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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-15 · Heft 974 (15.10.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 974 (15.10.1921)
Date
1921-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ungarn hat. dann das Burgenland zu räumen und im Oedenkurger Gebiet wird eine Volksabstimmung duychgeWrt. Ungarn hat also Zeit genug, die Gemüter. im Oedenhurger Kreise für sich, zu präparieren. Wird es damit innerhalb dieser Frist nicht fertig, so kann ia eine Verzögerung der Ratifizierung im Parlament ins; Werk/ gesetzt werden. In jedem Falle hat Ungarn die vomierende Situation und Oesterreich muß in Geduld abwarten, unter welcher Ausrede ihm dann der noch übrige Teil des Burgenlandes vorenthalten wird. Etwas anderes kann dieses Oesterreich nicht tun. das in der westungarischen Frage ksine Geschlossenheit seiner- Parteien erweisen konnte. Die Entente läßt es zu, daß der Vertrag von Trianon. gebrochen wird,, und sie laßt sich in Unterhandlungen darüber ein, wie dieser Vertragsbruch vor sich gehen soll. Ja sie betraut sogar ihre Oedenkurger Generalskommission mit der Leitung der Volksabstimmung, beteiligt sich also offiziell an der Durchlöcherung des von ihr gegengezeichneten Vertrages. Dieses melancholische Ende einer seit einem.halben Jahre gesührten .diplomatischen Kampagne kann nicht vhG^ünheWllste ÄückwNung ^äüs dre Entwicklung MPeMropchs bleiöen?"W Peschlüsse vprr Vetiedig fasten zeitlich mit der Entscheidung des Völkerbundrates in .'der oberschlesischen Frage zusammen, deren,Folge eine schwere wirtschaftliche Katastrophe zunächst für Deutschland, dann aberauch hei dem Zusammenhang aller europäischen Krisengebiete für ganz Europa sein. muß. Es hat ganz den Anschein, als ob die Führung her Politik in die Hände der Geheimdiplomatie zurückgelangt ist, für die Völker nur Figuren und Verträge nur Papierfetzen sind. Die Konsolidierung Europas wird verhindert, weil die Interessen einzelner Staaten oder Staaten gruppen miteinander in Widerspruch zu liegen scheinen. In Wahrheit sind es nicht die Interessen der Völker, die überall Ruhe und Frieden fordern, sondern die Machtbeftrebungen einzelner' Kotenen oder gar konkurrierender Personen. Es ist keineLebensftage.für Italien oder Frankreich, ob Westungarn ungarisch oder österreichisch ist, aber —■ und das wird die Zukunft lehren — es ist eine Lebensfrage, ob ein Vertrag bestehen bleibt oder ob er von Individuen wie Pronay und Osztenburg zernsjen werde« darf. : Durch die Entscheidung, die man in Venedig getroffen hat, wird geradezu eine Prämie aus den Landstiedensbruch gesetzt Oesterreich hat sich an den Vertrag gehalten und wird dafür bestraft, Ungarn hat ihm verletzt und erhält dafür eine Belohnung. Das ist für alle, die die Friedensvertröge als mchts Unantastbares anfehen, ein wertvolles Präjudiz. In .stlemsfien fällt ' der - Vertrag von Sevres in Scherben, ihm folgt jetzt jener von Trianon nach. ' Es zeigt sich, daß Verträge eben nicht gehalten werden muffen und daß ihre Revision möglich ist. Allerdings hat man sich diesen Prozeß doch etwas anders gedacht. Die Revision hätte durch freje Uebereinkunft der betroffenen Völker durchgeführt werden sollen. Daß sie durch bewaffnete Banden uorgenommen werden kann und daß die Entente dazu wehmütig Ja und Amen sagen muß, zeigt, daß das innere Gefüge des Fiiedensnstrkes bereits erschüttert ist und daß Europa wieder in eine neue Periode des Umbaues eintritt. Oesterreich, das isoliert dasteht, ist das. Opfer einer. Konjunktur und kann aus den heutigen Vorgängen nur dem Schluß ziehen, daß der Schwache keinen Freund hat und immer nur auf sich selbst angewiesen bleibt. Die Isolierung Oesterreichs ist die Folge der ziellosen Außenpolitik der Parteien des Nationalrats, die ihrem Parteiintereffe den Staat geopfert und das Ihre zum Siege Ungarns bei.^ gestagen haben. In der gestrigen^.Sitzung, des . Ausschusses für Aeußeres berichtete Bülrdeskänzler. Schocher über die Konferenz in Venedig. -Er verwies aus den vom Ausschuß für Aeußeres am 24. September gefaßten Beschluß, der die Regierung ermächtigte,' auch /weiterhin alle ihr erforderlich erscheinenden Schritte zu unternehmen, damit das Burgenlaüd von feinen Qualen erlöst und der ständigen Beunruhigung: der Merr-eichst. scheu E Grenzbevölkerung ein Ziel gesetzt wKrde. > , . Im Sinne dieses Beschlusses habe'er sowohl den Minister Marchese della Torretta als auch den tschecho-slowakischen Minister dös Aeußetn entsprechend verständigt, daß der Ausschuß für AenMres-cher. Regierung Handlungsfreiheit gegeben habe, sehen Entwirrungsversuch weiterzuverfolgen. Wir wurden nun am 27. September durch ein Telegramm unseres Geschäftsträgers in Rom verstairdigt, Marchese della Torretta habe von der oisher vertraulichen Mediation Jbalsens nunmehr dU französische mch hie englische Regierung i^l Kenntnisgesetzt,, bannt, sich diese öeiben Mächte der.ZmtiatW^^j.ttMg^rMMK-'ansD«ßen'.. Ain .selben. Tagehohe :'EE^D^^^eD'^sWWakWö MiNisterpräsident und Minister? des 'AeUßewr -DoKör Bene sch dem Kanzler 'mitieÄen /läsM? ,ülnmvh^-- die Mediation Torrettas den Ehar a?te'r - einer Ententemediation angenomiwrir habe und er uns rate, die Aiediation der Entente änznnehmen. - Auch er werde sich nunmehr' an die Eirtenbe - welchen und ihr über seine 'Aktion berichten, ftr Mner Ver-: nnttlUng aber erst dann wieder fortschreilsn,' Ornst'' die'' Entente es wünsche. Durch den italienischen Geschäststräger sei dann dem Kanzler Samstast den 8. d. M> nnLgeteilt worden, daß der Kanzler, um rechtzeitig zur Konferenz eintrefsen zu können, bereits Sonntags abends ' ab reisen müsse. '' Die Beratungen begannen Dienstag um 3 Uhr nachnlittags. 'Sie tvurden mit einer Ansprache Marchese della Tvrrettas eröffnet, in der er die NoLwendigkeit der Beilegung des Konflikts mit allem Nachdruck betonte. Der Kanzler habe in einer längeren Rede auf dir'Worte Marchese della-. Tvrrettas unseren Standpunkt mit aller Entschieden-- heit dargelegt Und insbesondere darauf verwiesen, daß sich die Lage im Burgenlanö seit dem Angebot der Intervention Dorvettas weitgehend' verschlechtert habe^ und damit auch eine für Berchanblungen vvllst än b i g un g e e i gneie Alm'v'spHäre' geschaffen: worden sei. Er habe aüseilraudergesrtzft wie sehr die - ungarischen Worte und'' die ungarischen^ Taten miteinander in Widerspruchstäuben, nüd d ie- B11t* wo rtl ichk ei t d e r -u n g a ri sche n- Re gii er un g 'für alle Zwischenfälle neuerlich fest^rlegt. Er habe nachgewiesen,- daß nicht Oesterreich Gärantirn für seinenehrlichen Willen, Verträge zU ersülM,'benötige, sondern daß man im Gegenteil Oesterreich, Garantie bieten mirsse, daß es endlich zu dem ihm im Vertrag' zuge° sprochenen Territorium käme, und er) Hube resümiert' daß vorher die Banden Hinairs müssen und dann erst die Atmosphäre 'geschaffen sei, in der-man'Brrhändlungen führe'könne. - ' - Inzwischen hatte ' allerdings die ungarische Regierung eine Reihe von Maßnahmen, die ihrer Ansicht nach geeignet wären, bas BuMnlaud von den Bandsn zu .befreien, formuliert und in der gemeinsamen Konferenz vorgebracht. Diese Maßnahmen - sind : Eine Proklamation der ungarischen Regierung an die Bevölkerung, enthaltend ein'sn- Appell an die patriotische Pflicht, nunmehr, .'unter Hinweise auf die Ergebnisse der Venediger Besprechungen, dem Befehl der ungarischen Regierung.' zur' Abrüstung der Banden und der Einstellung ihrer Tätigkeit Folge zu leistM. Hiebei, sind strenge Strafen vorgesehen für die Personen, welche dem Befrhl, die Waffen sicherzulegen, nicht Folge leisten,, und für Personen, welche, vvwohl. sie -r:?.ch dv»k. Bckrg-.'.ul?nd nicht zuständig sind,! dieses Gebiet nicht sofort verlassen. Die gegenwärtig Kordvndienst versehenden Truppen werde« ausgetauschr und die ungarische. Regierung unterwirft: sich: allen Maßnahmen,, i welche die -Errteyte $ux wirksamm und ' sofortigen Unterdrückung des Bandeniuuwesens für geeignet hält. Für die iMrchfühyMg dieser Räumung istals : äußerste 'Frist /^ der Termin vo« dvtsi Wochen in Aussicht genommen. - ' - De^ Kanzler berichtet sodann über die in Berhaud- -ümg genommene Frage' der österreichischer-seits an Ungarn zu ' gewährenden Konzessionen. Zn diese Besprechungen ist der. Kanzler erst eingetreten, nachdem' er neuerlich das Unzeitgemäße der Erörterung dieser Konzessionen vor Durchführung des Friedensvertrages,- beziehungsweise Befreiung des Bürgenlandes von, bpn; Banden, dargelegt hatte. NLarchese d e l l a Tor recht»!' . betonte jedoch mit dem ganzen Nachdruck feiltet: Stellung und des Einverständnis:s'«.sder - itfrt igen zwei Ententegroßm.ächte .die. Avt-. Wendigkeit eines Kompromisses auf der voü.Mm^chs^'.s'. geschla^öy'ett GrüDlage unter..Anführung WMM'n h an g s' dieser" Fragen' '''mit.-.dem ÄW so nahe berührende« . .fiua..nr..relle'-n -Pro -. bl.ean'.-. . ^‘•" Dabei' führte er aus, daß eine Ablehnung .des-.Ern-: -gehens aus diese Berhandlwkgsbasrs die Entente zu v>»> 'letzen geeignet sei. < Bei der weiteren Erörterung, Mlte sich als Kem -' des Mediationsvorschlages die Frage der Abtretung von Oedenbnrg samt Umgebung heraus. ' Im Zuge der Verhandlungen ergab sich als einzig mögliche Basis, daß dieser Frage .nur in der Form nähergetreten werden könne, wenn, fthre - Entscheidung an die' Willensäußerung der stn Bei 'tracht, Ämmenden. Bevölkerung' gebunden wäre.' Terri-.. torial wurde das Plebiszit aus die Gemeindegebietö von Oe de nburg, Aroisba ch', Age n d » r f, Hawk an,' K o h l e n d v r f und Z i n k e n d o r s beschränkt. C Bis zur Beendigung des Plebiszits wurde ein interalliiertes 'Regime mit ,je einem österreichischen, und «wem ungarischen' Vertreter sowie eine- 'interalliierte Gruppe Aussicht genonnnen/ die ficherzustellen Marchese:de11« .Torretta ühernönrnren hat. Für den Fall, als.'has Plebiszit zugunsten Ungarns' aussallerr 'würbet hat sich die ungarische Regierung bereit erklärt, alle Erle.sch-.? terungen rm'G'renzverkehr für:die Persone.M :und auch den'Durch'transpvr-t vv-n Waren anf' fcfen Eisenbahnen' zu sichern. Ungarn hat serwer Oester-; -MD Ar'diesen' Fall eine Peagv-Recht oderriemei : andere 'von -Oesterreich für nützlich!'erachte-te Regelung' und Benützung der durch Oedenburg. fühtönden''. Äsenbahn in Aussicht gestellt. -' Einen wichtigen. Prmkt bildet die Anuahmd der österreichischen Forderung , durch die ungarische. Regierung,. daß Oesterreich alle Schäden aus der. verzögerteir Uebergabe des Burgenlandes und ihren Folgeerscheinungen zu ersetzen seiem / . Än diesen Bericht schloß sich' eine längere- Debatte. Der Ausschuß für Aeußeres hat die MitteilungtM des Bundeskanzlers behufs Berichterstattung an die . Parteien zur Kenntnis genonm en, vertagte sich'- iodann und wird auf Antrag des Bundeskanzlers zur Beschlußfassung über die Ergebnisse der Venediger Kvn-! serenz an einem der nächsten Tage zusammentreieil. Die Presfio« der Ente«te a»f Oeftepreich. . In politi'Mn Kreisen wurde nach der-Sitzung de? Ausschusses für Aeußeres erklärt, daß aus Grund des Berichtes Dr. Schobers über die Konser«mz in Venedig Aar zu ersehen sei, daß Oesterreich in Veuedig unter' de»! Diktat Italiens, das im Name» der ganzen» Entenbe aus trat, gestanden iei. Die Vertzandümgea drohten wie:er.h.?l. ,.r: l-b.i e n. Ä'!s Dr. T'tzobrr vttt- ' schlössen war, Venedig zu verlWb»^ Dal

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