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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-23 · Heft 982 (23.10.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 982 (23.10.1921)
Date
1921-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Diesen Äugenblickglaubt jetzt seine Partei gekommen. Die ungarische Armee hat nicht abgerüstet und ist durch die Vorfälle in Westungarn bis zur vollen MobllirSt gelangt. Im Vertrauen auf ihre Eidestreue hat der Exkönig Karl sein Schweizer Asyl verlaßen lind ist in Oedenburg erschienen, von wo er glaubwürdigen Meldungen zufolge den Marsch nach Budapest angetreten hat. Die ungarische Regierung, die ihren Pakt mit den Legitimisten schon langst abgeschlossen hat, tut so. wie wenn ihr die Ankunft des Exkönigs eine peinliche Ueberraschung wäre. Sie hat beschlossen^ den Exkönig auszufordern, das Land zu verlassen.' Der Verkehr mit dem Ausland ist eingestellt. .! . Daß der Exkönig gerade in Westungarn wieder M politische Bühne betritt, ist selbstverständlich. Dieses Hehlet ist von den Legitimisten längst als dar SprungdHtt vorbereitet, von wo aus die gewaltsame Revo- Mspnierung-der durch den Vertrag, von Trianon gesMfenen.Situation erfolgen soll. Bon Westungarn 011$ -kann/ und will Ungarn die gesamte mitteleuropäische Frage auftollen und die erste Etappe auf diesem Wege galt der großangelegten -diplomatischen Kampagne, in der Ungarn die. gesamte kleine und Mß^.Wentes :wifm. unmündiges Kindlein am erkennen, lMchesMheilMarchese della Torretta mit seinem Druck aE".'-d'estttreich-.. angesMl hat. Den Ungarn dH es sich niemals um Oesterreich . gehandelt. W wollten beweisen, auf wie schwachen - FAen der Tricmoner Frieden steht, wie unklar die uMstellungen innerhalb der. Entente über ihre Machtjufte sind und wie schlecht die kleine .Entente konstruiert ist. Dieser Beweis ist im vollen Umfange Müngen und die freundliche Mithilfe Italiens und Frankreichs hat ihn bis zur grandiosesten Blamage der großen Welwerteiler ausrufen laffen. - Die Staaten der kleinen Entente haben unmittelbar nach der Affäre von Giemamanger eine» Vertrag abgeschlossen, dessen erster Artikel ihr bewaffnetes Einschreiten gege» jeden habsburgische» Restaurationsversuch in Ungarn vorschreibt. Diesem Vertrag ist in der' Folge auch Italien, als noch Graf Sforza Minister des Aeußern war, beigetreten und dar EinvernehMen wurde »och durch eine halb- Wielle Erklärung der französische» Regierung «gänzl, wonach auch' sie in einer Rückkehr der Habsburger auf den ungarische» Thron eine Gefahr für den Frieden Europas erblicke. Ob dieses Einvernehmendem neuen Sturm standhält, werden die nächsten Stunden zu beweisen haben. Für die kleine Entente müßte jetzt der Kriegsfall gegeben fein. Es wird sich zeigen, ob sie einheitlich genüg ist. der ihrem Bestand und' der Existenz ihrer Staaten drohenden Gefahr zu begegnen. Es stehen die Slowakei, Siebenbürgen und Kroatien auf dem Spiel. Für Oesterreichs auswärtige Lage bedeutet die Rückkehr des Exkönigs eine kaum noch zu übersehende Komplikation, der die Spitzen nur abgeboge» werde» können, wenn Regierung und Bevölkerung kaltes Blut bewahre». Es kommt alles darauf «», daß Oesterreich der weltpolitische» Brandung entzogen bleibt. Es ist nicht angängig, eine Doktordiffertatation darüber anzustellen, ob Oesterreich nicht bester getan hätte, der Entente die Sorge um ihren Vertrag und um die Ordnung , der Dinge in Westungarn ganz zu überlasten. Oesterreich ist betrogen und durch seine Machtlosigkeit gelähmt. Es kann nichts anderes tu», als sich auf die Wahrung der Ruhe im Lande, auf den Schutz der Integrität seiner Grenzen zu beschränken. Um 23 Uhr. Prag, 22. Oktober. Das Tschecho-sllowakische Preßvureau rneldet aus Budapest -. Minister des Aeußern Graf B a u f f y erhärte heute den Vertretern der großen Enterbte, daß König Karl heute abends u m 23 N h r mit seiner Gemahlin in Budapest eintreffen werde. Demarche ' Wien, 22. Oktober,. (Te!.-Kyrr.-V«r.) Nach einer Meldung, die im Laufe der letzten Nacht einer hiesigen Ententemission zukam, ist Exkaiser Karl gestern nachmittags mit Flugzeug mOedenburg eingetroffen. Budapest, 22. Oktober. (Amtliche Meldung, des Ung. Tel.-Korr.'Bur.) Aus Oedenburg xvird gemeldet: König Karl ist am 21. b. M. hier ,angekommen. Der Standpunkt der ungarischen Regierung gegenüber dem unerwarteten Ereignis ist, daß König Karl im Sinne des Gesetzartikels I vom Jahre 1920 gegenwärtig die Ausübung der Herrscherrechte in Ungarn nicht übernehme» kann und das Gebiet des Landes abermals verlassen muß. Die ' Regierung hat die nötige» Verfügungen getroffen. Der HgsMF auf der' Strecke zmgehalLerr. /. Budapest, 22. Oktober. Das Rngarrsehe Telegraphe»-Korresponds»z-Vurearr' meldet aus Raab: K ö u i g' K a t f ist .rnst/ feiuem/ «Gef-tAe hents pormWMMauS' /OestenÄurg hier 3 Ahr nachmittags die Neiss gegen h m o r n fort In Begleitung des Königs bestndM stK auch Major OszLenbrrrg. ZwxschM W«b und Komorn wurde der Zug d e s K S »i g s und seiner BegLeitnug augehalten. Der Z « g h L l i g e g e nmartig auf der Strecke. Die Schie«e« a«fgerLsie» Zwilche» Ra«b »nd Budapest. Budapest, 22. Oktober. Wie verlautet, wurden zwischen Raab und Budapest die Eisenbahnschiene» aufgerifsen, so daß der aus Raab abgegangene Zug der Königs Karl Halt mache» mußte. Die Abreise Mittels FLAgzeNZes. Bern, 22. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Ueber den Abflug eines Flugzeuges aus Dübendorf erfährt die Schweizerische Depeschen-Agentur folgende Einzelheiten: Bei der ^.ä ^stru-Gesellschaft wurden am Mütwoch vier Fahrkarten für einen Flug nach Genf und zurück bestellt. Die Fahrkarten wurden bezahlt und für den Flug der Iunkerapparat „C.H. 59* bestimmt. Am Donnerstag etwa» nach 12 Uhr mittags erfolgte die Abfahrt des Flugzeuges. Es wurde aber nicht von vier, fondem von fünf Personen bestiegen, die m zwei Automobilen angefahren waren. Die Gesichter der Passagiere waren «icht zu erkenne», da sie stark verhüllt waren, Der Pllot ist ein Ausländer namens Z i m m e r m a n n, der von der Deutschen Flugzeuggesellschast de« Auftrag erhalten hatte, in Dübendorf zu verbleiben, bis die Ad Astra-Gesellschaft den Apparat übernehme» würde. Seit dem Abflug aus Dübendorf bis Samstag mittags fehlte der Ad Astra- Gesellfchaft jede Nachricht über den Verbleib ihres Flugzeuges. Sie meldete deshalb die Angelezesheit dem Eidgenössische» Flugamt. Bern, 22. Oktober. (Tel.-Komp.) Heute nachmittags um ^/zS Uhr sprach der Vertreter. des Exkaisers K arl beim Bundespräsidenten SchulLh e ß vor und meldete ihm. daß die Abreise des Exkaisers und seiner Gemahlin mittels Flugzeuges nach Ungarn erfolgt fei. KöniKi« Zita irr Ungar«. v Wie gemeldet wird, hat Königin Z i t a die Reife, i« Flugzeug mitgemacht und ist mit dem König in. , Oedenburg gelandet. Stimmrecht in Bndapest. Budapest, 22. Oktober. (Ung. Bur.) Die Regrersmg hat über Budapest «»d LL«Aeh»»- das Sta»drecht veehLugr. Mächte. Demarche -er Grotzmachte. Budapest, 22. Oktober. Das Ungarische Telegrcyihen-Korrespondenz'Bureau meldet: Die Vertreter der alliierten Hauptmächte erschienen am 22. d. M. vormittags beim Minister des Aeußern Grasen B a n f f y und überreichten ih» mit Bezug ans die Nachricht von der Rückkehr König Karls eine Note, worin sie sich auf die Mitteilung berufen, dn sie im Aufträge des Bvtjchafterrates am 3. Apnl d. I. der ungarischen Regierung zukommen ließen. In dieser Note bringen die alliierten Mächte, der ungarische» Regierung und dem Ungarische» Volke den Text des Beschlußes vom 4\; Februar .1920 in Erinnerung und wiederholen de« darin, enthaltenen Grundsatz, daß die Restaur a 11 o n e i n es H a b s b u r g e r s die G r ü n dl a g e des Friedens gefährdet, w e shalb sie e i n e s o l ch e Re stau ti e ix u » g wede r anerkennen noch dulden können.' Dieser Note fügte» die Vertreter der Hauptmächte folgendes bei: ^Jm Ausfluß des Obigen ist es unsere Pflicht, die ungarische Regierung amtlich zu ersuchen, ohne Verzug alle n o t w e n d i g e E Maßregeln zu ergreifen, damit der Exkönig aus feinem ge« eseu e n S t a a t e ne «erdings en t f e r nt w er d e.V Minister des Neuster» Graf B a n f f y brachte den Verttetern der Hauptmächte zur Kenntnis, daß die ungarische Regierung unentwegt an ihrem Standpunkt sesthalte, wonach König Karl im Sinne de» Gesetzesartikels l von 1920 die Ausübung^ ferner Herrscherrechte in Ungarn derzeit nicht ü b e rnehmen könne und demzufolge das Gebiet des Landes unverzüglich verlaffe» «üste. Die ungarische Regierung habe zu diesem Zwecke sämtliche entsprechenden Maßnahme» ergriffen. Demarche -er Lleirre« Gnteute. Budapest, 22. Oktober. Dar Ungarische Telegraphen-Korrespondenz-Bmeau meldet: Die hiesigen Vertreter Rumäniens, Jugoslawiens mn d der Tfchecho-Slowakei find im Laufe des heutigen Vormittags im Ministerium des Aeußern erschienen und habe» sich in verschiedenster »nd nachdrücklichster Weise gegen die Wiedereinsetzung der Königs Karl auf den ungarischen Thron verwahrt. Sie erklärte», daß, falls die ungarische Regierung nicht in der Lage wäre, die Störung der mitteleuropäischen Friedens zu verhindern, die Regierungen der kleine» Entente selbst die zur Erhaltung des Friedens notwendig erfcheinendenMaßregeln e r g r e i f e n w e r d e n. Ministerpräsident Graf B a »f f y wiederholte den Vertretern der kleinen Entente den den Vertteter« der alliierten Hauptmächte gegenüber bereits entwickelte» Standpunkt der ungarischeu Regierung. Bahn- «nd Postverkehr eingesteSt. Budapest, 22. Oktober. (Ung. Del.-Korr.-Bur.) Seit Freitag abends sind die telephonische» Verbindungen zwische» Budapest und Westungarn unterbrochen. Aus Steinamanger wird gemeldet, daß die . öffentliche» Gebäude v o n M i l i t 8 r b e f e tz t sind. Die Eisenbahnzüge, die über Westungarn nach Oefteneich abgehen, würde» heute früh aus Budapest nicht a b g e l a f-f e». Jsfolgedeffe» konnte die letzte Gruppe der ungarische!».. Delegation, die sich über Wien zu den Verhandlusge» nach Portorose begebeu woLe, nicht abreise», Befprechunge« Prag—Belgrad. Prag, 22. Oktober. Zwische» der Lfchecho» slowakischen und der südslawischen Regierung staden, unausgesetzt telephonische Besprechungen statt, die, aus die gemeinsame Durchführung eines Planes abziele», der zwischen diesen beiden Staaten für den Fall de, Regierungsergreisuug durch Exkönig Karl m Ungarn vereinbart ««de. 6

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