Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 966 (6.10.1921)
- Date
- 1921-10-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis iS Kronen ^rämtnttrattrnspreise: « 1,»: L«« «thsln, m im «g?fklti*u 3. Bejlri, Labo«. Rf«fe röl'i' rt« ta eüM» > . VffischNißfiikllr <L»chU>: «»inttllch. »»»--. MN A»ß»tts»»d filr-Wi«« «ck Odl(t(M|t ' ÄOO^- rschech»-Sl»»»r«i:;...' fl tone« 18.- «i.rlrU.^rlid, . 54.- W chh«ch*.jl--aN1chrr «ähnu« Nvga»: i Llron« Pierteliithrlich .. r 5*10*— » mi-aril««t Wührtiil, ftMMtlt«* ■ Dinar 1».- «8iert«1:ä!-rli» , 8V5- Einzelpreis 8 Krone» —-WIMIUI* UtTr'iaBW———BBWM Z»rLuLmeratio«s»ke^e: fei«: «onatttch. . Mark 4V*- w polnisch« VLHn«tz DaNschl«»: »»»«Mich. . . Mare 1«^- MaaMich. . . FraroS 8»— Jtali«: Monatlich. ... Lire 6«~ ViK«8«int: «rouauich.... m as*~ Schweiz *. da» Urige 8««»d Monatlich. . . Franr« fl»- Sledaktton ».Adminrstrario» Wie«. ^.t8et..T«dorstr.1—>» relephoue: 440»8, chLLI» »>» « Uhr abemd* Rr. Jt«801 Vostiparlaiieskontv l2V.SNi Ar. SS« Wien, Donnerstag den 6. Oktober 1821 L. Jahrgang Umgruppierung der Insurgentenbande«. B rr d L p e st, 3. Oktober. »Magyarsag" fchreibt: Gegenüber Wiener Meldungen muß festgeftellt werden, daß die Aufständischen in diesem Angünblick keine agressiven Absichten habe»/ und wenn die italienischen Beratungen das westnngarisihe Problemunseren Gunsten entscheiden, so wird hiedurch Zweifellos Mitteleuropa ein riesiger Dienst erwiesen, weil damit -er Friede gerettet wird. Im entg e ß e n g e s e h t e n Falle sind die K o n« s e g u e u z e » « n b e r e ch e n b a r, umsomehr, als die Aufständischen, die ansaezeichnet organisiert sind, von ihren Führern auch für diese Eventualität b e.rei ts W eis« n g e« erhalten habe«. Auf Grund derselbe« ist dis Umgruppierung «der .aufständische« Truppen bereits im Inge nnd sie warte« Gewehr bei Futz die Ereigniffeab Nach Informationen aus diesen Kreise» handelt es sich bei den italienische» Verhandlungen nicht mehr bloß «m die kleine weftun^arische Frage, sondern — u« etwas g a»H anderes. Erweiterung und Verschärfung der KriegSzoNe üV*. -.Z ..-/Z/^M,?Sielle»bsidge»< ^»karrst, 5. Oktober.? (Del. ifeer „Wiener Mrrgsn- Vorige Woche erschien in Klausenburg sine vhM Kvminando des 6. Armeekorps unterfertigte B^rr»' Mrö «-ü'Mg, < durch. •. welche unter Berufung auf feie Wietze <für den.Belagerungszustand die Kriegsz 0 ne ausgedehnt Uttd Versch är ft wird. Im Sinne Mt Verordnung gehören zur Kriegszone diejenigen Teile der Komitate Marmaros, Szilag,' Szatmar, Bihar und Ärah, welche' an Polen, 'feie Tschecho-Slowakei, brziehürlgsweise- Ungarn greifen/ sowie alle jene Gebiet, Äelrhe.rin-en iftWepi-n'diesbezüglichen Bervrfenun- ^eu enthalten sind. Der Verkehr innerhalb der Kriegszone wird..von" feeir Garnisonskommanden und den 5h)lN.itütsp.räsekten Zegreinsam ^.geregelt. Der Aufenthalt in' tzen Straßen 'per? in''per Kpiegszöne 'gelegenen Städte ist, beschränkt /Die Bürger ausländischer Staaten haben sich. Linken zwH Stunden" bei her Gendarmerie, beziehungstpeff^ der - Polizei: zK? melden. Verbreiter vor» Schreckensnachrichten oder/ staatsfeindlichen Kiu'Aschristen werden /von Äusnahmsgchichten! abgeutteist. Neuartig ist.dre Bestiuinrung. der Perordnung, wonach^ die/> Thegter,- Muss und Kabaretts ihre. Votstellünigen ejrr militärischen'' 'Vorzensur zu unchxwersen haben. /Pie Z f i tg n g'öni/und P r e ßprodU!/ite unterliegen /einer D v p p.e l z e n s.'ur,' und ' zwar vor feem Erscheinen und noch dem/. ..Erscheinen, beziehungsweise vor ihrer Beförderung durch die Post. Selbstverständlich übt. das iMitärkommando auch eine streUM,/Tel'egrammwch Telephonzensur. Die Verordnung ist bereits iD Kraft getreten. . ... , , ■. ■ , ' ' - ' England gegen Angar». Lotchon, 5. Oktober. (Funksprnch.) Die letzten .Wchrichlen, die in London über gie westungarische Fxage eingetrvfsen sind, besagen, ^aß dir ungarische Mgierüng^ ihre Truppen ans Westnngarn zurückgezogen We.- Pie' 'Banden' befinden sich aber noch immer -räumenden Gebiet und En glan d ist nchcht-der Ansicht, daß die ungarische Regie- Verpflichtungen bereits-er füllt h'chb e. Man erwartet vielmehr, daß Budapest den EiusW.?den.es./—- wie bekannt — auf die Banden ausiiüt, dazu cheüützen^ wird, um sie zur Räumung des Burgeninudes zu verhalten. Die englische Preffe für Oesterreich. / '. Lands«, 4. Oktober. Die englischen Zeitungen s-hren fdrt, in der Burgenland^Frage den österreichischen Müddpunkt/zu würdigen und anzuerkennen. > >,Wiestminfter Gazett^ schreibt, Euwpa müsse unbedingt' von- Wwaltdrohvngen und G-waltentfaltungen t mitbeii, aber dies» Be freiung könne nicht wmmeck, solange die kriegerischen /HrgiLrungen Mittel- «chchM glaüben, baß tze itz» und die einstimmige Meinung ihrer Nachbaru miß-- achteu können. . „Saturday Rewi»n" meint, die ins Burgenland eingedrungenen Ungarn seien vielleicht von/ dem Geiste sorgloser, romantischer Abenteurer, erfüllt, der in ihrem Blute lieg«; sie hätten aber eine Situation geschaffen, die internationale Gefahren bringe, und von den Ententemächten nicht geduldet werdl-n' dürfe. Daß .Ungarn diese Haltung überhaupt, habe einnehmen können, beute leider auf Fahrlässigkeiten in der Arbeit . nicht nur der interalliierten Kommission, sondern auch der Entente hin. Eine französische Stimme. Paris. 5. Oktober. (Havas.) Im „Echo de Paris" schreibt Pertinax: Die Haftung fees Wiener Kabinetts kann den Verbündeten nur nützen, denn [eine passive Haltung gibt seinem Vertrauen in die Beschlüsse der Entente Ausdruck und steht in schreiendem Gegensatz zu dem turbulenten Verhalten Ungarns, das noch nicht entwaffnet ist,' und dessen Verachtung gegenüber den Truppen der Entente in den jüngsten Erklärungen Friedrichs keineswegs verhüllt worden ist. Es Lammt darauf an, Oesterreich nicht zu emimutigen. J /' . '; />/ MrLiMx. sWnL T sch« ch.'o^- Slo wa Mi bäs ün gäimsch e Un'Mpne h men 'nichs im Keime erstickt habe, was ^e./heuhe vor der Aussicht auf einen längeren Kampf zurückschvecken läßt. Er glaubt indessen, daß Be lgrad und/Bukarest diesem Kampfe gegenüber nicht untätig geblieben wären. Auf jeden Fall glaubt Pertinax nicht än die Wirksamkeit der Vermittlung des Marchese, d e l l a T 0 r r e t t a und stellt fest, daß England feine Zustimmung zur italienischen Vermittlung .nicht auftechterhalten hat. Zum Schlüsse wünscht Pertinax eine neuerliche Prüfung des burgenländischen Problems. Italienische Stimmen über Torrettas Absichten. BerÄrr, -b. OAobec. Die „Deutsche Allgemeine- Zeitung" meldet, aus Rom: Während die der Regierung nahestehende Presse das Mandat Italiens zur Vermittlung im österreichischungarisch«» Streit als einen. Erfolg fees Außenministers Marchese della Torretta begrüßt und auch die sozialistischen Organe darin ein Zeichen, fees gestiegenen Einflusses Italiens erblicken, bezeichnet das oppositionelle Blatt „Paese" Italiens Vermittlung für bedeutungslos. Das Blatt, erblickt einen' Widerspruch mit den Interessen Italiens, denn während es eines lebensfähigen Oesterreich als Nachvarn bedürfe, müsse es zu dessen Verkleinerung beitragen. v Die 0ffr/iö je, „Tribüne" sagt, O e d en bürg habe ein großes wirtschaftliches Interesse (?) Ungarn anzugehören. Weiters benrerkt das Platt, daß die Verhandlungen erst nach vollzogener Räumung fees Burgenlandes, beginnen würden. „Jdea Nazionale" bespricht die aus angeblich halbamtlicher Quelle stammende Meldung, wonach England plötzlich unter allerlei Vorwänden seine Zustimmung zu der italienischen Vermittlungsaktion zurückgezogen-habe. Daraufhin sei die. beabsichtigte Verlängerung des Ultimatums unterblieben, wodurch eine bedenkliche Situation geschaffen worden sei. Man erwarte eine neue englische Erklärung. Angriff der «noarische» Freischärler ans Zillingborf. Ei« Slachtgesecht. Mi«»er-Ne«ftadt, 5. Oktober. (Privat.) Gestern nach-- mittags wurde hier bekannt, daß die uugarischen sirrischärler bei Zillingdvrf größcrr Verstärkungen herangrzoge» haben, in der Absicht, daS dortige Kohlenbergwerk, welches von eminenter Bedeutung für die Stadt Wien ist, zu erobcr«. Infolgedessen, wurde die Reichswehr murrdir.gS alarmiert und t größere Lbteilungen nach Zrllmgdorf gebracht. Unsere Reichswehr entwickelte eine kolofsale Hchwarmlime rmd erwiderte das Feuer in heftiger Weise. Nach fast dr iv?ertelheißen Gefecht gelang eS der Reichswehr, de sich fchr die UMgx^ . der UM«». Staatskrise und SozialdeMoLratie. P. Wien, 6. Oktober. Die Ermordung Erzbergers und die im Zusammenhang damit erfolgte Aufdeckung des unterirdischen Treibens der demfchnationalen Mörderzentralen haben zu einer gewissen Annäherung der deutschen sozialdemokratischen Parteien geführt und es Wen eine Zeitlang eine Einigung zwischen Mehrheitssozialisten und Unabhängigen auf gutem Wege zu sein. Der verflossene Parteitag der rechten Sozialdemokraten in Görlitz hat nun eine Wendung gebracht, welche diesen Tendenzen nicht eben förderlich sein kann. Der Parteitag der Mehrheilssozialisten hat den deutlichen Wunsch ausgedrückt, in eine Regierungs- Koalition mit der fchwerindustriellen deutschen Volkspartei einzutreten, welche eines der stärksten politischen Zentren der Durchhalter und Siegfriedler bildet und erst zuletzt unter dem Druck der Ereignisse durch etliche Wortführer erklären ließ, daß sie sich auf den Boden der republikanischen Tatsachen stelle. Der Beschluß der Mehrheitssozialisten, der natürlich bereits auf eine wachsende Opposition'stößt, stellt, obgleich er sich als freie Entschließung gibt, einen politischen Canossagang dar, der nur aus der Vergangenheit verständlich wird. Der theoretische Doktrinarismus der einstigen Vier-Millionen-Stimmen-Partei hat die polittsche Auswirkung ihrer Stärke nie zur Tat werden lassen. In her Vorkriegszeit gefiel man sich in einem lauten Wortradikalismus,, der allen Tendenzen der sogenannten RrvWnisten, welche aus der Erkenntnis vorn evolutionistischen CharMter der sozialen -EntwicklnW und ter Ablehnung ' aller Katostrophenlheorie die / praktische Forderung nach positiver parlarnentarischer ' Mitarbeit zogen, das Stigma des Verrats aufzudrücken bemüht war, und vergebens erklärte James schon 1.904 auf dem internationalen Sozialistenkongreß in Amsterdam, die Hauptursache für die Beunruhigung Europas, die Gefährdung des Friedens und der errungenen Freiheiten bilde die politische Einflußlosigkeit der deutschen Sozialismus, der sich weder zur revolutionären noch zur parlamentarischen Aktion entschließen könne. Dieser in Wahrheit konservative Radikalismus, dem das marxistische Dogma zum Fallstrick geworden ist, hat nicht gemerkt, daß aus seiner intransigenten Haltung nur das ^persöEche Regime" den Hauptgewinn zog uno daß jene dem Anschwellen der Reaktion indirekt die Mauer machte. Was sich nach Kriegsausbmch - begab, ist allzu bekannt. Die Wandlung von wortradikalen in sozialpatriotische Spießbürger vollzog sich mit Windeseile, die Wortführer der späteren Mehrheitler gingen so weit» den tollsten deutschen Annexionismus zu rechtfertigen und sogar zu vertreten und diese innere Schuld zehrte fortab an ihnen. So kam der morsche Kompromißgeist zutage, der m dm Scheidemännern, in Nöske, feine» greifbarsten Ausdruck findet. Wie sehr die Chance der deutschen Revolution, die in Wahrheit keine war, vertan wurde, das erweisen die Ereignisie der letzten Zeiten, da sich das unterirdische Treiben des verbündeten Rückschritts immer lauter ans Tageslicht wagt,' ein Netz von Mordzenttalen sich über Deutschland spannt und die geheime Fehme wieder aufleben will, das erweist die Kette der politischen Morde in Deutschland und das zweierlei Maß, mit dem über die Mordtat geurteilt wird, je nachdem, oh sie von links oder rechts angezettelt worden ist; das beweist die Mitwirkung deutscher Sozialisten an her Proklamierung des bayrischen Ausnahmszuftandes, und die Regierung des Sozialisten Ebett war es, die 3000 Soldaten des hochverräterischen Putschisten Ehrhardt die ihnen von der Lüttwitz-Regierung für den Sturz der Republik zugesprochenen Geldzulagen ausbezahlt hat. Daß man sich in Görlitz für den Grundsatz der Koalition ausgesprochen hat, ist nur recht und billig, denn die Lage in Deutschland hat sich derart zugespitzt, daß nur eine wirkliche Koalitionsregierung im Reiche wie in Preußen — wo Reichskanzlers Wirt. Zentrumsgenoste Stegerwald dem bayrischen weißen Kurs beispringen möchte — über die arffgehäuften Schwierigkeiten hinweghelfen kann. Aber daß man an die deutsche Volkspartei als Partner dmken muß. ist eine Folge der Sünden der Mehrheits-. svzialisten, die in Görlitz das dreißig Jahre alte. «Mut« Pll-srcmu-Mch.