Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 972 (13.10.1921)
- Date
- 1921-10-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis S Krone l^rLnnmeralionsprerse: o^l,'«r A>m"«»h0ni m tu «m Wirts ./VnfAfettMlU . ßbs**m »#Ov— MR ■•thMvfMk Wt Ahnt m* GeftmiM« Mphplich 7 ... : «sa«ch-9l-»»r«i: T ch^«»tlich . . Kro,e» rtz.- U-rerUtiätzrUch . 54.- >». Mnch»-No»«Mch«r ni^iemf; «»<«»»: «t»»«tUch. . Stttttm £«.~ * .W «r«isch« WLH»q»t '•'•'/ ‘ 3* Di«« l».— ^VMtfi:«r,rlich ' - / 4*»" Einzelpreis ® Kronen : /i*, 972 Wien» Donnerstag den 13. Oktober 1921 ^r««mueractio»sptti^r?» mnuttm m vviuijchee. DiMpchl««».: «»«Elch ..-. Vi«e ra»- «o»»tttch. ... 8«(»Bci pire.«.- titaM&Mt*:-; Mo»«tUch. . . . Act AS.v Schweitz «. M Mciit 'IhtffUm* WimmitU*.. Stevarri»« ».Ädmchtttreut«« Wies. 1—S Lrtsvh»»-- ÄHtat», 4»»LS ab«ch» 1«*M Voüspark«ü«Uo»to tscua» 3. Jahrgang Keine. Aussicht auf Einigung. Der Hochverrat der Patrioten. ',, ' ~.y» W i e », iS. Oktober. Unsere Mitteilungen über de« Pogromplan der ö.fterreichlschen Frontkämpferhaben das Mißfallen des chriftlichsoZialen Zentralorgans erregt.. Das wundert uns nicht. Die christlichsozialen und sonstigen antisemitischen Sryatsretter. sind mit ihrer Weisheit zu Ende und sie chHten sich einen Juden zur Hilfe verschreiben; die HMer des jüdischen Mammonismus erklärten plötzlich eine» jüdischen-Bankdirektor als unentbehrlich. Und jüst in diesem Augenblick mußte». ihre Fanghpnde einen Progrom oorbereiten, Gummiknmtel austeilen MK hiefe Vorbereitung mußte von der zionistischen Organisation durch öffentliche Mitteilung blotzgesiellt werden! 7. y v/ Änd diese öffentliche Mitteilung erfolgte in dem Augenblick» wo man in Venedig über die Sitten der magyarischen Busenfreunde in Westungarn Klage führte! Es ist begreiflich, daß die Ertappten fürchterlich schneien und aller Welt versichern, kein Engel sei so rem wie jic:Si fecisti, riega! Hast Du was getan, jo leugne es ab! Die Parteien der'wirtschaftlichen und politischen Reaktion hatten, solange sie. im unbeschränkten Besitz aWMgchtmittel' des Staates waren, den Patriotismus gepachtet. Aus Patriotismus hatten sie - den Weltkrieg aMzünd-ti.und-man tut ihnen.Unrecht, wenn man in deMlntersuchung über die Schuldsrage an die Wiener Hetzer.,'ganz vergißt/ Aus Patriotismus hatten sie wßhMd des/K'xihges jede Friedensarbeit als HochrrKWi.KgMttsM.-iMr Patriotismus verhindern MMt, in der Zeit des^furHbärsLekMMerganges der WNfchüit. jede AuSsöhnunst der'MMnmit den.TatsgHe'm' Das ist eine sonderbare Art von Patriotismus, dje.::noch merkwürdiger wird, wenn man die Ereignisse der letzten Zeit in Betracht zieht. An der österreichischen (Krekze' stehen mägydrische Bande» marschbereit zum Überfall auf den Staat, die Grenzbevölkerung wird' drangsaliert und ausgeraubt. Das Vaterland ist wirklich iw Gefahr und wenn je so wäre jetzt die Ausrufung der IMrnd zum Schutz der Grenzen und der einen ein- HK Tagmarsch vom EinfallsrauM entfernten HauptstkU gerechtfertigt' Aber' unsere Staatspärteien haben W^hre'Jugend, die' angeblich von idealem Streben bWli ist, eine ändere Verwendung; Sie Hetzen sie gegen dMVaterland. rüsten sie mit Handgranaten, Revolvern tnD Totschlägern aus. führen sie zum Sturme auf die BWe und auf jüdische Proletarier und vernichten so Ansehen und den Kredit des Staates außerhalb Wer Grenzen/; ’ ' ’ä. Das für' gestern geplant gewesene Attentat auf dIÄ Ruhe und Ordnung in Oesterreich ist dank d>x!>recht;;eisigen Warnung unterblieben, Aber-da es eW Glied in einer'Kette von ' ,pötitffch'en^ .Plänen ist, kann es jederzeit wieder versucht werden, .Es wirken viele Momente zusammen, um. die Bevölkerung in PAik zu halten und Situationen zu schaffen, in denen Ws möglich ist. Neben der ' Propaganda unserer liWnständigen Hetzer sieht man' Agitatoren aus TMIfchland und aus Untzarn> an der Arbeit, merkt MW. eine ins-Maßlose steigende, planmäßig betriebene TWgken der Wiener Hetzpreffe aller Schattierungen uM die unheimliche Geschäftigkeit der berufsmäßigen NW'nchtinerzähler, die . im Dienste der un- Mstroüierbaren Valutaspekulation arbeiten. Die Msisfrcmen strömen in die Läden, um für ihr sWs Geld Waren . z« erstehen, die Regierung rnM in scharfen Erklärungen das Publikum zur Whe mahnen. Dieser Zustand der allgemeinen Reiz- .-stMrit'- wird bewußt verschärft durch PogromtrWereien. Män-Mll die Bevölkerung nicht zu Atem tzrHuuü lassen/ man will die Regierung und den Wat vor der europäischen Oeffentlichkeit diskreditieren, msi/ die Anrufung der Münchner oder Büdapester Wnunhszelle als letzten Ausweg aus der Not 'plan- ' WA-'zu'-',machest.1 Pas ist der innere Sinn 'i all 'der A'rMtreNüngen und Aufreizungen, die' sich jetzt - wie immer dann einstellen. wenn eine heikle Frage der archwärtigen Politik alle Kräfte konzentrieren sollte. Die Veranstaltung antisemitischer Exzeffe ist eines der beliebtesten Mittel dieser > Agitütian« weil die Volks^ stimmung für diese Art der Austragung sozialer Koupiktr dmch die Tätigkeit der Giftpresse am besten prSstEt «schielm. Venedig. 12. Oktober. Wie bereits gemeldet, wurden die Verhandlungen in der Eröffnungssitzung getrennt geführt, indem der italienische Minister des Aeußern Marchese della Torretta zuerst mit der österreichischen-und sodann mit der ungarischen Delegation eingehende Besprechungen pflog. Die' österreichische Delegation betonte in ihren Ausführungen .in nachdrücklichster Weis^den durch die Friedensoerträge und die Entscheidungen der Botschafterkonserenz bestehenden Rechtsanspruch und schilderte sodann eingehend die gegenwärtige Lage im Burgerüand. wobei die Verschlechterung der Situation in den letzten Wochen festgestellt wurde. Die österreichische Delegation.legte ausführlich ihren Standpunkt dahin dar, daß nicht Oesterreich irgendwelche Kon^essioneu zu garantieren habe, sondern daß Oesterreich der ungestörte Erwerb und Besitz des Burgenlandes, vor allem also die Befreiung der Landes von den Banden, zu garantieren wäre. Zu diesem Zwecke arbeitete die ungarische Delegation V o r s ch l 8 g e aus. Die Beratungen wurden heute noch nicht abgeschloffen, sondern finden morgen ihre Fortsetzung: Die Rückkehr des Bundeskanzlers Schober »ach Wien dürfte Freitag früh erfolgen. Älaila«d, 12. Üktober. (3>L«ßomp..) : Ä» „Eorriere della Sera^ meldet über den Verlauf der Konferenz in Venedig: Zwischen den österreichischen und ungarischen Delegierten herrscht eine unn ach-. 8 i e b i g e S t i m m u n g. Der italiekrsche Außen« Berlin, 12. Oktober. Angesichts der sich immer mehr verdichtenden Meldungen über die Teilung Obe r. s ch. l e s i e n s ist da? Reichskabii;ett Heuk«, unter dem Vorsitz des Reichspräsibenieu tI bert zu seiner 'vierten Sitzung seit drei Tagen zufainmengeirDten. In den früheren Sitzungen hatte die Reichtzregierimg noch! keine authentischen Meldungen über die Entscheidung in Oberschlesien. Mau hatte erwartet, daß die deutschen Botschafter in Parts und LondvN' in. der vergangenen Nacht Genaueres über den Teilungsplan würden Mitteilen'können. Als das Kabinett zusamntentrat, lagen die Berichte der Botschafter über , ihre' Demarchen bei Briand'und Lkohd Geyrge bereits, vor Md machten alle Hoffnungen zunichte^ die noch' auf eine Wendung zum Besseren in der "0 berschte fischen Mlrge gehegt worden/ lvaren. Uebereinstim'niend ist sMvvhl dem Botschafter Sthamer als auch Dr. Mayer erklärt worden/ daß dem englischen, beziehungsweise' französischen, Kabinett die Entscheidung des. Bölkerbundrates' noch! nicht bekanntgegeben/worden sei/ daß aber beide Regie-. ' rnngen sich für verpflichtet hielten, sich. an die Entscheidungen des Bölkerbundrates zu halten-.. Infolgedessen sah sich das Kabinett vor die Frage gestellt,- welche Folgerungen ans dieser Tatsache zu ziehen seien. Die Beratungen, die um 9 Uhr früh' begannen, wurden durch eine lange Besprechung des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers mit den soMldennoÄatischM-Führew M ül.le r... F r a n ken und S ch ei-eina-n-tz..sowie hen. .sozialistischere ReichörninisteiM .unserbrochep. /-Diese Besprechung nphrneine geraume Zeit in AnspMch/wahpendd rn-chcher. auch > die ZelitrumspriMher und'-Iip/demvkra- /tischen.-Mni-sier gesondert! ver^ndeFlNl>'</sW 1 Uhr wurde, die Beratung des-> KahM'tt^ Die Stellung'der Parteien zu der FrMe^.ob ^has Kabinett zurückt re t e n solle öder HiM ist ungefähr die folgende: Die Demokraten sind dM-Meinung, aß >das K a b i rr-e it so f-0 r t seine Demi f f ivn 1 beschließen mihs.-se für dep ^rll, daß' die Gutminister della Torretta, der nach der gemeinschaftlichen Sitzung beide Abordnungen getrennt anhörte, betonte die Notwendigkeit einer Verständigung und eunqhnte .beide Teile zur Mäßigung.-In der gestrigem Sitzung, die bis 1'Uhr nachts andauerte, stat die Verständigung jedenfalls keine wesentlichen. Fortschritte gemacht, ,.so daß der österreichische Bundeskanzler seine Absicht, bereits Mittwoch nach Men zurückzukehren,, vorläufig fallen ließ. Die Wiener Regierung ist, dem „(Sottiete della Sera" zufolge, zu Zugeständnissen über den Vertrag von Trianon hinaus nicht geneigt und erwartet,, daß die 2llliierten diesem Vertrag Geltung verschaffen. Die Budapester Regierung dagegen setzt ihre Taktik des Widerstandes fort. Es scheint daher kein anderer Ausweg übrig zu bleiben, als einen Druck auf Ungarn auszuüben, andererseits muß man auch Oesterreich von der Notwendigkeit einer Grenzbenchtigung bezüglich Oedenburgs zu überzeugen trachte». Eine Erklärung Take Ignesens. London, 12. Oktober. (Tel.-Komp.) Die »Timest veröffentlichen eine Erklärung des rumänischenAußennnnisters Take Jonescu über das ungarische Problem. Take Ivnesru steht aus dem StandpuE' i' -Tnanoner Vertrag Line endgültige ÄeLelüug JarWe. Die kleine Entente werdL im engsten Erpvernehmen mit der großen Entente Vorgehen und erhoffe zuversichtlich, daß es angesichts dieser Einigkeit gelkrtzen werde, zu einer ftiedlichen Lösung dieser Frage, .zu gelangen. fcheidung . über Ober sch lefien wirklich' so larriet, wie aus den bisherigen.Berichten zu vntnehmon ist. Dagegerv vertreiell die S0zia 1 öem0kr«teit beit Standpunkt -daß man vor übereilte« Schrrttien warwen Knü ffe, und sie raten daher an, auf jeden Fall zrmWst die offizielle. Mitteilnri g/der Beschlüsse des BölLstLckndrates abzuwarten, ehe endgültig Stellung genvmWn werde. " . ... -'/'/-' Die gegenwärtige inrerpolitische Lage erfährt noch -eine. Verschärfung dadurch, daß die Vertreter der.'Jnchustrie in Besprechungen mit dem Reichskanzler verklärt habendaß ihr Kreditangebot zur. Aufbxingung -er 'nächsten. Wiedergutmachungsmilliarde in Gold Hirt fällig -würde, wenn das oberschlesische -Jndnstriegebiett: Mnz - oder! -teilrpeise dem Reich en trissen würde, weil sie. daun!njcht mehr in der Lage wären, die Lasten auch wirklich zn tragen. Die Verhandlungen der Regierung mit der JMlstrie, den Banken und der Landwirtschaftsind einstweilen-auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die sozialdemskratischen Minister solle» zurücktrete«. Kattvwitz,12. Oktober. (W'vlsf.) Die in der; soz'iäl- -dewokoatischen Partei Oberfchle'iens yrganisierteu. Mkt- :.gliedex - stellten- - "an "den; -Barstarck' der sozialdÄno- 'krattschen Partei- Deutschlands das , d-xüch'- sgie n d e E r s u ch e.n, diesozialdemotrattschetz'' Mt- -glieder der deutscheu Reichsrsgierung zu b'eauftxaWr, bei einer für Deutschland' mrgünsttgen. MtschechMKM ' der oberschlesischen Frage ihre,.Pemter im'ReichsWMcht . j niederzulegen und .zn erklären, daß . die soz-ialLeryd- > .lratifche Partei. als die .Vertreterin der aÄeiMMir Wevöl^rung die Verantwortung für d«: -Zustimmung -zu einer solchen.Entscheidulcg nicht zn tragen vermag,. Die oberschlefische Frage e»tschiede«. Gons, 12. Oktober. Der Völkerb'uudral! heute um halb 8 Uhr zu a. M» vor mer neuen Rücktritt der Regierung? — Beschlüsse der Sozialdemokraten