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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-26 · Heft 958 (26.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 958 (26.9.1921)
Date
1921-09-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Me Blätter melden ans Rom, daß Albanien die allgemeine Mobilisierung angeordnet hatte. Rom, 26. September. (Tel.-Komp.) In einem Telegramm aus Valona an das »Giornale d'Iralia" wird gemeldet» daß albanische Truppen die serbischen Prellungen, am Drin angegriffen hätten, jedoch auf der ganzen Linie.Mkückgeschlagen worden seienauf beiden Seiten sind schwere Verluste zu verzeichnen. Mattand, 26 Srptcmbrr. (Tel.-K»mp.) Wie der „Corriere t rüa Sera" «itteilt, Bereiten griechische uttc Mlawische Truppe» ".im Vmfall « Albanien vor. Jonese« in Äo'm, Paris, 25. September. (Havas.) Der ruiuärnsche Minister des Aeugem Take Ionescu ist hier angekomme». __ Irland Loadou» 26. September. (Tel.-Komp.) Der irische -Lisekbahnerstreik ist infolge Eingreifens des irischen -PäDMMOmWp-. Mgelest--«oche«. . London, 26. September. (Tet-Komp.) In der Mchr zum Sonntag habe» in Belfast neuerlich blutige Zusammenstöße stattgefunden. Nach Eintreffen von Truppenverstärkungen konnte die Ruhe wieder herge- »teilt, werden. Man spricht von 20 Toten und 12 Berle t;ten, darunter drei schwer. London, 26, September. (Tel.-Kömp.) Sonntag sind die Wirren in Dolly-Macarett wieder ausgebrochen. Orangiften haben Bomben geworfen. Drei Personen wurden getötet und 18 verwundet. London, 26. Septemller. (Tel.-Komp.) Die Ant- >uyrt Lloyd Georges an de Valero wird nicht vor Lienstag veröffentlicht werden. Die Niederlage der Griechen. K»»fta»ti«»pel, 25. Sepiemdrr. (Havas.) Dir hier rr-'endktt Geröchte über die Einnahme von Eski Schchir sind!!cd u.chr brfiÄigt. Die Lage der Griechen soll sich noch ich»Mir gestattet habm Talsache ist, daß sie zwei Divisionen tehB.tiitüf *rib zwei Divisionen Jnfankerie in ihrem Rücken 'ben, die die Stadt Seid Ghaza besetzt hatten- Eine neue französische Note an Deutschland. Paris, 26. September. (Tel.-Komp.) Wie das . Iourr, al des Dvbats" mitteilt, hat die ftanzöfische Regierung dem deutschen Außenminister eine kurz brüstete Note überreichen lassen, in der gegen den Boykott ftauzöfischer Waren in Deutschland protestiert vird. Zusammenkunft Nathenay—Loucheur. Paris, 25. September. (Havas.) Es gingen Gerüchte um, wonach Loucheur morgen. Montag, zu einer Zusammenkunft mit Rathenau gehen würde. In dieser Form ist die Nachricht verfrüht. Loucheur soll wohl demnächst mit Rathmau in Wiesbaden zusammen-' treffetr, aber das Datum steht noch nicht fest. verlachter Anschlag auf Pilsndski. Lemberg» 25. September. Als das Staatsoberhaupt P i l s u d s k r, der der heutigen Eröffnung der L e mb e r g e r Mess e beiwohnte, nach, dem zu seinen Ehren gegebepm Diner im Lemberger Rathause in Begleitung des Lemberger Wojwoden Grabowski sein Automobil bestieg, wurden in der Richtung desselben drei Schüsse abgegeben, die den Wojwoden leicht verletzten. Das Staatsoberhaupt blieb unverletzt. Piliudtzki begab sich in das Stadttheater, wo ihm das Vubüruur enchusrasüsche §**ti**i*. htxtütk, in Milien. Westungarn. Eine Zusammenkunft zwischen Benesch und Bauffy. Heute findet in Brünn die Zusammenkunft zwischen dem tschecho-slowakischen MimJer'des Aeußern Doktor Venesch und dem ungarischen Minister des Aeußern Baron Banffy statt. Da Dienstag das neuetschecho-slowakische Ministerium sich lonstituiert und auf Mittwoch das tschechische Nativnalfeft, der Wenzelstag, fällt, so werden der österreichische Bundeskanzler Schober und tschecho-siowakischer ^Außenminister Dr. Ben esch .ihre in Aussicht genommene Konferenz erst in der zweitenHalfte der Wo che abhallen. Im Laufe des gestrigen Tages haben an der österreichisch-ungarischen Grenze keine n e u e n Z w i s ch t n« fälle sich ereignet. Trotzdem wird die Lage in diplomatischen Kreisen weiter als sehr ernst.betrachtet. Errlberusmrg Des Prager A«tzr«a»sfchuffes. Prag, 26. September. (Tschecho-flow. Preßbur.) Wegen der jüngsten außenpolitischen Ereignisse hat Minister Dr. Benesch den" Vorsitzenden des Äußestaüsschuffes Abgeordneten Nemec mn Einberufung -dss Ausschusses ersucht, um vor dem parlamentarischen Forum über diese Angelegenheiten Erklärungen abzugeben.Der Ausschuß wird wahrscheinlich für Dienstag nachmütags einberufen werden. VorkerettuVgeNLerTschLcho-SrowLkei. Prag, 25. September. „Narodni Llsty" veröffentlichen eine Unterredung ihres Preßburger Berichterstatters mit Generab Snejdarek, der sich folgendermaßen äußerte: ^Wir treffen keine besonderen Vorbereitungen angesichts der Ereignisse im Burgenlande. Dort muß man vorerst die rostigen Kanonen putzen und schießen lernen. Unsere Geschütze sind in Ordnung und schießen können wir. Unsere Truppen in der Slowakei sind schlagbereit. Für die Armee ist alles vorgesorgt." Dasselbe Blatt berichtet aus Pr eß'bnrg über ein Feu-ergefecht zwischen einer tschecho-slowakischen Grenzwache und magyarischen Banden sowie über Angriffe magyarischer Banden aus tschecho-slowakische Eisenbahnstationen an der Grenze. Es sei erwiesen, daß hinter den Banden reguläre magyarische Truppen Lereitgestellt seien. BeuttrnhLgrrng in der Slowakei. Prag, 25. September. In einem Situationsbericht der „Tribuna" aus Preßburg wird dargelegt, daß die östlichen Gebiete der Slowakei und Karpathorußlands in bedrohlicher.Weise von der magyarischen Agitation beunruhigt werden. Bis sich nach der Liquidierung des Abenteuers im Burgenlande die gesamte Lage objektiv werde überblicken laffen, dürfte man erkennen, daß die Unternehmung in Westungäm bloß eine Nebenaktion gewesen sei und daß es sich in der Hauptsache um einen großangelegten Angriff aus die Slowakei gehandelt habe. Jüdische Waisenhäuser in Petersburg. Riga, 22. September. (Iüd. Korr.-Bur.) Hier eingetroffenen Nachrichten aus Petersburg zufolge haben die dortigen Behörden drei Waisenhäuser für jüdische Kinder eröffnet, die ihre Eltern m den Pogromen verloren haben. - Fords Hetzblatt vor Gericht. NewoVork, 22. September. (Iüd. Korr.-Bur.) Der öffentliche Ankläger des Chicagoer Distrikts hal gegen Fords a n t i s e m i t i f ch e s B"l a t t „$eai> born Independent* eine scharfe Anklageschrift ausge« arbe.rei und das Blatt wegen Beröffenilichnng auf xtxmhtz Artikel aeaeu die Juden vor Gericht eiüerr.! Antisemitismus und Reaktion in Deutschland. Eineor Münchner Brief der „Prager Presse" entnehmen wir die folgende höchst instruktive Darstellung der Kampfmethvden der Neaktivn in Deutschland. Nach dem Scheitern des Kapp-Putsches verlangten die Gewerkschaften aller Richtungen Maßregeln in der Richtung, baß der staatliche Verwaltungsapparat, die Justiz und die Armee nicht mehr bte' Schlupfwinkel der deutschnationalen Reaktion bleiben. Aber es geschah nichts. Das machte den bedenken- und skrupellosen Agitatoren der Rechten Mut und sie griffen zu ihrer alten Methode des persönlichenKampfes von der Verleumdung bis zum politüschen Mord, wobei sie diese Methode mit dem legalmKampfe auf parlamentarischem Boden verknüpften. Eine der Hauptwafsen wurde nun der AutisemitiSmAS, der bekanntlich für alles Elend auf dieser Welt die, Juden verantwortlich macht, die man aus der deutschen- Volksgemeinschaft ausmerM müsse, wenn man wieder aus dem Sumpfe der Republik heraus kommen wolle. Der Widersinn dieses politischen deutschen Antisemitismus geht so weit, daß zum Beispiel der Antisemitenhäuptling, der Privatdvzent.D'r. Arnold Rüge aus Heidelberg, der kürzlich im Zusammenhang mit der Aushebung der oberschlesischen Selbstschutzzentrale auf Schloß Birlan bei Neisse verhaftet worden war, ein großes ' ' HaKtznßIdttz unter: VÄ Weste auf der Brust trägt und es sich vor .den Mvp'^ hält, wenn er im Eisenbahnwagen einem Juden begegnet. Anbeve antisemitische Vereinigungen wollen sogenannte . deutschvölkische Standesämter gründen, durch die die Reinheit der deutschen Ras st bewahrt oder auch wiederhergestellt werden, soll! Biel gefährlicher ist jene antisemitische Bewegung, die den groben materiellen Instinkten der deutschen Kleinbürger und Bauern, der Beamten usw. entgegenkommt urü> die geführt wird von entlassenen Offizierendie mit Geldern der Großagrarier Judenhetze in der schlimmsten Weise treiben.. Es ist der Gegensatz zwischen dem durch den Weltkrieg und' die Revolution neu hochgekommenen Bürgertum (im Jargon der Antisemiten: „Schieberjuden") und den herrschenden Schichten des deutschen Volkes. Dieser Gegensatz wirkt sich in den verschiedenen Schutztwtöi Trutzbürcken, der nationalsozialistischen Arbeiterpartei: und anderen Vereinigungen aus. Nach Lage der Dmge> hat der Antisemitismus in Deutschland wie auch seinem Drahtzieher, die aWeutsche Reaktion, Leine Aussicht,^ aus legalem Wege wieder zur Macht zu kommen. Dazu ist das Leben der deutsche» Gesellschaft schon, viel zu kompliziert und die Bedeutung der Jud^r im Wirtschaftsleben schon viel zu groß, als daß die plumpen und verlogenen Argumente der Antisemiten bei der großen Mehrheit des Volkes verfange» sollten. Insbesondere aber ist das Zentrum, die politische Partei der deutschen Katholiken, geM den Antisemitismus feindselig eingestellt, weil dieser zurück will zur Religion der germanischenA r- Väter und daher weg von der welschen Religion der Römer. ' Aehnlich wie die Kommunisten greifen daher die Antisemiten -zu verzweifelten Mitteln, die bei, ihnen, umso gefährlicher sind, als sie von Leuten angewandt werden, die meistens Berufssoldaten sind und die-de» Schutz geldkräftiger Kreise und der Justiz, geni-ßeu. Zu diesen verzweifelten Mitteln gehört der politische Mord. Znni ersten Male wurde von einer unabhängigen Zeitung in München. das Wort von der M ö rderze.ntrale in Deutschland ausgesprochen und sestgestellt, daß dir Drahtzieher dieser Mörderzentrabr sich den wahnwitzigen Plan zurechtgelegt hattest, auf dem Wege der Beseitigung aller hervvrsteche^en Führer der Linken tvieder zur Macht zu kommen. Diese MordfaMtiker bilden sich ein, daß die Volksmassen dadurch sührerp^ würden und daß sie dann wieder die. Führung .hes dunmien Volkes übernehmen könnten. Das erste MaL ausgesprochen, klang dieser ickwere Vorwurf wie wicht-

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