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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-22 · Heft 981 (22.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 981 (22.10.1921)
Date
1921-10-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien. sarnsra- Wte«er MsvAenzermn- 22. Oktober mi Seite 3 9tr. ,81 klagenden ^er Kreise Tarnowitz und LublinitzeinschA der Städte und der wichtigsten industriellen WN- . Die enthält ferner Mitteilungen Über em zwischen TMand und Polen abzuschließendes Wir tscha f t sÄ nr kk e n. Dieses betrifft den Eise-nbahnverkehr, d» Zukunft für das gesamte Abstimmungsgebiet du^ine gemischte Kommission geregelt werden soll. Fer/ind darin die Wasser- und die Elektrizitt'ts- - versorgü^orgesehen, die ebenfalls einheitlich bleiben sollen, /deutsche Mark ist in dem gesamten ehemaligen -/stimmungsgebiet das einzige gesetzliche Zahlunglttel. Die Kiflgrenze soll sofort an die neue cholitischsenze verlegt werden, jedoch wird ein zollfreier Verkehr erhalb des gesamten ehemaligenAbstimmungsgebietezjw ährleistet. Bei den Bestimmungen Über die Kohle u!onstige Bergwerk?erzeugnisse wird Deutsch'a d' unter a!rem eine analoge Verpflichtung zur Ausfuhr von jSBdj und Bergwerkserzeugnissen nach Polen auferlegt, je sie in .Artikel 90 zu Lasten Polens und zugunst! Deutschlands vorgesehen ist. Polen soll für die Dar von '16 Jahren auf das Recht der Liquidation j§ deutschen Eigentums verzichten, aber nur insower als die' Liquidation nicht im Interesse der Aufrechchaltung der Betriebe für notwendig erachtet' wird, iblich enthält die Anlage Bestimmungen über den Sutz der nationalen Minderheiten. Zu Durchführung der Bestimmungen sind Ausschüsse j'rgesehen, die sich aus Deutschen und Polen . zusarnmfsetzen, deren Vorsitzende aber sämtlich vom j Völkerbirdrat bestimmt werden. Diehentsche und die polnische Regierung werden aufgeforfrt. innerhalb acht Tagen ihre Bevollmächtigten kür die vr'gesehenen Verhandlungen namhaft zu machen. Epische Blätter über Oberschlefierr Qmm, 31. Oktober. (Wolff.) Zu der nunmehr drröffentlchten Entscheidung des Völkerbundrales in der oberschlesMen Frage schreiben die „Times", wenn die erste Uebe^aschung. vorbei sei, würden sowohl die Deutschen wie auch die Polen zahlreiche Vorteile in der ihnen aufetcegten Pflicht finden, unter den neuen Bedingungen ^rsammenzuleben. „Mornitg Styft" erklärt, die Befriedigung Polens spreche für die Grtscheidung des Völkerbundrates. Beratungen in Berlin. ■ Berlin, 2]. Oktober. (Wolff.) Heute fand eine Kabinettssitzung, statt, in der Minister des Aenßern Dv. Rosen wer die Rote, betreffend Oberschlesien, referierte? Im/Lause des Tages werden sich die beteiligten Ressoys mit dem Inhalt der Rots eingehend' beschäftigen uns dem Kabinett, das voraussichtlich htzut» abends. zu einer neuerlichen Sitzung, zusammentreten wird, das Ergebnis ihrer gutachtlichen Aeußeruugen vvrlegen. D«» Wiesbadener Abkomme«. Pari-, 21 Oktober. jTel.-Komp.) Die Wiedrrgntmack,u«gSkommchion faßte ackern einen Befchl«ß, demzufolge sie den Grundsätze» des Wiesbadener Abkommen» bezüglich der Naturalleistungen güu-iggegenübersteht. Zur Besetig««s einiger Verstöße gegen den Versailler vertrag wird das Wr kommen an die in der Kommiffio« vertretenen Regirrnnge» zurückverwiese«. Die Kommission tritt «veiterS für Erleichterimgen bei der Rückzahl««- der ftanzöfische« Schulde» rin. Sistierung der Einwanderung in den Vereinigten Staaten. Meiv-Bork, 19. Oktober. (Privat.) Wie das „Morgenjournal* berichtet» wird nach den Mitteilungen der Regierungsbeamten auf E l l i s Island die Einwanderung in die Vereinigten Staaten Ende Oktober, spätestens im Dezember 1921 bis zum 1.Juli 1922 gänzlich fistiert «erden, Bis Ende Oktober dürften nach der Ansicht der Einwanderungsbeamten auf Ellis Island die auf die neuen und auf die kleinen Staaten entfallenden Quoten voll erreicht sein, zwei Monate später dürfte dies auch bei den zur Einwanderung zugelafftne« Personen aus England, Rußland und Deutschland der Fall sein, so daß die Einwanderung in die Vereinigten Staaten bis zum 1.1 u l i 1922 gänzlich wird a u f h ö r e n müsse«. Die Einwanderer, welche über die Quote hinaus in den Vereinigten Staaten eintreffen, werden zurückgeschickt werden, da man in Regiernngskreisen das Eimvanderungstzesetz st r e n g handhaben will. Lord Robert Cecil für das hvngersde Ruhlaxd. London, 21. Oktober. (Tel.-Komp.) 'Im Lnterhanfe sprach sich Lord Robert Cecil für eine internationale Aktion zugunsten des hungernden Rußland aus. Nach seiner Auffassung müsse in wirtschaftlicher Beziehung etwa» unternommen werden, um einer allgemeinen Katastrophe vorzubeugen. Andernfalls würde die Wiederaufnahme normaler Handelsbeziehungen zu Rußland erst »ach Generationen möglich sein. Cecil tritt lebhaft für den Vorschlag Nansens ein, Rußland einen Kredit von mindestens 10 Millionen Psund Sterling zu beschaffen Die Aushungerung des russischen Volkes fei kein Mittel, den Bolschewismus zu bekämpfen. Die Möglichkeit einer legalen Answanderung aus Sowjetrustland. Paris, 21. Oktober. (Jüd. Kvrr.-Bur.) Wie bereits gemeldet, wurde mit der lttauifchen Regiermtg ein Uebereinkommen über die Durchreise der Auswanderer aus Sowjetrußland durch das litauische Territorium getroffen. Die technische Seite dieses Uebereinkommens wurde vom Direktorium des von der Prager EnügrationsVonserenz geschaffenen vereinigten jüdischen, Emigrationskomilees vorbereitet. . Außerdem werden Verhandlungen übet dir Erweiterung der von der Svwjetregieruug geschaffenen Auswandererkategorien gepflogen, um für eine größere -Anzahl von Leuten die. gesetzliche Erlaubnis zur Auswanderung aus Sowjetrußland erlangen zu können. Das ExeluLivkomitee rer Jüdischen Wvlthilfsronserenz wird in kurzem die Bedingungen mitleilen, unter welchen die von ihren Verwandten in Amerika und anderen Ländern nominierten Angehörigen in Sowjetrußland in die Listen werden eingetragen werde;: können. Diese Listen werden sowohl der litauischen als auch der Sowjetregierung zugesteM werden. Neue LlurAhe« i« Belfast. London, 21. Oktober. (Tel.-Komp) Nach Milteilungen aus Belfast kam es dort zu neuen Unruhen, wobei Polizei und Truppen von der Waffe Gebrauch machen mußte«. Mehrere Personen wurden schwer verletzt. Der Monarchistcaputsch i» Portugal. Ermordung vor» Minister». Paris. 21. Oktober. (Haoas.) Nachrichten aus Liffabon bestätigen die Meldung, daß die Revolutionären die Minister Granja, Mach ado Santo s, Carlos Maja und Carlos Freita.»- Silva getötet und den gewesenen Ministerpräsidenten Cunha Lea! verwundet haben. Englisch - holländische Bankgränd»«« in Wien. Bern«, 31. Oktober. (Wolff.) Die Firmen Mendelsso h n & Co., Amsterdam, und Kleinmorth Senkt & Co.. London, geben bekannt, daß sie iiberringekommrn sind, demnächst ein von ihnen gemeinsam zu kvmmarrditierendes Bankgeschäft «» Wien zu errichten. E'mzelheil«, der Gründung werden noch veröffentlicht werden. Tagesbericht. FürsorgeKomitee für jüdische Emigranten, Wien, tt.» It»»«Sgafle SS. Die wiederholten Aufrufe des Fürsorgekomitees haben bisher ein klägliches Ergebnis gezeitigt. Die Juden Wiens und Oesterreichs haben anläßlich der hohen Feiertage für die jüdischen Palästina-Emigranten und Chaluzim den lächerlichen Betrag von 30.000 Kronen gespendet. Mit diesem Mftag sollten wir unserer Aufgabe gerecht werden?! Den Emigranten gute Ernährung, anständige Unterkunft, ärztliche Hilfe, Reisezuschüsse in englischen Pfund gewähren und bas Heim in unserem eigenen Hause in Kahlenbergerdorf einrichten?! Wir machen die jüdische Oefftntlichkeit darauf aufmerksam, daß wir nicht mehr in der Lage sein werden, unser Hilfswerk weiterzuleiten, wenn müht andauernde und rasche Hilfe einsetzt. Jeder Jude und' jede Jüdin Oesterreichs!virü die erdrückende Last der' Verantwortung nnttragen, wenn unser Hilfswerk infolge« der rnangelnden Unterstützung der Oeffentlichkeit zusammenbricht. Es befinden sich beispielsweise in Wien einige Gruppen von.Palästina-Pionieren und ukrainischen Emigranten, die nicht weiterfahrsn können, da ihnen je 8 englische Pfund für die Gruppe fehlen. (Ein englisches Pfund ist 11.000 Kwnen.) Wir fordern daher alle Inden Oesterreichs und' des Auslandes auf, ihre Pflicht zu erfüllen. Mit einer einmaligen Spende ist uns nicht gedient, da die Erhaltung der Heime, und die Verpflegung der Emigranten die alltägliche Aufgabe unseres Fürsorgewrxes sind. Wir ersuchen alle Teilnehmer an der Bettenaktion der Frau Dr. So fer, ihre Blocks mit oen gesammelten Beträgen ehestens ein zu senden oder direkt bei uns abzuführen. Jüdische Männer und Frauen! Denket, daß ohne eure periodische Unterstützung unsere Arlästina-Enngranten in bitterste Not geraten. Das Fürsorgevomitee. » Spenden werden entgsegentzenommen bei: Dir. Leopold So fer, 1. Bezirk, Kvhlmarkt 10; Oskar Rosner, 9.Bezirk, Lackierergasse .9; Palästina- Amt. 1. Bezirk, Bauernmarkt 24; „Wiener Morgen« zeitnng", 2. Bezirk, Daborstraße 1—3; Fürsorgestellh 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Zwei wichtige Sammelzwerke. Für die Rettnn-Sgesegschaft. — „FA«» kranke Mud*» Heute ist der Tag der Rettungsye-sellschaft. Die Sammlungen in den Häusern mittels S a m m e l b o g e n durch die Hausbesorger sind in vollem Zuge. Es wäre zu wünschen, daß einsichtige Parteien sich nicht davon beeinflussen lassen, was der unmittelbar vorhergehende Spender in die Listen eingetragen hat, sondern mit Rücksicht auf den ungemein wohltätigen Zweck und aus Dan kbarkeit für die herrliche Institution unserSr Wiener Rettungsgesellschaft tatsächlich nach Kräften spenden. In den Nachmittagsstunden des heutigen Tages werden die Mitglieder der Bezirksvertretungen, der Frauenfürsorgebomitees und der Armemnstitutr in den öffentlichen Lokalen (Kafseehäusemr, Gastwirtschaftrn, Hotels) und am Abend in den Theatern und den Vergnügungsetablissements für die Rettungsgesellschaft sammeln. Es ist^zu hoffen, daß ein ansehnlicher Betrag das Ergebnis dieser Veranstaltungen sein wird. Jmrerhalb der Leopoldstadt wird jetzt von den Mandataren des Bezirkes noch für einen zweiten,wirklich d r ing enden Zweck gesammelt: Das Leo p oldst ädterKinder spital(2. Bezirk, Obere Mgartenstraße 28) steht vor der Einstellung. Bis Ende des Jahres müßte sich das Defizit auf 3 Millionen belaufen, wenn nicht die öffentliche Wohltätigkeit diesem wahrhaft dringenden Institut unter die Arme greift. Die Mandatare aller Parteien haben Sammelblocks übernommen und werben in ihrem Kreise für die gute Sache. Der Klub, der jüdischen Mandatare richtet an die jüdische Bevölkerung den dringenden Appell, für die Rettungsgesellschast und für das in Not befindliche Kinderspital reichlichst zu spenden. Unsere natronaljüdischen Gemeinderäbe, Bezirksräte, Fürsorgeräte und Frauen des Fürsorgebomitees haben sich selbstverständlich in den Dienst der guben Sache gestellt und rechnen auf hochherzige Beteiligung aller jüdischen Schichten. . _ Der Urheber der falsche« Züricher Depesche« verhaftet. Budapest, 21. Oktober. (Uitg. T«l.-Korr.°Bur.) Der Polizei ist es gelungen, den Urheber der gefälschten Züricher Telegramme der Ungarischen allgemeinen Kreditbank zu verhaften. Es ist der neunzehnjährige Beamte der Jnnerstädter Sparkaffe Georg S ch ä f f e r. Beim Verhör gab er an, ohne fremden Einfluß gehandelt zu haben. Er wollte viel Geld gewinnen und kam auf die Idee, durch eine Depesche einen Kurssturz der ungarischen Krone und ein starkes Steigen der österreichischen Krone herbeizuführen. Nachdem er die Depesche aufgegeben hatte, ging er Engagements bis zur Höhe von 3 Millionen österreichischen Kronen ein. Die Polizei setzt ihre Erhebungen fort, um zu erkunden, ob nicht hinter dem Vorgehen Schäffers ein Börseumanöoer großen Stils " sich verstecke. __ Wie«er Gemeinderat. (Srtzullg am 31. Oktober.) Die gestrige Sitzung verlief ausnahmsweise recht ruhig. Die meisten Geschäftsstücke wurden ohne Debatte angenvlninen und nur an einige sehr wenige knüpfte sich, eine kurze Debatte, so baß die Sitzung schon nach zweistündiger Dauer geschlossen wurde. Es wurden unter anderen zur Deckung der Kosten für die Beschaffung der zum Unterrichtsbetriebe an den öffentlichen Volks- und Bürgerschulen der Stadt Wien un Schuljahr 1921—22 notweMgen Unterrichtsbücher für das zweite Halbjahr 1921 ein Zuschußkredit von 3 Mil« liynerr Kronen gercehmigt. Gemeinderat Klr me sch protestierte in der Debatte, die über diesen Gegenstand stattfanb, dagegen, daß die tschechischen Kinder mit Geschichtsbüchern monarchistischen Inhalts beteilt werden. Er begehrt weiters die Einführung der deutschen Sprache als Unterrichtsgegenstand an den tschechischen Volksschulen. Schließlich stellt er eine Reihe von Anträge«, darunter die Einsetzung einer Fachkommission zur Ueberprüsung der Lehrbücher ckn den tschechischen Schulen. Der Wiener Baustoffe-A.-G'. wird der bis 31. Dezember 1921 gewährte Kredit per 8 Millionen 5kronen unter dmr- „ selben Bedingungen, unter denen er seinerzeit gewährt wurde, bis inklusive 31. Dezember 1922 verlängert. Nach einem Bericht des Stadtrates Speiser über'die Gewährung einer Zuwendung an die Pensionsparteien aus dem Stande der Kollektivvertragßbebiensteten mit 1000 Kwnen, für Angestellte im Ruhestände, 600 Kronen für Witwen und 800 Kronen Mr'BolUvaisen und über DeueruttgSzulagen zu den Ruhegvrüssen. städtischer Funktionäre — diesbezügliche Anträge wurden angenommen — beantragt Pwfessor Tandler einen Zuschußkredit im Betrage von 6,6 Millionen Kronen für Pflegegelder und Pflegebeiträge fttr Kinder, der ' auch genehmigt wird. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. ÄJÄ träte Schiffmann «Äl-’älS

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