Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 981 (22.10.1921)
- Date
- 1921-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis S Kronen Einzelpreis S Kronen ^r-«K»«raHoyspreife: •SEIäa^ M-OMI1«. *00.-. M»M»«lich..Hzouta 18.-^ «N»1»It«h»ltch , Mn* - m&m*^?****»» WJMlfHfffttC pr»»«tUch. v'.,. Lei Och»«iz M, »«« t»ei«e «»«»«» Vttkttm. . . 9mm* ».- ScMM|»m: 44«äH «««1* 3k«Wc «bend» «r. 1«MI ttsftfoacMitaf«»** MM Nr. 981 Wien» Somslag den 22. Oktober 1921 3. Jahrgang Jede Judenverfolgung mutz unuröglich geuracht werden Die Königsfrage. Budapest, 21. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In einer Wähleroersammlung in Fünfkirchen hielt Ministerpräsident Graf Beth len eine längere Rede, in der er die Notwendigkeit der Zusammenfassung aller politischen Kräfte des Landes / betonte. Die Wahlen in die Nationalversammlung nach dem Sturze der Proletarierdiktatm, führte der'Ministerpräsident aus, standen im Zeichen der Sühne für Verbrechen. Nun heißt es. aber n i ch t/ m e h r/st r a f e n, s 0 n d e rn ' hei l e n. Die Lage in der Nationalversammlung .wird dadurch erschwert,:, daß/ sich bis heute weder eine -einheitliche Regierungspürteü. noch eine einheitliche Opposiüon bilden konnte. . Die Zerfahrenheit der; parlamentarischem Verhältnisse wirkt nachteilig sowohl in , außenpolitischer wie. in innenpolitischer Beziehrmg. Sollten, die Parteien Nicht in der' Lage sein, in ihren Eigenen Reihen- Ordnung zu schaffen, so könnte die Regierung für die dadurch dem Lande erwachsenden Schäden die Verantwortung nicht. tragen und die öffentliche Meinung, des Landes wurde verlangen, daß an die Gesamtheit der Wähler appelliert werde. Graf Be LH len sagte sodann weiter- De r io n f e|41 0 ne 1 d e «Äffe durch L 0 ns e s s i 0« e l I c B u t d s a wk e rt gefördert und s e d e I «de nv e r« f 0 Igitn 0 unmöglich g em a ch t werden» die der K n l t u r unwürdig sei und das nationale Prestige beeinträchtige. Der Ministerpräsident fuhr sodann sott:.. Es genügt nicht, daß sich die Parteien auf Grund eines gemeinsamen Arbeitsprogrämms vereinigen. Sie muffen auch die Gegensäße klären, die sowohl in äüßenpoMscher wie in innerpolitischer Beziehung künstlich geschürt werden. Dies betrifft in erster Reihe die K ö n i g sf r a g e. - -. . . . - :/ . ■ ■: Wir dürfen nicht in Streit darüber geraten, ob der Thron auf legitimer Grundlage oder auf der Basis der freien Königswahl wirderhergepellt werden soll, jetzt, wo wir einig sein müssen, um leben zu Können. Die Frage ist .in der Theorie nicht einmal so schwierig. Der König hat sich im November 1918 aus dem Lande entf e r nt ,und, hat aufg eh 0 r t, seine v e r f a s s u .n g s mäßig e n Rech t e a u s z uü b e n. Er folgte dabei, einer, vis major, herbeigeführt durch die revolutionären Ereignisse. Die Nationalversammlung hät im.Gesetzesartikel l vom Ighre 1920 festgesteltt. daß infolge der durch die Revolution geschaffenen Läge die Ausübung der königlichen Gewalt und damit der auf. den g e m e i n s a m e n und unzertrenn l i ch e n B e s i tz bezughab.eirde- T e i I d'e r P.r agmatischen S.a.n k t i 0 n sowie der G e s e tz a rti k e l 12 vom Jahre 1867 zulg tMeu a u fg eh ö r t habe n. Die K o ns e q u enz en daraus wird die Ratio n nach dem Abschluß der Dur. ch f ü h rüng des Fr iedr n'sv e r r r a ges/ a b f c i t c n,; ' 1 ,; :; Diese Konsequenzen sind folgende: Nachdem Ungarn ein unabhängiger Staat geworden.ist und der Vertrag von Trianon uns verpflichtet'— was übrigens auch imrmserem wohlverstandenen Interesse liegt — daß wir" unsere Unabhängigkeit '.nicht aufgeben- und keinerlei Verfügung. Handlung oder Verttstgsübschlnsse unternehmen, durch die die Unabhängigkeii beeinträchtigt' werden könnte, so folgt daraus, daß der Herrscher Ungar«- nicht gleichzeitig Herrscher . eines anderen Landes sein: kann und daß nur: derjenige die königlichen Rechte ausüben kann, der anerkennt, daß die. auf: den gemeinsamen. Besitz . bezugnehmenden Bestimmungen der Pragmatischen. Sanktion sowie der Gesetzartikel 12 vom Jahre 1867 u n g ü l t i g g e » 0 r d e n s im d. Diese:Forderung steht in keinem Widerspruch. weder mit dem Prinzip der Legitimität noch mit dem der freien Königswahl. Sie verpflichtet Ungarns Herrscher bloß dazu,, daß ec in dieser Hinsicht offene Bürgschaft gibt. 'Ohne Annahme dieser Konsequenz darf weder in dem einen noch, m dem anderen Falle der Herrscher: seine Herrscherrechte. ausühen. Die Nation, beziehungsweise im Aufträge der Nation die Regierung, muß die Frage aus Grund der Auffassung. der Nation mit dem König ins Reine bringen. Der Regierung obliegt die . Pflicht, ohne Aufgabe des Standpunktes, wonach die ErledWng der Königsfrage eine innere' Angelegenheit UngAins bildet,' mit. den Signatargroßmächten dWomatifche Fühlungnahme zu dem Zweck anzustreben,' unr den Standpunkt:der ungarischen Nation in dieser. FragebekapntMgeben. Die KÜtnug der Lage. ^ist. / edre?, -oerfässungsmäßige , Pflicht der Nation, denn- «eine Entthronung wäre eine revolutionäre Handlung;. die 'für' die Wron von unabsehbaren Folgen begMeb. wäre. So lange die Verhandlungen zu keinem-Ergebnis gekommen sind, kann .und darf die Königsfrage, weder »ach der einen noch nach der anderen Richtung entschieden werden. Alle gegenteiligen Bestrebungen sind verfassungswidrig und revolutionär und werden von der Regierung unterdrückt werden. Wir werden keinen Putsch und keine Entthronung akzeptieren: Wir wollen zuerst verhandeln und dann erst kann die Entscheidung getroffen werden. Jeder andere 'Versuch würde zu einem Bürgerkrieg führen. Deutschland will neue Wer- Handlungen. B e r l i n, 21. Oktober. In Berlin steht ma« heute unter dem Eindruck» daß die Ent« scheidnng über Oberschleste« noch ««günstiger ist, als'man dies «ach den ersten Veröffentlichungen angenommen hatte. Die StimmunK gegen das Kabinett Wirth hat sich nnter dieser Erschernnng im Laufe des hentigen Vormittags sehr verstärkt. Es besteht die Absicht, neue Verhandlungen mit der Entente anznbahnen, obwohl man keme großen Hoffnungen anf sie fetzt. Eine englisch - amerikanische ««leiht für DeAtschlanV. '-.' ..Berlin, 21. Oktober. „Est Emope^ meldet a»s Pälis: Nach einer Berliner Meldung des „New Pork Herald" hätten in den letzte« Tagen zwischen dem Chef des Londoner Bankhauses Rotschild und Mitgliedernder deutschen Regierung Verhandlungen wegen einer englisch-amerikanijähen Operationsanleihe. ftattgefunden. Dawn Rothschlld habe gestern Berlin verlassen und werde nach London zurückkehren, uw diese Anleihe mit der englischen Regierung zu erörtern. Der Prozeß der Harmlosen. /'•,/ —Wien,' 22. Oktober. Eine Bande von etwa zehn: jungen Leuten ist vor einigen Tagen in Wien, in ein Stadtcaft emgedrungen,^ hat dort nach Schiebern gesucht, einiges Mobiliar zerschlage», zwei Ueberröcke gestohle» und sich'dann wieder entfernt. Der Vorfall wäre an sich beveutüntzrlor. . Eine Großstadtaffäre, .wie so viele anders Aber^die 'ßache erhält doch ein anderes Gesicht, «eM man sie in das System hlneinpaßt,. das sich seit Jahre» hier breitmacht und i« der letzten Zeit den offenen, Charakter. des Pogromantisemitismus angenommen Hat.'.Es. ist keine vereinzelte Erscheinung, daß ei» Mil ptt Jugend zu politischen, Exzeßen angehälten wird. .Wir konnten, erst vor ganz, kurzes Zeit eine lösche .Giftblase. aufstechen', und . darauf .ausmerksach-nachen» daß die^Pogromhetzer unmittelbar vor Taten stehem Es^existiert fn Wien eine, mohlgeocdnetze, mit Geldmittely:reich auigestattete Organisation, die 'in .ihxen BepläutbarünAen! m Maueränschlagen.. und. Presse-'- äützerüngen sich zuck Programm. der Iudenschlächterei bekennt. Diese Organisation ist'sicherlich nicht Selbstzweck./Sie steKt im Dienste einer Mafia, die. immer wjeher: dmch die Beranftattüng.Verschredentlicher Sttatzenkundgebungenden *,schwachen Punkt in der SiMüon. des Staates sucht, um. dort -.die.Bresche siAage^ zu Können. Die anüjüdische' Propaganda ist Anes dieser Mittel, das . unverfängllchste. und - be° quMte, . west e/s bis ,zu. ei«M. weiten Grade -der Stickmung der Massen-schmeichelt.Man, Hai längst den '.'Unterschied zwischen Ost-/ r^nd ^.Weftjuden» > mit dMn,Wetqtm«g- Manauch^ 'gMrMlgs SchÄhftsi des ,Wiener Iudentücks' hat 'emschläsern,'. nsMeltz-'äüfgegebeck.Die-Mn^illenpresse. redet täglich > Mstblich in jeder Zeile ihrer 'Artikel'..vM'.Hst 'Iuhev-" schlxchtlveg,'H denen sie'., ik. bewußter Fälschststg . afles zu't 'Last iM was ik öiejetti Staate Ml und schlecht ist. ... Ais hätte die Ironiedes Zufalls diese Techmk dxrMüge. bloßlegen .wollen, hat...sie uns.den Prozeß deichen, den düs fromme christlichfoziale Zenträlorgän /.detz Prozeß gegen die ,Tabakjudeckbetitelt und der ti otz Gatter Künste einer Regie, - die:- wir nö'ch den Zetten ' der seligen ' Monarchie im Kranz-Prozeß be- - wundern konnten, den Zweck nicht erfüllen will, den nmn. von ihm erhoffte. Man gibt sich alle Mühe, das Rptwelsch..'. des Antisemitismus in: den.'Gerichtssaal zu! übertragen. Man spricht - so mir^ -leichtoerständlicher Bonhomie von den Leuten,' fe am Schottenring handeln/ von der Börse und älchlichen Leckerbiffen des judenfresserischen Gottrmands. Und man gleitet so hübsch, und so elegant. über die' tausend peinlichen Dckge. hinweg, die da in dem Bersahren Äug. in Aug. oitsgedeckt' werden, sehr zum Mißfallen aller jener, die'? von ' einer neuen Diffamierung des Judentums träumen. Es sind keine' sehr sympathischen Personen, die" sichtbar aas der Anklagebank sitzen und sich dort eben nur deshald befinden, weil , sie in der, Zeit der-großen Ostjüdenhetze erwischt wurden. Sie haben "mit - einem Bedarfsartikel der- Masse geschobeB und ein .ziemlich > «nsauberes Geschäft betrieben, aber schließlich: doch micht mehr verbrochen als, die'vielen Lobredner' des ^legitiinen Handels", die täglich ' die- Preistäfelchen: von . ihren Auslagen hmaufoarueren und-Dann .-frommt und bieder im Name» der Bodenständigkeit und der bürgerlichen Moral für: - die.chriftlichsoziale Liste! , stimmen gehen. Dre Beamten jener tragikomischen Tabakregie, die . den. Kettenhandelsagenien Legitimationen zum. freien Schacher mit einem Monopplürtikel ausstellen, die.;.im Hof ihres Gebäudes sürsorglich die; Leiter siche»:lassen,, auf der die. obgenannten Agenten.des Nachts über die Mauer steigen, die auf; staatlichen LasleMrttvs. '.dfe Schmuggelware. M die ungarische Grenze transportieren lasten, treten als geehrte Zeugen vor die Parre und ihre Aussagen gelten als unanfechth.ue Dokumente für die besondere 'Gefährlichkeit jichischer Mschästsusancen, die — wenn man die Sache hjchttg betrachtet 4doch nur aus dem vom k. k. Äerar liebevoll betreute» galizischeu Sümpf sich herschreiben. Ein Monokelherr, ist da unter diesen kostbaren Beamten, der das Wucherreferat führte und seine Tabäkration den Schleichhändlern übergab, genau so — wie er lächelnd erzählt — wie alle seine, Köllegen. Das Sprichwort von dem Bock'alb''Gärtner muß ü'mge-" schrieben werden. Und der Vertreter der Finanzverde» Bankrott der .staatliche» Lebensmittelversorgung . vollendet und die 'Schleichhändlcr^ unterstützt, deren jüdische wir sagen ’ es gern, jüdische Organisativttssähigkcü für Arbeiter und. lausend.Beamte billige Lebensmittel /aus "dem jeind- ' liehen Ungarn heranholt. .Der' Prozeß ist noch nicht durch. das Urteil des ' Gerichtes 'beendigt. Aber air 'dem' UrMl^ ber ’imbe«! fangenen Oeffentlichkeit läßt .sich.. Mchttiohj'' nichts ' mehr ändern, das dahin geht, daßdie' Anklagebank zu klein geraten ist. Aber wenn dem Iudeulpm' wiedec einmal der Prozeß gemacht werden sollte, so ist die Absicht gründlich mißlungen. Wir kennen die Weise, wir .kennen den Text und wir meinen,. daß die ganze -Sippschaft, die die Monarchie zugrunde gerichteh' die den Krieg verloren hat, die den Staat mit i ihrer Doppelmoral verpestet und von der Hetze gegen alles. lebt, f was Staat und Volk \ nutzen will. '/- Mt Ihrer . gatten' .'.AnstrenajüM.' nichts."^ anderes ' erreicht' hat""als diese klägliche''Isvileeung eines a» sich ehren-' haften Slaatswesens.