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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-30 · Heft 962 (30.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 962 (30.9.1921)
Date
1921-09-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der abgelaufene Zionistenkongreß von Karlsbad hat eine wahre Fülle von Arbeit zu bewältigen gehabt. Die verschiedensten Fragen politischer und vrganlalorischer Natur. und das gesamte kolonisatorische Problem des jüdischen Aufbauwerks haben den Kongreß in Anspruch genommen und die in Karlsbad gefaßten.Beschlüsse haben den -zionistischen Horizont gereinigt und für die Fortführung der Arbeit aus breiterer Bast» Dahn geschaffen. Als ein Gegenstand tjpn zentraler Bedeutung auf dem Kongreß mästen jedoch die Verhandlungen und Beschlüste über den Keren Hajestod, den großen gemeinsamen jüdischen Aufbaufonds, angesehen werden. Der Keren Hajeffod, welcher im Sommer des vorigen Jahres auf der zionistischen Jahreskonserenz m London feierlich beschlosten wurde, soll das große Reservoir sein, aus welchem der Aufbau Palästinas seine Materiellen Mittel beziehen soll; er ist bestimmt, den gemeinschaftlichen Volksschatz zu bllden, der den Aufbau des jüdischen Landes besorgen und der künftigen jüdischen Arbeit die nötigen Grundlagen liefern wird. Die Arbeit für diesen großen Volksschatz, k>er innerhalb von fünf Jahren, von denen eines bereits verstrichen ist, die hohe Summe von,; 25 , Millionen Pfund ergeben soll lind her berufen ist, alle Zweige der jüdischen Arbeit, sowohl der agrikulturellen wie der industriellen, zu jinayZierey, Hy» Land zu erschließen und alles Nötige für. heffen Produktivierung und Kultivierung — wie Herstellung von Kommunikationen, Sttaßen-, Eisetzbyhn» und Hafenanlagen, Licht- und 2Laster< rvLrkM^npdieÄm«ÜoüerllNgl0k^^ Wottzen, M bereits vor Monaten in allen von Juden bewohnten Ländern begonnen und es sind bistzer. nicht unerhebliche Mittel für diese« Zweck gezeichnet /worden. Aber es tut not, daß diese wichtigste und Unumgänglichste aller jüdischen Ärbeitenmit größerem Eifer und Nachdruck fortgesetzt und daß der Keren Hajestod ürr alljüdischen Volkssache gestaltet «erde. Es darf nicht oerschwiegen «erden, daß bisher ihrer Pflicht dem jüdischen Volksschatz gegenüber nur Zionisten nachgekommen sind und auch diese bisher leider nicht in allen Fällen und in erforderlichem Umfang. Das provisorische Statut des Keren Hajeffod, dessen Legalisienmg mit verschiedenen schwerwiegenden Fragen verknüpst ist, war daraus aufgebaut, daß der Keren Hajeffod eine gesonderte, von der zionistischen Organisation losgelöste Verwaltung haben sollte, welche natürlich, da es sich um eine zionistische Gründung handelt, durchaus in zionistischen Händen lag. während der Vertreter der zionistischen Exekutive 51% der Stimmen auf sich vereinigte. War also bisher notgedrungen die Verwaltung des. Keren'Häjestod und die Bestimmung über seine Form durchaus in zionistischen Händen, so hat der abgelaufene. Zionistenkongreß das Statut dahin geändert, daß die. Hälfte der Stimmen im Direktorium auf die gewählten Vertreter aller Beittagsleister zu entfallen haben. Damit ist den Argumenten aller jener det'-.Boden entzögen, welche ihren Beitrag für den Keren Häjestod mit der Begründung verweigerten, daß'' es ' sich hier um eine rein zionistische Unternehmung handle. Die neue Bestimmung macht den Keren Häjestod zu dem, was er in Wirklichkeit zu fein hat, zum allen politischen Auffassungen entrückten, Gemeinschaftsbesitz des jüdischen Volkes, für dessen Komplettierung keine spezielle politische Ueberzeugung in -Betracht kommt, sondern lediglich der lebendige, aus die Errichtung eines jüdischen Palästina gerichtete Wille, das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl und die persönlich empfundene Verpflichtung, leilzujiehmen >m einem Werke, welches aufgehört hat, die Sonderaugelegenheit einer Organisation zu sein, und gemeinsame Pflicht des ganzen Volkes geworden'ist. Mt dem Beschlüsse von Karlsbad ist der Keren Hajestod und die Sorge für-besten Aufbringung auf die Schulterndes gesamten jüdischen Volkes gelassen worden, besten Vertreter ohne Unterschied der Richtung über seine Verwendung beschließen können. Der Ausbau.Palästinas ist eine alljüdische Aufgabe und das Palästina-Mandat legt-der zionistischen Organisation, welche England gegenüber die Stellung der Jewish Agency übernimmmt, die ausdrittklichc Verpflichtung auf, das.Gesamtjudenium ans Werk der Palästina-Arbeit heranzuziehen. Durch Das Ultimatum an Angarn. PaÄS, 28. September. Die Note der Bo t schafterkonserenz an die ungarische Delegation vom ,22. d. M. hat folgenden Wortlaut: Herr Präsident! Die Botschafterkonferenz hat mit größter Ueberraschung von den Antworten Kenntnis genommen, die die ungarische Regierung auf ihre vorhergehenden Noten, betreffend die Räumung des Bur genlandes, erteilt hat. Die Botschafterkonferenz konstatiert, baß die ungarische Regierung es ab lehnt, sich ihren Aufforderungen zu unterwerfen, und daß die westlichen Komilate noch immer von ungarischen Truppen besetzt sind. ' Die alliierten Hauptmächte können nicht zu lassen, daß die Verpflichtungen, für deren Durchführung Sie die Haftung tragen, nicht beobachtet werden. Die Hauptmächte fordern von der ungarischen Regierung, baß in nerhalb einer Frist von zehn Tagen von der Uebergabe der gegenwärtigen Note an das Burgenland gemäß dem von den alliierten Generälen festgesetzten Plane vollkommen geräumt und das Uebergabsprobokoll Unterfertigt sei. Andernfalls behalten sich die alliierten Hauptmächte vor, gegen Ungarn ohne weitere Verständigung alle Zw angsmaßnahmen anzuwende«, die sie für opportun erachten. Andererseits sind die alliierten Hauptmächte.in ihrer Eigenschaft als Signatare der Verträge von Trianon und Saint- Germain bereit, sobald die Räumung abgeschlossen sein wird, den Verhandlungen zu präsidieren, die zw ischeu Ungarn und Oesterreich stattfinden werdenum die verschiedenen Detailfragenzu regeln/ die sich aus bet Uebergabe der Genehmigen usw. .. . (Gez.): Uriand. Jugoslawien und die rveftnngarische Frage. Graz, rs. September. Die »Tagespost* berichtet a«S Belgrad: Der gestrige Ministerrat beschäftigte sich eingehend mit der wrstungari'che« Frage. Der Minisierrat ist der Ansicht, daß eine wirtschaftliche Blockade gegen Ungarn m t Erfolg geführt werden könne. Ministerpräsident Pasic betonte besonders d e an dauernde Rüsiung «nd Mobilisierung m Ungarn. Er sprach auch ausführlich über die Akt on Dr. Bene»' und meinte, daß »«umgänglich nähere Besprechung » mit Benes und Rumänien über die Ausrüstung UngainS zu pstegru feien. Der Mmiflrrrat ist der Ansicht, daß eine gemeinsame Intervent»»« aller Mächte nützlicher sei als einzelne Arrangements. Ungarn will nachgebe«? Mnvon, 28. September. Das Reutersche Bureau erfährt: Nach einer in London eingetvoffenen Meldung beabsichtigt die Ungar i s ch e R e g i e r u n g, die Forderung der Alliierten, betreffend die Räumung des Burgenlandes, zu erfüllen. Sollte dieses Gebiet jedoch noch weiter in den Händen der irregulären Banden belassen werden, so würden die Alliierten darauf bestehen, daß die ungarische Regierung die Säuberung nötigenfalls mit- Gewalt vornehme. Opposition der Andraffy-Partei. Budapest, 29. September. Die Mitglieder der An d ras sh--Partei bereiten für ihre heute abends abzuhaltende Parteikonferenz eine scharfe Kritik der tot der westungarischen Frage bevorstehenden Regiernngspolitik vor. Die Retturig der Stadt Oeden burg und neun Gmeindcu für Ungarn wird zwar als bereits fest stehende Tatsache angenommen, in politischen Kreisen wird jedoch mit Besorgnis die Frage erörtert, welche Zugeständnisse Ungarn nicht allein an Oesterreich, sondern auch für ihre Verde« Karlsbader Beschluß Über den Keren Hajeffod ist die zionistische Organisation dieser Verpflichtung nachgekommen und das feierliche Manifest des Kongreffes an die jüdische Gesamtheit bildet zu jenem Beschluß die natürliche Ergänzung. ' Der Keren Hajeffod soll, wie sein Name besagt, die Grundlagen schaffen, aus denen sich ein neues, produktives jüdisches Leben in Palästina erheben soll. Er soll nicht Politik treiben, sondern praktische Arbeit, er soll das Land zu Leben wecken, die Scholle anbaufähig machen, das Arbeitsgerät des Werkmannes zu fruchtbarem Tun in Bewegung setzen und die geistigen Institutionen erhalten und schaffen, deren die zunehmende jüdische Bevölkerung des Landes be-' darf. Den Zionisten in aller Welt erwächst eine mittlung der T sche chv-Sl owaker zu leisten haben wird. Falls die Regierung in diesem Belang keine die Ändrassh- Partei befriedigende Mitteilung macht, so ist, wenn auch nicht im gegenwärtigen Augenblick, so doch nach Abschluß. der westungarischen Frage, mit einerRegierun gskri.se zu rechne«. Die Hetze der Horthy-Preffe. Budapest, SS. September. »Nrmzeti Uiföß* bezeichnet es als ei» Verdienst der braven, aufopfernden Kämpfer WeflungarnS, paß Ungarn in der «esinngarifchea Frage einen gewiss»« Erfolg aufweifr« konnte. Nicht als ob wir, sagt das Blat^ die Ergebnisse der Brünner Verhandlungen überschätze» würde«, wohl ° aber werten wir sie en'sprechend. Wir wisse», daß die Ungarische öffentlicheMei»»»g so la»gr nicht r»he» wird, bis nicht die rechlichen Grenze» Ungarns ebenso von jeder Fremdherrschaft frei werde«, wie unsere Fahne» aufflatter« müsse« avf de« Türmen von P r e ß b u r g, K a s ch a »r, K l a «s e «- b«rg u«d Maria Theresiopel. Stephan Friedrichs neue Drohung. Aus Budapest wird gemeldet: Bor einigen Tage« veranstalteten die Stephan Friedrich nahestehMdenGruppen der „Erwachenden Un garn" vor der Wohnung Friede richs^ eine große Sympathiekundgebung und langten, Friedrich zu hören. Friedrich erschien und hielt an die Versammelten eine Ansprache, in welcher er. die .Er-, schienenen beruhigte, baß er nicht erlahmen werde uud nach wie vor tätig sei, baß Westungarn bei Ungar.» bl eibe. Jetzt sei. nicht die Zeit -ü«''Reden/^Nder.n'züm-l Tags darauf erschien in den Blättern eine Deklärnng Friedrichs,' in welcher dieser unter anderem mrsführt: Die letzUu Noten ändern nichts an der westungarischen Frage. Brrgeb lich möchte die Regierung der Forderung der Enteure i%isprechen, das letzte Wort wird die westungarische B-'völkerunü mit der Waffe in ber Hand sprechen. Aus Grund meiner persönlichen Erfahrurrgen behaupte ich, baß das Moli West- Ungarns bis zum letzten Atemzug kampssn wird ' für das Selbstbestimmungsrecht oder zmnüldest für die Äu< vrdnung des Plebiszits/ Die verharidelndein Regierungen und Mächte werden gezwungen sein, mit den Vertra^nsmärmcrn des aufstLndischen Volkes-zu verhandeln, um desserr Haut 'ja ' eigentlich das ganze häßliche Spiel geht. Die Entente will eine halbe Mllion Menschen aus einem Land in das andere übersiedeln. Zur Zeit eines großen Sturmes und Gewitters kümmert sich die Herbe sehr wenig »m die Hirten- Todesurteile gegen Mitglieder des aLrussischen Hilfskomitees. London, 29. September. (Funkfpruch.) In London find Nachrichten aus Moskau eingettoffeu, daß drei Mitglieder des allrussischen HUfskomitees für die Rettung der Hungemden, K i sch k i b, P r o k op o w i t s ch und Frau K a n s k o w a, zum Tode durch Erschießen verurteilt worden seien. Als Erklärung für dieses Vorgehen teilt die Sowjettegierung mit, daß die eingekerkerten Mitglieder des Komitees im Jahre 1918 in eine yegenbolschewische Verschwörung verwickelt waren. Dieses Vorgehen hat in England große Entrüstung hervorgerufen. Ador hat an die russische Regierung die Anfrage über das Schicksal der verurteilten Mitglieder der allrussischen Hilfskommissiün gerichtet. wowWWWWWWWWWIWWWUWWWWWWUWWWWWWWWWMWWWoUWUWNW. schwere und dringende Pflicht, denn die Zeit ist ernst und das Land wartet: Sie f berufen, unermüdliche Werber für den Gedanken dr ' bischen Volksschatzer zu sein, das Volk zu Opfern und Leistungen befeuern und ihm durch die Tat mit dem Beispiek voranzugehen. Der Kongreß hat die Maasser-Forderung erneuert, den Beschluß, daß jedermann ein Zehent seiner Habe der gemeinsamen Volkssache opfere. An uns Zionisten ist es nun, diesem Beschluß zunächst nachzükommen und durch das Beispiel eigene« Ernstes und eigener Hingabe die Zögernden und Lauen mitzureißen, die nur unser Vorbild an ihre eigene Pflicht-zu gemahnen vermag. In diesen Nep-- jahrstagen ergeht an jeden Zionisten, an jeden jüdisch Fühlenden die laute Mahnung: Gedenket des Kere» Hajeffod und leistet den Waaffer l

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