Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 955 (23.9.1921)
- Date
- 1921-09-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Hertte vormittags findet in M a r ch e g g eine Znfammenkunft des tschecho-sloryakischen Außenministers Dr. B e n e s ch und des österreichischen Bundeskanzlers Dr. S ch o d e r statt. , . , Die Zusammenkunft war scho^ während der HMtätter, Entreyue festgesetzt worden und sollte erst anfänAs Oktober stattfindem Die Ereignisse in WestrmHant uttd die Gestaltung der ganzetr mitteleuropäische Berhältnifse haben die beiden Staatsmänner bechogen, Won jetzt zu einer mündlichen Aussprache zusammenzutreffen. ** .;; Die offiziöse „Politische Korrespondenz" schreibt: Bekanntlich ist bei der Zusächmenkunft von Hallstatt di^Berenwaxung getroffen Köchen, , daß der ängekyÜMe. Id>enaWtMch in' einerbinnen Monatsfrist WerE^MerWG'ZusäMeKKuD^'zMchewdem WM"slpwMschrn Msnister M- Mustern Pr.' BM's WDnndeshanzler Schöbet feiü^ 'Forschung 'finde.' Dke Behandlungen über Ort vftd M der'Züsämmenkstnst haben Hecke zu eineck vock tschecho-slowakischen Minister des Aeußern gemachten und vom Bundestzastzler Schob er sofort an g enoittitt e nen Vorschläge geführt, daß die Zusammenü-n s L ch e ü t e vormittag s an der tschechoslowakischen Grenze stattfindet. S Vundeskqnzler Dr. Schober über Weft- , ««gor« «nd die kleine Entente. ' New-Pork, 22. September. (Tel.-Komp.) Der Wiener Vertreter des „Cleveland Daily" hatte eine Unterredung mit dem Bundeskanzler Scho b e r» in der sich dieser auf mehrere Frage unter anderem äußerte:. '■ ■ Fra g e: Welches ist der offizielle österreichische Standpunkt in der westungarischen Frage? Antw o rt: W i r besteh en b at auf, daß der Friedensvertrag vollkommen durchs eführt werd e.Westungarn ist der einzige Punkt, in welchem eine Entscheidung zu/unseren Gunsten getroffen wurde. Frage: Wie ist das Äerhällnls Oefterreichs zur kleinen Entente? A »t« ort: Wir sind mit der kleinen Entente nicht verbündet, stehen , aber mit ihren Mitgliedern in vertrauensvollen Beziehungen. Ar wissen, daß wir Lecke Umwälzungen planen oder beaünstige«, daß sie von unserer Seite für chre staatliche Selbständigkeit nichts zü besorgen brauchen. Insolgedeffen habe» sich unsere Beziehungen zu ihnen,' die noch längere Zelt nach dem Zusammenbruch zu wünschen Übrig ließt», stufenweise verbessert und es ist uns auch gelungen, sie von der Notwendigkeit fortschreitender wirtschaftlicher Annäherung au überzeugen. Jüriefe» über tzorthy-Ungarn. - Genf, 22. September. In einer Aussprache mit Pressevertretern sagte der hier vorübergehend anwesende rumänische Minister des Aeußern Take 2 one scu, daß gegen die Aufnahme Ungarns in difn VölLerbuyd tatsächlich -viele Gründe sprächen. Der. wichtigste fei, daß Ungarn sich offenbar mit W a f f e n g,e w a l t der Durchführung des Friedensvertrages von Trianon widersetze. Es Lue dies g el$d e O este rt ei ch gegenüber, weil dieses sein!^ch w ächst er Nachbar sei. Ungam volle aus dieser schwäche Vorteile zrehen. Gerade dadurch werde sei« V o r a e h e n axavierend. Der Völkerbund sei da, damit er jenen Staaten helfe, die die Verträge achten. Ungarn habe somit keinen Platz im Bunde. Erst an z w e i t e r Stelle komme dieHabsburge rfrage. Der Waffenstillstand fei mit Ungarn abgeschlossen worden, damit der Habsburger den ungari- .fchen Thron räume. Somit könne er auf ihn nicht wieder zurückkehren, ohne die Grundlagen des Friedenswerkes, zu dem auch der Völkerbund. gehöre, zu zerstören. Ungarn werde amtlich sein Aufnahmegesuch zuriickziehen und es tue gut daran. * Die oft g alizifch e Frage muffe im rumänischen und europäischen Interesse durch Zuteilung an Polen gelöst werden. Die Abrüstung werde erst Kommen können, wenn alle Staaten denr Völkerbund angehören. Rumänien beispielsweise könne, heute nicht ab rüsten, da es einen Nachbarn habe, der außerhalb der Satzungen des Völkerbundes stehe und gegendessen Angriffe.Rumänien'.sich',Mützen muffe. ' Ist. dkMck ZüsMHMHattg .. auch M meine Entente s yls Mthdlle' Ergänzung des VMerbundes aüfzü- Wen, den« sie habe die Aufrechttzthaltung der. neuen Ordnung zum Ziele und könne für sie Machtmittel einsetzen, die dem Völkerbund fehlen, da er nur über moralische Mittel verfüge. Die neue bayrische Regierung. München» 22. September. Die Korrespondenz Hoffmann meldet: In der Abendsitzung des 'Landtages, die um *k9 Uhr begann, war Ministerpräsident Graf Lerchenfeld erschienen, der gleich zu Beginn der Sitzung dem Hause die Vorschlagsliste für die Neubesetzung der Ministerien mitteilte. Die Liste lautet: Ministerpräsident und gleichzeitig Minister des Aeußern und der Justiz — Graf L e r ch e n f e l d, Inneres — Dr. S ch w e y e r, Unterricht und Kultus — Dr. Matt, Finanzen — Dr. Krausneck, Landwirtschaft — W u tz l h o f e r, Handel, Industrie und Gewerbe — H a m m und soziale Verwaltung — Oswald. Die Bayrische Mittelpartei hat kein Mitglied im Ministerium und scheidet auch aus der Koalition aus. Ministerpräsident Graf L e r ch e n f e l v entwickelte hierauf in kurzen Zügen sein Programm. Er kennzeichnete die von ,ihm beabsichtigte PoMik, gedachte der großen Verdienste seines Vorgängers und betonte,! daß eine feiner ersten Aufgaben die Auftechterhaltung der mühsam errungenen Ruhe und Ordnung im Staate sein werde. Bezüglich des Verhaltniffes zum Reiche stehe für ihn die T r e u e z ü m R e i ch e unverbrüchlich fest. Er werde bestrebt sein, auch «ach der politischen Seite hin dieses Verhältnis aufs beste zu pflegen. Der dritte große Gedanke, von dem er sich leiten Wen müffe, sei der der sozialen Versöhnung. Die Rede des Ministerpräsidenten, die im Hause offensichtljch großen Eindruck machte, wurde wiederholt von lebhaften Bravorufen begleitet. Der stä«dige Internationale Gerichtshof. Genf, 21. September. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Der .ständige Internationale Gerichtshof ist nunmehr endgültig gebildet. Die elf ordentlichen Richter sind: Lord Finlay (England), ehemaliger LordKanzler und Rektor der Universität Edinburg; B ust am ante (Kuba), Völkerrechtslehrer an der Universität Havana; Moore (Vereinigte Staaten), Völkerrechtslehrer an der Universität Columbia; A l t a m i r a (Spanien). Professor an der Universität Madrid; Andr<^ Weiß (Frankreich),Völkerrechtrlchrer an der Umserütüt Paris; Anzilotti (Italien), Advokat und Völkerrechtslehrer an der Universität Rom; Max Huber (Schweiz), Völkerrechtslehrer der Universität Zürich; N y h ö! m ‘ (Dänemark),Vizepräsident des internationalenTribunals; B a r b o z a (Brasilien), ehemaliger Finanzminister und Pertreter bei der Haager Konferenz; M. Lader (Holland), Advokat. Delegierter Hollands beim Völkerbund. Die vier Srfatzrichter find: N e g u lese» (Rumänien), I o v a n o v i e (Jugoslawien), ehemals serbischer Gesandter in Wien; W a n g (China); M. B e i ch m a n n (Norwegen). Alle Gewählten haben erklärt, ihren Posten antreten zu wollen, auch Moore (Vereinigte Staaten), deffen Zustimmung mit Rücksicht auf die völkerbundfeindliche Stimmung in Washington fraglich schien. Die erste Sitzung des Gerichts wird im Oktober, und zwar ausnahmsweise in Genf, stattfinden. Der ständige Gerichtsort wird im Haag sein. _ Der westrmgarlfche Vorhang —7. Wie»,«. September. In der westungarischen Frage ist noch immer keine Klärung eingetreten. Der Bundeskanzler konnte gestern dem Ausschuffe für Aeußeres kein abschließendes Referat vorlegen. Er hat erklärt, dies erst heute nachmittags tun zu können. Es muffen also in de» Zwischenzeit gewiffe Besprechungen stattsinden, die eine Entscheidung bringen sollen. Da sich Italien einem Einmarsch der kleinen Entente in das Burgenlanh ividersetzt, andererseits Frankreich eine durchaus zweideutige Haltung beobachtet, ist es Klar, daß nunmehr bei diesen beiden Stellen der Schlüssel der Situation liegt. Die westungarische Angelegenheit entwickelt sich immer weiter zu einem der schwersten Probleme Mitteleuropas. Es handelt sich hiebei einerseits um die Austechterhaltung der Friedensverträge von St. Germain und Trianon und um die Autorität der großen Signatarstaaten. andererseits aber, um den Kampf zwischen den ungarischen Karlisten und.der Horthy-Partei.' Dadurch, daß dieser Kampf von dem ob seiner Gerichtsaffäre racheschnaubenden Friedrich zunächst auf rmem' von Ungarn abzutretenden Gebiet geführt wird, hat sich Friedrich die Gloriole des nationalen Helden erworben und steht an der Spitze einer steüg anwachsenden Macht, mit der er sehr bald auch in Budapest wird diktieren können. In den Augen des magyarischen Volkes ist er der Mann, der eine neuerliche Verkleinerung Ungams verhindert, während tzorthy und feine Regiemng das Oedenburger Gebiet ausliefern wollen. Oesterreich ist sehr wider Willen in diesen internen Krieg hmeingezerrt worden. Nämlich das amtliche Oesterreich. Es gibt auch ein nichtamtliches Oesterreich, das an diesen Vorgängen direkt mitinteresjrert ist. Die österreichischen Legitimisten sehen in Friedrich ihxen Mann, der ihre Hoffnungen erfüllen wird. Da aber die österreichische Oeffentlichkeit den Vorgängen an der steirischen Grenze nicht mit dem erwarteten militaristischen Eifer folgte, sind unsere inneren Staatsfeinde bestrebt, ein wenig nachzuhelfen. Dieser Absicht entsprangen die dienstägigen Krawalle der christlichen Gewerkschaften und der gestrige Aufmarsch der Frontkämpfer vor der Börse. Es soll wieder die durch so lange Preßünd Versammlungshetze erzeugte Abneigung gegen die jüdischen Konkurrenten, der christlichsozialen und großdeutschen Kriegsverdiener zur Erzeugung von Unruhen verwertet werden, in deren Fortentwicklung allerlei möglich wäre. Die ansteigende Not des Volkes kommt solche« Versuchen ebensosehr zustatten wie die Haltung der Entente gegenüber Oesterreichs Kreditgesuchen, wie ihre Passivität allen österreichischen Fragen gegenüber. Was sich in Westungarn vollzieht und in Wien angebahnt wird, bedroht das Friedenswerk in seinen Gmndfesten und kann bei der Nähe des Balkan alles i» Frage stellen, was seit zwei Jahren zm Beruhigung Europas unternommen worden ist. Die Verbindungen zwischen Budapest und München führen über Wien und die Haltung der gesamten reaktionären Preffe in den letzten Tagen zeigt, daß sich sehr ernste Dinge vor- I bereiten. Auch der Streik der Eisenbahner, der seit zwei Tagen das Verkehrsleben lahmlegt, zeigt ein merkwürdiges Gesicht. Es ist zu einem Konflikt mit der StreikLeituna und den Ausftäudiae» ge-