägnng der außerm und inneren Lage einstimmig zu den, Standpunkt gelangte, daß König Karl IV. im Sinne de§ GefitzaMkS I vom Jahre 192b bic Ausübung der Herrscherrechte m Ungarn derzeit nicht übernehmen könne und das Gebiet des L«»d<8, wenn er schwere Gefahren nicht hecaufbeschwören wolle im-'d er, verlassen müsse. Der Entschließung der Regierung schloß . sich >RWl,sverweler Nikolaus Horthy vollauf an, worauf die Reierunp'die zur Durchführnns ihrer Entscheidung notwendigen Geräts bekannten Maßnahmen ergriff. :v; Die Reg emng berücksichtigte bei ihrer Entscheidung in dollem-Maße auch die außenpolitische Lage, die infolge der Rück- 'ehr Kais IV. eintreten und Ungarn dem Untergänge preisgeben 'önn'te. Die Regierung wurde in ihrem Entschlüsse noch durch die Mitteilung bestärkt, die die hiesigen Gesandten der große» nnd der klernen Entente der Negierung gemacht haben. Die nngarische . Regiemng u«te,ließ er nicht, von der Lage, die durch die erwähnten Schritte noch verschärft wurde, Stephan Rzkvvfiky und durch ihn auch König" Karl zu informieren. Ministerpräsident Graf Bethlen schilderte auf 'esiphon fche« Wege R a k o v s z k h wiederholt die Lage und wies auf die verhängnisvollen Folgen hin, die der Emzug des .Königs unbedingt nach sich ziehen würde. Graf Bethlen war ledock» im kaufe dieser Besprechungen zu seinem größten Bedauern testzisietzru bemüßigt, daß Rakovszky sich einer nüchterne» Erwägung der Lage vollständig verschließe und die zur Ürberlegnng m tznenden Worte des Ministerpräsidenten bloß mit Drohungen beantworte, die ernste Berücksichtigung kaum verdienen. Infolge dr>. Fruchtlosigkeit dieser Versuche erachtete eS die Regierung für nvlmeunrg, direkt mit dem König Fühlung z» nehmen «ud ihn o»n der.wirllichen Lage zn überzeuge«. F>orthy an Kavl. — Die Misstv« Vatz gescheitert. D,e Regreeung ersuchte noch Samstag "m dm Adead* jUiubta ö»n Mmtsier >»'. Kuiur.. und Unrerrichl, Biß, d,e srhri'- Ballckast >e». AeichSverwrierS tz«thtz dem KLnig persönlich zn überbringeu. Der Reichsverweser appellierte in diesem Schreiben an den Patriotismus des Königs und ersuchte ihn, den Plan .eines Einzuges in Budapest fällen zn lassen und die Ueberuahme der königlichen Gewalt nicht zu forcieren, da er hiedurch das Land in die äußerste Gefahr stürzen würde. Der Nt'chsverweser schloß diesem Schreiben die vormittags übergebene Nole der Entente^csandten bei und schilderre auch den Srandpunkt der Gesandten der kleine» Entente die keinen Zweifel darüber obwalten l'.rßen, was Ungarn har-re, falls eS der Regierung nicht gelingen sollte, den Plan Karls IV. zn vereiteln. In Berücksichtigung dieser Folgen teilte der Reichsvirwefer mit voller Offenheit auch mit, daß er der Verwirklichung der Absichten der Königs gegenüber in entschiedenster Weise Stellung zu nehmen gezwungen sei, und bat ihn inständigst, den Plan fallen;« lasse« «ud nich! zwecklos und überflüssig Brndrrblut zu vergießen. Der Reichs' Verweser eisuchte den König, liebet persönlich nach Budapest zu kommen oder einige seiner Vertranten dorthin zu finden, denen die Negierung alle zur Beurteilung der Lage in Betracht kommenden Datrn zur Versügung stellen werde und die mit dcn hiesigen Gesandten der auswärtigen Staaken persönlich Fühlung nehmen nnd sich in einer jeden Zwelfrl auZschließenden Wei'e davon überzeugen könnten, daß die nngarische Regle,nng die Gefahren nicht übertreibe, sonder« ausschl,eßlich im Jntexeffe der Nation mit voller Unparteilichkeit vorgehe. Der-Reichsverwesrr sandte mit diesem ^Die- Ratgeber de« in seiner Gesellschaft befindlichen Qbcrstfintnant Wm Kon g vorsprechen. Baß war daher gezwungen, luS ihm anvertrau!e Schreiben dcm Vertrauten des Königs, Raiovszky z» übergeben. Er erhielt jedoch von Rakovszky in keiner Beziehung eine meritolische Antwort nnd war schließlich gezwungen, unver- . richtete, Tinge nack Budapest zmückzukehre». Der Marsch der Karliste« gegen Bndapest. Die unter dem Kommando des Oberste« Le h a r und des Major O s z t e n b u r g stchmdeu sich anflehnenden Truppen setzten unterdessen ihren Vormarsch gegen Bndapest fort. Die Negienmg. suchte zunächst mit milderen Mitteln ihr Vordringen * zu verhindern. General der Jufanterie, Baron N a g y, ließ das Geleise an mehreren Stellen ausreißeu. Die Vorhut Oizteuburgs brachte jedoch das Geleise wieder in Ordnung und so kam es, daß die Vorhut der sich auflehnenden Truppen im Laufe der Nacht mit der Eisenbahn bis gegen Budaors Vordringen konnte.. Unter solchen Umständen blieb der Regiemng. welche iämtllche wiedlicheu Mittel erschöpft hatte. i.nichtS anderes übrig, als den Angreifern bewaffne t r n W i d e r st a n d zu leiste« und ,hr E i n d r i n g e n in die Hauptstadt nm j ed en Preis zu v erhind rrw da m diesem Falle die seitens der g r o ß t n und der k l e i n e n Ente n t e ««gekündigten R e t o r s i o n s m a ß » a h m e n «nverMglich ins Leben getreten waren. Die Regierung war auf dem Gebiet der Anwendung friedlicher Mittel bis an die äußerste Grenze gegangen und hatte sich erst dann zum Waffe»,gebrauch gegenüber de« durch f rem d e M b ent t « t e r «rregesübrten u n g a r i s ch e n B r ü d e r n entschlossen, als deren in angreifender Absicht erfolgter Vormarsch in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt eine andere Lösung nicht mehr elmoglickte. Nach erfolgreichem Widerstand nächst Budaörs «utersahm die Regierung nöch einen Versuch und "ersuchte den im Gefolge des Königs befindlichen Felsmarfchalleutnant Paul H e g e d « S, persönlich nach Budapest zu kommen und sich hier persönlich von der Lage zn überzeugen. Gemäß dieser Aufforderung traf HegedLS Sonntag vormittags m Begleitung feines Ordonnauzosfiziers in Budapest etn, wo der englisch'' Gesandte .Wr. Hoble r i« Gegenwart des Grafen Bethlen vor dem General die Stelluugnlihme sowohl . der Hauptmächte der Entente wie der klemm Entente eingehend , ansei« anderletzte. j ' Die Enteilte gege« Karl. Dem General tonnte es somit nicht mehr zweifelhaft cr-- ' fchemen, daß die E n t e n t e h a u p t m a ch t e die Rückkehr Karls IV. auf den Thron unter keinen Umständen d u l d em und daß der Einzug König Karls in Budapest für die Stauten der tle'mev' Entente einen sofortigen Casus belli bilden wÄibe. ' Karl gibt Horthy keio« AniWvrt. Gv«> Belbi^' i-insiste. y« ifr}Hink an die-Austläruvaei, o«t «-nglNchLu Gnautzteu, Geueral HegevüS, de« König ans» führlich Bericht zu e, statte«, ihn zvr Aenderunz seiner Abstch, zu bewegm und das Ergebnis ehestens der Regierung brkannizugeben. General Hegedüs kehrte nach Entgegennahme die!er Mitteilungen unverzüglich zu dem nächst Bic>ke haltenden toniglichen Effenbahnzug zurück. Es muß jedoch m,t Bedauern fesigrsiettl werden, daß bischer von ihm keine Antw»rt e,ngetroffen ist. Unter solchen Umständen setzte die ungarische Regierung die Durchführung sämtlicher miliiärischen Maßkiahmc» fort, die sie zur Verhütung eines gewiffenloS heiausbrschworene» PutschrS für notwendig erachtet, nnd überwälzt die Verantwö tung auf jene, die ohne Rücksicht auf die Interessen des Vaterlandes zwecks Erreichung ihrer unrichtig aufgefaßten persönlichen Intereffen es nicht verabscheuen, eine hau geprüfte Ratio« m de« Abgrund der äußersten Gefahr zn stoßen. Eirr ArMeebefehl Horthy?? Budapest, 24. Oktober. (Ung.Tel.-Kt Bur.) Der Reichsverweser hat folgenden Armeebefi. ,l erlassen: Die Nationalarmee hat mir den Eid geleistet und hat daher meinen Befehlen zu gehorchen. Nur der gesetzmäßig gewählte Reichsverweser des Landes ist berechtigt, die Regierungsgewalt Seiner Majestät dem König Karl IV. zu übergeben. Dies würde angesichts der heutigen Umstände den Ruin des Landes bedeuten. Ich erwarte, daß alle Angehörigen der Nationalarmee, getreu ihrem Eide, alle meine Befehle bedingungslos vollstrecken werden. Der KsMpf inst Budapest. Wien, 23. Oktober, 8 Uhr abends. Nach.hicr eittgeiaufenen Meldungen hat Exkaiser Karl seinen-Ent- Truppen g egen Bu d ap.est z u m ar s ch i er e n erst gefaßt, als er Informationen erhalten hatte, daß die Regierung Bethlen die Beteiligung an feinem Unternehmen ablehne. General Hegedüs und das Detachement O s z t e n b u r g befinden sich beim König. Die Oedenburger Garnison ist heute früh zur Berstärkuug der Armee des Königs abgegangen. In Oedenburg.find nur 500 Gendarmen zur Ausrechterhaltung der Ordnung zurückgeblieben. * Die Stärke der KömgStruppe» belauft sich auf etLÄ« drei Divisionen. Angeblich soll die Haltnng der Regierungstruppen schwankend und der Aebergarrg derselben zu de« Königstruppen möglich sein. Budapest» 23. Oktober. Augenzeugen berichte über die heute stattgehabten Kämpfe bei Budapest «achstehende Einzelheiten. Die heute morgens, bei Büd'aörs auswaggonierten Karlistentruppeu bestanden aus Truppen der Oedenburger und der Ra ab er Garn is o n, die unter dem Vorwände, daß in Budapest der Bolschewismus ausgebrochen sei, alarmiert unb ein« waggoniert wurden. Gegen 1 l Uhr vormittags gingen dir Regierungstruppen mit einem kräftigen V o r ft o ß vor, und als sie das das Terrain beherrschende Hügelgelände besetzten, traten die Karlisten den Rückzug an. Eine lebhaftere Kampftätigkeit^ wurde nur dann entfaltet, als die Vorhut der Regierungstruppen in Budaörs einzog. Als die Regierungstruppen um 4 Uhr na chmittags die Karlisten hinter den Eisenbahndamm z ü r ü ck g e d r S n g t hatten, entsandten letztere einen Parlamentär. Der Kommandant der Regierungstruppen besprach sich mit Oberst Osztenbnrtz, worauf ein Uebereinkommeu getroffen wurde, um weiteres Blutvergießen zu verm"eiden. Die Reqiernnystruppen erbeuteten große Mengen Waffen nnd Munitio» und machten 120 Gefangene. Die Regiernngstrirppen hatten acht Tote und 12 Verwundete. Die Streitkräfte Karls. König Karl war es bereits Donnerstag nachmfttags gelungen, das in Oedenburg stationierende Osztenburo- Detachement zum Anschluß zu bewegen. Der zum General ernannte Oberst Löhar brachte feine frühere Garnison -S1 e i n a m a n g e r fast vollzählig mit. Zu diesen 6000—7000Mann stieß nun in Raab die gesamte Garnison, bestehend aus e i n e m B a t a r l l o n Jnsanterie, zwei Regimenter Pioniere, vier Schwadronen Husaren, wozu noch leichte Artillerie zu rechnen ist. Ebenso hat sich die Garnison Stuh l w ei ß en bn r g für König Karl erklärt und den Vormarsch gegen Budat'eft angetreten. Nachrichten aus S tein am an g« r zu« ''otge sind außer^dem auch etwa 6000 FreiwiUige u u » Lvcstuugarn zur Armee des Königs o$£to§fli,

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