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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-08 · Heft 968 (8.10.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 968 (8.10.1921)
Date
1921-10-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Dar Arbeitslosenproblem, für dessen.Bekämpfung England bereits gewaltige Summen ausgegeben hat,. ohne daß bisher etwas Positives erreicht worden wäre., bildet für die englischen Staatsmänner eine schwere Sorge und Lloyd George hat darauf hingewiesen, dag angesichts der zwischen einzelnen Valuten herrschenden Riesenspannung die Entfaltung eines großzügigen Handels und die Schaffung einer geordneten Weltwirtschaft nicht möglich sei. Lloyd George erkennt klar den Zusammenhang der Währung-- Verhältnisse mit der. Finanzpolitik und der Außenpolitik der Staaten und die Tatsache, daß es sich hier mn ein System «eitausgreifender Wechselwirkungen handelte die schließlich alle Nationen betreffen» die Erkenntnis» daß die Verhältnisse erst stabilisiert werden können, wenn dre Staaten einträchtig Zusammenwirken, und daß die einzige Bedingung für die Schaffung geordneter Wirtschaftrzustände die Stabilisierung der Valuta seh; ist nicht mehr neu und mit frommen Sprüchen, ist die Verelendung der Welt leider nicht anfzuhalten» Es ist die Schuld der Siegermächte, daß die durchs den Krieg zertrümmerte Welt bis heute nicht in DÄnüng< gebracht werden konnte und daß immer neue Krisen, den Heilungsprozetz in die Länge ziehen und erschweren. Die Verhältnisse haben allmählich die Gestalt angenommen^ daß Sieger wie Besiegte, unter dem Druck der-Anse seufzen, die nur in verschiedenen Gestalten Mn Ausdruck Kommt,, m ihren Wurzeln aber auf eine MMWÄchgehH'»11^ ‘ 9lmer kHk-andyrgviem und.Spanien, die Länder der 'dyMMamten» leider unteri einer wachsenden Absatzstockung »Lid einer. Arbeitslosigkeit, deren Anwachsen drei größten Gefahren mit sich' bringen kann. Die reichen Länder könne« nicht produzieren, und nicht verkaufen, wen« sie sich Bettlern gegenübersehen, die nichts zu kaufen imstande sind. Diese Binsenwahrheit pfeifen noch glaste die Spatzen aus den Dächern, hüben und drüben erkennt man des Uebels Grund, aber es geschieht nichts, um eine Aenderung herbeizich'lhren, weil es den entscheidenden Kreisen in den heute noch glücklicheren Ländern an dem Mut zu radikalen Entschlüffen fehlt» an der Großzügigkeit, das psWche Denken und Tun den gebieterisch fordernden Tatsachen anzupaffen. lEs kommt darauf an, daß man sich in den Parlamenten und Kabinetten der Sieger- und der neutralen.. Staaten zum Gedanken einer wirklichen Weltrvntschaftspolitik durchringe. Die Friedensverträge und das mit ihnen verknüpfte System der Reparationen find ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen dürfte» Man hat die SLaatsgrenzen zerrissen, neue Staatsngebilde geschaffen, ohne sie entsprechend zu fundieren, man hat den Besiegten Reparationen auferlegt> die sie auf Jahrzehnte hinaus wirtschaftlich hörig machen» und dabei vergessen, daß die Mrtschastsgesetzt der Welt an keine Staatsgrenzen gebunden sind und-, die Folgen sich am eigenen Leibe bemerkbar machen müssen. Was sich in der letzten Zeit in Deutschland vollzieht, ist symptomatisch für die Grundfehler dieses Systems und fallt umsomehr ins Gewicht, weil das hvWndußrielle Deutschland die Entwicklung der europäischen Gesamtwirtschaft wesentlich mitbestimmt. Die deutsche Mark ist auf dem Weltmarkt in ständigem S'nW, die Flucht vor der Mark vollzieht sich unter ühnlOen Aspekten wie die uns wohlbekannte Flucht vor Her Krone und die Ueberzeugung von der UnmöglnhkeiL der. Erfüllung der Wiedergutmachung ist im'deutschen Volke fast allgemein geworden» seit man Wehen hat, welche katastrophale Wirkung schon die Zahlung der ersten Milliarde geübt hat» der noch hunderteinunddreißig folgen sollen Hb das Abkommen, das nunmehr zwischen Louchenr und Rathenau perfekt geworden ist, eine Milderung der deutschen Nöte bringen, die Herstellung eiyer' geordneten- Staatshaushalts ermöglichen, die drohenden Lohnkümpfe bannen und die Arbeitslosigkeit hintauhalten wird, bleibt vorerst abzuwarten. Louchxurs /Programm Ist ein schwaches Zeichen der beginnende«^ in Frankreich, daß es doch nicht nladnng zur Konferenz von BsmeÄlg. — ZMimmung der BotschnfLerkonferenz. der Botschafterkonferenz. Wien, 7. Oktober. Die „Politische Korrespondenz* meldet: Die hiesigen Vertreter Englands, Franko reichs und Italiens haben im Laufe des heutigen Nachmittags der. österreichischen Regierung die offizielle _ Mitteilung gemacht, daß der italienische Minister des Aeußer» Marchese della T o r r e t t a der Botschafter- Konferenz den Vorschlag unterbreitete, an einem noch zu bestimmenden Tage und an -einem noch zu bestimmenden Ort Italiens je einen österreichischen und ungarischen Bevollmächtigten einzuladen, um unter seinem Vorsitz die burgenländische Frage zu behandeln. Diesem Vorschlag hat die Botschafter- Kons e r e n z z u g e si i m m t. Seit'dem Zeitpunkte, wo zum ersten Male die Anregung einer Mediation erfolgt ist, hat sich durch die bekannten Ereignisse im Burgenlande die Situation für Verhandlungen allerdings noch weit ungünstiger gestaltet. Zu den „Banden" und sonstigen „unverantwortlichen Elementen" ist, um den Wirrwarr vollkommen z» machen, noch eine „unabhängige Regierung von Felsö-Eör" gekommen und Proklamationen, die Ms weiiehSchende Absicht^ Wichen lassen, find in. Umlaus MM worden. Oesterreich muß daher umsomehr an dem Standpunkt einer effektiven Durchführung des Fri ed ens v er tr a g es und einer tatsächlichen Ueb erg äbe des Burgenlandes festhalte« und muß, da die m Oesterreich bereits erfolgte Durchführung der militärischen Bestimmungen des Friedens- Vertrages ein aktives Eingreifen Oesterreichs nicht gestattet, es der Entente überlassen, hiefür die geeigneten Mittel und Wege zu finden. Aus diesen Erwägungen heraus hat die österreichische Regierung, da die Entente diese Konferenz als ein geeignetes Mittel ansieht, den Gesandten der Ententemächte geantwortet, daß sie der Einladung Folge leiste.n werde. Als Vertreter Oesterreichs wird Bundeskanzler und Leiter des Ministeriums für Äeußeres Schober an der Konferenz teilnehmen. Rom, 7. Oktober. (Tel. - Koryp.) Wie der Korrespondent der „Presse-Telegraph" eHihrt, werden die Verhandlungen in Venedig zur RegMng des burgenländischen Kynslikts erst dann beginnen, wenn da* Burgenland von den Insurgenten und den Anhängern Karl Habsburgr geraumt rst. Das Abkommen, das unter italienischem Vorsitz zwischen Oesterreich und Ungarn geschlossen werden soll, wird sich wahrscheinlich auf die Entscheidung einer Volks« d st i m m u st g' m Oe d en b « r g stützen. " - - Der italienische Wlßenminister Marchese della Toner tatst in der Kammerkommission fiirAusw artiges der Auffassung entgegengetreten, daß England die Vermittlung. Italiens zwischen Oesterreich und Ungarn mißbillige. ' . m vaam ai gut möglich ist, daß ein Land, das der frevelhaft angezettelte Krieg wirtschaftlich ruiniert hat, auch noch alle Schäden der Sieger gutmachen könne; aber die kostenlosen Realleistungen an die Sieger muß Deutschland seinen heimischen Produzenten bezahlen und die Gefahr der Noteninslation erscheint auf solche Weise kaum abgewendet. In England hat man für alle diese Fragen den richtigen Blick und Lloyd Georges Rede wie nicht minder die kürzlich gehaltenen Ausführungen Churchills über das gleiche Thema beweisen dies klar. Aber England allein ist ^außerstande, hier Wandel zu schaffen, solange man in Frankreich nicht umlernen will, und das eben in Kraft getretene Anttdumping-Gesetz in England, das Schutzzölle von bisher ungekannter Höhe vorsieht, um die heimische Produktion vor deutscher Unterbietung zu schützen, ist ein Versuch, dem Wachsen der Arbeitslosigkeit in England entgegenzulreten, der jedoch die allgemeine Weltkrise eher verschärfen als abbauen kann und nur als Notmaßnahme gegenüber. Frankreichs Haltung erklärlich wird. Man hat es seinerzeit verabsäumt» den Gedanken des Wiederaufbaues der zerstörten Welt systematisch zu Ende zu denken, man hat sich in Versailles in dilettantischer Weise damit begnügt. Staaten zu gründen und Reparationen zu diktieren, und die Kredite, die man den notleidenden Ländern gewährte, waren gerade geeignet, sie vor dem Aergsten zu bewahren, nicht aber eine konstruktive Tätigkeit zu ermöglichen. Während die großzügige kredüweise Beistellung von Rohstoffen auf lange Frist, die sich in den Ländern der Sieger, in den Staaten Amerikas ohne Käufer zu Bergen türmten, Millionen feiernder Hände in Bewegung gesetzt hätte, siegte der nationale Egoismus und man steigerte die Noteninflation in den Ländern, um die eigenen Luxusprodukte absetzen zu können. Die letzten Vorgänge in Oesterreich sind das wahre Schulbeispiel dafür, wie verpfuscht die ganze'Politik der Sieger, aber auch zum Teil ihrer jungen Schützlinge, der neuen oder neuvergrößerten Staaten, ist. Man hat Oesterreich versprochen, es lebensfähig zu machen, und läßt uns durch tröpfelnde Kredite so lange von der Havd i« de» Mund lebe», bis Wer Geld völlig eut« wertet ist und unsere Wirtschaft knapp vor dem Rum steht. Man läßt uns auf Kredite warten, während Hier alles geschehen ist, um die geforderten Vorbedingungen Zu schaffen» und die Angelegenheit wird so lange verschleppt, daß die Erfüllung des längst gegebenen Versprechens angesichts der gegebenen Tatsachen den verelendeten Staat kaum mehr auf die Beine bringen kann, wenn nicht andere Mittel gesunden werden, um den drohenden Verfall auszühalten, deffen Wirkung sich nicht nur aus Oesterreich, sondern auf ganz Mitteleuropa erstrecken würde. Wie deutsch-französische« Ahmachungen. fiiefettittgeit der Industrie. Pnrts, 7. Oktober. (Havas.) Das zwischen Lö u» ch'eur und Rathena« heute üt( Wiesbaden abgeschlossene Abkom men bestimmt, baß die Uusführüng der Abmachungen durch private französische und deutsche Organisationen, erfolgen wird. Der Wert der private« Lies^rungen, zusammen mit jeneck der . Leistungen ans Grund des Versailler Vertrags, wird, für die Zeit Mm . 1' Oktober 1921 bis 1. Mai 1926 höchstens 7 Msillrarden Goldmark betragen. Die Bestellungen bei der deutschen Organisation r^rden von der deutsche Reichsregierung bewerkstelligt werden und ihr We^r wird 'Deutschland auf das Zt ' p.ar a tio u s ko n t> g u t g e f chrieben. Bis zum 1. Mai .1936 wird der Deutschland jährlich gewährte Kredit 35 Prozent das Wertes der Waren betragen und niemals de« frasizps'ischen Anteil an der ReparationsannuiLat noch? W HöchstLetrag einer Milliarde übersteigen. Wiesbaden, 7. Oktober. (Wolff.) Nach gestrigen Unterzeichnung des Hauptabkommens wyrde« heute die Nebenabkommen, die sich auf die PavsiMablösung von Restitutionsverpflichtunge» aus dem Versailler Vertrag und auf die Regelung der Kohlen- Tieserungen beziehen, unterzeichnet. Die deiden WLMrr verließe« Wirsbaden -Me «Mg!».

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