Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 963 (1.10.1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 8 Kronen ^rtnnMrHttsnrprtise: « 1,ar Kaa «tzalea « tot OfteMHm. L. WM» Safmo Hwrt<; 1 ‘ rii-.lC - *to*te riat» Ctwfir): Maaaiiui'. 'fhwtea ü«w WM «»ItvnfMb fteViat «ab ■ . OoUvMMtt . ShrMca 80br VlaaatUch. . 8mni 58.— <m chtz«»».si-aLli,ch« «Mtoaa# . *Nb«s. «aaat»ch.*. «rtowa »«*- - ' Sarastatetear «taaatfi«- . «prrteltithrli» . #«*- m Nr. 963 Einzelpreis S Kromm m?v, M5i%56> raanai WrLnnmerattonrpreift r 9»(tRt «oaaMq. -. Wart 40 m v»!«isch«r Wührams Deatschtea»; «aa«ttliq. ' . m«*i IV _ ämafniAt «oaatltq... Staat* V Stalica: Maaatltch . . . Stet «r- Utaatoaha: «oaatltch. . . . Sei 56^- Schweiz a. da» Wtige HuIIm* »taaatltch. . . Ataat* #rvkedattiaa a.RLminittrattaa Wien. .Pe«.,Taborstr. I—» »elepdea« r 44038. 4881t ad 0 Uhr abead« S!e 16S01 Vostsparkassenkonto 150.6SL Wien, Samstag den 1. Oktober 1921 3. Jahrgang Wähvetch die Botschafterkonferenz auf die Wirkung Ihres Ultimatums wartet, ist Stephan Friedrich nach dem Muster Kot f a n L y s und Z ieligvwfk i s zur übergegangen. Es hat in Mstüngarn das Jmperi«« Ungarns .-.MjiWt und 'durch einen Landesvertridigungsrat, der aus^den H e j j a s. O s z t e n b u r g, E r d ö d y, E st « rii Mzh 'üsw. besteht, eine Proklamation erlassen. Diese -esirgt: . .VC.' „An . die westungarische Bevölkerung! In folge des von . jk ., .. . ... - , . . i« Erfordernis der Kultur, daß jedes P6lk -"'-.'i>äattzchi organisiert sei und einem Organ, welches das \ ..^nperium' MsÜbt, Vertrauen schenket Aus . dieser. Not- ] ly'srrdigleit hervorgehend, hat sich der LandesverLeidigungs- ' ..nsschuß; -Msiituiert, der.. übe^ Äe-/strittigen Gebpstt- .--G'estuntzarns'-..dag >•!$«,$e.r.inm ausübt und jener -großen Pflicht nachkommt, welche ihm daraus dem Volk gegenüber «entsirht. 2#it stehen auf dem -.prinzipielle« Standpunkt deö Selbstbestimmun,gsrechteder ■' Völker upd protesiiL-ren dagegen, daß -über unsere staat- - .hichL- ZugehöritzSeit ein uns fremder Faktor, der Jmperrglismus -der Entente, zu .entschließen habe. Wir. verleugne«; unser tausendjähriges ungarisches Vaterland nicht. D'ie<nngarische Regierung war gezwungen,. vE hier ab- ' .»»ziehen,,. wir ab^r halten auch wejttzr unsere Grenzen . uW-<jette Wsetze uNb.gesetzlichen BerfügMgen, die bisher l -GMigWt Besaßen. ^Pre-fe ' werden- -auch künftighin: Pupch Äusgabe, vor der wir stehen, fordert von jedem die EiniWfchmg der Gesetze in erhöhtem Maße, der Ruhe.und >etf Ordnung. Ws diesem Gtuiide betonen wir, daß i.e de-. SKer-heMvd^esu)Staats- oder ' des v aß di^>PWchD^der^ WlterWidslieöe. chie heiligste Pflicht - -?sL Menschen -ist? Diöse Pflicht könne» - jedoch - nur-- jene iv*u. ersüllwkÄdie -aufneirier.religiösMorauschen Grundlage rj>?hen'.-'". Es> Wte.sich.jeher , vor der. Berührung mit der ' chKbt-cMiMn Mitakiön, .die' Lin' anderes Ziel hat,..ats- " -die. .GssE^fMoElÜPl'.s-Ävie' -.jen^-'^ FrieKeü und jene rcherheW zuWten > swelche' das Vaterland und der Staat . bieten. .;2©«r •, Agitation schuldrg macht,', begeht > das .schwEe Verbrechen; über-ihn wird ein Ausnahmsgericht üftxileu.., Im .Wtoresse der..'öffentlichen .Ordnwng ordnen wir am'dLß jeder - seine Waffen binnen 24 Stunden.dem - L ündrsverteidigAngsausschuß zur Verfügung stelle. . . Oberkonftnaiido des- Lanbesverteibigungsausschusses." Jn eMr Rede vor den christlichen Frauen- Budai «rstöf hat FxiebHch seinen Putsch genauer erklärt. ,-Dsr ^andssverlechigltngsausschuß hat in Westungarn das Ichvermm Mrnvmmen und damit den weiteren Verhmchlungen ein Wde.bereitet. / Ach bin trin diplomatischer Vertreter,.-aber ich stehe auf dem Standpunkt, dast jedernMün, <bet lchoü nun an feinen Hrch -ngM Oesiungat^ hineinseßt, niedergefchossen wird/' * $ie- 'fAn'hape'ste^ Hensürhat den . Blättern die. ^fjsldirng üher die Tat des - Friedrich, gestrichen'.und das berittene Koröespyndenzbureau dementiert die ganze Tache: /In.d^r gestrigen Pressekonferenz im Ministerium '^s...drDrst ' stellte man sich auf den einzig richtigen Stgrchvunkt^ daß,nunmehr wieder . die Bvtschafterko«sere«z dass Wort habe.. Diese Konferenz, die von den Äuientedelegierten informiert > wird, macht einen etwas heiteren - Eindrucks Sie hat, wie Reuter berichtet, vorgestern, üas'ist. am Tagendes Friedrichschen Putsches, beschlösset, . „vjy üngdrische Regierung zu verstärchigen, daß dir RanmnMbeS..BüMnlandes. bis zum .4,. Oktober in Z GemäMe^tdeis Ülttmätums unbedingt erfolgen ' luuß. Dch.die. Botschaifterkonfereuz in Erfahrung ge°- ' bracht -.WzkKß;die ^ungarische, Regierung weitere^ Klassen inj der rGesamtzahl von 20.000 Mann zu mobilisieren b.eäbsich^ ge, hat sie die ungarische Negierung verständigt, daß'dies unter keinen Umständen gestattet werden wird." / DDEWg'.rKser.Rote wird sich am 4. Oktober zeigen. Iß-wische'n „.hat' ',bie' ungarische Regierung eine grobe Taktlosigkeit..gegeft den. tschechischen Minister Doktor Äen e fMdegätgen. Während dieser noch mit dem in . Zrüun vorgelegten Vorschlag des Grasen Banffy be- - ichäftigt ist, hat derselbe Graf dem italiemschss MinisLer deS Aeußern Vorschlag zuöommen lassen, worin, er ersucht.wird, dst' Ber-m rL,t-l«»a zwischen Ungaru und Oestorreich zum Zivecke einer freundschaftlichen Lösung der burgenlä^'.diichen Frage zu übernehu'.en. Der' öst 'rr-eichifche Bundeskanzler erklärte dem italienisch-n Minister, daß er mit Rücksicht auf das Vertrauen, das er der Person des italienischen Ministers des Aeußrrn entgegenbrmge, dÄs ihm durch seine BeMittlmch zukommdttde Ersuchen -ist ernste Er wägurrg ziehe-' und stellte einige Be- - dingungen, die Marchese bellr^ Torrettahieraufder; ungarischen Regierung zur Kenntnis brachte. Ditz' Bots schäflerkonferenz, die daraufhin h-om Stande der Dinge ist Kenntnis gesetzt wurde, hat tzie im Lause befindliche Vermittlunggünstig ausgenorstmest, wobei sie' gleichzeitig betonte, daß die Vermittlung das Migarn überS reichte Ultimatum, dessen Frist am 4. Oktober abläuft, nicht aüfhebt. '<, ■ ' . - Es wäre eher angezri'gt, ^icht erst auf die am s 4.'Oktober zu erwartende Blanchge zu warten-und den ' langweiligen Notenwechsel einzüstellen. s Wie nunmehr. seststehL, findet die neuerliche Be-! gegnung des Bundeskanzlers Schober rn.it dem Ministerpräfidenleu der tschLcho-slowakischm Republik Doktor B e n e s ch definitiv am k v m m e n d « n D i e n s t a g' in Budweis statt... a „Amtlich rvird gemeldet.. Wien, 30. SepLember-. Amtlich wird grmeld e t:' Seit. 'Z8. M. vege AusklärungstätigM derraum bei Bruck. Hiehei schossen "die Freischärler auch auf unser ,Gebiet/ . Drei Wehrmänner des Bataillons lII/1 wurden verwundet. Der Larliftrsche Hmtergr»«d des Friedrich- P»tsches. Prag, 30- Septenrber. Die „Prager Presse" berichtet zu dem Putsch des ehemaligen ungarischen KriegZmini- ' sters Stephan Friedrich: Die Ereignisse M Westungarn , sind unter wohlwollender Duldung der ungarischen Regierung ' erfolgt.- Im Vereine mit Friedrich bereiten f die Karlistensührer Erdöd y>, d^r seinerfzeit den Exkönig Karl ' nach Westungarn geleitete, sowie Graf Batth yäny und Baron Korb den Umschwung vor. - In diplomatischen'Kreisen-der Entente glaubt man nicht mehr an die Möglichkeit einer friedlichen Einrenkung der westungarischen Frage und befürchtet im Gegenteil ernstliche Komplikätionett. f Die dritte f Etappe des Friedrich schen Plans ist ein - Einfall - der Jnsurgentenarwee nach Nie derb sterreich. Hervor-- rusung - eines monarchistischen Putsches in den -österreichischen Ländern usw. Zahlreiche Agenten' der Jns - sürgente-n treiben' - sich'' bereits -'in'' Wien und" Niederösterreich herum und werden von österreichischen Legitimisien- und ehemaligen ' F r'o nt k äm p fe rn unter- . stützt. Die Wiener S t ä a t s p o l i z e i besitzt in dieser Angelegenheit genaue-Informationen. Die un-! garische Regierung hat keine Macht mehr, uni die Weiterentwicklung der Dinge in Westnngarnzu' hemmen,' und es wäre in Wien für niemanden eiste Ueberraschung,; wenn Plötzlich in Oedenburg etwa Exkönig- Karl auftauchen würde. Die VorbereitAngen zur Durchführung!de's- Friedrichschen^Putsches sind in aller Stille getroffen - worden und "jede Hoffnung auf eine' glückliche Beilegung' des westungarischew Konflikts ist' angesichts sder- ,jüngstest Ereignisse geschwunden. In den Kreisen der kleinen Ententeist man davon überzeugt, daß der Friedrrchsche' Putsch eirttzn .ausgesprochen m o nst r'ch ist i s ch e n Charakter hat. Die französische und die "englische Gesarchtschaft in Wien wurden von der Pariser Botschaftarkönferenz bereits ausgefordert, mngehend über den Putsch zu berichten. Wie Friedrich de« Putsch merdlt. Buda.pest,:.30. September. Das. dem - Abgeordneten Friedrich nahestehende' Mirtagblatt „Virradat" -schreibt im heutigen Leitartikel: Die Situation beginnt eine derartige zu werden, daß sichdie Aufständischen : immex mehr von den Verfügungen der durch die Regierung, dorthin entsandten militärischen.'Organisation unab°- hängig machen. Es tvefsen Nachrichten ein, daß eine selbständige Staatsgestältung sich zu bilden begriffen ist. und es Kann leicht gjescheAen. daßganz Wshmgar« von dem Mutterlande sich' lostrennt. Unter solchen Umständen muß man mit der Möglichkeit rechnen, daß die Regierung gezwuugen sein wird, ihre Truppen und Funktionäre aus dem für sie verlorenen Gebiet zurückzuziehen. ' Budapest!, 30. Oktober. In der gestrigen Sitzung der christlichenn Franenlrga erklärte Abgeordneter Friedrich noch folgendes: Gestern haben sich 'große Ereignisse in Westungarn abgespielt. Die Landesschutzorganisation hat das Jruperium übernommen und damit die weiteren Unterhandlungen entzweigeschnitten. Ich bin kein Diplomat, sondern vertrete nur den Standpunkt, daß, wer in Hinkunft den Fuß nach Westnngarn ' setzt,, erschossen wird. Es ist nicht mehr wichtig; welche - Vereinbarungen mit Benesch -oder mit der Entente getroffen werden. Redner teilte sodann mit, daß in Westungarn die bekannte Proklamation erlassen wurde. Der Friedrich-Putsch. for. 23$teil, 1. Oktvber. Die Unzulänglichkeit und Kurzsichtigkeit der Ententediplomatie hat es glücklich zuwege gebracht, daß Stephan Friedrich namens des Königs von Ungarn das Imperium Westungarn ausgerufen hat. Damit wird das ganze ungarische Problem mit aller Schonungslosigkeit ausgerollt und die Entente, die große wie auch die kleine, sind heute vor eine Situation gestellt, die sie selbst herbeigeführt haben. Sie haben viel zu spät das innere Wesen des ungarischen^ Problems erkannt und bis zum heutigen Tatze gezögerh dem Kern der ungarischen Frage mahMtreten. Mes, was in de« letzte« siinfMZychenuber Westungarn mit diplomatischer Spitzfindigkeit erzählt wurde, war nur dazu da, um die Wahrheit. zu verhüllen und ein ungeheuerliches diplomatisches Panama zu verdecken. In Wahrheit verhalten sich die Dinge folgendermaßen : Seit dem Zusammenbruche des Kommunismus und der Wahl Horthys zum Reichsverweser führt die gesamte ungarische Polittk ein Doppelleben, das sich um die Königsfrage oder noch deutlicher gesprochen, um die Habsburgerfrage dreht. Sowohl die innere als auch die Außenpolitik Ungarns wird feit mehr als zwei Jahren ausschließlich von der Frage beherrscht. auf welche Weise die Habsburger wieder auf den ungarischen Thron gesetzt werden könnten. Selbst die Wahl Horthys war ursprünglich nur als Wahl eines Statthalters Karls von Habsburg gedacht und die Legilimiften haben recht, wenn sie Horthy heute vorwerfen, daß er durch tzin Bestreben, sich dauernd als Herrscher von Ungarn einzurichten, gegen den Sinn des Gesetzes über seine Wahl und gegen die Absichten der Majorität seiner Wähler handle. Horthy arbeitete nach einem bestimmten Plan. Im ersten Jahre seiner Herrschaft ließ er Ungarn von seinen Banden überschwemmen, die durch Raub, Mord und Erpressungen sich bereicherten und das Land in Schrecken hielten. Er konnte dies unter Duldung, ja Förderung der Entente tun. denn die in Budapest tätigen Entente- Missionen berichteten ihren Regierungen nichts oder Falsches über den Weißen Terror, dafür aber nachdrücklich über die Loyalität Horthys zur Entente, desie« Macht gestützt werden müsse, weil er die sicherste Garantie gegen die Wiederkehr der Habsburger biete. Diesem Gedanken ordnete die Entente ihre Auffasiung über Recht und Moral unter und die Budapester Ententediplomalen veranstalteten ein wahres Wettkriechen um die Gunst Horlhyr und seiner nächsten Umgebung. Aber bald stellte sich die Schwache und Unzulänglichkeit der Ententeverlreter in Budapest heraus. Die legistimiftifchen Magnaten hatten es.leicht, die weltfremden und unerfahrenen Ententediplomalen in ihren Bann zu ziehen; diese Ahnungslosen sahen vor lauter Champagner die Intrige nicht und merkten es gar nicht, daß sie, wenn sie sich als Iagdgäste der Grafen die' Zeit vertrieben, nicht die Jäger, sondern das Wild waren, das von ihren Gastgebern diplomatiich. zur Strecke gebracht wurde. Vor ihren Augen nahmen die Dinge in Ungarn, eine Entwicklung, durch welche die Legitimisten die Oberhand gewannen und ihr Schützling Horthy ins Hintertreffen kam. Heute sind die Dinge so west gediehen» daß es in Ungarn keinen politische« Faktor von Bedeutung gibt, der nicht Karlist wäre oder der es «aae» würde, gegen dev Karlismus os-. austu- 03286226