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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-27 · Heft 959 (27.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 959 (27.9.1921)
Date
1921-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrgang ^WMWW»S»SVSSSn«w««M0»wj«S»SSS«»«««WM^n«,«»,«1 fiSTWwÄTlfSp'riifiB i m i mmräMMMMOTmmMMWMÖmiiii minaaMMmaSBini m ■■■■■mmmmmBOI Prager Meldungen über Annahme des ungarrschen Vorschlages durch Oesterreich. *4» P r a g, 26. September. (PriVat.) Zn hiesigen diplomatischen Kreise« wirabends die Meldung verbreitet, Oesterreich sei geneigt, die «im DoALor B c n e f ch Sbermiteelten nngarifcheu VorschlKge in Der westungarischen Angelegenheit |« akzeptieren. Die Tschecho-Slswakei übernimmt die Garantie, daß die ungarische Negierung das Abkommen restlos durchführt und zuerst dar ganze Burgenlaud räumt. Der österreichische Standpunkt. Zn der »Politischen Korrespondenz" wird in einer offiziösen Darstellung der burgenländischen Frage unter andM^ch erklärt- Europa idirb sich seiner sWchen- und mvrglisDn Pflicht der EiWüng der FriedensverLräge, der gesetzlichen Lösung der bmgenländischen Frage nicht entziehen können. Das österreichische Problem, das schon vorher schwierig genug war» durch die wiederholte Verzögerung der Kreditaktion noch weiter verschärft wurde, e.x h e i s ch t rasches Handel n. Oesterreichs Anspruch auf das Burgenland braucht nicht erst begründet zu werden, er wird von aller Welt anerkannt, aber bisher ist der Wille jener, die über die Macht verfügen, diesem Anspruch Geltung zu verschaffen und die Gesetzlichkeit in diesem Teile Europas wredsrherzustellen, in k e i n er w i r k s a m e n A r t j i ch t b a r g e w o r d e n. Ungarn bringt es zuwege, von Oesterreich Garantien zu verlangen. Aber nicht Oesterreich, das alle Verpflichtungen aus den Friedensverträgen bis m Selbstentäußerung erfüllt, ist es, von dem Garantien verlangt werden dürfen. Oesterreich ist es vielmehr, das. ehe es sich über welches S ug e ft Sjt b n is immer schlüssigwerden k a n n, Gar a n t i e n verlangen muß d as ü r, daß es im ruhigen Besitz des ihm rechtlich gehörenden Gebietes nicht gestört werden wird. Oesterreich wartet auf die Taten der Gerechtigkeit, der Vertragstreue, auf positive internationale Handlungen zur endlichen Sicherung der ihm zugesagten Grenzen, zur endlichen Aufrichtung seiner wirtschaftlichen Lebensfähigkeit. Das österreichische Volk wendet sich in seinem guten Rechte an alle Nationen, die sich den geraden Sinn für Recht und Ordnung bewahrt haben. Oesterreich verlangt und erwartet den Schutz durch das intern ati.on.yle Rechtsgefühl und es hofft, daß sein Ruf nicht ungehört verhallen wird. Zn dieser reuen Welt, die von den Siegern aufgerichtet wurde, muß e, doch noch Richter geben, die dem Schwachen bch'tehen, damit er in seinem Rechte nicht vergewaltigt werde. - Me Defprechrmgen zwischeu Deuesch und Banffy. Grurm» 26. September. (Tschecho-slow. Preßlwr.) Bei der Zusammenkunft des Ministers des Aeu'tzem Dr. B e n e f ch mit dem ungarischen Minister des Aeußern Grafen Banffy, die heule im Gebäude der politischen Landesverwaltung in Brünn stattfand, wurde die Situation in West Ungarn erörtert. Es wurde vereinbart, zunächst die alliierten Großmächte über die Lage zu unterrichten. An den Beratungen nahmen teil: Für die tschecho-slowakische Republik Minister des Aeußern Benesch, Legationsrat Jan- M ti f a r y k und Ministerrat S t r i m p l, für Ungam Minister des Aeußern Graf Banffy. * Kabinettschef Graf Szäpary, Legatiynsrat Graf Khuen-H e d erv a r y und Geschäftsträger M a t u s k a. Die Beratungen begannen kurz nach 8 Uhr' früh und dauerten bis 12 Uhr. 30 Minuten. Die ungarische Delegation ist über Preßburg nach Budapest yhgereist. . . . / 7 Girre Erklärung Des Ahgeordyeten Br. Gürtler. Graz, 25. September. Der Obmann des'Ausschusses für Aeußeres Prof. Dr. G ü r t l e r' erschien beim Festabend des Reichsbauernbundes, wo er hinsichtlich Westüngarns ausführte, daß Oesterreich : selbstverständlich nicht in der Lage sei, die Entente zu zwingen, die Friedensverträge durchzuführen. Diese Friedensverträge bilden in ihrer Gesamtheit ein System, aus dem man nicht willkürlich einzelne Teile Herausreißen könnte. Wenn aber die Ueberzeugung Platz greife, daß es lokaler G e w a 11 a nwendung möglich sei, einzelne Teile der Friedensverträge zu erschüttern, so gerate der ganze Bau der Friedensverträge ins Wanken und jene führenden Politiker der besiegten Staaten, die ihre Politik bisher auf die loyale Einhaltung der Friedensverträge eingestellt hatten, geraten in eine unmögliche Stellung und werden nicht mehr in der Lage sein, im Kampfe gegen die anders orientierte öffentliche Meinung Ruhe und Ordnung in Mitteleuropa auf Grundlage der Friedensverträge aufrechtzuerhalten. Wenn das in Oesterreich geschieht, mag das für die Entente kein Grund zur Beunruhigung sein. Aber diese Bewegung dürste sich dann nicht auf Oesterreich allein beschränken, sondern müßte auch aus D eutschland übergreisen, wodurch sie für die Entente eine ernste Bedeutung gewinnen würde. ■ * Wie wir im gärigen Mittagblatt milteE-,. u aa dir nächste Zusammenkunft Dr. S L » b e r s mit Dr. Benesch in der zweiten Hälfte dieser Woche stattfinden. Sie dürste in Znaim oder m BudweiS erfolgen. ES ist anzunelimen, daß die vorher erfolgte Besprechung Dr. B r n e s ch' mit dem uuaarischen Außenminister Grafen B arr f fh in Brünn das Terrain io weit klären wird, daß Herr Benesch seinen Berm'tllungsvorschlag schon schärfer umschrieben dem österrelchrschk« Bundeskanzler wird vorlegen können. Dir vielfach auftanchendr« Mlldungn über Gebietskompensaiionen Ungarnim Wieselburger Äowitat werden von der »Prager Presse* für nnüchtig erklärt. Ein Attentat auf den bulgarischen Kriegsminister. Sofia, 26. September. (Tel.-Komp.) In Plewna wurde ein Attentat auf den bulgerischen Krieg-minister Dimitriew verübt. Der Minister blieb Unverletzt, die Täter flueutbomme». Wabers Rückzug. F. Wien. 27. September., Der deutschnationale Antisemit W a b e r, dem es vor einigen Monaten geglückt ist, in Ausnützung einer momentanen politischen Konjunktur die Stelle eines österreichischen Innenministers zu erlangen und sich an dieser als großdeutscher Parteimann zu etablieren, hat, wie ausreichend bekannt ist, den Versuch unternommen, die von seiner Partei programmgemäß geübte Rassenhetze in die österreichische Verwaltung ' einzuschmuggeln. Gestützt auf mehr als ftagwürdige Entscheidungen des österreichischen Verwaltungsgerichtshofes hat es Wader bald unternommen, die ebenso unwissenschaftliche wie chauvinistische Rassenlehre des polternden Germanentums zur Grundlage seiner Entscheidungen in der Optionssrage zu machen, er hat kurzweg die ihnr unterstehenden Beamten angewiesen, jeden Optanten jüdischer Herkunft von der Option auszuschließen, und sich mit einer beispiellosen Frivolität über den klaren Sinn der durch die Unterzeichnung der Friedensverträge übernommenen Verpflichtungen hinweggesetzt. . Während die Friedensverträge von der Äbsicht ausgehen, den infolge der Zerreißung der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie plötzlich in neue und ihnen fremde Zu-' sammenhänge geratenen Bürgern die Möglichkeit^ zu geben, durch einen Nachweis ihren inneren, sprachlichen und kulturellen, Zugehörigkeit' zu einem" der rieufetr Staaten die'SMshiügtt.schast Zu erlangen./ hät ^Waber kurzweg dekretiert, daß Juden die Erwerbung der - österMchischett Ststatsbürtzerschast durch: Osiiion zu verweigern sei, weil sie nicht zu'/der Ms' ' objektivem Wege nicht feststellbaren Mehrheitsrässe, in, Oesterreich gehören. . Das Novum in dieser Entscheidung, welche zahl* reiche österreichische Steuerzahler, zahlreiche Personen, die seit langem in Wien leben, hier geboren sind und - an der Produktivität Oesterrchhs ihren Anteil Haben, um ihr wohlerworbenes Recht' bringt und durch eine beispiellose Willkür die Zusammengehörigkeit .von Familienmitgliederir mit einem Schlage auseinanderreißt,^ liegt darin, daß hier vor den Äugen aller Welt der Versuch unternommen wurde, die, antisemtischeE Haßpraxis zur staatlichen Uebung zu. machen. Die ablehnende Haltung der österreichischen OeffentlichM und eines Teiles der Presse, welch letztere vielfach dem von uns begonnenen Kampfe die Gefolgschaft nicht versagt hat, und der immer lauter werdende Protest gegen die Etablierung der Methoden Zarenrußlands in der österreichischen Republik hat Herrn Waber anscheinend wanken gemacht und nunmehr werden Aeußerungen Webers verbreitet, die einem Rückzug sehr ähnlich sehen. Von diesem Plane her Einbürgerung der Optanten auf dem Wege über die' Lokalbehörden sind wir schon seit geraumen Tagen unterrichtet, aber dieser Versuch, unsere Aktion zu er- . ledigen, vermochte uns nicht zu befriedigen und wir haben keinerlei Anlaß, in den Triumph gewisser Blätter einzustimmen. Der kurze Sinn von Wabers langem Gerede ist der, daß die Erledigung von Optwnsangelegenheiten mdie Kompetenz der Gemeinde- und Landesbehörden falle, weshalb eine generelle Abweisung der Optionen wegen Inkompetenz des Innenministeriums erfolgt sei. Die generelle Abweisung sei verfügt worden, weil dar Ministerium der Riesenarbeit der Erledigung der zahlreichen Gesuche nicht gewachsen gewesen sei. Das Ministerium habe gar kein Rech^ einer Entscheidung der Gemeinde- und Landesbehörden entgegenzutreten, und es werde daher in nächster Zeit von der Notwendigkeit der Vorlage solcher Gesuche beim Ministerium des Innem abgesehen werden. Eine lendenlahmere Erklärung hat noch nie ein Minister von sich gegeben, um sein totales Debakel zu bemänteln. Herr W a b e r fleht durch Monate ruhig zu, wie sich die Berge von Optionsgesuchen in seinem Amte türmen, er laßt entscheiden, daß die Optanten unter Berufung auf den Paragraphen 80 des Friedensvertrages, der von Rasse und Sprache handelt, abgelehnt werden, und vor uns liegt ein Originalbrief, der die von zahllosen Option«- ablehnungen her bekannte Unterschrift des mit dieser Angelegenheit betrauten Hofrates O ch s n e r trägt, in dem es wörtlich heißt, daß „O p t i o n s a n f u ch e n * von Inden ausnahmslos abgewiese» - '

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