Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 954 (22.9.1921)
- Date
- 1921-09-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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©■«ft-«--1rvnn Dvmtersrag M ar.L»-» f ki — Leiter des Finanzministeriums, Heinrich Straß k-«-r g c r — Letter drS Handelsministeriums, Witold L 6 »dz k o —Leiter des Gesu«dhritsmi»lsteriums. Ministychrästdrnt P » » ikowski teilte de» Presse* Vertreter« «kt, die Ernennung des Finanzministers »erde erst erfolg«, »mm der Landtag das neue Gesetz, betreffend die Organe fitrmtfl eines anßerordmtsichen Finanzrates, angenommen habe. Dieses Gesetz werde dem Landtag schon in der nächsten Sitzung «orgelest «erden. Der Finanzrat soll aus mehrere» Abgeordneten und Ministern, bestehen, die das Reckt baben würden, alle Maßregeln zwecks Verbesserung der polnischen Staatssi»a«z« zu bessern. Tin polnisches Ultimatum an Rußland. ttmtntt M»rge«reNmrO Belehnungen aller Art sowie sonstige bankmässige Transaktionen übernimmt BanktiaBsA.u.B.FriedmannSCo. WIEN, I., WIPPLIWÖERS TRASSE NB. 16. (Eingang öchwertgeeje S) Telephon: 61-S-23 inioraibhs Strümpfe und Socken transit und für Export Leo Sussmanni Wien, 1., Wipplingerstraße 18 (Eingang SchwarlgasB» SJ) 477 ' Mäok«n, 21. September. Funkipruch.) „'•üeftmf" meldet: Gestern hat der polnische Bern eter ein bis zum 1. Oktober b es r i st e.t es N l t i m a t n m, betreffend die schwebenden Fragen, überreicht und' mit' dem Abbruch de ^Beziehungen im Falle der nicht rechtzeitigen E'füllüng der Forderungen gedroht. Die polnische Note v e r l a n g t von Rußland nicht nur mehr,, als -der. Friedensvertrag vorsteht, sondern enthält auch die Weigerung-Sawinkow ansznwei'en. Polen schlägt nun vor. über die Mittel aememsam zu beraten, die verhindern sollen, daß Banden die Grenzen überschreiten. Derart ge Mittel find aber zwecklos, wen» nickt in Polen der Herd der Bandenbildung auZgebobtn wird. Die Note macht dm Eindruck, daß Pilsudfsi ans ieden Fall den Bruch mir Rußland herbeisühren will. Nngern-Sternberg hirrgerichtet. Berlm, 21. September. Die „Dena" meldet: Die Sowjetregierung gibt bekannt: DieinNow.o-Nikolajewsk stattgefundene öffentliche Gerichtsverhandlung hat den angeklaHten Baron U n g e r n - S t e r n b e r g zum Tode verteilt. Die Todesstrafe wurde bereits v o llz o.H e,^. , Die Anklage lautete am 1. Unterstützung und Durchführung von räuberischen Plänen gegen die Sowjetregrerung. 2. Vorbereitungen zum Sturz der Solvjetregierüng und Errichtung der Monarchie unter Michael Romanow. 3. Massenmord' an russischen Bauern. und Arbeitern in Sibirien sowie Ermordung voü chinesischen Bauern. gestört, den Bericht. Er teilte mit, daß der. Bundeskanzler erklärt habe, daß der geforderte Betrag bau 450.0 Kronen.sofort zur Auszahlung gelangen werde, wenn die Arbeit ausgenommen werde. Bezüglich'- der neuen Forderungen.(50 Prozent Erhöhung) müsse erst her einzuberufeude Ministerrat entscheiden. Diese Erklärung wurde mit stürmischem Protest sntgegengenommen. Verschiedene Redner erklärten, daß die Eisenbahner so lange im Streik verharren werden, bis ihre Forderungen restlos erfüllt werden. Nationalrat Zelenka gab die Erklärung ab, daß die Post- und Telegraphenarbeiter bei Nichterfüllung der Forderungen in den Sympathiestreik treten werden. Morgen um 8 Uhr früh findet in der Südbahnhalls eine große Versammlung der Streikenden statt, die über tfle fernere Haltung der Streikenden Beschlüsfe fassen soll. Normaler Verkehr in Oberösterreich. Linz, 27. September. Der Eisenbahnverkehr ist hier vom Eisenbahnerftreik nur insoweit betroffen, als die Wiener Zügs und die Wiener Postsendungen Ausbleiben. Ab Linz geht der Verkehr normal nach allen Richtungen, so nach Salzburg, Selztal, Bndweis. Auch der Linzer Lökälverkehr wickelt sich normal ab. In der --Richtung Wien geben die Züge nur bis Hlittesdorf. Streikstimmung ist nicht vorhanden. Explosion in einer Anilinfabrik Hunderte Tote. Tagesbericht. Der Eisenbahnerftreik. Fast alle Eisenbahnen im Ansstand. Ter'Streik der Südbahner bauert fort und hat aus' die No rdba h n, dir Franz-Io se fs-Ba h u urid'die O st b a. h n übergegrlsfen. Der Z?ntralausfch.üß der Eisenbahner, der die Fortsetzung des Streiks verhinderst wollte, ist' Volt dev radikalen EleMnten " überstimmt worden, so daß es innerhalb der sozialdemokratischen Organisation' eine Krise gibt. Auf dom Südbahnhof ist seit gestern 8 Uhr früh Zug mehr angekommen. Auf der Nordbahn gab e? vorgestern st ürmische Szenen, als ein Teil der L; reck? „den die Einfahrthalle stürmte. Das gleiche ge- 'ck-ao grstern nachmittags am Franz-Josefs-Bahsthiof, >00''der Pra gcr 'S cb n o ll'z n g an der Abfahrt veri.i'ioert wurde. Tie Verbindung Wien—Budapest rsi' stil vorgestern eingestellt. Tst Verhandlungen zlvischen dem Eisenbahnministe- :ium Mi'.b den Streikenden werden erst nach Aufutth'.ne des Verke hrs wieder beginnen. Doch ist oci'i Ariieitswislihen gestern ein Vorschuß von dreitan'ead Kronen ausoezahlt worden. Die Südbahner verlangen nach wie vor einen Vorschuß von" 4500 Krollen. ■ Tie Bediensteten der elektrischen Bahn nach Baden haben sich heute nachmittags gleichfalls dem Streikairgeschlossen. In den ersten Nachmittagsstunden konntest Hie Passagiere, die sich in der Giselastraße eingebunden'hatten, keine Fahrkarten mehr erhalten. Eine Inschrift aufeiner Tafel besagte, daß der Betrieb eingestellt -sei. Die Streikende« vor dem Parlament. Gestern gegen 3 Uhr nachmittags bewegte sich der Ing der Stärkenden, der überall das größte Auf-, sehen erregte, vorr der Franz Josefs-Bahn durch die Währingerstraße zum Ring, rrm vor das Parlament zu ziehen. Die Streikenden versammelten sich vor der Rampe und sandten eine Deputation uns Haus. Sie erklärten, daß es von der Antwort, welche sie von der Regierung erhalten werden, abhänge, ob und wann der Betrieb wieder ausgenommen werde. Die achtlöpfige. Deputation der Streikenden — sie.setzte sich aus je zwei Vertretern der Wiener Bahnhöfe zusammen — erhielt im Parlament den Bescheid, daß kein Milg l ie d d'e r Regierung anwesend fest 'Hierauf setzte^ ste sich telephonisch' mit dem Werk e h t s m i n ifft c r und mik dem Abgeordneten Toms chik in Verbindung und ließ diese ersuchen, ins Parlament zu kommen, um' den Versammelten Mitteilung von dem Stand der Verhandlungen zu machen. Als weder die Depi'.tation noch Nativnalrat Towschik um 6 Uhr erschienen waren, bemächtigte sich der ' Versammlung große Erregung. Endlich erschien oid- Deputation und Nationalrat Domschik erstattete, rortwährend durch den Tumult radikaler Elemente Mamuste'mr, 21. September.. < Wolfs.) In der badischen Anilinfabrit in Oppau, wo die besonders gefährlichen Stickstoffverbindungen hergestellt toerden, erfolgten heute morgens gegen halb .8 Uhr kurz Hintereinander zwei -außerordentlich st a r k-e E x p l o s i v n e n verbünden mit einer gewaltigen KÄerschüttrr.üng, )die weit in der UMebung vlerspürt^MiDe. Die Zähst der i%o tje.trund Berwunh'.e teu soy in die Hundei11 gehen. Der Sachschaden ist ungeheuer. Berlin, 21 Sevtember. (Privat.) Die Folgen der Explosion in Opv au waren entsetzlich. Viele Wohnungen wurden zerstört. ' Zahlreiche Treppenhäuser stürzten ein.. An den Wohnhäusern in Oppau und Ludwrgshaftn ist keine Fensterscheibe ganz geblieben.' In Oppaü und Ludwigshafcn wurden zahlreiche. Dächer abgedeckt. Die drei Gaskessel in der Nähe der Unglücksstell« sind m Brand geraten.. Es besteht große Gefahr, daß auch sie explodieren- Drei A r b e i t e r z ü g e, diebeim Schichtwech sel gegen 8 Uhr zu verkehren hatten, wurden un ier den Trümnrern begraben. . Die Zahl, der Verle-tztkn ist derart'hoch',' daß' in Ludwigshasen die Krankenhäuser überfüllt sind und - zahlreiche Verwundete nach Mannheim geschafft' werben.. mußten, so daß auch dort bereits Platzmangel in den Krankenhäusern eingetreten ist. ' ' . Die Zahl der Toten, konntenoch nicht festgestellt werden, doch dürsten 800 bis 1000 Personen ums Leben gekmnmen sein. Auch in Mannheiip haben große Fabriksanlagen stark unter der Explosion .gelitten. Auch hier gab es Tote urrd Verwundete. Selbst in dem 25 Kilometer entfernten Heidelberg wurden durch die Gewalt der Explosion zahlreiche Feilster zertrümmert, In Frankfurt wurde eins heftige Erderschütterung wahrgenommen, die rnan zunächst für ein Erdbeben hielt. . , Mannheim, 21. September. (Wolfs.) Nach einer Meldung der „Badischen Landeszeitung" handelt cs sich bei dem Unglück in Oppau um die Explosion des Gaskessels im Bau 48 des < Oppauch Werkes.- Nach einer anderen Version unt die eines Spritkessels des Oppauer Sprittverkes. Frankfurt, 21. Septenrber. (Wolfs.) Auch hier har das Oppauer Explosionsunglück erheblichen Sachschaden angerichtet. Die Erschütterung war so groß, daß in Oppau und ' in einem Umkreis von zwei bis drei Stunden keine ^Fensterscheibe, mehr ganz ist. Das Dorf O p p a u ist fast vollständig zerstört. Die Verwüstung ist grauenhauft. Hunderte von Toten und Verwundeten liegen unrher, Tausende flüchten. Von bet Direktion der Badischen Anilin- und Soda sab rik erhalt die „Frankfurter Zeitung" die Mitteilung, daß weitere Explosionen in der Oppauer Fabrik ausgeschlossen seien. 22. September 1S21 Nr. 284 Mmmheim, 21. September. Die Direktion bet Badischen Anilinfabrik in Ludwigshafen teilt mit: Es ist nunmehr einwandfrei festgestellt, daß dir Explosion im Oppauer Werk in einem Silo stattgesunden hat, in dem 80.000 Zentner Ammon-Sulphat-Salpeter lagerten. Bevor zur Herstellung und Einlagerung dieses Produkts - geschritten wurde, war dasselbe sowohl in der Anilinfabrik als auch anderwärts eingehend untersucht worden, so daß man eine Explosionsgefahr für vollLommen ausgeschlossen hielt. Ueber die näheren Umstände der Entstehung der Explosion ist eine Untersuichung im Gange. Bis zur Stunde P die Zahl der Opfer an Toten und Verwundeten, da bas Unglück in die Zeit des Schichtwechsels siel, noch nicht fest-- gestellt. — Aus Karlsruhe wirb gegen 3 Uhr mitgeteilt, daß die Zahl der Todesopfer nach! bisherigen Feststellungen 200 bis 300 und die Zahl der Veriletzten 1500 betrage. * Die Anilin- und Sodasabrik gehört zu den größten chemischen Unternehmungen Europas. Die Fabrik ist das größte »Unternehmen der Badischen Anilin- und Sodafabrik, deren Sitz in Mannheim ist. Sio besteht seit '90 Jahren. Ihre Erzeugung sind künstlich« organische' Farbstoffe, hauptsächlich Anilin, Mizarin, Naphthol, Resorzin, Farbstoffe aus Gallussäure und künstlichem Indigo, einschließlich sämtliche« Hilfs- und' Zwischenprodukten, .ferner Schwefelsäure, Salzsäure,, Soda, Salpetersäure und flüssiges Chlor. Vor dem Kriege jvaren über 10.000 Arbeiter in Ludwigshafen beschäftigt: Während des Krieges hat ^lich der Arbeiter stand bedeutend vermehrt. Die Austal^s beschäftigte über 600 Ingenieure und Chenlike'r. Die Leistung der Fabrik betrug während des Krieges über 300.000 Tonnen im Jahre. .Die Fabrik hat sich auch eigene Kohlenzechen an gegliedert. . * Achtung — die „Sittlichneeligiöfen" k«M«e»t Von verschiedenen .Seiten wird mitgeteilt, daß' im^Berlarrf der Demonstration vor der Börse auch' Eigentumsdelikte verübt worden seien. So hat sich' bei der Emigratiionsanstv.lt „Agudas Jisroel" Herr Josef Baitet aus Czortkow bei Lodz mit der Angabe gemeldet, er sei von einigen halbwüchsigen Burschen '! von einem Straßenbahnwagen heruniergezerrt worden/ Seine goldene Uhr mit. Kette sowie ei» Barbetrag von 9000 Kronen seien ihm geraubt worden. Einem Passanten, dem Lederfabrikanten Schreier ans Ätzgersdychtz der .fälschlich für einen Börsenbesu'cher gehalten vttd arg mißhandelt wurde, ist, einem Bericht der .Korrespondenz Herzog^'' zufolge, sein Ueberzieher vnb eine Kvawattennadeb abhanden gekommen. Und bas soll eis« Arbeiter demon. stration gewesen sein'. Solche hat Die» schon 0 genug «nd aus den mannigfaltigsten Gründen erlebt: Ruhige, würbev^le Aufzüge Huiwerttausender und stürmische Krawalle, ber'denen' Men'schenblut floß. Aber Ausbrüche der Bolksleidenschäft, mim betten man frei nach eiwem alten Wiener Eouplet singen kpnyte:, „Und während der HerM Wsgen — haben p einem' 'S.Tascherl 'zogen", hat Wien erst in der Nachkriegszeit erlebt und zwar , jedesmal als Abschluß antisemitischer Veranstaltungen.' Eine Verquickung der Wiener Arbeiter mit diesen^ ist wohl die größte Beleidigung, die ihnen zugefügt werden käru^ Das pol'tisch geschulte Proletariat Oesterreichs ist zwar gerade in der Auffassung der zweckdienlichsten Art der „Expropriation der Expropriateure" in zwei feindliche Lager gespalten, aber weder Mozialdemokrater. noch! Zkourmunistenl haben dafür die Methoden der Langfinger irr Aufsicht gerwmmen. Das blieb den Exekutoren der „sittlich-religiLsen Weltaiffchanung", wie sie die Herren Jerzabek und Breuer verschleißen, Vorbehalten.- Der. erstere wird übrigens vor Wut und Nüd platzen. Während er für den Antisenlitenbmü Geschäftsreisen unterniinmt, aber keine anderen Aufträge erhältals den, sich zn packen, schnappt ihrn sein kr jedem Sinne des.Wortes zuvorkommender. Kollege Breuer „bitte i sehr!'bitt: gleich!" — auch noch das Geschäft auf dem Wiener Platz weg! Die fromme '^Reichspo st" beeilt sich, sestzüstellcn, daß sich die Demonstration nicht gegeja . bas' Kapital als solches richtete. Das versteht sich' bei christlichjozkalen Deranstaltiurgen von selbst. Wie könnte' sich! auch das' Kapital getroffen fühlen, wenn — Telegraphein-- und Bantbeainle, also „bessere" Proletarier, — verprügelt und iZwischenruser gegen den Wucher der Bauern'mißhMüelt werden! Nein, die Kapitalisten können gairz ruhig sein und brauchen vor allem nicht zuHbefürchteu, daß etwa die Herren Dr. Woislirchner und D'r. Wanek ihre Berwaltnugsrat-fttellen -voll sittlicli-religiöser Empörung über die „Kursexzesse" ni:derlegerl werden! . * Jüdische Kolonisation. Man schreib! uns: Ein Ter! der polnücken Presst hält fich darüber auf, daß angeblich ein iüdssches Konsortium m Zakopane ldenr polnischen Luitkurort, welcher sich bekanntlich ducck besonders rüden Antst semrtismus ausreichnck, obwohl seine Erisienz nur von jüdisckeu Kurgästen, gehalten w'.rd) t6 Morgen Land gekauft habe, uw dort ein H o t e l zu errichten. »Das Hotel" — schieibt »Gareti Warßawska" — »wwd natüilick von südischen Touristen und, Kurgästen bewohnt sein, dst Erregung der voll u i s ch e k Bevölkerung r st gewaltig und t$ wurde.beschlossen, alles austubieten. nm nickt zuzulaffen, daß d>( T ä t r a durch diese jüdüche Kolonisation b e s ch m u tz t werde.* Wozu zn bemerken ist, daß dieser Fleck Erde, für den als Kurort Reklame gemacht wird, den Anforderungen einei zivllrsierten Kurortes in knner Weise entspricht. Da nur kurbedürfttge Juden durck die Reklame inegrsnhrt und überdies durch den antlsknntischen Charakter dieses KmorteS in ihrer Würdt gekränkt werden, so ist eS wohl am besten, dir „Kolonisation* von Zakopane den Hetzern zu überlassen und den Ort zu melden. Moderne Herfaststoffe für Anzüge undI Kostüme Karl Schwapp & Cinfolge alten Vorrates _r_ , .... __ Hach «ehr praiawep« VI„ WuidmiMgasse Kr. S