Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 977 (18.10.1921)
- Date
- 1921-10-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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M. §77 Wie«, DieMap ncntt MorZenzett^Lg L #■ 18. Oktober :l§21 4’- 6e«e S U« i»r ff e « e it Wiener Bühne eelangl aR- »beudlieb, 7 Uhr, di« rrfslgttiche Komödie .,Betty K«lmuSVmct Viftla Werbezwk als Gast, «nd als Nachtvorstellung^ (10 Uhr) der Emakterzyklns „Sexuelle Aufklärung". „Der rate Strich" und .Das goldene Wiener Herz", mit Hugo. Wrrner-Kahle n«d'Oskar Sachr als Gäste«, zur AuMrnn-. Stadttheuter. Hanü Niese must sich mit ihren alten «rwgchsizen Rollen in die Nachmittagsvdrstellung zorückffehe«. Aher ein volles Haus zeigt, wie sehr ' dar Publikum ihre erdftewachsrne Kunst m schätzen weiß. Sie spielte die Vom ©tief* weut in der „Näherin" und wurde stürmisch bejubelt. Die ein-- gekegle „Elrktra"-Par»die und ein Aelplerlrrd samt unerhört kömi? schem Jodler sind Kabinettstücke ihres unvergleichliche» und eigenartigen Humors.' Auch sonst eine gute Vorstellung. Neue Stücke a» reichedemtsche» Pr»pr»zBLh»e». Fit Deutschland stehen einire bemerkenswerte Premieren in Ptovmzstädten .bevor. Das LandeStheatrr m Merniugm bringt am 80. d. M. „D e S K o n r g s H a r f e" von Karl Hauptmann ^nr Uraufführung, am 2l. d. M. svie.lr däS LandeStheatcr, in ^Ml§:rin Heinrich SchniittS Schauspiel ,D e r T i 1 a n", am zMf. M. folgr das Friedrich-Thearer in Deffau mie Haus Futz von ZwehlS Tragödie „I o h a n u v » » W e r t h". Mitteilullgea aus dem PublikM. des Herrn Karl Grabstein mit Fräulein Else Ringelblum gratulieren herzlichst slud. jur. Wuliir Josef, Wien und Familie Stempler, Roman 65« Gerichtssaal. -Der König der Tabakschmuggler. Gestern hat im kleinen Schwurgerichtssaale.der Prozeß,, gegen .. die 5kaufleute Salomon R e-i ß ' und Salomon Krenter begonnen, die des - Kettenhandels mit Tabakprodukten angeklagt sind< Wir haben in unserem Sonntagsblatt -über das Substrat der Anklage berichtet.-- Die-Mntersuchung gegen .einige,. Organe der Tabakregie wegen. Mitschuld und: Begünstigung ist.noch im Gange. Im der gestrigen.-Verhandlung erklärten sich beide Angeklagten für ni ch.t s.chm l d i g. Salomon R-.e i ßist 34 Fahre - alt,' in -,Btzszo,w in,. Galizien . geboren,-'und sagt, daß'er ein.Vermögen van dreieinhalb Millionen besitze. Kren te-r.-..-ist, 25 .Jahre..,alt,, in NoiGsielce in Rumänien - geboren,?.aber," österreichischerlStaMsbürger;.. erbeziffert-sein .Vermögen, .mit fünf Millionen Kronen. Reiß wird in Abwesenheik Krentnersverhört. Er gibt an, daß er - im Jahre >19,14 nach Wien kam mit. einenr-. Vermögen von- .100.M0' Kronen, die er. mit ärarischen - Lieferungen - in Ge t.re-ide und, Futtermittel-.verdient: hatte. ..Er. kehrte:dann nach Krakau zurück-und'ließ sich im. Jahre 1918 in Wien nieder, wo er einen Großhandel für Gemischtwarerr. anmeldete--und betrieb.' Als /sich' sein . Freund Schüssel rühmte, daß er mit der.Tab.akre gie große Geschäfte mache, trat er. Anfang 1919 ebenfalls, an die,-Tabak- >. regie heran.. - - . -'st Pr as.: Was hat sich inder^.Drbakrezie,abgepielt?-. —7 Angekl.: Ich bin zuerst x-mal vom Portier, .abgewiesen und nicht hineingelassen., worden. Daraufhin habe ich nnch ans Präsidium gewendet und mich-beschwert. Ich sägte-^'ich' fei k o-'N k" nr re n Zftäh i g e r a l-s a l lev und cherde um-50 -PröMt billiger liefern, worailf der Herr Mäsidicilist Oberfinanzrat N.u n n e.n- ,irra -ch e n ''.sagM, ich soll?ine schriftliche - Offerts. ein* reichen. Ich halse die' Offerteübergeben und bin bald. darauf verständigt woAen, daß ach Lebensmittel liefern könne..^ .Präs',: Sie haben aber^-die Lebensmittel tieun-ter,he.m Eintauf-s pr'chis verkauft, .nur um Regietabäk zu bekommen!' —g-cf t;.:, Ja, ichin der Weise ab, daß Reiß die Negi^erzeugnisse erhielt, ' sie auf ürarischen Autos an die ungarische Grenze brachte, wo Pe auf ungarische V-anernwägen verladen und lftnübergeschinuggelt - wurden": -Me., .asts Ungarn herübergeschmuggelten Lebensmittel wurden auf denselben' Regieruttgsautos verladen undsttznter Bedeckung nach, Wien ist die Porzellangasse gebracht. Ende 19)19 habe die Tabäkregie mehr Kom- . pensationsware'herausgegeben, als Reiß Hebensmittel liefern kAmte,''deshstlb konnte er diese Ueberschüsse an .' Tabak, in, die -S ch w e i z exportieren'. ' -'Pr äH:' Me^.'langedauerte:also das Komipenfationsgeschäft? — Angekl.: Bis Anfang. 1920. — Pr äs.: Wie viel KoniPensationswäre haben Sie auf die geschilderte Weise bezogen? — Angekl.: Um' ungefähr 15 Millionen -Kronen.* .. ..... .P-r-iä s'.: Welchen Grund hatten Sie, wenn die ganze Ware ins Musland ging:-sich..in der Dabakregie gleich .zwei Zimmer Nr. 142.- und 1.43 zu. reservßeren? Mir können sie ruhig P r o t e k t foch s z imme r nennen. — Angekl.: Hier mußte ich eben die.Ü e b e r s ch ü f s e ainla g^erm. - - r,,, „ . r . .; ... Staatsanwalt: 'DM -Tabakregie war--also gleichsam! das ' Lagerhaus .für Sie?' — A n g e k l.> Ich hatte auch ist den Fabriken selbst die'Waren-lagvrnt lassen müssen, bis die Exportsendungen ^möglich waren.^ P r-"ä-s:Es scheint aber,-daß diese Einlagerungen erfolgten,, «'mi die /Preissteigerustg abzuwarten, denn es wird behauptet, daß Sie einest großM Teil der für den Export bestimmten Tabakfabrikate dann im Inlands durch die Agenten Diamant, Edelstein nnd' S ve r g l absetzen ließen- — An ge k l.: Das ist nicht richtig, Diantant und Edelstein waren nur^'meine i Boten. .. : ' Staatsanwalt: Oberkpnjfrvllor Mulf. fykl..»in. sehr guter Freimd'Host -Jhnest-AwefvstKstst Es-Ml ^ja Problem ist peifSst Ge«, crccch. Mit H«lson-Fontän ’’ Pat. a; lffsra Die Fontän wäscht allein, ohne Aufsicht, die Wasche, blendend weise ■nd macht sich in einem Waschtag bezahlt. Vorführung und Probewaschen ohne Kaufzwang täglich yon 4 bis 6. Uhr. Helson, G. m.b. 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S taa ts -. a n w alt: Was haben Sie von der ' Regie - für ein - Kilo Fleisch gefordert? — Äst ge k l:: Zuerst- 2 'Krorrenil dqust 10 Kronen, zum Schluß 50 Kronen. — Staat sst n w a l-t:. Was. hat -Sie.- ^stas. Flefsch^Hekvstet? --- - Ä st ge..k 240 bisßK80. KrWLM S ist st t s a-stw.a lt.-:. Da haben o!-,-Sie'M - -fOem-.Kilo Fleisch.-.mistdstßens' - 200 Krsostest. öHstüfgezsthtt.- Dabei haben Sie noch Aus-.s lagen o gdhstbt.. Wie - sinh.. Sie .denn .da rauf. Ihre - Kostens gekommen. — An g-e k-l.: Ich - mußte' eßen die ,Zigaretten teurer verkaufen. DsrHHstrr^^Ge n.etMd i,e.kto r. hat -gesagt,'-daß der WelMarktpreis höher-.ist als», dest Mgiepveis'. Wenn ..eine' Zijgare-tie hier >1 Krone -Lostet') ' so istder Weltmarktpreis 2 Kronen 40 - .Heller. — Dr. P r e ß b u r g e r: Sie haben geliefort, Mehl um. 3 Kronen/Zucher uin .4 Kronen, .Schmalz um 10 Kronen, Eier um 40 Heller. Wie stand es dennmit Ihrer: Bezugsquellen? — Angekl.: Ich habe die Lebensmitteln alle aus Ungarn bezogen. — Der Verteidiger: Sie^ haben .. also 1 lange; Zeit. hindurch14.000“ Arbeiter und mehrere tausend An gestellte der - Tabakregie mit. Lebensmitteln versorgt. Die' Tabakregie als einstaatliches Amt hat ebenso gewußt, daß Sie. biß Lebensmitteln aus Ungarn schmu gge'ln- und hat ebenso gewußt, daß Sie die Zigarekten. in - bas Ausland schmuggeln. Wie war es Ihnen denn möglich, so .ungeheure Mengen von Tabak.in dqs Ausland zu bringen? — Angekl.: Ich habe «inen großen Teil nach der Schweiz exportiert. ' Dr. PreßbUr-gert'.Jst' JhMl-begännt, daß an die Arbeiter- und Angestellten- -der- Regitz grdße Mengen von Tabak abgegeben wurden,' die diese bststn wieder im Schleichhandel verkauft haben? — -AngeklK D'as war allgemein bekannt. — Vors.: Wer 'wär-Ahnen denn behilflich, die Rauchwaren über ' die Mrenzen zu schmuggeln?'—' Ange-kl.: Die Rauchwävrn wurden in Lastenautos an die Grenze gebracht. Dstber'war-gewöhnlich ein gewisser Masche? und Ma-stik sowie einige Chauffeure. Auch, ein Regierungsrat und Oberbezirksarzt in Bruck ist mir an die ^Hand/gegangen. Reiß gibt weiterhin an, daß er durch Krenter von dem sogenannten Verstd'lungs verkehr Kenntnis' erlangt habe. Zur Unterscheidung von .der Jnlandsproduktton erhielt die Exportware - Zigaretten — schwarzen Aufdruck. Als er in i^rs Vertrags- Verhältnis im Herbst 1919 eintrat, waren Krenter, Wolf, Bbonsty und Schüssel Me Teilhaber-. — Bors.: Wußten Sie, daß eine Surtaxe von 20 Heller per Zigarette zu entrichten ist, wenn nicht nach Rumänien exportiert wurde. Bis zum heutigen Tage hat der Staat. aber.nichts.erhalten. Wurde auch die Emfuhrtaxe für Rohtabak bezahlt? — Angekl.: Ist mir nicht bekannt.' — Vors.:. Nichts wurde bezahlt. Was wurde während Ihrer>Zeit eingesührt? — Ang e k l agter: Sechs.Waggons aus Bulgarien, hrei^auD Deutschland. — Vors.:. Msö.'.ins gesamt neun Waggons. Wieviel. wurden, hievon zu .^Punktenware" .(ZigavrtWnf mit schwarzen Punkten) verarbeitet? — An g e kl.: Das . . weiß ich nicht. -f -/ ' . Zu Beginn der Nachmittagsverhandlung wurste das. Verhör mit dem Angeklagten.Salomon Reiß, d^.Me . Schuld bestritt, zu'Ende geführt, und hierauf her Zweit- ' angeklagte Salomon K-r.euL.er einvernvmMN.'...-Auih/. dieser .erklärte, daß ihn keine Schuld treffe, ^'Mß 'M. dem Staate keinen Schaden'zugefügt und. ganz im- . Gegenteil an den Staat noch Entschüdigungsanspr-üche zu stellen habe. ' In Wien'-Wuchchn einmal stlötzlich Falsifikate der von rhm^ für. das Ausland.fstbrizier'ten. Zigaretten auf, was ihn veranlaßt, die weitere Herstellung der mit Schwarzdruck versehenen Zigaretten einzusttzllen und seine Fabrikation von. diesem. Zeitpunkt, ab durch zwei . Punkte kennbar zu inächen. /Spater habe er auch verlangt, daß seine Fabrikate mit Blaudruck, und Notdruck kennbar gemacht werben. Für den Schmuggel, der mit den Falsifikaten'Mtrieken wurde,, .könne er nicht verantwortlich gemacht'-werden. / ' -> Staatsanwalt'. Dr. F'Mw « u e H Es Vsteht aber fest, daß Sie auch einer Wiener Firma kistenwerse. - Schwarzdruckzigare tteu. lieferten. — Angekl. K r e'st t e r;'> Diese Lieferung war .gleichfalls" fürdäs.. Äus-laNd'^-he-x stimmt. . - \ Es werden dann die Fahrten erörtert, die der. Angeklagte Krenter in das Ausland unternommen hat, um Nohmaterial'zur HerfteLung seiner Fabrikate zu erhaltest . und .festgsstellt,' dW -der .. Angeklagte .. ßiefe-., Fahrtest bis l nach Hamburg »iusgedehnt hat/ - um dort griechischen Tabak einzukauM. Im weiteren Verlauf des Verhörs macht der Staatsanwalt^a-uf verschiedene Widersprüche in den WrsMen der zwe: Angeklagte« auftnerffam.' —. Angekl,- Krenter:. Wasder 'Reiß spricht/--das ist mir nicht. maßgebend.- Ich weiß, daß - ev nichts weißr. — S't a a t Va n w a l t: Einer will sts jetzt auf den anderen schieben. — Angekl. Krenter' (der mißverstanden hat): iKch schiebe nicht, ichf mache redliche Geschäfte. (HmterkM.) — StaatsaÄwstit.: Die habe ich mit ihren ^seinerzeiLigen Eiergeschästen? .kenttengel-ernt. Präs:: Bei Ihrer Intelligenz, die doch diedes Herrn Reiß-übersteigt, werden-Si-s -uns wohl über alles Aufklärung - geben -können. - Sie" haben Erklärt, Sie . jrerden die' tzanze^ Ware nach. Rstmänien ausli.efern-.Wd wahrend' spnst. die. Behörden bine 'geMse Wweisuugs^ - - An gekst: Pie 'DahMegiehat geMt?Me-Wnsten - Sie 'beim Schmuggel -unterstützen, aber nicht - vffiziM - Wr inoffiziell. jz;k. .... .. . k c Verteidiger Kr. Preß'b'u-rge'r: Wir erlsben in dem ./Pftozeß. bitchrß: Dinge - von StaaLsmoral.! -.Dest Vorsitzde zählt nun stüf, was der Angeklagte - dstr Töbakregie für 'ihre Arbeiter - alles geliefert ' hat; es waren, dasftRHsenMengen von Flrisch, - Mehl, Hülschr- - fr-üchhen, F^tt, - Holz, ststld- ^hle.r.-....,.-- > ' Verteidiger Dr. ,Ho rn konstatiert, daß .Hoftat. Bst l d r i am dem" Angeklagtenerklärt habe, daß er nicht "mehr in der Lage 'wäre,' die noLwendigsn Bedarfsättilel.für (die' Arbeiter stMubringen, und verzweifelt. vom „Nichtnrehrweiterkommen" .gesprochen Hab«, .. v - Dr. Horn: Mein Klient muß von dem Verdacht befreit werden, daß er mit unlauter»!: Mitteln gearbeitet hat. Die Untersuchung stst unvollständig geführt worden. — Vors.:- T)as Wbe ich'^zu.' - . ' . ' Dr. tz o r n (zu Krenter)Haben - Sie - bei 1 der Tabakregie nicht verlangt/ btzß 'das Kriegswucheramt alles in vollem Umfang erfährt? — Krenter: Ich: habe'Mes nicht/nur -für'das' Kriegswnchevamt, -sondern Mhkfür dia Fina-nzbezirksbirektion. verlangt. - >-'-tD'ri Premin g.er:-Der Miß ist verhaftet''WoiAdn.- üstb chie- Zigarette - ist nach seiner Verhaftung von 4 auf 8 Kronen-Mtiegen. ' . . Nach einigen Verlesungen wurde di«- Verhanbktittz abgebrochen und deren 'Fortsetzung - auf Dienstag an» beräumt. -.. > - Sport. Z«m -Ohartck—Hakoah-Mcktch. Das ausgezeichnete Spiel der Hakoah hat fast. «Hfijphalbe« (vollste Anerkennung 'Pfunden. Die Mannschaft )hat bas beste Resultat gegen den"^ kompletten tschechischen Meister unter allen Wiener Vereinen^-erzielt. Noch keinem geläng es,, ein reguläres Goal gegen die Sparta zn erzielet und ztvei Treffer mußten die Prager seit Jahren von keine« Gegner in""Kauf nehmm, " . ‘ Die beiden Tore der HmLsah entsprangen der Initiative GimÄs, der fickst mit " unbeugsamer Energie durch bre gegnerische Bersteidigung durcharbeitete. Keim ersten.Treffer besorgte Katz den Abschluß,''während er beim zweiten dem Ball allein ins Netz beförderte. . Halpern und >Scheuer..'wurdeN vor dem Spiele: eine Ansprache des Berbandspräsiventen Dr. Abeles geehrt, der den beiden Jubilaren die BerLandsrnedailsen' AbMstchhpe. Für die Hakoah sprach Sektionsleibrr' Baar. st . Die beihen Kapitäne tauschten avf de« SpielftD Gyevvgeschchrka.höe beiden Aevetz« «eät. sWe.UegrMung': ' -ach«